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Die Wiener Stadterweiterung

Ein Mammutprojekt zwischen Dekadenz und Cholera

Title: Die Wiener Stadterweiterung

Term Paper (Advanced seminar) , 2006 , 24 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Eva Koepff (Author)

Ethnology / Cultural Anthropology
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(...)

Kaiser Franz Joseph, der als fortschrittlich denkender Monarch die Situation seiner Stadt verbessern wollte, trug wesentlich zu dem heutigen Stadtbild Wiens bei. In seiner Amtszeit folgte ein Großprojekt dem nächsten, ganz so, als ob man die Zeit der Versäumnisse nun in einem Rutsch aufholen müsse. Er war der Kaiser der Eingemeindungen, der Ringstraße und der Weltausstellung. Die Stadterweiterung war bitter nötig, da die Vorstädte und Vororte vernachlässigt und halb verwaist vor den Toren des Prunks der Inneren Stadt lagen und die Menschen unter der steigenden Wohnungsnot sowie der Verkehr, Wasser, Gas und soziale Einrichtungen wie Krankenhäuser, Schulen etc. betreffenden infrastrukturellen Unterversorgung litten. Die Eingemeindung der Vorstädte und –orte wurde bis dahin immer wieder aufgeschoben, zu teuer war das Vorhaben, hunderttausenden von Menschen eine Grundversorgung zu bieten.
Die Umstände, die zu dem Mammutprojekt „Ringstraße“ beitrugen, sind vielgestaltig. Nach dem Revolutionsjahr 1848 musste die Stadt auch einer sich veränderten Sozialstruktur, vor allem im Hinblick auf die Machtverteilung, neuen Raum bieten. Das durch die industrielle Revolution erstarkte Bürgertum hatte das Bedürfnis nun auch endlich zu zeigen, dass es etwas besaß. Es wollte repräsentieren - genau so, wie es ihnen der Adel über Jahrhunderte vorlebte. (vgl. ebd. S.10) Ein halbes Jahrhundert stellte der Ausbau der Ringstraße die Aufbruchstimmung der Wiener „Society“ dar. Die Zusammenarbeit von Monarchie und Bürgertum ist bezeichnend für die politische Situation in jener Zeit - die Motive eines jeden, sich am Bau der Ringstraße zu beteiligen, gingen jedoch weit auseinander.
Um die neu errichtete Metropole der Welt zu präsentieren richtete Wien 1873, nach London und Paris, die dritte Weltausstellung aus. Die Arbeiten am Ausbau der Ringstraße waren noch nicht beendet, da brach in Hinsicht auf das Großereignis schon ein weiterer Bauboom aus. Die Stadt musste sich auf die zu erwartenden Besucher einstellen und das Ausstellungsgelände auf dem Prater bebauen.
Welche Motive und Auswirkungen sich hinter der Stadterweiterung von 1850 verbergen soll im Folgenden erörtert und die Kausalzusammenhänge der Stadterweiterung erschlossen werden.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. EINLEITUNG

2. WIEN IN DEN 50ER JAHREN – MOTIVE UND PLÄNE FÜR DIE STADTERWEITERUNG

3. DIE BEBAUUNG DER RINGSTRAßE

4. EINFLUSS DER STADTERWEITERUNG AUF DIE ALTSTADT, DIE VORSTÄDTE UND VORORTE

5. DIE WELTAUSSTELLUNG 1873

6. DIE SCHAFFUNG VON „GROß – WIEN“

7. ABSCHLIEßENDE GEDANKEN

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die umfassende städtebauliche Transformation Wiens in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, insbesondere den Bau der Ringstraße, und analysiert die daraus resultierenden sozialen, wirtschaftlichen und politischen Auswirkungen auf die kaiserliche Residenzstadt.

  • Historische Motive und Planungen für die Stadterweiterung ab 1850
  • Die architektonische und funktionale Entwicklung der Wiener Ringstraße
  • Soziale Segregation und städtebauliche Veränderungen in Altstadt und Vorstädten
  • Die Rolle der Weltausstellung 1873 für das Stadtbild und die Wirtschaft
  • Die administrative Eingemeindung der Vororte („Groß-Wien“)

Auszug aus dem Buch

3. DIE BEBAUUNG DER RINGSTRAßE

Mit der Zuschüttung des Stadtgrabens und der Abtragung der Mauern an der Donauseite der Rotenturmbastei begannen Ende 1858 die Baumaßnahmen, die die zweite Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts der Stadt prägten und erst zu Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts beendet sein sollten. Mit gemischten Gefühlen verfolgten die Wiener das Schleifen der Basteien und den Abbruch der Stadttore. Man sprach sogar von der „Nivellierung der Geschichte der alten Kaiserstadt“ (Müller 1984, S.13) und Johann Strauß komponierte passend dazu seine „Demoliererpolka“. (vgl. ebd.) Der zu errichtende Ring sollte den ersten Bezirk, die „Innere Stadt“, umschließen und am Ende neun Teilstücke beinhalten: den Schottenring, den Dr. Karl Lueger-Ring, den Dr. Karl Renner-Ring, den Burgring, den Opernring wie auch den Kärntner-, den Schubert-, den Park- und den Stubenring. (vgl. wikipedia.de)

In diese erste Phase fielen auch die Anlage des Franz Joseph-Kais und die Parzellierung des Textilviertels, der Umbau des Kärntner Rings sowie die Grundsteinlegung für die Oper im Jahr 1861. Hier beginnt auch die Hochzeit des Historismus, eines architektonischen Stils, der die Bauweisen aus früheren Zeiten nachahmt. Die Architekten der Ringstraße verliehen so den einzelnen Gebäuden ihren zugehörigen, sinnunterstreichenden Stil. (vgl. ebd.) So wurde die Hofoper im Stil der französischen Frührenaissance erbaut. Das „Erste Haus am Ring“ ist das wichtigste Opernhaus Wiens und eines der bekanntesten der Welt. Das Gebäude war das erste Monumentalgebäude der Ringstraße und wurde nach den Plänen der Architekten Eduard van der Nüll und Sicard von Sicardsburg zwischen 1861 und 1869 erbaut.

