[...] Durch die steigende Zahl frauenfeindlicher Texte möchte ich in dieser Arbeit untersuchen, wie genau die Geschlechterrollen in Rap-Texten durch die Männer konstruiert werden. Ich werde mich hierbei auf wichtige Bereiche konzentrieren, welche die Künstler immer wieder aufgreifen. So zum Beispiel werde ich die soziale Stellung der Rapper in der Gesellschaft beleuchten und untersuchen, welche Zukunftsvorstellungen oder Familienbilder entworfen werden. Aufgrund der immer wieder auftretenden Vorwürfe, dass Rap misogyn sei, möchte ich mich auch dieser Thematik annehmen. Wie sehen Rapper die Frauen in ihren Texten und warum? Dabei werde ich in der Konsequenz vor allem auch die abwertenden Begriffe für das andere Geschlecht fokussieren und versuchen herauszufinden, warum sie immer wieder auftauchen. Auch die Darstellung des Mannes soll in dieser Hinsicht natürlich nicht unberücksichtigt bleiben. Was für eine Art von Frau suchen MCs eigentlich, wenn sie grundsätzlich ein so schlechtes Bild von ihr entwerfen? Wie sehen sie sich selbst, welche Rolle spielt die Gewaltverherrlichung und wie ernst ist sie gemeint?
Um all das zu untersuchen habe ich mich für den 2006 veröffentlichten Track Assibraut von dem aus dem Ruhrgebiet stammenden – allerdings noch relativ unbekannten – Rapper Pedaz entschieden. Der Text ist für eine Untersuchung insofern interessant, da er in einer großen Bandbreite den Grundtenor des gegenwärtigen Raps widerspiegelt, auf der anderen Seite aber auch in ein paar Details völlig von anderen Konzepten abweicht. Aus diesem Grund werde ich gelegentlich auf andere deutschsprachige – und wenn nötig auch amerikanische – Künstler verweisen, um die Kontraste deutlicher zu machen und vielleicht „typischere“ Haltungen im Rap aufzuzeigen. Dabei werde ich mich vor allem auf die Rapper „Snaga & Pillath“ beziehen, deren Texte hauptsächlich Battle-Raps sind, die einen imaginären Gegner adressieren. In meiner Arbeit soll es mir nicht darum gehen, für den ausgewählten Text eine Lesart anzubieten, sondern ich möchte viel mehr anhand der verschiedenen Themenbereiche Ansätze vorschlagen, welche Möglichkeiten es gäbe, den Text in Bezug auf die Geschlechterdarstellung zu lesen. Mein Ziel soll es sein, zu zeigen, wie und in welcher Form sich die deutschen Rapper gern präsentieren, aber gleichzeitig auch zu demonstrieren, dass man die Texte, obwohl sie oft frauenfeindlich und gewaltverherrlichend sind, nicht allzu wörtlich nehmen sollte.
Struktur der wissenschaftlichen Untersuchung
1 Einleitung
2 Lebensumstände und Perspektiven
2.1 Die soziale Stellung
2.2 Perspektiven und das dargestellte Familienbild
3 Das entworfene Frauenbild im Rap
3.1 Die allgemeine Konzeption
3.2 Bitches, Hoes, Gold-Digger – Die negativen Frauenrollen
3.3. “There’s no business like hoe business“ – Die Pimp-Darstellung
4 Die Rolle von Armut, Gewalt und Drogen für die Männlichkeitsdarstellung
5 Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Arbeit untersucht unter einem gender-theoretischen Aspekt, wie männliche Geschlechterrollen und Frauenbilder in deutschen Rap-Texten konstruiert werden. Anhand des Tracks "Assibraut" des Rappers Pedaz wird analysiert, inwiefern sich darin patriarchale Strukturen widerspiegeln, wie soziale Identitäten gebildet werden und wie die Abwertung von Frauen als Stilmittel sowie als Ausdruck einer spezifischen sozio-ökonomischen Lebensrealität fungiert.
- Konstruktion von Männlichkeit und Geschlechterrollen im Deutsch-Rap
- Analyse des Frauenbildes und negativer Rollenzuschreibungen (Bitch, Hoe)
- Untersuchung der "Pimp"-Darstellung als rhetorisches Stilmittel
- Einfluss von Armut, Gewalt und Perspektivlosigkeit auf die Textinhalte
Auszug aus dem Buch
3.2 Bitches, Hoes, Gold-Digger – Die negativen Frauenrollen
Diese verachtende Ideologie lässt sich immer wieder auch in den „Anredeformen“, die für das weibliche Geschlecht gebraucht werden, erkennen. Generell gilt, dass Frauen „im ‚Gangsta’ Rap eigentlich immer schlecht weg[kommen]. Sie werden als unloyal und materialistisch dargestellt und in erster Linie als sexuelle Objekte wahrgenommen. Ihre soziale Rolle wird so gut wie gar nicht reflektiert […].“ Dies bedeutet, dass in einer bestimmten Sorte von Rap Texten fast durchgängig abwertende Begriffe, wie z.B. Bitch, Hoe, Nutte oder Ähnliches, verwendet werden, um auf das andere Geschlecht Bezug zu nehmen. Das geschieht sogar auch, wenn in dem Text eigentlich nicht explizit die Thematik des Weiblichen behandelt wird. Zwar lässt sich dieses Phänomen in unserem Text nicht dokumentieren, jedoch findet man in der Rap-Szene mehr als genügend andere Beweise.
