Die indische Diaspora in Tansania


Hausarbeit, 2001
15 Seiten, Note: 1,5

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Physikalische und soziale Geographie – Demographie – wirtschaftliche Lage

3. Geschichte und Politik

4. Die indische Minderheit im heutigen Tansania
4.1 Die indische Diaspora
4.2 Kulturelle und religiöse Unterschiede der indischen Tansanier
4.3 Wirtschaftliche Position der Inder und die daraus resultierenden Probleme
4.4 Die Frage der Staatsbürgerschaft

5. Multikulturelle Gesellschaft – Integration, Segration und Rassenverhältnisse

6. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Nach einem sechsmonatigen Auslandsstudium an der Universität Dar es Salaam, Tansania bin ich mit einer veränderten Einstellung zu allen gesellschaftlichen Aspekten zurückgekehrt. Im Kurs Migration und ethnische Minderheiten kann ich nun über einen Teil meiner eigenen Erfahrung, unter Heranziehung relevanter Literatur, einen Teil dieser Erfahrung aufarbeiten. Es wird im folgenden, um die Migration der indischen Bevölkerung nach Tansania und ihre Position heute gehen, dabei werde ich auch eine allgemeine Beschreibung des Staates Tansania, über dessen politische Entwicklung und Situation, die Wirtschaftslage und einen geschichtlichen Abriss, immer im Zusammenhang mit der indischen Minderheit schrittweise entwickeln. Dies ist notwendig, damit die Zusammenhänge der Migration und der Etablierung einer indischen Diaspora verständlich aufgezeigt werden können. Es werden die religiösen, kulturellen Aspekte beleuchtet, aber auch die Migration in Zahlen aufgezeigt, des weiteren werde ich die Diaspora der Inder darstellen und die Konflikte und Probleme herauskristallisieren.

2. Physikalische und soziale Geographie – Demographie – wirtschaftliche Lage

Der Staat Tansania erstreckt sich über eine Größe von 945.087 Quadratkilometer in Südostafrika. Im Norden wird der Staat durch Kenia und Uganda, im Osten durch Ruanda, Burundi und dem Kongo und im Süden durch Sambia, Malawi und Mosambik, im Osten durch den Indischen Ozean begrenzt. Zum Staatsgebiet zählen auch die Inseln Sansibar, Pemba, Letham und Mafia, sowie unzähliger vorgelagerter Kleininseln.

Nach Angaben der Vereinten Nationen aus dem Jahre 1998 leben in Tansania 32.102.100 Menschen, von denen ca. 800.000 auf der Insel Sansibar leben. Die Bevölkerungsdichte liegt bei 34 Einwohnern pro Quadratkilometer. Die Lebenserwartung wird mit ca.50 Jahren beziffert. 97,6% der Bevölkerung sind Afrikaner, der Rest verteilt sich auf indisch, arabisch und europäische Gruppen. Die Bevölkerung lebt zum größten Teil auf dem Land, die größte Stadt ist Dar es Salaam mit ca. 1.000.000 Million Einwohner. Es leben etwa 120 verschiedene Bevölkerungsgruppen auf dem Staatsgebiet, von denen jedoch keine mehr als 10% der Gesamtbevölkerung stellen.

Etwa 80% der Bevölkerung lebt von der Landwirtschaft und der Viehzucht, es werden hauptsächlich Kaffee, Baumwolle, Getreide und Nelken(Sansibar/Pemba) als Exportgüter angebaut. Das Land ist reich an Bodenschätzen wie Diamanten, Gold und Gas(Küstenregion). Die Infrastruktur des Landes erhält erst in den letzten Jahren Auftrieb durch internationale Projekte. Das Bruttosozialprodukt pro Einwohner betrug 1998 $US262. Die Landwirtschaft hat dabei einen Anteil von 44,8% auf dem Festland und 41,5% auf Sansibar. Die Produktion von Gütern trägt einen Anteil von 7,9% auf dem Festland und 4,9% auf Sansibar zu dem BSP bei. Der Tourismus bringt dem Land einen Umsatz von ca. $US392.4 Millionen jährlich ein. Die wirtschaftliche Entwicklung hat in der letzten Dekade einen Aufschwung erhalten und die Erwartungen an eine weitere Stabilisierung der wirtschaftlichen Situation sind optimistisch.[1]

