Diese Hausarbeit wird untersuchen in wieweit Wim Wenders „Paris, Texas“ Gemeinsamkeiten mit dem klassischen amerikanischen Western von John Ford aufweist. Den Beginn dieser Arbeit sollen eine kurze Darstellung der Geschichte des Roadmovies und die des amerikanischen Western machen. Es soll überprüft werden in wieweit Wim Wenders auf formale und inhaltliche Elemente des Western zurückgreift. Um dieser Frage auf den Grund gehen zu können, sollen an einem Szenenvergleich zwischen „Paris, Texas“ und John Fords „The Seachers“ eventuelle Gemeinsamkeiten und Unterschiede herausgearbeitet werden.
Daß die Wahl des Vergleichswerk auf einen Western von John Ford fiel, liegt zum einen daran, dass in einigen Arbeiten über Paris, Texas bereits Vergleiche zu John Ford gezogen wurden und zum anderen, dass Wim Wenders nie einen Hehl daraus gemacht hat, von John Ford inspiriert worden zu sein. Wenders, der zu den Regisseuren des Neuen Deutschen Films gehört, ist wohl neben R.W. Fassbinder als einer der am stärksten vom amerikanischen Kino beeinflussten Künstler einzuordnen.
An Hand des Vergleiches der jeweiligen Anfangs- und Endszenen möchte ich aufzeigen das Wenders: „Paris, Texas“ sich stärker an der bildästhetische Komposition orientiert als an einem inhaltlichen Motiv. Selbstverständlich ist die Frage nach inhaltlichen Parallelen schnell geklärt, doch möchte ich diese Frage auf einer abstrakteren Ebene behandeln und untersuchen ob es sich bei Wenders nicht vielleicht um eine modernisierte Behandlung des klassischen Westernstoffes handeln könnte, in der die Frage nach einer immer noch existierenden „Frontier“ behandelt wird.
Später soll noch darauf eingegangen werden, was Wim Wenders mit seinem Werk gelungen ist, nämlich ein deutscher Autoren-Film, der amerikanischer in seiner Machart nicht hätte sein können. Nach seinen frustrierenden Erlebnissen mit „Hammet“, Gelang es Wenders seine Vision von einem amerikanischen Autoren-Film zu realisieren. Mit Hilfe des Drehbuchautoren Sam Shepard Gelang es Wenders ein Werk zu schaffen, welches in seiner Konsequenz für Wim Wenders persönlich als auch für den deutschen Film allgemein einen entscheidenden Wendepunkt darstellt. Letztlich sollen die Ergebnisse zusammengetragen werden und wir betrachten nochmals die „Genre Frage“.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. 1. Geschichte des Road Movies
II. 2. Geschichte des Westernfilms
III. Kurze Darstellung der Handlung der beiden behandelten Werke („Paris,Texas“ und „The Seachers“)
IV. Vergleich der Anfangsszenen der beiden Filme
IV.1. „The Searchers“
IV.2.„Paris, Texas“
V. Ausarbeitung von Gemeinsamkeiten und Unterschieden
VI. Vergleich der Endszenen
VI.1. Paris, Texas
VII. Schlusswort
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das filmische Werk „Paris, Texas“ von Wim Wenders im Vergleich zum klassischen amerikanischen Western „The Searchers“ von John Ford. Ziel ist es, Wenders' Rückgriff auf formale und inhaltliche Elemente des Western-Genres auf einer abstrakten Ebene zu analysieren und zu prüfen, ob es sich bei „Paris, Texas“ um eine modernisierte Auseinandersetzung mit dem Western-Mythos und dem Konzept der „Frontier“ handelt.
- Analyse der historischen Entwicklung von Road Movie und Western
- Vergleichende Untersuchung der Anfangsszenen beider Filme
- Gegenüberstellung der Endszenen und deren Bedeutung für die Charakterentwicklung
- Identifikation von metaphorischen Figuren und bildästhetischen Zitaten
- Diskussion über die Relevanz des Western-Stoffes im deutschen Autorenkino
Auszug aus dem Buch
IV.1. „The Searchers“
Der Film beginnt mit dem Lied von Stan Jones, gesungen von den „Sons of the Pioneers“ welches die „Credits“ zu Beginn des Filmes unterlegt. Weiß auf schwarzem Grund steht geschrieben „Texas 1868“, bis eine langsame Abblende das Bild in schwarz hüllt. Das nun schwarze Bild wird schlagartig heller und das Geräusch einer knarrenden Tür ertönt. Man erkennt eine Tür, die sich öffnet und es wird der Eindruck erweckt, dass die vorherige Schwarzblende die Innenseite der geschlossenen Tür war. Man erkennt die Silhouette einer Frau (Martha Edwards) die noch im Dunkel des Innenraumes steht und sich mit einer Hand an der zuvor geöffneten Tür abstützt.
