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Elemente analytischen Erzählens in Edgar Allan Poes 'The Mystery of Marie Roget'

Title: Elemente analytischen Erzählens in Edgar Allan Poes 'The Mystery of Marie Roget'

Term Paper (Advanced seminar) , 1999 , 21 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Dr. Martin Holz (Author)

English Language and Literature Studies - Literature
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Obgleich allgemein anerkannt als Pionier der Detektivgeschichte, hat Poe in seinen "tales of ratiocination" trotz gattungskonstitutiver Merkmale, die in die Tradition des Genres eingegangen sind, spezifische Varianten der detective story kreiert. "The Mystery of Marie Rogêt" entspricht nur partiell dem Typus der klassischen Detektivgeschichte, repräsentiert aber gleichwohl ein Paradig¬ma analytischen Erzählens, wobei signifikante Unterschiede gegenüber den beiden anderen Dupin-Geschichten evident sind. Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, die Elemente analytischen Erzählens gemäß Webers Theorie in dieser Geschichte zu eruieren und ihre Funktion zu bestimmen. Ergänzend werden die Taxonomien von Alewyn und Neuhaus herangezogen, um der Spezifik der detective story als eines möglichen Falls analytischen Erzählens gerecht zu werden. Dabei wird sich zeigen, dass der facettenreiche Begriff "analytisch" bei Poe insofern eine über Webers Definition hinausgehende Bedeutung besitzt, als er nicht nur die Erzähltechnik, sondern auch die von Dupin eingesetzte de¬tektivische Methode bezeichnet und neben einer psychologischen auch eine semiotische Dimension aufweist.
Nicht nur unter dem letzten Aspekt wird scharf zwischen Dupin als fiktiver Figur, dem Erzähler als Figur und als Vermittlungsinstanz und schließlich Poe als Autor nicht bloß der Geschichte, sondern des kriminologischen Rätsels und seiner Lösung zu differenzieren sein:"Der Gefahr der Verwechslung von Poe und Dupin haben viele Kritiker nicht widerstanden." Hinzu kommt, dass in diesem Text - anders als in der ersten und der dritten Dupin-Geschichte - ein authentischer Mordfall fiktionalisiert wird; aufschlussreich ist dabei, welche Distanz Poe zum historisch dokumentierten Mord gewinnt, insbesondere indem er mehr die analytisches Talent exemplifizierende theoretisch-modell¬hafte Auflösung als die konkrete Ergreifung des Täters und die Erhellung seiner Motive akzentuiert. Das manifestiert sich im Handlungsverlauf, in Poes Umarbeitung des Textes, in Erzählerkommentaren zu Beginn und am Schluss und vor allem im Dénouement.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

A. Poes "tales of ratiocination" als Paradigma analytischen Erzählens

B. Die Trichotomie der literarischen Konstruktion

I. Handlungskonstruktion

1. Handlungssubstanz und Handlungsverlauf

2. Betrachterfigur, Mittlerfigur und Gegenfigur

II. Narrative Modellierung

1. Ereigniszusammenhang vs. Erzählzusammenhang

2. Chronologie, Erzähltes und Erzählvorgang

III. Die Kommunikation zwischen Autor und Leser

1. Verrätselung und Enträtselung

2. Das problematische Dénouement

IV. Poetologische und kompositionelle Besonderheiten

C. Dupins analytische Methode

I. "Ratiocination", Abduktion und der "Calculus of Probabilities"

II. Detektion als exakte Wissenschaft

D. Authentischer und fiktiver Mord: Mary Rogers und Marie Roget

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht Edgar Allan Poes Geschichte "The Mystery of Marie Rogêt" hinsichtlich ihrer narrativen Struktur und ihres Status als Paradigma analytischen Erzählens. Ziel ist es, die spezifischen Elemente der Handlungs-, Darstellungs- und Mitteilungskonstruktion zu identifizieren, Dupins detektivische Methode theoretisch einzuordnen und die Spannung zwischen der fiktionalen Ausgestaltung und dem zugrunde liegenden authentischen Kriminalfall kritisch zu beleuchten.

  • Analyse der narrativen Modellierung und Zeitstruktur in Poes Werk.
  • Untersuchung der Rolle von Dupins "Ratiocination" und Abduktion als analytisches Instrument.
  • Charakterisierung der Figurenkonstellation (Detektiv, Erzähler, Täter, Opfer).
  • Erörterung der Kommunikation zwischen Autor und Leser durch Verrätselungstechniken.
  • Kritische Reflexion der Fiktionalisierung eines realen Kriminalfalls und der Folgen für das Erzählgenre.

Auszug aus dem Buch

II. Detektion als exakte Wissenschaft

Ohne auf die Dichotomie von Aufklärung und Romantik in der detective story näher eingehen zu wollen, kann man doch konstatieren, dass das analytischem Erzählen affine romantische Moment in Poes Geschichte nur peripher auftaucht. Bei aller Wissenschaftlichkeit des detektivischen Vorgehens ist ein "metaphysical or spiritual framework within which human beings seek to understand and control evil" nichtsdestoweniger evident, zum einen in der panischen Reaktion der Öffentlichkeit und der turbulenten Pariser Atmosphäre, zum andern aber genauso in Dupins wissenschaftlichem Engagement, denn es geht nicht um die Gewinnung von Erkenntnis um ihrer selbst willen, sondern um der Ergreifung des Täters und der Restitution der Rechtsordnung willen.