3. Geschichte und Politik

Das Land Tansania existiert in seinen aktuellen Grenzen erst seit Ende des vergangenen Jahrhunderts, die Unabhängigkeit von Großbritannien wurde erst 1961 erreicht, doch dazu später etwas mehr. Trotz der großen Unterschiede zwischen den einzelnen Kulturräumen und den verschiedenen Ethnien des Landes bildet Tansanias Geschichte eine Einheit, die größtenteils mit den bestehenden Grenzen übereinstimmt.

(Ein doch wichtiger Punkt für die Einsicht der ständigen Migration des Menschen überhaupt ist der Fakt – Die Wiege der Menschheit - liegt in Ostafrika, die durch Funde aus dem Jahre 1998 in Tansania den Nachweis erbrachten, das bisher unwiderlegt, die ältesten unserer Vorfahren vor 6 Millionen aus dieser Region kamen.)

Die vorkoloniale Geschichte Tansanias ist von zwei parallel verlaufenden Entwicklungen gekennzeichnet. Der frühe Seeverkehr der Sumerer, Phönizier, Ägypter, Perser, Araber und um das Jahr 1000 auch Chinesen und Inder die Küste Ostafrikas anliefen, um ihre Handelsbeziehungen im Indischen Ozean auszudehnen. Im innern Afrikas kam es zu den großen Völkerwanderungen, die jedoch nur lückenhaft zu rekonstruieren sind, es ist eine gemeinsame Wurzel zwischen den Völkern aller Regionen Afrikas und der arabischen Halbinsel jedoch nachweisbar. Seit dem 8.Jahrhundert begannen die Araber in Ostafrika eine Rolle zu spielen. Sie verbreiteten den Islam und dehnten die Handelbeziehungen immer weiter in Richtung Süden aus. Auf den Inseln Pemba und Sansibar sind die Spuren der Vermischung mit den Bantugruppen, vor allem auf die Entstehung der Suaheli Ethnien zu beziehen, noch heute sichtbar. Im 15 Jahrhundert lösten die Portugiesen die Araber ab, die Oman Araber machten eben diesen Platz ab dem 17 Jahrhundert streitig. Es kam sogar soweit, das aufgrund des Handelbooms, der Sultan Sayyed Said von Oman den Sultanatsitz nach Sansibar verlegte. Im 19 Jahrhundert breiteten die Araber sich durch die großen Karawanenstrassen auch im innern des Landes aus. Sie rückten bis an die großen Seen vor und kamen mit Elfenbein und Sklaven zurück. Kontrolle übten sie allerdings nur auf den Inseln und der Küste aus. Die arabischen Händler geraten in finanzielle Schwierigkeiten und in die Abhängigkeit indischer Zuwanderer. Die Briten nutzen unter dem Deckmantel des Empire diese Stellung für sich aus. Das kurze deutsche Intermezzo von 1885-1918 unterbrach nur kurz den politisch-kulturellen Weg des Landes. Sie bauten zwar eine bis heute genutzte und wichtige Infrastruktur auf, hatten aber niemals wirklich Einfluss im heutigen Tansania. Die Briten interessierten sich nach der Aufteilung der Kolonien mit Ende des ersten Weltkrieges wenig für das Gebiet, das fortan Tanganyika Territory hieß. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde Tanganyika Treuhandgebiet der Vereinten Nationen.

