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Unterdrückung in den Banlieues - Der Versuch einer Anwendung der Klassismustheorie auf die Zentrum-Peripherie-Problematik am Beispiel der französischen Vorstädte

Titre: Unterdrückung in den Banlieues - Der Versuch einer Anwendung der Klassismustheorie auf die Zentrum-Peripherie-Problematik am Beispiel der französischen Vorstädte

Dossier / Travail , 2008 , 16 Pages , Note: 1,3

Autor:in: André Walter (Auteur)

Sociologie - Généralités et Théories
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Mit der postfordistischen Ära geht ein Strukturwandel einher, der nicht nur den ökonomischen Sektor verändert, sondern auch gesellschaftliche Bereiche betrifft. Dieser Wandel verläuft jedoch nicht unproblematisch, mit den Veränderungen entstehen neue Konfliktfelder. Ein Beispiel hierfür ist die Transformation der Stadt, bei der soziale Entmischung der Stadtviertel und die Herausdrängung aus dem Stadtzentrum sowie die Konzentration schwacher Bevölkerungsgruppen an den Stadtrand forciert wird.
Die dabei wirkenden Ausgrenzungsmechanismen sollen genauer betrachtet werden.
Exemplarisch werden die französischen Vorstädte, die Banlieues, untersucht. In Untersuchungen über das amerikanische Ghetto, bei dem die sozial schwachen Gruppen, die sich dort konzentrierten, ausschließlich Schwarze waren, konnte der Ausgrenzungsmechanismus als Rassismus beschrieben werden. Jedoch fragt sich, ob dieser Ansatz adäquat für die Konflikte und Exklusionsmechanismen1 in den Banlieues ist. Anstatt der Verwendung einer Theorie des Rassismus soll der relativ neue, aus der amerikanischen Soziologie stammende Ansatz des Klassismus verwendet werden. Aufgrund der Neuartigkeit der Theorie und dem Mangel an verfügbarem Material zu dieser Thematik, wird Chuck Barones Aufsatz „Extending Our Analysis Of Class Oppression. Bringing Classism More Fully Into The Race & Gender Picture“ exemplarisch für die Klassimusanalyse stehen. Dieser wird zu Beginn der Arbeit in seinen Bestandteilen dargelegt.
Des Weiteren wird auf die soziale und politische Situation der BewohnerInnen der Banlieues
in ihrem spezifischen nationalen Kontext eingegangen.
Zum Schluss soll geprüft werden, inwiefern der Ansatz des Klassismus den Anforderungen eines Theoriekonstruktes zur Analyse der Stigmatisierung und des Konfliktpotenziales in den Banlieues gerecht wird und wo sich Mängel zeigen.

1 Zur Problematik des Exklusionsbegriffes siehe Castel 2008
2 Beispielhaft hierfür ist der Aufsatz „Jugendkrawalle und Ethnizität“ von Didier Lapeyronnie (vgl. Lapeyronnie 1998), in dem Stadtviertel in Großbritannien, Frankreich und Amerika gleichgesetzt werden, obwohl es evidente Unterschiede zwischen Frankreich und Amerika im Ausmaß und der Funktion des Drogenhandels gibt. Weitere Beispiele wären der Waffenbesitz der Jugendlichen (vgl. Wacquant 2004b : 172) etc.

Extrait


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Klassismus

2.1 Die Theorie des Klassismus

2.2 Dynamiken und Ambivalenzen der klassistischen Ideologie

3. Die Banlieue

3.1 Die Sozialstruktur der Banlieues

3.2 Probleme der wirtschaftlichen und politischen Integration

3.3 Stigmata und Exklusion

4. Klassismus in der Vorstadtproblematik

5. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Anwendbarkeit der Klassismustheorie auf die soziokulturelle Situation in den französischen Banlieues. Ziel ist es, die Ausgrenzungs- und Stigmatisierungsmechanismen jenseits rein rassistischer Erklärungsansätze zu analysieren und kritisch zu prüfen, ob das Theoriekonstrukt des Klassismus hierfür ein adäquates Instrumentarium bietet.

