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Klassische Theorien zur Magie

Ein Abriss des Paradigmenwechsels von E.B. Tylor bis E.E. Evans-Pritchard

Título: Klassische Theorien zur Magie

Trabajo Escrito , 2003 , 30 Páginas , Calificación: 1,00

Autor:in: Jennifer Kunstreich (Autor)

Teología - Teología sistemática
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Der Begriff Magie ist durch die wissenschaftliche Literatur ebenso wenig abschließend zu definieren, wie der Begriff Religion. Nach einer Beurteilung von Kippenberg wird Magie auch immer nur „eine Restkategorie bleiben, vom wissenschaftlichen Beobachter geschaffen, um Handeln, das ihm unverständlich (irrational) erscheint, zusammenzufassen.“ Vielleicht lässt sich durch eine solche Art der Begriffsbestimmung erklären, warum der Versuch Magie zu definieren bei dem überwiegenden Anteil der Theorien an eine Abgrenzung zu anderen kulturellen Kernkategorien, zumeist Religion und Wissenschaft, gekoppelt war und zum Teil wieder ist.
Heinz Mürmel sah in dieser Dreierbeziehung, Magie – Wissenschaft – Religion, gar die Grundstruktur aller gängigen Magietheorien. Gesetzt wurde diese Struktur von James Frazer, der als erster eine klar formulierte Magietheorie auf diesen drei Kategorien aufbaute. Auch wenn es unwahrscheinlich scheint, dass diese lange überholten Theorie, die in den Jahren zwischen 1890 und 1911 Gestalt annahm, auch heute noch Einfluss haben soll, so bleibt es doch auffällig, dass sämtliche der in dem folgenden Abriss zu den klassischen Magietheorie berücksichtigten Wissenschaftler, zunächst einmal mit Frazer abrechneten ehe sie ihre eigenen Gedanken entfalteten. Selbst neuere Schriften, wie die 1992 erschienene Dissertation zur religionswissenschaftlichen Konstruktion der Begriffe Mythos, Mutterrecht und Magie von Susanne Landwerd, baut die Begriffsbestimmung der Magie, wenn auch unter Berücksichtigung aktuellerer Strömungen, auf den Gedanken Frazers auf.
Meine Auswahl der hier aufgeführten Positionen zur Magie wurde zum einen beeinflusst, durch die Einleitung des Buches von Hans Kippenberg und Brigitte Luchesi , welche einen Überblick über die Magietheorien einiger Forscher von Tylor bis Evans-Pritchard liefert. Zum anderen durch die Darstellung der „führenden Betrachtungsweisen“ zur Magie in dem Aufsatz von Murray und Rosalie Wax. Beide Schriften stellen die Differenzen der wichtigsten Vertreter unterschiedlicher Paradigmen pointiert gegenüber. Die vorliegende Arbeit soll - auf einer zweiten Ebene - zudem den Magiebegriff als Indikator für die wechselnden Paradigmen in der Religionswissenschaft beleuchten. Denn: „Zu den Komplexen, an denen sich religionswissenschaftliche Grundpositionen gewissermaßen gebündelt ablesen lassen, gehört das Phänomen der Magie.“

Extracto


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Evolutionismus

1.1. Kontext

1.2. Edward Burnett Tylor

1.3. James Georg Frazer

1.3.1. Unterteilung der Magie bei Frazer

1.3.2. Magie als irreführende Wissenschaft

1.3.3. Entwicklungslinie: Magie – Religion – Wissenschaft

2. Robert Ranulph Marett - ein Grenzgänger zwischen den Paradigmen

2.1. Das ungeteilte Ur-Gefühl

2.2. Religion - sozial/ Magie – antisozial

3. Der soziologische Ansatz

3.1. Magie als soziale Tatsache

3.2. Magie als Konsens einer Sozietät

4. Die funktionalistische Deutung von Magie

4.1. Die Anfänge empirischer Forschung

4.2. Die kompensatorische Funktion von Magie

4.3. Magie ist die Macht des Menschen

4.4. Magie, Religion und Wissenschaft als sich ergänzende Komponenten

5. Der Empirismus Evans-Pritchards

5.1. Magie als kohärentes System

6. Schluss

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die Arbeit untersucht den historischen Paradigmenwechsel in den klassischen Theorien zur Magie, indem sie die Ansätze bedeutender Wissenschaftler von E.B. Tylor bis E.E. Evans-Pritchard analysiert und den Magiebegriff als Indikator für den Wandel religionswissenschaftlicher Grundpositionen betrachtet.

