Jugendarbeitslosigkeit. Ursachen und Folgen


Studienarbeit, 2007
22 Seiten, Note: 2,1

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Definitionen von Arbeitslosigkeit
2.1 Arbeitslosigkeit – ein feststehender Begriff?
2.2 Jugendarbeitslosigkeit

3. Ursachen für die Arbeitslosigkeit

4. Das Ausmaß der Jugendarbeitslosigkeit
4.1 Jugendarbeitslosigkeit in der BRD
4.1.2 Jugendarbeitslosigkeit in den neuen und alten Bundesländern
4.2 Jugendarbeitslosigkeit im internationalen Vergleich

5. Folgen der Jugendarbeitslosigkeit
5.1. Gesellschaftliche Folgen von Jugendarbeitslosigkeit
5.2 Individuelle Folgen von Jugendarbeitslosigkeit

6. Bedeutung der aktiven Arbeitsmarktpolitik

7. Fazit

Quellen:

1. Einleitung

Wenn man die Entwicklung der Arbeitslosenquote betrachtet, so stellt man fest, dass diese kontinuierlich gestiegen ist. Diese Tatsache betrifft auch die Arbeitslosenquote der Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Laut Bundesarbeitsminister Franz Müntefering ist die Jugendarbeitslosigkeit „eines des größten Risiken“ für die gesellschaftliche Stabilität in Deutschland (vgl. Planque/Kolf, S. 3). Aufgrund der mangelnden Ausbildungsplätze sowie der hohen Zahl der Schulabbrecher sprechen die Politiker von einer „Sozialhilfe- und Arbeitslosengeld-II-Karriere“. So ist es nicht ungewöhnlich, dass viele Jugendliche nach der Schule in die Arbeitslosigkeit fallen. Davon sind nicht nur Jugendliche mit Migrantenhintergrund betroffen, sondern auch einheimische.

Die Vertreter der Politik sind bemüht Ursachen und Lösungen für die hohe Jugendarbeitslosigkeit zu finden. Diese werden in Form von Reformvorschlägen präsentiert, wie zum Beispiel 1€-Jobs, Steuersenkungen, Existenzgründerhilfen usw. Und tatsächlich ist die Arbeitslosenquote in diesem Jahr gesunken und ein weiterer Abstieg wird prophezeit. In den Medien wird die genaue Zahl der Arbeitslosen veröffentlicht, doch die genauen Statistiken, die nach Alter, Herkunft und Qualifikation berechet werden, gehen häufig unter und werden nur in bestimmten Zeitungen sowie Internetportalen veröffentlicht. So erfährt der Bundesbürger, dass die Zahlen gesunken sind, doch wer genau davon profitiert hat, bleibt oft ungewiss.

Die folgende Studienarbeit beschäftigt sich mit einem bestimmten Typ der Arbeitslosigkeit, der Jugendarbeitslosigkeit. Doch was versteht man unter Jugendarbeitslosigkeit, wie und warum entsteht diese, wer ist besonders davon betroffen und wie kann man diese verhindern? Diese Fragen werden in den folgenden Kapiteln geklärt sowie weiter aufgeworfen.

Im zweiten Kapitel werden zunächst die verschiedenen Arten der Arbeitslosigkeit dargestellt sowie Beispiele aufgeführt. Das dritte Kapitel beschäftigt sich mit den Ursachen der Arbeitslosigkeit, insbesondere mit der Entstehung der Jugendarbeitslosigkeit. Das Ausmaß der Jugendarbeitslosigkeit in Deutschland sowie in der Europäischen Union wird im vierten Kapitel dargestellt und mit Zahlen belegt. Hier werden die Betroffenen nach Alter, Herkunft und Geschlecht unterschieden. Im darauf folgenden Kapitel werden gesellschaftliche und individuelle Folgen der Jugendarbeitslosigkeit vorgestellt. Das sechste Kapitel erklärt die Rolle der aktiven Arbeitsmarktpolitik. Abschließend wird das Fazit zu dieser facettenreichen Thematik gezogen.

