In dieser Arbeit wird herausgestellt, wie "so" im Kiezdeutschen generell verwendet wird. Dabei werden alle möglichen Verwendungen betrachtet. Welche Besonderheiten treten auf, die in der Standard- und Umgangssprache nicht vorkommen? Die Arbeit fokussiert sich auf "so" als Partikel. Die Position von "so" in diesem Gebrauch kann jedoch stark variieren und es wird gezeigt, welche Verwendung am häufigsten auftritt und was somit die Norm ist. Es soll außerdem verdeutlicht werden, in welchen Zusammenhängen es an einer bestimmten Stelle positioniert wird. Da es zu wenige Arbeiten auf diesem Gebiet gibt, auf die sich gestützt werden könnte, werden die Daten anhand einer quantitativen Forschung im Rahmen einer Korpusuntersuchung erhoben.
Um eine Basis zu schaffen, erfolgt zunächst eine Begriffserklärung. Wie hat sich diese Varietät in der Forschung entwickelt und womit haben wir es hierbei zu tun? Dies soll anhand einiger Beispiele, die das Kiezdeutsche charakterisieren, untermauert werden. Da sich diese Arbeit auf "so" in seinem Gebrauch als Partikel fokussiert, wird ebenfalls eine kurze Definition von Partikeln im weiteren Sinne erfolgen. Darauf aufbauend werden die Verwendungen von "so" vorgestellt, die im Kiezdeutschen und somit auch für die darauffolgende Forschung von Relevanz sind.
Selbstverständlich wird "so" diesbezüglich in seinen kodifizierten Verwendungen auftauchen, jedoch liegt der Hauptfokus auf den Verwendungen, die besonders im Rahmen der Jugend- und Umgangssprache auftauchen und demnach nicht in Grammatiken zu finden sind. Die Theorie soll als Basis für die darauffolgende Forschung fungieren, auf die im weiteren Verlauf der Arbeit Bezug genommen wird. Anschließend wird die Methodik und das Vorgehen der Korpusuntersuchung dargelegt und das verwendete Korpusprogramm kurz vorgestellt. Dies soll einen Einblick in die Daten bieten, die in Form einer Stichprobe ausgewertet werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffsbestimmung: Kiezdeutsch, Türkenslang oder Kanak Sprak?
2.1 Kiezdeutsch als Multiethnolekt des Deutschen
2.2 Phänomene des Kiezdeutschen
2.2.1 Fremdwörter als Teil des Kiezdeutschen
2.2.2 Reduktion von Präpositionen und Artikeln
2.2.3 Neue Aufforderungswörter und neue Verwendungen der Partikeln
3. Was sind Partikeln?
4. So und seine Verwendungen
4.1 So als Intensitätspartikel
4.1.1 So als Vergleichsauslöser
4.2 So in Verbindung mit Konjunktionen
4.3 So als Heckenausdruck
4.3.1 Unschärfesignale: Und so/oder so
4.4 So als Quotativmarker
4.5 So als Fokuspartikel
4.6 So als Interjektion
5. Methodik
5.1 Datenbeschreibung: Das KiezDeutsch-Korpus
5.1.1 Abkürzungen im KiezDeutsch-Korpus
5.2 Vorgehen
5.3 Klassifizierung von so in Kategorien
6. Ergebnisse
6.1 Verwendungen von so im KiezDeutsch-Korpus
6.2 Positionierungen im Fokuspartikelgebrauch
7. Diskussion
8. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Bachelorarbeit untersucht die Verwendung und Positionierung der Partikel „so“ im Kiezdeutschen. Ziel der Arbeit ist es, auf Basis einer Korpusuntersuchung aufzuzeigen, wie diese Partikel im jugendsprachlichen Kontext verwendet wird, um grammatikalische Besonderheiten und pragmatische Funktionen jenseits der Standardsprache zu identifizieren.
- Analyse von „so“ als Intensitätspartikel, Vergleichsauslöser und Heckenausdruck.
- Untersuchung von „so“ als Quotativmarker in der Jugendsprache.
- Fokussierte Betrachtung von „so“ als Fokuspartikel und dessen unterschiedliche Positionierungen.
- Auswertung von Spontansprache durch das KiezDeutsch-Korpus.
- Abgrenzung von Kiezdeutsch als eigenständiger Varietät gegenüber stigmatisierenden Begriffen.
Auszug aus dem Buch
4.5 So als Fokuspartikel
Besonders im Kiezdeutschen taucht so an Positionen auf, die für das Standarddeutsche eher untypisch sind. Nach Wiese bekommt so im Kiezdeutschen eine ganz neue Aufgabe, die bisher weniger verbreitet ist (vgl. Wiese 2012: 92).
(26) Und da in der Zeit war ich nicht oft so in der Bücherei (3741, SPK45).
(27) Und dann so der wahre Alltag (3788, MuH1WD).