  • Evolutionistische Ansätze und die Definition von Magie als "irreführende Wissenschaft" (Tylor/Frazer).
  • Die psychologische und soziale Perspektive auf Magie und Religion (Marett, Durkheim).
  • Soziologische und funktionalistische Deutungen, die Magie als soziales Phänomen begreifen (Mauss/Hubert, Malinowski).
  • Die empirische Wende und das Verständnis von Magie als kohärentes System bei den Zande (Evans-Pritchard).
  • Die wissenschaftstheoretische Rationalitätsdiskussion und ihre Auswirkungen auf das Verständnis des Magiebegriffs.

Auszug aus dem Buch

4.2. Die kompensatorische Funktion von Magie

„Funktionen“, im Sinne Malinowskis, beinhalten die Befriedigung menschlicher Grundbedürfnisse. Der Mensch ist nach Malinowskis Theorie nicht von Geburt an dazu befähigt, die an ihn gerichteten primären Aufgaben zur Selbst – und Arterhaltung zu bewältigen, deshalb entwickelte er einen instrumentellen Apparat von Hilfssystemen, den wir Kultur nennen. Hieraus leiten sich schließlich sekundäre Bedürfnisse ab, welche technischer und gesetzgeberischer, aber auch religiöser, magischer und ethischer Natur sein können. Drei große funktionale Gebiete „Magie, Wissenschaft und Religion“ versuchte Malinowski in seinem gleichnamigen Essay in Relation zu setzten, wobei er, wie schon Durkheim, Magie und Religion dem sakralen Bereich zuordnete und die Wissenschaft dem Profanen.

Zur Verdeutlichung von Malinowskis Vorstellung der funktionalen Bedeutung von Magie und Religion wird vielfach seine Gegenüberstellung aus dem Artikel „Culture“ des Jahres 1931 zitiert: „Denn Magie unterscheidet sich von Religion dadurch, dass letztere Werte schafft und Zwecke direkt erfüllt, während Magie aus Handlungen besteht, die einen praktischen Nutzwert haben und wirksam sind nur als Mittel zu einem Zweck.“ Ebenso häufig wird diesem Zitat das Beispiel der Fischerei auf Boyowa, der größten Insel des Trobriand-Archipels, beigefügt, welches Malinowski zu oben genannter Schlussfolgerung veranlasste: „Während in den Dörfern der inneren Lagune die Fische einfach und absolut zuverlässig durch Vergiften getötet werden und auf diese Weise ohne Gefahr und Unsicherheit reichlicher Ertrag erzielt wird, gibt es an den Küsten des offenen Meeres gefährliche Methoden des Fischens, auch solche, bei denen der Ertrag sehr variiert, je nachdem, ob Fischschwärme auftauchen oder nicht. Es ist sehr bezeichnend, dass es beim Fischen in den Lagunen, wo sich der Mensch völlig auf seine Kenntnisse und Geschicklichkeit verlassen kann, keine Magie gibt, hingegen beim Fischen im Meer, das voller Gefahr und Unsicherheit ist, ein umfangreiches magisches Ritual besteht, das Schutz und gute Erträge gewähren soll.“

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Schwierigkeit einer abschließenden Definition von Magie und führt in die wissenschaftsgeschichtliche Debatte ein, in der Magie meist im Verhältnis zu Religion und Wissenschaft konstruiert wurde.

1. Evolutionismus: Dieses Kapitel behandelt die Ansätze von Tylor und Frazer, die Magie als eine "irreführende Stufe der Wissenschaft" und als frühes Entwicklungsstadium menschlichen Denkens betrachteten.

2. Robert Ranulph Marett - ein Grenzgänger zwischen den Paradigmen: Marett wird als kritischer Schüler Tylors vorgestellt, der Magie nicht primär intellektualistisch, sondern als emotionalen Ausdruck und als Übergangsphänomen zum Funktionalismus definierte.

3. Der soziologische Ansatz: Der Fokus liegt hier auf Durkheim, Mauss und Hubert, die Magie als soziale Tatsache und als Konsens einer Sozietät begreifen, wodurch sie sich von den rein evolutionistischen Modellen absetzen.

