Die stationsäquivalente Behandlung als neues Angebot für psychisch kranke Menschen im Sozialraum

Inwieweit lassen sich die Konzepte der StäB und der Sozialraumorientierung verknüpfen?


Hausarbeit, 2021

21 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Zur Geschichte der Psychiatrie
2.1 Orte der Behandlung psychisch kranker Menschen
2.2 Erklärungsmodelle psychischer Erkrankungen
2.3 Sozialpsychiatrie
2.4 Gemeindepsychiatrie
2.5 Versorgungslage von Menschen mit psychischen Erkrankungen

3 Stationsäquivalente Behandlung
3.1 Zugang und Einweisung
3.2 Strukturelle Vorgaben
3.3 Häusliches Umfeld
3.4 Behandlungsablauf

4 Sozialraumorientierung
4.1 Sozialraumverständnis
4.2 Sozialraumverständnis und -orientierung in der Gemeindepsychiatrie
4.3 Fachkonzept Sozialraumorientierung
4.3.1 Orientierung am Willen
4.3.2 Aktivierung
4.3.3 Konzentration auf Ressourcen
4.3.4 Zielgruppen- und bereichsübergreifende Sichtweise
4.3.5 Vernetzung der sozialen Dienste

5 Diskussion der Konzeptverknüpfbarkeit

6 Fazit und Ausblick

7 Literatur- und Quellenverzeichnis

1 Einleitung

Die Gesamtprävalenz psychischer Störungen in Deutschland wird vom Robert Koch Institut mit knapp 28 % angegeben, d. h. verteilt über einen Zeitraum von 12 Monaten leiden ca. 17,8 Millionen der erwachsenen Bevölkerung mindestens zeitweise unter einer voll ausgeprägten psychischen Störung (vgl. DGPPN 2021: 1; DGPPN 2018: 7). Ein besonderer und langfristiger Versorgungsbedarf besteht für jene 1-2 % der Erwachsenen, die von einer schweren psychischen Erkrankung betroffen und als Zielgruppe der stationsäquivalenten Behandlung (StäB) zu benennen sind. Schwere psychische Erkrankungen sind gekennzeichnet von einem mindestens zweijährigen Verlauf, haben erhebliche Auswirkungen auf das tägliche Leben und das soziale Funktionsniveau und gehen einher mit einer häufigen und intensiven Inanspruchnahme des Behandlungs- und psychosozialen Hilfesystems (vgl. DGPPN 2018: 7f.). Die Versorgung von Menschen mit schweren chronischen oder häufig rezidivierenden psychischen Krankheitsverläufen unter inklusiven Aspekten und unter Berücksichtigung der Lebensqualität stellt eine besondere Herausforderung für das sektorisierte deutsche Gesundheitssystem dar (vgl. Horn 2018: 46).

„Menschen mit schweren psychischen Störungen in akuten Krankheitsphasen sollen die Möglichkeit haben, von mobilen multiprofessionellen Teams definierter Versorgungsregionen in ihrem gewohnten Lebensumfeld behandelt zu werden.“ (Empfehlung 11, DGPPN 2018: 38)

Seit der Bekanntgabe des Berichts der Psychiatrie Enquete im Jahre 1975 prägt der Leitsatz „ambulant vor stationär“ die reformpsychiatrischen Prozesse in Deutschland und richtet sich damit gegen die traditionelle Anstaltspsychiatrie mit ihrem biomedizinischen Krankheitsverständnis. Die oben zitierte Empfehlung wurde indessen erst 44 Jahre später - im Jahre 2018 - in die Leitlinien für psychosoziale Therapien, herausgegeben von der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN), aufgenommen.

In den Jahrzehnten nach Veröffentlichung des Berichts der Psychiatrie Enquete hat sich die Gemeindepsychiatrie als Gegenentwurf zur Anstaltspsychiatrie stetig weiter­entwickelt und die ambulante Versorgungslandschaft geprägt. Mit der stationsäquivalenten Behandlung, welche im häuslichen Umfeld der Patienten durchgeführt wird, wurde im Jahre 2018 eine bis dahin immer noch bestehende Lücke in der ambulanten Versorgung von schwerst akut psychisch kranken Menschen geschlossen. Allerdings wurde die Umsetzung dieser Aufgabe wieder der Institution Krankenhaus übertragen (vgl. Aderholt 2021: 153). Die vorliegende Arbeit geht der Frage nach, inwieweit sich ein klinisches Konzept wie das der stationsäquivalenten Behandlung mit sozialraumorientierten Handlungskonzepten, wie sie in der gemeindepsychiatrischen Arbeit Anwendung finden, verknüpfen lässt.

