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Der Alte Jischuw neu interpretiert. Kulturelle Vielfalt in Palästina

Titre: Der Alte Jischuw neu interpretiert. Kulturelle Vielfalt in Palästina

Travail d'étude , 2021 , 23 Pages , Note: 1,3

Autor:in: Michael Kuckhoff (Auteur)

Politique - Région: Proche-Orient
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Diese Arbeit widmet sich der Frage, ob das Narrativ vom Alten Jischuw als singuläre und abgeschlossene Gemeinschaft von Juden in Palästina heute noch haltbar ist. Der Fall Jerusalems im Jahre 70 u. Z. und dessen zerstörerische Wirkung auf Juden, wo immer sie auch lebten, hat ein paradoxes Phänomen hervorgebracht, das in der Geschichte besiegter Völker und Nationen einzigartig ist. Die Tragödie der Zerstörung Jerusalems hat diese Stadt nicht aus dem religiösen und nationalen Bewusstsein der Juden ausgelöscht. Mit dem Verlust erhielt Jerusalem eine enorme Bedeutung und wurde zum entscheidenden neuen Impuls zur Belebung des religiösen und nationalen Willens der jüdischen Gemeinschaft. Juden wurde der Aufenthalt in Jerusalem, ab jetzt verwehrt. Dieses Verbot bestand fast ununterbrochen bis zur arabischen Eroberung. Nicht wenige Juden verblieben jedoch in Palästina. Einige jüdische Landgemeinden fanden sich südlich von Jerusalem. Urbane Gemeinden siedelten sich in den Städten entlang der Mittelmeerküste und im Jordantal an. Der Schwerpunkt jüdischer Siedlung war Galiläa. Hier sowie im nördlichen Golan fanden sich fast ausschließlich jüdische Gemeinden. Viele siedelten sich in anderen Gebieten der Levante an.

Nach derzeit vorherrschender Meinung stellten Nichtmuslime bis zum 13. Jahrhundert die demografische Mehrheit der Bevölkerung in vielen muslimisch beherrschten Gebieten dar. Alle diese Bevölkerungsgruppen gerieten im Rahmen der muslimischen Expansion unter den Einfluss neuer Herrscher und fanden sich häufig in einer neuen politischen und auch sozialen Situation wieder. Diese Veränderungen waren am deutlichsten für die Bevölkerungsgruppen, die derselben Religion angehörten, wie ihre vormaligen Herrscher. Dies betraf insbesondere die Christen, die der oströmischen Kirche angehört hatten und die Zoroastrier im östlichen Vorderen Orient. Für diese Gruppen war die Ankunft einer neuen Elite mit einer neuen Religion mit einem Verlust sozialen Prestiges, materiellen Reichtums und politischen Einflusses verbunden. Ganz anders stellte sich die Situation für die Juden im Vorderen Orient dar. Eine nichtjüdische Herrschaft wurde durch eine andere, gleichfalls nicht jüdische, nämlich muslimische Herrschaft ersetzt. Diese neue, muslimische Herrschaft hatte zudem den Vorteil, dass sie eine neue rechtliche Kategorie entwickelte, die die Juden, als monotheistische Schriftbesitzer, zwar diskriminierte, ihnen aber einen relativ stabilen Minderheitenstatus garantierte.