Es ist eine instrumentalisierte Wissenschaft, die Dupin treibt, auch wenn er sich mehr als Analytiker denn als Detektiv versteht. Seine Aktivität ist eine Wahrheitssuche um-zu und präludiert damit den wissenschaftlichen Pragmatismus. Insofern kann man die Geschichte auch als Lehrstück in wissenschaftlicher Methodologie lesen, wobei zweifellos Mathematik und Logik im Vordergrund stehen. Dass Poe dabei die zuerst intendierte exemplarische Lösung des authentischen New Yorker Mordfalls und damit die praktische Applikation seiner Doktrin misslang, schmälert ihren Stellenwert nicht; es zeigt nur, dass er selbst gegen die wichtigste Maxime - nie etwas vorauszusetzen - verstieß, als er wie selbstverständlich von einem Verbrechen ausging.

Zusammenfassung der Kapitel

A. Poes "tales of ratiocination" als Paradigma analytischen Erzählens: Einführung in das Thema und Definition des analytischen Erzählens bei Poe unter Einbeziehung von Webers Theorie.

B. Die Trichotomie der literarischen Konstruktion: Untersuchung der Handlungs-, Darstellungs- und Mitteilungsebenen inklusive der Figurenkonstellation und narrativen Modellierung.

C. Dupins analytische Methode: Detaillierte Betrachtung der "Ratiocination" und Abduktion als wissenschaftsähnliches Verfahren zur Lösung des Falles.

D. Authentischer und fiktiver Mord: Mary Rogers und Marie Roget: Analyse der Spannung zwischen dem historisch dokumentierten Mord an Mary Rogers und dessen literarischer Transformation durch Poe.

Schlüsselwörter

Edgar Allan Poe, The Mystery of Marie Rogêt, Analytisches Erzählen, Detektivgeschichte, C. Auguste Dupin, Ratiocination, Abduktion, Narrative Modellierung, Figurenkonstellation, Wissenschaftlichkeit, Kriminalfall, Fiktion und Faktizität, Literaturanalyse, Genretheorie, Dénouement.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert Edgar Allan Poes "The Mystery of Marie Rogêt" als ein zentrales Werk des analytischen Erzählens, das sich durch seine besondere narrative Struktur und methodische Vorgehensweise des Detektivs Dupin auszeichnet.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Im Fokus stehen die narrative Modellierung, die mathematisch-logische Methode der Ratiocination, die Rollenverteilung innerhalb der Figurenkonstellation sowie das Spannungsfeld zwischen Fiktion und historischer Realität.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?

Ziel ist es, die spezifischen Elemente analytischen Erzählens in dieser Geschichte aufzuzeigen und zu bestimmen, wie diese die Funktion des Textes sowie die Kommunikation zwischen Autor und Leser steuern.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Der Autor nutzt theoriegeleitete Analysen, insbesondere basierend auf Webers Konzepten des analytischen Erzählens sowie den Taxonomien von Alewyn und Neuhaus, um die Spezifik der detective story zu erarbeiten.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Handlungskonstruktion, die Analyse der narrativen Zeitstruktur, die Kommunikation zwischen Autor und Leser durch Verrätselung sowie die detaillierte Betrachtung von Dupins analytischer Methode.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?

Zu den prägenden Begriffen gehören analytisches Erzählen, Ratiocination, Abduktion, Detektivgeschichte, Dupin, narrative Modellierung und das Verhältnis von Fakt und Fiktion.

Wie unterscheidet sich "The Mystery of Marie Rogêt" laut dem Autor von anderen Dupin-Geschichten?

Die Geschichte zeichnet sich durch die Fiktionalisierung eines authentischen Kriminalfalls aus und ist handlungsärmer, da sie sich stark auf theoretisch-diskursive und analytische Passagen konzentriert, statt den Fokus auf die konkrete Ergreifung des Täters zu legen.

Warum wird Dupin im Text als "armchair detective" bezeichnet?

Dupin wird so genannt, weil er den Fall ausschließlich kraft seines analytischen Verstandes von seinem Wohnsitz aus löst, ohne selbst aktiv nachzuforschen oder den Tatort aufzusuchen.

Welche Rolle spielt die Presse im Text?

Die Presse fungiert als Element der Verrätselung; ihre Zeitungsberichte interpretieren die Fakten auf unterschiedliche Weise, führen den Leser in die Irre und müssen von Dupin mühsam widerlegt bzw. relativiert werden.

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Details

Title
Elemente analytischen Erzählens in Edgar Allan Poes 'The Mystery of Marie Roget'
College
University of Cologne  (Institut für deutsche Sprache und Literatur )
Course
Klassiker des Detektivromans von Poe bis Haefs
Grade
1,7
Author
Dr. Martin Holz (Author)
Publication Year
1999
Pages
21
Catalog Number
V114521
ISBN (eBook)
9783640161362
ISBN (Book)
9783640161454
Language
German
Tags
Elemente Erzählens Edgar Allan Poes Mystery Marie Roget Klassiker Detektivromans Haefs
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Dr. Martin Holz (Author), 1999, Elemente analytischen Erzählens in Edgar Allan Poes 'The Mystery of Marie Roget', Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/114521
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