Um die Besonderheit des Ansatzes der stationsäquivalenten Behandlung zu verdeutlichen, wird im folgenden Kapitel zunächst auf einige psychiatriehistorische Aspekte eingegangen. Anschließend werden die Begrifflichkeiten der Sozial- und Gemeindepsychiatrie erklärt und die aktuelle Versorgungslage von Menschen mit psychischen Erkrankungen in Deutschland dargestellt. Im dritten Kapitel wird das der stationsäquivalenten Behandlung zugrunde liegende Konzept geschildert, im vierten Kapitel wird nach einer Einführung in die Sozialraum-Thematik das Fachkonzept der Sozialraumorientierung nach Hinte vorgestellt. Im fünften Kapitel soll dann durch eine Gegenüberstellung der Konzepte die Frage beantwortet werden, inwieweit sich beide Konzepte miteinander verknüpfen lassen, abschließend wird ein Fazit gezogen.

2 Zur Geschichte der Psychiatrie

Psychische Krankheiten sind so alt wie die Menschheit selbst, das Verständnis von Symptomen und der Umgang mit Betroffenen unterliegt seit jeher einem stetigen Wandel. Um den Stellenwert der heutigen Bemühungen um Ambulantisierung zu verdeutlichen, wird zunächst auf einige historische Entwicklungen eingegangen.

2.1 Orte der Behandlung psychisch kranker Menschen

In den letzten zwei Jahrtausenden gab es im Wesentlichen zwei Behandlungsorte: zum einen das häusliche Umfeld (prominente Beispiele sind Hölderlin oder Lenz), zum anderen Institutionen. So wurden im Mittelalter psychisch kranke Menschen in Gefängnissen eingesperrt, im 17. und 18. Jahrhundert wurden sie gemeinsam mit Landstreichern, Prostituierten und Armen in Zuchthäusern angekettet. Zu einer Humanisierung kam es erst im Zuge der Aufklärung in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, indem die Zuchthäuser in sogenannte „Irrenanstalten“ umgewandelt wurden und eine Befreiung der Kranken von ihren Ketten begann (vgl. Möller, Laux und Deister 2005: 9). Im 19. Jahrhundert entstand in Europa eine flächendeckende Gründung von psychiatrischen Anstalten, weit vor den Toren der Stadt, die unter menschenunwürdigen Bedingungen weitestgehend der Verwahrung und der Ausbeutung von Arbeitskraft dienten. Ungeheure Gräueltaten ereigneten sich während der Zeit des Nationalsozialismus in den deutschen Psychiatrien. Nach dem Krieg erfolgte die Versorgung der Patienten weiter in psychiatrischen Großkrankenhäusern (vgl. ebd.: 11).

Den entscheidenden Impuls für eine Psychiatrie-Reform gab der Bericht der Enquete Kommission des Deutschen Bundestages zur Lage der Psychiatrie im Jahre 1975. Zentrale Forderungen der Psychiatrie Enquete waren die gemeindenahe Versorgung psychisch kranker Menschen, die Gleichstellung mit körperlich kranken Menschen, die Umstrukturierung der großen Landeskrankenhäuser in Allgemeinkrankenhäuser sowie die Einrichtung von nicht vollstationären Angeboten wie Tageskliniken und Institutsambulanzen (vgl. Friedrich-Ebert-Stiftung 2019: 6f.).

2.2 Erklärungsmodelle psychischer Erkrankungen

Der Diskurs über die Ätiologie psychischer Erkrankungen reicht im Laufe der Jahrhunderte von dämonologischen Vorstellungen bis hin zu multifaktoriellen Erklärungsansätzen, die z. B. genetische-, neurobiologische-, lern- und entwicklungspsychologische- sowie psychodynamische Einflüsse berücksichtigen. Bereits in der Antike fanden auch holistische und soziale Aspekte der Entstehung psychischer Erkrankungen Berücksichtigung, bereits ab der Zeit der Aufklärung gewannen milieutherapeutische Ansätze an Bedeutung (vgl. Walther 2017: 30). Im 19. Jhd. herrschte ein biomedizinisches Krankheitsverständnis vor; Mitte des 20. Jahrhunderts erlangte das bio-psycho-soziale Model nach Engel zunehmende Bedeutung, welches auch psychosoziale Komponenten der Entstehung von Krankheiten berücksichtigt (vgl. Leiß 2020: 233 ff.). Auf Basis dieses Modells entwickelten sich die Sozialpsychiatrie und die Gemeindepsychiatrie, beide Begriffe werden nachstehend erläutert.