Der Blick des Betrachters fällt durch die offene Tür nach draußen. Man erkennt das Vordach an dessen Ende ein paar Holzbalken etwas überstehen und direkt auf die in der Ferne liegenden Felsenformationen zeigen. Die Farben des Technicolor- Bildes sind satt und strahlend. Es setzt eine klassische „Westernmusik“ ein, während die Kamera näher an die mit dem Rücken zum Betrachter stehende Frau heranfährt. Diese begibt sich nun ins Freie, während die Kamera ihr immer noch folgt. Die Frau lehnt sich schließlich an einen Pfosten des Hauses und der Blick des Betrachters kann die Weite des Monument Valley genießen. Es wirkt als sei das Haus der Edwards eingerahmt zwischen diesen beiden Felsenmonumenten.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Die Arbeit führt in die Thematik ein, beleuchtet das Ziel der Untersuchung und begründet die Auswahl der Vergleichsfilme sowie den Einfluss John Fords auf Wim Wenders.
II. 1. Geschichte des Road Movies: Dieses Kapitel erörtert die filmwissenschaftlichen Schwierigkeiten bei der Definition des Road Movie-Genres und beleuchtet dessen enge Verknüpfung mit dem Western.
II. 2. Geschichte des Westernfilms: Es wird der Ursprung des Westerns als Spiegelbild amerikanischer Geschichte sowie dessen mythologische Dimensionen und die Funktion als seelischer Ausgleich für den modernen Menschen behandelt.
III. Kurze Darstellung der Handlung der beiden behandelten Werke („Paris,Texas“ und „The Seachers“): Eine zusammenfassende Inhaltsangabe beider Filme dient als Basis für den weiteren analytischen Vergleich.
IV. Vergleich der Anfangsszenen der beiden Filme: Analyse der filmischen Gestaltung der Eröffnungen, wobei besonders auf die visuelle Rahmung und die Positionierung der Hauptfiguren eingegangen wird.
V. Ausarbeitung von Gemeinsamkeiten und Unterschieden: Dieses Kapitel extrahiert zentrale Parallelen in Bildsprache, Handlungsmotiven und Charakterkonstellationen zwischen Wenders und Ford.
VI. Vergleich der Endszenen: Untersuchung der Schlusssequenzen im Hinblick auf den Einsatz von Musik, Ton und Bild als Ausdruck des Verlassens der Gesellschaft durch die Protagonisten.
VII. Schlusswort: Die Ergebnisse werden zusammengefasst, wobei Wenders' „Paris, Texas“ als Autorenfilm mit starkem, metaphorischem Rückgriff auf das Western-Genre verortet wird.
Schlüsselwörter
Wim Wenders, John Ford, Paris Texas, The Searchers, Road Movie, Western, Filmanalyse, Bildkomposition, Genre-Vergleich, Frontier, Mythologie, Autorenfilm, Filmästhetik, Inszenierung, Filmgeschichte
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Hausarbeit widmet sich dem Vergleich zwischen Wim Wenders' „Paris, Texas“ und John Fords Klassiker „The Searchers“, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede in Form und Inhalt zu identifizieren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Geschichte des Road Movies und des Westerns, dem Vergleich von filmischen Eröffnungs- und Schlussszenen sowie der Untersuchung ästhetischer und mythologischer Zitate.
Welches Ziel verfolgt die Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Wenders formale und inhaltliche Elemente des klassischen Westerns in sein modernes Werk integriert und ob „Paris, Texas“ als modernisierte Behandlung klassischer Western-Motive verstanden werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt den filmischen Szenenvergleich als Methode, um durch eine detaillierte Analyse der Bildgestaltung und Handlungsstränge den Einfluss John Fords auf Wim Wenders zu belegen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Einordnung der Genres, eine Inhaltsdarstellung der Werke und eine detaillierte komparative Analyse der Anfangs- und Endszenen beider Filme.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Wesentliche Begriffe sind Genre-Vergleich, Bildästhetik, Autorenfilm, Frontier, mythologische Filmfiguren und die filmische Reise.
Welche Bedeutung hat das „Schwarze Falke“-Motiv?
Das „Schwarze Falke“-Motiv aus John Fords Western dient bei Wenders als Transferleistung, wobei insbesondere der Greifvogel zu Beginn von „Paris, Texas“ das filmische Erbe und die metaphorische Tiefe des Werkes unterstreicht.
Warum endet die Analyse bei beiden Filmen mit einer Tür-Symbolik?
Beide Filme nutzen die Schwelle einer Tür, um die Position der Helden in oder außerhalb der Gesellschaft zu markieren; die Art und Weise, wie diese Türen geöffnet oder geschlossen werden, verdeutlicht die unterschiedliche Integration der Protagonisten.
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- Frederic Schäfer (Author), 2007, Vergleich zwischen Wim Wenders "Paris, Texas" und John Fords "The Searchers", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/114205