4. Die funktionalistische Deutung von Magie: Das Kapitel erläutert Malinowskis Ansatz, bei dem Magie als kompensatorisches Mittel zur Bewältigung von Unsicherheit und als notwendige Ergänzung in menschlichen Handlungsfeldern verstanden wird.

5. Der Empirismus Evans-Pritchards: Hier wird der methodische Umbruch durch Evans-Pritchard beschrieben, der Magie bei den Zande nicht mehr als irrational, sondern als ein in sich logisches und kohärentes System analysierte.

6. Schluss: Der Schluss reflektiert die Rationalitätsdiskussion der sechziger und siebziger Jahre und hinterfragt die Legitimität des Begriffs "Magie" sowie den ethnozentrischen Charakter europäischer Wissenschaftskategorien.

Schlüsselwörter

Magie, Religion, Wissenschaft, Evolutionismus, Funktionalismus, Sozialanthropologie, Symbolismus, Rationalitätsdiskussion, E.B. Tylor, James G. Frazer, Bronislaw Malinowski, E.E. Evans-Pritchard, Ethnozentrismus, Kohärenz, soziale Tatsache.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Entwicklung klassischer wissenschaftlicher Theorien zur Magie, um aufzuzeigen, wie sich das Verständnis dieses Phänomens von evolutionistischen Modellen hin zu soziologischen und funktionalistischen Erklärungsansätzen gewandelt hat.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Felder sind die Abgrenzung von Magie zu Religion und Wissenschaft, die Rolle von Magie innerhalb sozialer Systeme sowie die methodische Entwicklung der Ethnologie von Schreibtischstudien hin zur empirischen Feldforschung.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, den Magiebegriff als Indikator für den Wandel innerhalb religionswissenschaftlicher Paradigmen darzustellen und die damit verbundenen methodischen Herausforderungen, insbesondere die Problematik des Ethnozentrismus, aufzuzeigen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine wissenschaftsgeschichtliche und theoretische Aufarbeitung, die Literatur von bedeutenden Ethnologen und Religionswissenschaftlern vergleichend gegenüberstellt und kritisch analysiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung des Evolutionismus (Tylor/Frazer), die Vermittlerrolle von Marett, den soziologischen Ansatz der Durkheim-Schule, den Funktionalismus nach Malinowski sowie den empirischen Ansatz von Evans-Pritchard.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Magie, Funktionalismus, Evolutionismus, soziale Tatsache, Kohärenz des Denkens und Ethnozentrismus charakterisiert.

Wie begründete Frazer die Entwicklungslinie Magie – Religion – Wissenschaft?

Frazer sah in der Magie das erste Stadium der Menschheitsentwicklung, das aufgrund seiner Erfolglosigkeit in die Religion überging, bevor schließlich die Wissenschaft als logisches und beweisbares System zur Beherrschung der Natur an ihre Stelle trat.

Was bedeutet "Hexerei als zweiter Speer" bei Evans-Pritchard?

Diese Metapher der Zande erklärt, dass ein Ereignis (wie ein Todesfall) sowohl durch eine natürliche Ursache (z.B. ein Elefant) als auch durch eine mystische Ursache (Hexerei) erklärt werden kann, die sich gegenseitig ergänzen, anstatt sich auszuschließen.

Final del extracto de 30 páginas  - subir

Detalles

Título
Klassische Theorien zur Magie
Subtítulo
Ein Abriss des Paradigmenwechsels von E.B. Tylor bis E.E. Evans-Pritchard
Universidad
University of Göttingen  (Theologisches Seminar)
Curso
Einführung in die Religionswissenschaft. Systematisches Proseminar
Calificación
1,00
Autor
Jennifer Kunstreich (Autor)
Año de publicación
2003
Páginas
30
No. de catálogo
V114211
ISBN (Ebook)
9783640152162
ISBN (Libro)
9783640154401
Idioma
Alemán
Etiqueta
Klassische Theorien Magie Einführung Religionswissenschaft Systematisches Proseminar
Seguridad del producto
GRIN Publishing Ltd.
Citar trabajo
Jennifer Kunstreich (Autor), 2003, Klassische Theorien zur Magie, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/114211
Leer eBook
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