2.3 Sozialpsychiatrie

Dörner prägte den Satz „Psychiatrie ist soziale Psychiatrie oder sie ist keine Psychiatrie.“ (1984: 18). Die Sozialpsychiatrie ist folglich keine Teildisziplin der Psychiatrie, sondern beschreibt die Haltung, den Menschen als biopsychosoziale Einheit im Wechselspiel von biologischen, psychologischen und sozialen Faktoren zu verstehen und seine Lebenswelt sowie zwischenmenschliche Beziehungen als Einflussfaktoren auf die seelische Gesundheit einzubeziehen (vgl. Walther 2017: 32f.). Psychische Erkrankungen werden als biopsychosoziale Notlagen angesehen, deren Bewältigung lebensnahe Orte der Unterstützung, Begleitung und Begegnung erfordern (vgl. Frank 2020: 154). Darüber hinaus fokussiert und analysiert die Sozialpsychiatrie krank machende und gesundheitsfördernde gesellschaftliche Strukturen und Prozesse. Die Umsetzung dieser sozialpsychiatrischen Haltung mündet in das gemeindepsychiatrische Handeln (vgl. Walther 2017: 32f.).

2.4 Gemeindepsychiatrie

Die Veröffentlichung der Psychiatrie-Enquéte sowie die in den 1960er Jahren entstandene Antipsychiatrie-Bewegung lösten einen gesellschaftlichen Diskurs über die Abschaffung menschenunwürdiger Anstaltspsychiatrien zugunsten einer Wiederbeheimatung psychisch erkrankter Menschen in den Gemeinden aus. Zudem wurden die biochemische, neurophysiologische und pharmakotherapeutische Ausrichtung der Psychiatrie kritisiert (vgl. Dörr 2015: 1). Die Gemeindepsychiatrie kann als Gegenentwurf zur Anstaltspsychiatrie gesehen werden mit dem Ziel der Vermeidung von Exklusion Betroffener aus der Gesellschaft und aus sozial relevanten Bezügen, zudem will sie den negativen psychosozialen Folgen der Erkrankung wie z. B. sozialer Isolation aktiv begegnen (vgl. Frank 2020: 154). Röh definiert Gemeindepsychiatrie „als ein Handlungskonzept, das dem subjektiven Gepräge der Lebenswelt Ausdruck verleihen und dazu beitragen will, dass sich die betroffenen psychisch kranken Menschen und ihre Angehörigen, Freundinnen, Nachbarinnen in dem von ihnen gewählten sozialen Raum bei der Arbeit, in ihrer Freizeit oder im sozialen Nahumfeld der Wohnung begegnen.“ (2013: 301)

Aufgabe der Gemeindepsychiatrie ist die praktische Anwendung der Sozialpsychiatrie durch die Schaffung und Vernetzung von ambulanten psychiatrischen Versorgungsangeboten wie Kontakt- und Beratungsstellen, Sozialpsychiatrischen Diensten, Tagesstätten oder betreuten Wohn- und Arbeitsmöglichkeiten. Neben professionellen Mitarbeiterinnen wird die gemeindepsychiatrische Arbeit von Psychiatrie-Erfahrenen, ihren Angehörigen und engagierten Bürgerinnen getragen (vgl. Walther 2017: 33).