(28) Aber es kommt einem voll komisch rüber so (4204, SPK8).
(29) Aber ist voll komisch so, so alle zum gleichen Zeitpunkt (4257. MuH1WD).
So ist in diesen Beispielen an kein Wort oder keine Phrase geknüpft. Als Intensitätspartikel steht so bspw. immer mit einem Adjektiv oder Adverb zusammen, welches es verstärken soll. Als Quotativ-Marker steht so gemeinsam mit der Phrase, die die Wiedergabe eines Gesprächs einleitet. In den Beispielen (26) bis (29) lässt sich solch eine Eindeutigkeit in der Positionierung zunächst nicht feststellen. Es wirkt so, als sei so irgendwo in den Satz willkürlich eingeordnet. Bei dieser Verwendung von so bleibt die Partikel bedeutungsleer und hat demnach zunächst keine Funktion. Der Satz würde auch ohne so vollkommen verständlich sein und seinen Inhalt nicht verändern. So bekommt eine ganz neue Funktion für die Organisation eines Satzes und „steht jeweils vor dem Teil des Satzes, der die wichtige, besonders hervorzuhebende Information liefert“ (Wiese 2012: 93).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema Kiezdeutsch ein, hinterfragt die Kritik an dieser Sprachvarietät und stellt das Forschungsinteresse an der Partikel „so“ dar.
2. Begriffsbestimmung: Kiezdeutsch, Türkenslang oder Kanak Sprak?: In diesem Kapitel wird der Begriff Kiezdeutsch als Multiethnolekt definiert und von negativ konnotierten Bezeichnungen wie Kanak Sprak abgegrenzt.
3. Was sind Partikeln?: Dieses Kapitel bietet eine kurze linguistische Definition von Partikeln und deren Funktionen in der gesprochenen Sprache.
4. So und seine Verwendungen: Hier werden die verschiedenen Funktionen von „so“ systematisiert, von der Intensitätspartikel bis hin zur Verwendung als Quotativmarker.
5. Methodik: Dieses Kapitel erläutert die Auswahl und Nutzung des KiezDeutsch-Korpus als Datenbasis sowie das methodische Vorgehen bei der Analyse und Klassifizierung.
6. Ergebnisse: In diesem Teil werden die quantitativen Auswertungen der Korpusuntersuchung zur Häufigkeit und Positionierung von „so“ vorgestellt.
7. Diskussion: Das Kapitel reflektiert die Ergebnisse vor dem Hintergrund des aktuellen Forschungsstandes und diskutiert die Bedeutung von „so“ im Kiezdeutschen.
8. Fazit: Das Fazit fasst die zentralen Erkenntnisse der Arbeit zusammen und betont die Dynamik der deutschen Sprache.
Schlüsselwörter
Kiezdeutsch, Multiethnolekt, Partikel, So, Fokuspartikel, Heckenausdruck, Korpuslinguistik, Jugendsprache, Quotativmarker, Sprachvariation, Spontansprache, Grammatikalisierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Bachelorarbeit beschäftigt sich mit den vielfältigen Verwendungen und Positionierungen der Partikel „so“ innerhalb des Multiethnolekts Kiezdeutsch.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit untersucht Funktionen von „so“ als Intensitätspartikel, Vergleichsauslöser, Heckenausdruck, Quotativmarker sowie insbesondere als Fokuspartikel.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, auf Basis des KiezDeutsch-Korpus zu zeigen, dass der Gebrauch von „so“ im Kiezdeutschen keinen willkürlichen Sprachverfall darstellt, sondern einem eigenen, systematischen Regelwerk folgt.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es wurde eine quantitative Korpusuntersuchung durchgeführt, bei der 1000 Treffer aus dem KiezDeutsch-Korpus manuell klassifiziert und analysiert wurden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische fundierte Kategorisierung der „so“-Verwendungen und einen empirischen Teil, der die Ergebnisse der Korpusanalyse darlegt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Kiezdeutsch, Multiethnolekt, Fokuspartikel, Heckenausdruck und Korpuslinguistik geprägt.
Warum ist die Verwendung von „so“ als Fokuspartikel besonders interessant?
Sie ist deshalb interessant, weil sie in traditionellen Grammatiken kaum aufgeführt wird und eine spezifische pragmatische Funktion zur Markierung des Satzfokus übernimmt.
Welche Bedeutung hat die Positionierung der Fokuspartikel?
Die Arbeit zeigt, dass die Stellung von „so“ (Prä-, Post- oder Zirkumstellung) entscheidend dazu beiträgt, welche Information im Satz hervorgehoben wird, wobei der Prästellung ein besonderer Prestigecharakter zukommt.
- Arbeit zitieren
- Tamara-Maria Groß (Autor:in), 2020, Der Multiethnolekt Kiezdeutsch. Verwendungen und Positionen der Partikel "so", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1141989