Zu einem vor allem für den zweiten Teil der Arbeit wichtigen Zeitabschnittes, kam es durch den Mwalimu - Julius Nyerere. Ein junger Lehrer der das Land mit der TANU – Partei in die Autonomie, unter dem Slogan Uhuru na Umoja (Freiheit und Einheit), führte. Die friedliche Formulierung seiner Politik in einem Land mit einer gemeinsamen Sprache Kisuaheli und ohne jegliche Religionskonflikte oder Tribalismus - Probleme, führte am 9.Dezember 1961 zur Unabhängigkeit des Territoriums. 1963 schloss sich das unruhige Sansibar nach dem eigenen Ausruf der Unabhängigkeit an das neu gegründete Tanganyika an. Kurz darauf kam es auf Sansibar und Pemba zur blutigen Rebellion, in dessen Folge 17000 Araber und Inder den Tod fanden. Auf Drängen Nyereres rief die Revolutionsregierung unter Abeid Karume, den Bund mit dem Festland aus, um so weitere Ausschreitungen zu vermeiden. Am 26.April 1964 wurde die United Republic of Tanzania ausgerufen(Tan ganyika + Za nsibar + Aza nia [antike Küstenbezeichnung]). Nyerere wurde Staatspräsident und führte im Jahr 1967 den afrikanischen Ujamaa Sozialismus ein. 1985 gab Nyerere aus verschiedenen Gründen – intern: der nicht beachteten Fruchtfolge in den Agrarbetrieben der Ujamaadörfern, die zu Unmut und Abwanderung in der Bevölkerung aus den „Kunstdörfern“ führte, extern: die immensen Kosten für den Krieg mit Uganda und des Sturzes des Diktator Idi Amin – und er so vor allem im Ausland immer weiter unter politischen und wirtschaftlich Druck geriet, sein Mandat an Ali Hassan Mwinyi ab. Auch nach seinem Tod 1999 wird er im Land als Heldfigur verehrt. Mwinyi vollzog auf Druck der Weltbank, IWF und westlicher Regierungen einen Kurswechsel in Richtung Marktwirtschaft und Demokratie. Seit 1995 steht Benjamin Mkapa, in dem seit 1992 eingeführten Mehrparteiensystems des Landes, an der politischen Spitze.2

4. Die indische Minderheit im heutigen Tansania

4.1 Die indische Diaspora

In Tansania leben derzeit etwa 42000 „Indian Africans“, davon 25000 in der Hauptstadt Dar es Salaam , dem Hafen des Friedens. Etwa 10000 Inder leben auf der Insel Sansibar, der Rest verteilt sich auf strategisch wichtige Punkte im Landesinnern. Von 1921 wanderten vermehrt Inder aus den benachbarten britischen Kolonien oder direkt aus Indien ein. Bis 1948 vervierfachte sich die Zahl der Einwanderer, die sich hauptsächlich in der Hafenstadt niederließen.. Grund für die indische Zuwanderung auch im übrigen Tanganyika, war die ethnische Einordnung der Inder, die wegen dem britischen Mandatsstatus der weißen Bevölkerungsschicht annähernd gleichgestellt wurden. Dies stärkte das Selbstvertrauen der indischen Zuwanderer. Sie erwarben aus dem deutschen Nachlass Grund und Boden, indische Kaufleute zogen in die Geschäftshäuser der Innenstadt und ließen sich am Hafen und an den großen Ausfallstrassen im Hinterland nieder.2 Bis zum 2. Weltkrieg entstand im Zentrum von Dar es Salaam ein dichtes und in die Höhe gebautes indisches Geschäfts- und Wohnviertel das „Indian Quarter“. Mit der Unabhängigkeit Indiens 1947 und dem Tod von Mahatma Ghandi und dem später ausgerufenen Ujamaa Sozialismus ging jedoch die Zahl der indischen Migranten langsam zurück. Ghandi war einer der großen Fürsprecher für die indische Auswanderung ins damalige Tanganyika Territory gewesen, er hegte den Gedanken, hier ein „Amerika“ für Inder zu schaffen. Ausgewanderte Inder haben generell, sogar nach Generationen außerhalb ihres Heimatlandes, die Weiterführung und Organisation ihrer kulturellen und religiösen Gewohnheiten beibehalten.