  • Kritische Theorie und Klassismus-Ansatz nach Chuck Barone
  • Strukturelle Analyse der französischen Banlieues
  • Sozioökonomische Exklusionsmechanismen und staatliche Institutionen
  • Territoriale Stigmatisierung und Distinktionskämpfe
  • Vergleich der Anwendbarkeit des Klassismus gegenüber anderen soziologischen Konzepten

Auszug aus dem Buch

3.1 Die Sozialstruktur der Banlieues

Seit den 2005 ausgebrochenen Krawallen sind die französischen Vorstädte wieder präsent im öffentlichen Diskurs. Ihre Entstehungszeit reicht jedoch weiter zurück und sie erwarben sogar ihren Platz in der französischen Kultur.

Im Gegensatz zu den amerikanischen Ghettos zeichnen die Banlieues sich durch ihre Heterogenität aus. Als ursprüngliche Arbeiterviertel entstanden, konzentrieren sich dort durch die postfordistische Umstrukturierung heutzutage „…»autochthonen« Franzosen (»Français de >souche<«) bäuerlicher Herkunft oder aus der Arbeiterklasse, von denen letztere oft etwas älter sind“ (Wihtol de Wenden 1998: 378). Zudem leben dort Menschen aus 15 bis 50 Nationen (vgl. Wacquant 2004b: 194). Demografisch gesehen sind fast fünfzig Prozent der BanlieuebewohnerInnen unter 20 Jahre alt (vgl. Wacquant 2004b: 178).

Ein weiterer Gegensatz zum amerikanischen Ghetto ist, dass in den Banlieues ein hohes Angebot an staatlichen Institutionen wie Bildungs-, Sozial-, Gesundheits- und Kultureinrichtungen gegeben sind, die die NutzerInnen atomarisieren und isolieren (vgl. Wacquant 2004b: 177f.). Paugam charakterisierte die Situation der BanlieuebewohnerInnen als ausschließende Armut, die durch eine immer größer werdende Abhängigkeit der NutzerInnen von wohlfahrtsstaatlichen Institutionen sowie einem Ausschluss vom Arbeitsmarkt gekennzeichnet ist, wobei die Zahl der Betroffenen steigt (vgl. Paugam 2004: 82). Ferner besteht in den Banlieues eine starke Kontrolle der staatlichen Institutionen, so dass sich kein informeller Wirtschaftssektor herausbilden kann (Paugam 2004: 85). Zudem besteht durch das staatlich gesicherte Existenzminimum nicht die Notwendigkeit wie in den USA, den informellen Wirtschaftssektor auszubilden. Entgegengesetzt zu anderen europäischen Ländern wie Deutschland wird die ökonomische Unterstützung durch den Wohlfahrtsstaat gesellschaftlich nicht als parasitärer Akt, sondern „[…] zur Stärkung der gesellschaftlichen Solidarität“ (Paugam 2004: 94) wahrgenommen. Ein weiteres Merkmal sind die nur noch schwachen Familienbindungen und Unterstützungsnetzwerke, die zwischen den BewohnerInnen der Banlieues wirken.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in den sozioökonomischen Strukturwandel der postfordistischen Ära ein und begründet die Wahl des Klassismus-Ansatzes zur Analyse der französischen Vorstädte.

2. Der Klassismus: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen des Klassismus, insbesondere basierend auf Barone, und definiert die Unterdrückungsmechanismen auf Makro-, Meso- und Mikroebene.

2.1 Die Theorie des Klassismus: Hier wird der theoretische Rahmen definiert, der Klassismus als kulturelle, antikapitalistische Theorie zur Aufdeckung von Machtstrukturen beschreibt.

2.2 Dynamiken und Ambivalenzen der klassistischen Ideologie: Es wird analysiert, wie klassistische Stereotypen durch Sozialisation internalisiert werden und welche Rolle die Identitätsbildung in einer fragmentierten Arbeiterklasse spielt.

3. Die Banlieue: Dieses Kapitel liefert eine soziologische Einordnung der französischen Banlieues als heterogene Räume, die sich deutlich von amerikanischen Ghettos unterscheiden.

3.1 Die Sozialstruktur der Banlieues: Untersuchung der demografischen Zusammensetzung und der Rolle staatlicher Institutionen für die Bewohner der Banlieues.