2.5 Versorgungslage von Menschen mit psychischen Erkrankungen

Die psychosoziale Versorgung von Menschen mit psychischen Erkrankungen ist in Deutschland stark geprägt von gesundheitspolitischen Rahmenbedingungen, Finanzierungsvoraussetzungen und regionalen Strukturen, die eine Aufteilung einzelner Leistungen auf verschiedene Akteure nach sich zieht (vgl. Horn 2018: 44). Ursache hierfür ist die Verankerung des Gesundheits- und Sozialsystems in unterschiedlichen Sozialgesetzbüchern. So werden aufsuchende Behandlungs- und Betreuungsleistungen z. B. nach SGB V (Ambulante Psychiatrische Pflege), SGB Xii (Betreutes Wohnen), BGB (betreuungsrechtliche Leistungen), SGB ii (Eingliederung, psychosoziale Betreuung), ÖGDG NRW (Sozialpsychiatrische Dienste) oder PsychVVG (StäB) erbracht (vgl. ebd.: 44f.). Wenngleich mit dem Aufbau von gemeindepsychiatrischen Verbünden sowie der Erweiterung von Eingliederungs- und Teilhabeleistungen die ambulante Versorgungssituation in den letzten Jahrzehnten verbessert werden konnte, bleibt dennoch u. a. der medizinische Leistungsbereich der Krankenkasse (SGB V) aufgrund der strikten Sektorentrennung in ambulante und stationäre Leistungen problematisch: Ambulante Leistungen erfordern, dass Betroffene die entsprechenden Versorgungsstrukturen selbständig aufsuchen und in Anspruch nehmen. Sind die begrenzten Behandlungsmöglichkeiten innerhalb des Vertragsarztsystems erschöpft oder sind Betroffene in akuten Krankheitsphasen nicht mehr in der Lage ambulante Angebote aufzusuchen, bleibt oft nur die Einweisung in eine stationäre Krankenhausbehandlung als einzige Möglichkeit (vgl. Längle, Holzke & Gottlob 2019: 49f.). Zwar sind die Einrichtung von Tageskliniken als teilstationäres Angebot und von Psychiatrischen Institutsambulanzen (PIA) als ambulante Anlaufstelle für schwer psychisch kranke Menschen als Errungenschaften für die gemeindeintegrierte Versorgung zu nennen. Jedoch erfordern sowohl der Besuch einer Tagesklinik als auch einer PIA von den Erkrankten eine hinreichende Stabilität, die in akuten Krisensituationen nicht gegeben ist.

International, vor allem im angloamerikanischen Raum, in Großbritannien und in Skandinavien entwickelten sich bereits seit den 1950er Jahren verschiedene Home Treatment Modelle zur ambulanten Versorgung in akuten Krisen als feste Bestandteile des gemeindepsychiatrischen Hilfesystems (vgl. Heißler & Weinmann 2021: 12). In Deutschland konnte eine entsprechende Arbeit mangels gesetzlicher Rahmenbedingungen erst ab dem Jahre 2002 und auch nur in Form von Modellprojekten nach § 140 SGB V (Integrierte Versorgung) begonnen werden. Seit 2018 besteht nun die Möglichkeit der stationsäquivalenten Behandlung. Anders als in internationalen Home Treatment Formen findet in der StäB keine Begleitung der Patient*innen in allen Phasen der Erkrankung statt: sobald sich eine Besserung eingestellt hat und die Indikation für eine stationäre Behandlung nicht mehr gegeben ist, müssen die Patient*innen entlassen werden. Leichter erkrankte Personen, bei denen frühzeitige Hilfen ein Fortschreiten der Erkrankung verhindern könnten, bleiben von vornherein von der StäB ausgeschlossen. Die stationsäquivalente Behandlung wird bisher von 9 % der Kliniken (55 von 585) in Deutschland angeboten (vgl. Aderholt 2021: 153).

3 Stationsäquivalente Behandlung

Mit Inkrafttreten des Gesetzes zur Weiterentwicklung der Versorgung und der Vergütung für psychiatrische und psychosomatische Leistungen (PsychVVG) am 01.01.2017 sowie mit der Neufassung des § 39 Abs. 1 SGB V haben Kliniken mit psychiatrischer Pflichtversorgung seit 2018 die Möglichkeit, anstelle einer vollstationären Behandlung eine stationsäquivalente Behandlung (StäB) zu erbringen (vgl. Längle, Holzke & Gottlob 2019: 5). Die formalen Rahmenbedingungen für die stationsäquivalente Behandlung werden durch die Leistungsbeschreibung gemäß § 115 d Abs. 3 SGB V vorgegeben und werden in den nachstehenden Kapiteln beschrieben.

3.1 Zugang und Einweisung

Unterschiedliche Zugangswege ermöglichen eine stationsäquivalente Behandlung: Patientinnen oder deren Angehörige können sich eigeninitiativ an eine Klinik wenden, ebenso kann eine Einweisung z. B. durch niedergelassene Ärztinnen, den Sozialpsychiatrischen Dienst, eine Notfallambulanz, eine Psychiatrische Institutsambulanz oder andere Kliniken erfolgen. Zentrale Voraussetzung für die Aufnahme ist die Indikation einer akuten stationären psychiatrischen Behandlungsbedürftigkeit, welche von Fachärztinnen für Psychiatrie gestellt werden muss (vgl. Becker et al. 2017: 5).