2. Definitionen von Arbeitslosigkeit

Bevor man sich mit dem Thema „Jugendarbeitslosigkeit“ beschäftigt, sollte der Begriff der „Arbeitslosigkeit“ genau geklärt werden. Im folgenden Kapitel werden die verschiedenen Arten der Arbeitslosigkeit aufgeführt sowie der Begriff der „Jugendarbeitslosigkeit“ näher beleuchtet.

2.1 Arbeitslosigkeit – ein feststehender Begriff?

Der Begriff „Arbeitslosigkeit“ begegnet uns heute überall in den Medien und nicht nur die Vertreter der Politik, sondern auch der Wirtschaft betrachten deren Entwicklung besorgt. Viele Lexika versuchen den Begriff zu definieren, unter anderem auch das Wirtschaftslexikon, welches schreibt, dass Arbeitslosigkeit prinzipiell aus Störungen im Wirtschaftsablauf entsteht. Die Ursachen dafür beruhen auf dem Mangel an Arbeitsgelegenheiten im Verhältnis zu Menge und Art der verfügbaren Arbeitsleistung zu den jeweils herrschenden Löhnen (vgl. Das Lexikon der Wirtschaft). Das bedeutet, dass in der Bundesrepublik ein Mangel an Arbeitsplätzen herrscht bzw., dass es zu viele Arbeitnehmer und zu wenige Arbeitgeber gibt. Die Experten gehen ein Schritt weiter und legen verschieden Arten der Arbeitslosigkeit fest. Sie unterscheiden zwischen friktionellen, saisonalen, konjunkturellen, strukturellen und Langzeitarbeitslosigkeit.

Die friktionelle Arbeitslosigkeit ist auch als Fluktuationsarbeitslosigkeit bekannt und bezeichnet den Zeitraum der Arbeitssuche zwischen der alten Aufgabe und den Beginn einer neuen Tätigkeit (vgl. Lexikon der Wirtschaft). Ursachen dafür sind unter anderem Kündigung, Konkurs, Verzögerung bei der Stellenbesetzung usw.. Friktionelle Arbeitslosigkeit ist oft von kurzer Dauer und stellt kein beschäftigungspolitisches Problem dar.

Die saisonale Arbeitslosigkeit ist auf jahreszeitlich schwankende Nachfrag- und Arbeitsbedingungen zurückzuführen. Davon sind bestimmte Sektoren der Volkswirtschaft, wie z. B. Tourismusbranche, Landwirtschaft, Baubranche usw. betroffen. Die saisonale Arbeitslosigkeit kann man gezielt vermeiden, z. B. mit Auszahlung des Schlechtwettergeldes in der Baubranche usw..

Die konjunkturelle Arbeitslosigkeit wir durch zyklische Schwankungen der wirtschaftlichen Entwicklung und den dabei auftretenden Nachfrageschwankungen sowie Produktionsrückgängen verursacht (vgl. Das Lexikon der Wirtschaft). Mit dem konjunkturellen Aufschwung nimmt die konjunkturelle Arbeitslosigkeit ab. Ihre Dauer ist vom Verlauf des Konjunkturzyklus abhängig.

Die strukturelle Arbeitslosigkeit ist eine Form der Arbeitslosigkeit, die durch unterschiedliche Faktoren verursacht wird, so z. B. werden durch den Einsatz neuer Techniken und Maschinen, durch die Veränderung des Weltmarktes usw. Arbeitsplätze abgebaut oder ganze Unternehmen still gelegt. Diese Form der Arbeitslosigkeit ist oft von langer Dauer.

Als Langzeitarbeitslose werden diejenigen Personen bezeichnet, die zum Erhebungszeitpunkt mindestens ein Jahr lang durchgängig arbeitslos gemeldet waren (vgl. Grobe/Schwartz, S.5). Die Ursachen dafür sind unterschiedlichen Charakters. Die Dauer kann man nicht genau festlegen. 2001 waren 31% der Männer und 36% der Frauen von der Langzeitarbeitslosigkeit betroffen (vgl. Grobe/Schwartz, S. 7).