3.2 Probleme der wirtschaftlichen und politischen Integration: Analyse des Ausschlusses vom Arbeitsmarkt und der mangelnden politischen Interessenvertretung als Faktoren für soziale Konflikte.

3.3 Stigmata und Exklusion: Erläuterung der territorialen Stigmatisierung und der Distinktionskämpfe zwischen Bewohnern einzelner Wohnkomplexe.

4. Klassismus in der Vorstadtproblematik: Anwendung der Klassismustheorie auf die konkrete Situation in den Banlieues unter Berücksichtigung der drei Unterdrückungsebenen.

5. Fazit: Die abschließende Reflexion bewertet das Potenzial und die Grenzen des Klassismus-Ansatzes für die soziologische Stadtforschung.

Schlüsselwörter

Klassismus, Banlieue, soziale Exklusion, Stigmatisierung, postfordistische Ära, Arbeiterklasse, Unterdrückung, territoriale Marginalität, soziale Integration, Distinktionskämpfe, Strukturwandel, Klassenideologie, Vorstadtproblematik, Stadtsoziologie, Machtverhältnisse.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht die soziale Unterdrückung in französischen Vorstädten (Banlieues) unter Anwendung eines spezifischen soziologischen Theoriekonstrukts.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Die Schwerpunkte liegen auf dem Klassismus-Ansatz, der Struktur der Banlieues, Prozessen der Stigmatisierung sowie der wirtschaftlichen und politischen Ausgrenzung von Bewohnern dieser Stadtviertel.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, die Eignung der Klassismustheorie zu bewerten, um komplexe Konfliktpotenziale und Ausgrenzungsmechanismen in modernen, heterogenen Stadtvierteln zu erklären.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Der Autor führt eine theoretische Analyse durch, indem er das Konzept des Klassismus (exemplarisch nach Chuck Barone) auf empirische Gegebenheiten und soziologische Studien über die Banlieues anwendet.

Was wird im Hauptteil der Arbeit inhaltlich behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung in den Klassismus, eine Beschreibung der soziostrukturellen Besonderheiten der Banlieues und eine praktische Anwendung des Konzepts zur Analyse von Stigmatisierung und fehlender Integration.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Klassismus, territoriale Stigmatisierung, soziale Exklusion, Banlieue und Klassenideologie zusammenfassen.

Worin liegt der Unterschied zwischen den Banlieues und amerikanischen Ghettos laut dieser Analyse?

Die Arbeit hebt hervor, dass Banlieues eine höhere Heterogenität aufweisen und eine starke Präsenz staatlicher wohlfahrtsstaatlicher Institutionen besitzen, was sie deutlich von der Struktur amerikanischer Ghettos abhebt.

Warum stößt die Klassismustheorie bei der Analyse der Banlieues an ihre Grenzen?

Der Autor argumentiert, dass die Theorie Schwierigkeiten hat, vertikale Intraklassenkonflikte und die spezifische territoriale Qualität der Stigmatisierung in Frankreich vollständig zu erfassen.

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Résumé des informations

Titre
Unterdrückung in den Banlieues - Der Versuch einer Anwendung der Klassismustheorie auf die Zentrum-Peripherie-Problematik am Beispiel der französischen Vorstädte
Université
http://www.uni-jena.de/  (Institut für Soziologie)
Cours
Kritische Theorie und Soziale Frage
Note
1,3
Auteur
André Walter (Auteur)
Année de publication
2008
Pages
16
N° de catalogue
V114395
ISBN (ebook)
9783640152698
ISBN (Livre)
9783640154791
Langue
allemand
mots-clé
Unterdrückung Banlieues Versuch Anwendung Klassismustheorie Zentrum-Peripherie-Problematik Beispiel Vorstädte Kritische Theorie Soziale Frage
Sécurité des produits
GRIN Publishing GmbH
Citation du texte
André Walter (Auteur), 2008, Unterdrückung in den Banlieues - Der Versuch einer Anwendung der Klassismustheorie auf die Zentrum-Peripherie-Problematik am Beispiel der französischen Vorstädte, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/114395
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Extrait de  16  pages
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