3.2 Strukturelle Vorgaben

Die stationsäquivalente Behandlung erfolgt im häuslichen Umfeld durch ein mobiles, multiprofessionelles Behandlungsteam und muss in Inhalt, Flexibilität und Komplexität einer vollstationären Behandlung entsprechen (vgl. GKV-Spitzenverband, Verband der Privaten Krankenversicherung & Deutsche Krankenhausgesellschaft 2017: 2). Das multiprofessionelle Team besteht aus Pflegefachkräften, Spezialtherapeutinnen wie Psychologinnen und/oder Sozialarbeiterinnen und/ oder Ergotherapeutinnen und wird von Fachärztinnen für Psychiatrie geleitet, denen die Verantwortung für die Behandlungsplanung und -durchführung obliegt. Einmal wöchentlich müssen mindestens drei der Teammitglieder an einer Fallbesprechung teilnehmen (vgl. ebd.: 4).

Eine weitere Besonderheit besteht in der Möglichkeit, andere ambulante Leistungserbringer mit der Behandlung der Patientinnen zu beauftragen, wenn dies „aus Gründen der Wohnortnähe sachgerecht ist“ (ebd.: 5) oder von Vorteil für die Behandlungskontinuität ist. Die therapeutische und organisatorische Gesamtverantwortung für die Behandlung bleibt in den Händen des StäB-betreibenden Krankenhauses (vgl. ebd.: 5).

3.3 Häusliches Umfeld

Das häusliche Umfeld der Patienten*innen muss für die Durchführung der ambulanten Behandlung und die Erreichung der Behandlungsziele geeignet sein. So muss die Möglichkeit für ungestörte Gespräche gegeben sein, die Versorgung der Patient*innen (und ggf. ihrer/seiner Kinder) muss gewährleistet sein und es darf durch den Verbleib des erkrankten Menschen in seiner Wohnung kein Kindeswohl gefährdet sein. Alle volljährigen Personen, die im gleichen Haushalt leben, müssen ihr schriftliches Einverständnis zur Durchführung der Behandlung im Wohnraum geben (vgl. GKV- Spitzenverband, Verband der Privaten Krankenversicherung & Deutsche Krankenhausgesellschaft 2017: 2f.).

3.4 Behandlungsablauf

Die Patientinnen werden täglich von mindestens einem Mitglied des Behandlungsteams zuhause aufgesucht. Dieser persönliche Kontakt ist nicht durch Telefonate ersetzbar. Auch die wöchentliche fachärztliche Visite wird in der Wohnung der Patientinnen durchgeführt. Zwischen den Hausbesuchen muss die Klinik durchgängig 24-stündig, auch am Wochenende, telefonisch erreichbar sein und die Möglichkeit einer Krisenintervention sowie bei einer Verschlechterung des Gesundheitszustandes die Verlegung in den vollstationären Bereich gewährleisten (vgl. GKV-Spitzenverband, Verband der Privaten Krankenversicherung & Deutsche Krankenhausgesellschaft 2017: 5).

Zu Beginn der Behandlung werden diagnostische Leistungen erbracht. Dazu gehört das Erfragen der aktuellen Problematik und psychopathologischen Symptomatik, die Erhebung einer psychiatrischen und somatischen Anamnese, ggf. die Durchführung von somatischen Untersuchungen (z. B. Labor, bildgebende Verfahren). Auch psychosoziale Funktionen, Ressourcen und Probleme in den Bereichen Arbeit, Wohnen und Finanzen, die familiäre Situation und das soziale Netzwerk sowie Behandlungspräferenzen, Bedarfe und Ziele der Patientinnen werden eruiert. Anschließend erfolgt in Abstimmung mit den Patientinnen die Ausarbeitung eines Behandlungsplanes.

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Details

Titel
Die stationsäquivalente Behandlung als neues Angebot für psychisch kranke Menschen im Sozialraum
Untertitel
Inwieweit lassen sich die Konzepte der StäB und der Sozialraumorientierung verknüpfen?
Hochschule
Fachhochschule Bielefeld
Veranstaltung
Gemeinwesenarbeit und Quartiersarbeit
Note
1,0
Autor
Jahr
2021
Seiten
21
Katalognummer
V1143438
ISBN (eBook)
9783346520531
ISBN (Buch)
9783346520548
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Stationsäquivalente Behandlung, StäB, Fachkonzept Sozialraumorientierung, Psychiatrie
Arbeit zitieren
Anja Schöndienst (Autor:in), 2021, Die stationsäquivalente Behandlung als neues Angebot für psychisch kranke Menschen im Sozialraum, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1143438

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