Weitere Formen der Arbeitslosigkeit werden in Gruppen gefasst. So existiert die so genannte Frauen- und Männerarbeitslosigkeit sowie Jugendarbeitslosigkeit usw..

Die verschiedenen Formen der Arbeitslosigkeit können gemeinsam auftreten. Daher gestaltet sich die Suche nach den Ursachen und deren Lösungen schwierig.

2.2 Jugendarbeitslosigkeit

Jugendarbeitslosigkeit bezeichnet keine bestimmte Form der Arbeitslosigkeit wie im Kapitel 2.1., sondern den Anteil der registrierten arbeitslosen Jugendlichen unter 25 Jahren an den zivilen Erwerbspersonen (vgl. Plünnecke/Werner, S. 11). Hier unterscheidet man in Gruppen „Heranwachsende“, Jugendliche zwischen dem 15. und 19. Lebensjahr, sowie „junge Erwachsene“ zwischen 19. und 24. Lebensjahr (vgl. Das Lexikon der Wirtschaft; IAB, S. 7). Dadurch kann man besser zwischen den Problemen an der ersten Arbeitsmarktschwelle bzw. der zweiten unterscheiden.

Das „Zwei-Schwellen-Modell“ wurde in 70er Jahren formuliert und findet noch heute Beachtung. Die erste Schwelle bezeichnet den Übergang von der schulischen in die berufliche Ausbildung. Diese ist häufig mit einer Orientierungsphase verbunden, denn nicht alle Jugendlichen mit einem Schulabschluss können mit Sicherheit sagen, wie ihre berufliche Zukunft aussieht. Dazu kommen das mangelnde Lehrstellenangebot sowie zu hohe Anforderungen seitens der Arbeitgeber und die dabei auftretende Zukunftsängste. So bereitet bereits die erste Arbeitsmarktschwelle vielen Jugendlichen erhebliche Schwierigkeiten. Die zweite Schwelle, der Übergang von der beruflichen Ausbildung in das reguläre Arbeitsleben, gestaltet sich ebenfalls schwierig. Häufig finden viele Jugendliche in Anschluss an die Ausbildung kein Arbeitsplatz und müssen an arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen teilnehmen (vgl. IAB Forschungsbericht, S. 5).

3. Ursachen für die Arbeitslosigkeit

Der Stellenmarkt in Deutschland ist durch Nachfrage und Angebot geprägt. Das heißt, dass die häufigste Ursache für die Arbeitslosigkeit der Mangel an Arbeit ist (vgl. Plünnecke/Werner, S. 7). Doch wie entsteht solcher Mangel und warum ist die Bundesrepublik besonders davon betroffen? Diese Fragen werden im folgenden Kapitel aufgegriffen und beantwortet.

Wie bereits in der Einleitung erwähnt, war Erwerbslosigkeit seit dem Wirtschaftswunder in Westdeutschland und im kommunistischen Staat, DDR, kein neues Problem. Die alten Bundesländer kamen zunächst in Folge der Ölpreisschocks in den Jahren 1973 und 1981 mit den steigenden Arbeitslosenzahlen in Berührung (vgl. Grobe/Schwartz, S. 6). Der einsetzende Konjunkturrückgang 1992/1993 verdoppelte die Zahlen. Hinzu kamen die wachsende Erwerbsbeteiligung von verheirateten Frauen, Zuwanderung von Aussiedlern und Gastabeitern und die Veränderung in der Altersstruktur.

Die neuen Bundesländer waren ebenfalls von der Arbeitslosigkeit betroffen. Die Ursachen dafür waren in der veralteten Wirtschaftstruktur der DDR sowie fehlender Wettbewerbsfähigkeit zu finden. Zudem kam der technologische Wandel, der mit der Globalisierung und Automatisierung einherging.

Es existieren zwei Deutungsmuster für die Entstehung des Arbeitsmangels, die intensiv aus der auf der Tagung „Krise der Arbeitsgesellschaft“ diskutiert wurden. Einerseits ist es die Veränderung der Arbeitsgesellschaft, die Strukturkrisen in den Industrieländern hervorruft. Dadurch wird die Arbeitsleistung in den Industrieländern teuerer und die Produktion sowie Kapital werden in die Entwicklungsländer verlagert. Es erfolgt Reduzierung der Arbeits- und Ausbildungsplätze (vgl. Jugendarbeitslosigkeit – ein Störfall?, Frankfurt, 2007).