Es gibt jedoch einen gravierenden Unterschied der in Ostafrika lebenden indischen Ethnien zu den Indern auf anderen Erdteilen: Die Indian Africans stehen in einem weitaus engeren Kontakt zu ihrer Heimat und leben eine, weithin an ihre regionale Herkunft, angelehnte Tradition weiter. Dies ist typisch für eine Diaspora, die im folgenden noch einmal stichpunktartig beschrieben wird:

1. - freiwillige oder unfreiwillige Migration
2. - der Wohnort wird in das Gastland verlegt
3. - Beibehaltung der ethno-nationalen Identität
4. - Einführung einer kommunalen Organisation im Migrationsland
5. - kulturelle, soziale, politische und wirtschaftliche Kontakte zum Heimatland
bleiben bestehen
6. - Aufbau eines Netzwerkes zwischen dem Heimat- und Migrationsland
7. - Entwicklung eines Dilemmas aufgrund dieser dualen Beziehung

Im Fall der Inder tritt ein weiterer Begriff in der Literatur auf, der als Mittelstands-Minderheit beschrieben wird. Die zwei Hauptgründe hierfür liegen in der Besonderheit dieser Diaspora: Erstens, die Mitglieder der Minderheit sind zum größten Teil in wirtschaftlichen Positionen die durch Handel, Service und Geldgeschäfte gekennzeichnet ist. Zweitens, sie üben keine politisch, gesellschaftliche Kontrolle durch ihre Tätigkeit aus. Wie wir erkennen, handelt es sich in Tansania um ein Mittelstands Diaspora die sich in einigen Charakteristika von den der reinen Diaspora abweichend darstellt:

1. – die Organisation ist in Großfamilien und Sippen
2. – sie leben in Ghettos oder eigenen Stadtteilen
3. – sie assimilieren sich langsamer oder kaum an die Kultur
4. – sie gehören meist der städtischen Bourgeoisie an
5. – sie üben keine politische Macht aus
6. – sie zeichnen sich durch Spezialwissen und Können aus
7. – sie sind meist durch überdurchschnittlichen Fleiß gekennzeichnet
8. – sie migrierten freiwillig

Diese Charakteristiken sind sicher nicht auf jeden Einzelfall zutreffend, zeichnen jedoch ein ziemlich genaues Bild der Allgemeinheit ab. Aus meinen eigenen Erfahrungen kann ich diese Zusammenfassung nur unterstützend bestätigen.3

Die relevantesten Daten der Einwanderung, wie die Gründe für die Migration und die Anzahl der Einwanderer, sollen im folgenden an Hand von Grafiken verdeutlicht werden:

[...]


1 Vgl. Facts on Africa, S.1146-1167

2 Vgl. Gabriel, J., Reise-Know-How Tansania, Sansibar, Därr, Hohentann, 1999, S.143-168

2 Vgl. Voigt-Graf, C., Von Dehli nach Dar es Salaam, DED Brief, Berlin, 1998, S.30-32

3 Vgl. Voigt-Graf, Carmen, Asian communities in Tanzania, Hamburg: Institut für Afrikakunde, 1998, S.7-15

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Die indische Diaspora in Tansania
Hochschule
Hamburger Universität für Wirtschaft und Politik (ehem. Hochschule für Wirtschaft und Politik)
Veranstaltung
Migration und ethnische Minderheiten
Note
1,5
Autor
Jahr
2001
Seiten
15
Katalognummer
V114553
ISBN (eBook)
9783640153176
ISBN (Buch)
9783640155033
Dateigröße
471 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Diaspora, Tansania, Migration, Minderheiten
Arbeit zitieren
Jan Lüdert (Autor), 2001, Die indische Diaspora in Tansania, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/114553

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