Extrait


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

1.1 Jischuw - Bewohner oder Kolonist?

1.2 Historische Narrative

1.3 Quellenlage und Quelleninterpretation

1.4 Wissenschaftliche Fragestellung

1.5 Methodik

2. Historischer Hintergrund und religiöse Rahmenbedingungen

2.1 Historischer Hintergrund

2.2 Juden im Islam

3. Jüdisches Leben in der islamischen Gemeinschaft Palästinas im Mittelalter

3.1 Interreligiöse Beziehungen

3.2 Kommunale Rechtsprechung

3.3 Administrative Beziehungen

3.4 Wirtschaftliche Beziehungen

4. Jüdisches Leben in Palästina unter osmanischer Herrschaft

4.1 Leben in der jüdischen Gemeinschaft und interreligiöse Beziehungen

4.2 Wirtschaftliche Beziehungen

4.3 Kommunale und zentrale Administration

4.4 Demographische Veränderungen

5. Zusammenfassung

6. Schlußbetrachtung

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht kritisch das historisch gewachsene Narrativ vom "Alten Jischuw" als isolierter, starrer und unproduktiver Gemeinschaft in Palästina. Ziel ist es, diese einseitige Sichtweise zu hinterfragen und mittels einer strukturierten Analyse der jüdischen Lebensverhältnisse unter islamischer und osmanischer Herrschaft als ein komplexes, dynamisches Netzwerk multipler Gemeinschaften neu zu interpretieren.

  • Analyse der sozioökonomischen Rolle jüdischer Gemeinschaften in Palästina vom Mittelalter bis zum 19. Jahrhundert.
  • De-Konstruktion eurozentrischer und zionistischer Narrative der Geschichtsschreibung.
  • Untersuchung der administrativen und rechtlichen Autonomie sowie interreligiöser Beziehungen im islamischen Kontext.
  • Bewertung des Einflusses von Einwanderungswellen und demografischen Veränderungen auf die jüdische Siedlungsstruktur.

Auszug aus dem Buch

1.1 Jischuw – Bewohner oder Kolonisten?

Unter diesen Bedingungen etablierte sich eine jüdische Gemeinschaft in Palästina, die die christliche Herrschaft, die Ausbreitung des Islam im Mittelalter und die osmanische Herrschaft bis in die Neuzeit überdauern sollte. Diese Gemeinschaft wird als Jischuw bezeichnet.

Die jüdische Gemeinschaft in Palästina ist seit dem Mittelalter durch drei große Bevölkerungsgruppen geprägt. Zunächst sind das die Musta'arabim, arabisch sprechende Juden, die über die gesamte südliche Levante verteilt sind. Dazu zählen auch die Maghribim, Juden, die in Nordafrika leben. Im frühen Mittelalter kam es immer wieder zu Einwanderungswellen. in den Jahren 1210 und 1211 wanderten 300 Rabbiner aus England und Frankreich nach Palästina ein. Im 15. Jahrhundert folgte eine Gruppe italienischer Juden aus Ferrara, die einen großen Einfluss auf die jüdische Gemeinschaft in Palästina ausübte. Nach der osmanischen Eroberung Palästinas 1516 kam es zu einer großen Einwanderungswelle aus Sizilien, Italien, Frankreich und Deutschland. Insbesondere die Einwanderer aus Deutschland und Nordfrankreich, die Aschkenasim, bildeten die zweite große Gruppe innerhalb der jüdischen Gemeinschaft Palästinas. Zeitgleich erfolgte mit der Vertreibung aus Spanien und Portugal ein massenhafter Zustrom von Juden von der iberischen Halbinsel. Diese, als Sephardim bezeichneten Einwanderer, bildeten die dritte Gruppe innerhalb der jüdischen Gemeinschaft Palästinas. Das Jahr 1579 verzeichnete 120 Einwanderer aus Damaskus. Im Jahre 1700 ließ sich eine große Gruppe chassidischer Juden aus Europa in Jerusalem nieder und leitete damit die Zuwanderung weiterer Chassidim ein, die bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts andauern sollte. Ihnen folgte 1808 die Migration einer Gruppe von Juden aus Litauen, die sogenannten Peruschim.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Grundlegende Einführung in die Thematik der jüdischen Geschichte in Palästina, die Definition des Begriffs Jischuw sowie die wissenschaftliche Fragestellung und Methodik.

2. Historischer Hintergrund und religiöse Rahmenbedingungen: Überblick über die politischen Epochen und das religiöse Konzept der Dhimma als rechtlicher Rahmen für Juden unter islamischer Herrschaft.

3. Jüdisches Leben in der islamischen Gemeinschaft Palästinas im Mittelalter: Analyse der Autonomie, der interreligiösen Beziehungen und der wirtschaftlichen Integration jüdischer Gemeinschaften auf Basis von Geniza-Dokumenten.