Zusammenfassung der Kapitel

1. EINLEITUNG: Darstellung der historischen Ausgangslage Wiens als beengte Residenzstadt und der Notwendigkeit einer Stadterweiterung unter Kaiser Franz Joseph.

2. WIEN IN DEN 50ER JAHREN – MOTIVE UND PLÄNE FÜR DIE STADTERWEITERUNG: Erörterung der politischen und rechtlichen Voraussetzungen, insbesondere der Eingemeindung der Vorstädte und des Abbruchs der Befestigungsanlagen.

3. DIE BEBAUUNG DER RINGSTRAßE: Beschreibung des Bauverlaufs, der architektonischen Stile im Historismus sowie der Nutzung und gesellschaftlichen Bedeutung der neuen Prachtstraße.

4. EINFLUSS DER STADTERWEITERUNG AUF DIE ALTSTADT, DIE VORSTÄDTE UND VORORTE: Analyse der sozialen Segregation, der Citybildung und der infrastrukturellen Veränderungen durch die bauliche Transformation.

5. DIE WELTAUSSTELLUNG 1873: Untersuchung des Großereignisses als Motor für bauliche Entwicklungen, aber auch als Auslöser für wirtschaftliche Instabilität und Überlastung.

6. DIE SCHAFFUNG VON „GROß – WIEN“: Darstellung des Prozesses der weiteren Eingemeindung von Vororten zur Bewältigung des rapiden Städtewachstums am Ende des 19. Jahrhunderts.

7. ABSCHLIEßENDE GEDANKEN: Synthese der städtebaulichen und sozialen Auswirkungen der Wiener Stadterweiterung im Kontext der Industrialisierung.

Schlüsselwörter

Wien, Ringstraße, Stadterweiterung, Kaiser Franz Joseph, Historismus, Stadtentwicklung, Industrialisierung, Urbanisierung, Wiener Börse, Weltausstellung 1873, Groß-Wien, Ringstraßengesellschaft, Segregation, Stadtplanung, Fin de Siècle

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit primär?

Die Arbeit analysiert die städtebauliche Neugestaltung Wiens in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und beleuchtet die damit verbundenen sozialen und ökonomischen Prozesse.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Im Fokus stehen der Bau der Ringstraße, die Eingemeindung der Vorstädte und Vororte, die Auswirkungen der Industrialisierung auf das Stadtgefüge sowie die kulturelle Selbstdarstellung des Bürgertums.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, die Kausalzusammenhänge der Stadterweiterung und deren Auswirkungen auf die soziale und wirtschaftliche Struktur Wiens historisch zu erschließen.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?

Es handelt sich um eine historische Analyse, die auf einer umfassenden Auswertung von Fachliteratur und historischen Quellen basiert.

Was umfasst der Hauptteil der Arbeit?

Der Hauptteil behandelt chronologisch und thematisch die Phasen der Stadterweiterung, die Bebauung der Ringstraße, die Auswirkungen auf die Stadtbevölkerung sowie die Rolle der Weltausstellung 1873.

Welche Keywords charakterisieren die Arbeit am besten?

Zu den prägenden Begriffen gehören Wien, Ringstraße, Stadterweiterung, Historismus, Urbanisierung und soziale Segregation.

Warum war der Bau der Ringstraße aus Sicht des Kaisers so dringlich?

Der Kaiser wollte Wien von der Enge der veralteten Stadtmauern befreien, die Stadt als moderne Metropole präsentieren und durch Prachtbauten den Status Wiens als europäische Hauptstadt stärken.

Welche Rolle spielte der Zusammenbruch der Börse 1873 für das Projekt?

Der Börsenkrach führte zu einer schweren Wirtschaftskrise, die Arbeitslosigkeit und soziale Not verschärfte, obwohl die Bautätigkeit an der Ringstraße aufgrund des laufenden Weltausstellungsprojekts zunächst fortgesetzt wurde.

Wie wirkte sich die Stadterweiterung auf die soziale Struktur der Bevölkerung aus?

Es kam zu einer verstärkten räumlichen Trennung: Während sich das wohlhabende Bürgertum in den neuen Prachtbauten der Ringstraße etablierte, verdrängte dieser Prozess Geringerverdienende und Arbeiter in die Vororte, wodurch ein deutliches soziales Gefälle entstand.

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Details

Title
Die Wiener Stadterweiterung
Subtitle
Ein Mammutprojekt zwischen Dekadenz und Cholera
College
University of Augsburg
Course
Die Stadt in der Industriemoderne
Grade
2,0
Author
Eva Koepff (Author)
Publication Year
2006
Pages
24
Catalog Number
V114224
ISBN (eBook)
9783640152247
Language
German
Tags
Wiener Stadterweiterung Stadt Industriemoderne
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Eva Koepff (Author), 2006, Die Wiener Stadterweiterung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/114224
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