Andererseits stellt Vollbeschäftigung in ganz Europa „Dreh- und Angelpunkt“ für die gelingende Lebensbewältigung des Einzelnen dar. Wenn man die Arbeitslosenquoten in der Bundesrepublik betrachtet, ist Deutschland weit von dem Modell der Vollbeschäftigung entfernt. Demzufolge haben die Betroffenen ihr Leben nur dann erfolgreich meistern, wenn sie wieder Arbeit haben, in der Phase der Arbeitslosigkeit scheint dies unmöglich zu sein.

Da besonders Jugendliche ohne bzw. mit einem niedrigen Bildungsabschluss von der Arbeitslosigkeit betroffen sind, müssen die Ursachen für die Jugendarbeitslosigkeit im Bildungssystem gesucht werden. Ohne einen Schulabschluss ist es nahezu unmöglich einen Ausbildungsplatz zu finden (vgl. Plünnecke/Werner, S. 8). Die PISA-Studie hat deutlich vorhandene Qualifikationsdefizite der Jugendlichen sowie des deutschen Bildungssystems gezeigt. Aufgrund der frühen Trennung der einzelnen Schulformen wird vielen Schülern der Wechsel in die nächst höherer Schulform erschwert bzw. unmöglich gemacht. Das Ergebnis sieht so aus, dass man sozial benachteiligte Jugendliche an wenigen Gymnasien und Hochschulen trifft. Insgesamt sinkt die Zahl der Studierenden an den deutschen Hochschulen, gleichzeitig werden händeringend Fachkräfte gesucht, die von den deutschen Unternehmen aus dem Ausland angeworben werden.

Eine weitere Ursache für die Jugendarbeitslosigkeit ist in der Herkunft der Jugendlichen bzw. jungen Erwachsenen zu finden (vgl. Weber, S. 7). Jugendliche mit Migrantenhintergrund sind eher von der Arbeitslosigkeit betroffen als einheimische Jugendliche. Dabei spielen Sprachbarrieren eine große Rolle. Hinzu kommt die Tatsache, dass viele im Ausland erworbene Bildungszertifikate in Deutschland nicht anerkannt werden (vgl. IAB, S.13). Häufig sind ausländische Eltern mit den Strukturen des deutschen Bildungssystems überfordert bzw. nicht informiert und unterschätzen den Wert der Bildung. So ist es nicht überraschend, dass viele ausländische Schüler früh mit der Schule abschließen, um arbeiten zu gehen und schnell Geld zu verdienen, auch in niedrigen Positionen.

Das duale Ausbildungssystem spielt auf dem deutschen Arbeitsmarkt eine wichtige Rolle. Das rückläufige Lehrstellenangebot beeinflusst das Ausmaß der Jugendarbeitslosigkeit. Dieser ist auf die schlechte konjunkturelle Situation sowie eine wachstumsfördernde Wirtschaftspolitik zurückzuführen (vgl. Plünnecke/Werner, S. 38). Aber auch wenn man im letzten und diesem Jahr von einem wirtschaftlichen Aufschwung in Deutschland sprechen kann, werden nicht gleichzeitig mehr Ausbildungsplätze geschaffen. Dieser Prozess ist langwierig und verlangt eine langjährige stabile wirtschaftliche Lage.

[...]

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Jugendarbeitslosigkeit. Ursachen und Folgen
Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen  (Institut für Politikwissenschaft)
Veranstaltung
Arbeitspolitik
Note
2,1
Autor
Jahr
2007
Seiten
22
Katalognummer
V114557
ISBN (eBook)
9783640153206
ISBN (Buch)
9783640157020
Dateigröße
493 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Jugendarbeitslosigkeit, Ursachen, Folgen, Arbeitspolitik
Arbeit zitieren
Valerie Wittenbeck (Autor), 2007, Jugendarbeitslosigkeit. Ursachen und Folgen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/114557

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