Zwar könnte man argumentieren, dass auch der Begriff der „Assibraut“ diesem Muster entspricht, allerdings bin ich der Meinung, dass es sich hier eher um einen nett gemeinten Kosenamen handelt, zumal er sie teilweise auch „Honey“ nennt. Immerhin bezeichnet das lyrische Ich sich selbst ebenso als „Assi“, wodurch man folgern kann, dass diese Bezeichnung nicht wirklich böse gemeint ist. Trotz der Tatsache, dass ihr keine Beleidigungen zu Teil werden, ist ihre Behandlung – wie schon gezeigt – nicht als positiv zu werten. Allerdings findet sich auch kein durchgängig negativer Eindruck von ihr, wodurch Pedaz’ Lebenspartnerin eine Art Zwischenstellung einnimmt, obwohl Rapper für gewöhnlich nur nach „good girl/bad girl, madonna/whore—or […] sista/bitch” unterscheiden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in die Thematik der geschlechtsspezifischen Rollenbilder im deutschen Rap unter Einbezug theoretischer Vorarbeiten und der Auswahl des Untersuchungsobjekts.
2 Lebensumstände und Perspektiven: Analyse der sozialen Positionierung des lyrischen Ichs im Rap sowie der aus der Perspektivlosigkeit resultierenden Identitätsbildung.
3 Das entworfene Frauenbild im Rap: Eingehende Betrachtung der weiblichen Rollenbilder, ihrer Degradierung zu Sexobjekten und der spezifischen Terminologien wie "Bitch", "Hoe" oder der "Pimp"-Darbietung.
4 Die Rolle von Armut, Gewalt und Drogen für die Männlichkeitsdarstellung: Untersuchung der sozio-ökonomischen Hintergründe und der Bedeutung von Gewalt als Metapher und Identitätsmarker.
5 Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse und Einordnung der misogynen Ausdrucksweise in den Kontext des künstlerischen Ausdrucks und der sozio-ökonomischen Realität der Akteure.
Schlüsselwörter
Rap, Geschlechterrollen, Männlichkeit, Misogynie, Deutsch-Rap, Gender, Patriarchat, Pedaz, Identitätskonstruktion, Sozialstatus, Pimp, Gewaltverherrlichung, Soziologie, Jugendkultur, Rap-Texte
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Darstellung von Geschlechterrollen in deutschsprachigen Rap-Texten und untersucht die zugrunde liegenden patriarchalen Strukturen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen die soziale Stellung der Rapper, die Konstruktion von Männlichkeit, das Frauenbild im Genre sowie der Einfluss von Lebensumständen wie Armut und Gewalt.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Rapper ihre Identität konstruieren und warum frauenfeindliche sowie gewaltverherrlichende Texte oft nicht wörtlich, sondern als Teil eines spezifischen Diskurses zu verstehen sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine qualitative Textanalyse unter Einbezug gender-theoretischer und soziologischer Ansätze, gestützt durch den Vergleich mit US-amerikanischen Rap-Diskursen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert konkret die Lebensumstände der Rapper, die verschiedenen negativen Frauenrollen (z.B. Bitch, Hoe) und die Bedeutung der "Pimp"-Darstellung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Rap, Geschlechterrollen, Männlichkeit, Misogynie, Identitätskonstruktion, Pimp-Darstellung und sozio-ökonomische Hintergründe.
Was ist das Besondere an dem untersuchten Track "Assibraut"?
Der Track nimmt eine Ausnahmestellung ein, da er trotz misogynen Sprachgebrauchs eine monogame Beziehung beschreibt, was im untersuchten Genre eher selten ist.
Wie bewertet der Autor die Misogynie im Rap?
Der Autor argumentiert, dass diese nicht als pauschale Haltung der Rapper missverstanden werden darf, sondern oft als Schutzmechanismus oder Ausdruck von maskiertem Schmerz und soziokultureller Prägung zu sehen ist.
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- Robert Willrich (Author), 2007, Die männliche Darstellung der Geschlechter in deutschen Rap-Texten, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/114493