4. Jüdisches Leben in Palästina unter osmanischer Herrschaft: Darstellung der administrativen Strukturen, der Zunftorganisationen und der demografischen Herausforderungen unter osmanischer Verwaltung.

5. Zusammenfassung: Synthese der Forschungsergebnisse zur Akkulturation, zur muslimisch-jüdischen Koexistenz und zum Wandel der Geschichtsbilder.

6. Schlußbetrachtung: Reflexion über die Veränderung der historiographischen Perspektive weg von staatszentrierten Ansätzen hin zu einer relationalen Betrachtung jüdischen Lebens.

Schlüsselwörter

Alter Jischuw, Palästina, Osmanische Herrschaft, Islamische Geschichte, Dhimma, Millet-System, Jüdische Gemeinschaft, Interreligiöse Beziehungen, Akkulturation, Geniza, Sephardim, Aschkenasim, Historische Narrative, Sozioökonomie, Zunftwesen.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Geschichte jüdischer Gemeinschaften in Palästina von der Spätantike bis zum 19. Jahrhundert und hinterfragt dabei gängige, oft als starr oder unproduktiv dargestellte Narrative.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die soziale und wirtschaftliche Integration, die administrativen Rahmenbedingungen unter islamischer und osmanischer Herrschaft sowie die Rolle interreligiöser Beziehungen.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die zentrale Forschungsfrage lautet, ob das verbreitete Narrativ vom "Alten Jischuw" als singuläre und abgeschlossene Gemeinschaft unter islamischer Herrschaft wissenschaftlich noch haltbar ist.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine qualitative, strukturierte Inhaltsanalyse, bei der aktuelle Forschungsliteratur sowie historische Primärquellen (sofern in der Sekundärliteratur zugänglich) ausgewertet werden.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Einbettung, die Analyse des mittelalterlichen Judentums unter islamischer Herrschaft anhand der Geniza-Dokumente und eine detaillierte Untersuchung der osmanischen Periode in Palästina.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Alter Jischuw, Dhimma, Akkulturation, osmanische Herrschaft und die Dekonstruktion historiographischer Mythen.

Wie unterscheidet sich die muslimische von der christlichen Haltung gegenüber Juden laut dem Autor?

Der Autor stellt fest, dass Judenfeindlichkeit in der islamischen Welt des Mittelalters nicht theologisch begründet war, sondern eher ein Ausdruck der sozialen Hierarchie zwischen Dominanten und Minderheiten darstellte, im Gegensatz zu antijüdischen theologischen Narrativen im christlichen Europa.

Welche Rolle spielten die Gilden für Juden im osmanischen Jerusalem?

Juden waren als Handwerker und Händler integraler Bestandteil der städtischen Wirtschaft und in multiethnischen Gilden organisiert, in denen sie oft Führungspositionen bekleideten und wirtschaftliche wie rechtliche Autonomie genossen.

Was bedeutet das "Millet-System" im Kontext dieser Arbeit?

Die Arbeit ordnet das Millet-System als ein später entstandenes politisches Konzept ein, das als regulatorisches Instrument interreligiöser Beziehungen diente, wobei die Darstellung als "klassisches" System der frühen osmanischen Ära als spätere Konstruktion dekonstruiert wird.

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Résumé des informations

Titre
Der Alte Jischuw neu interpretiert. Kulturelle Vielfalt in Palästina
Université
Free University of Berlin  (Geschichte und Kultur)
Cours
Seminar Palästina
Note
1,3
Auteur
Michael Kuckhoff (Auteur)
Année de publication
2021
Pages
23
N° de catalogue
V1143152
ISBN (ebook)
9783346522535
ISBN (Livre)
9783346522542
Langue
allemand
mots-clé
Palästina Ater Jischuw Juden Muslime Gesellschaft
Sécurité des produits
GRIN Publishing GmbH
Citation du texte
Michael Kuckhoff (Auteur), 2021, Der Alte Jischuw neu interpretiert. Kulturelle Vielfalt in Palästina, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1143152
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Extrait de  23  pages
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