Jeden Tag träumen Tausende deutscher Jugendlicher den Traum, erfolgreich Sport zu treiben. Medienpräsente Vorbilder wie der Fußballer Michael Ballack, Turner Fabian Hambüchen, Biathletin Magdalena Neuner oder Basketball-Star Dirk Nowitzki lassen Kinder davon träumen, so berühmt zu werden wie ihre Idole. Auch ich hatte als Kind diesen Traum. Als ich zehn Jahre alt war, hieß mein Vorbild Boris Becker und mein erklärtes Ziel war der Gewinn des Wimbledon-Turniers. Mit zunehmendem Alter und abnehmender Motivation dieses Ziel zu verfolgen, geriet diese Vision jedoch mehr und mehr in den Hintergrund. Ich erkannte bald, dass ich meine Energie lieber in meine Freizeit investieren wollte, als jeden Tag eineinhalb Stunden lang auf dem Tennisplatz zu trainieren. Zudem blieben die erhofften Erfolge aus und so entschied ich mich dafür, mir meine Freizeit so einteilen zu können wie ich es wollte und dagegen, all meine freie Zeit in den Sport zu stecken. Zudem nahmen schulische Belange ab der gymnasialen Oberstufe einen nicht unerheblichen Teil des Tages ein und somit verschwand der Gedanke des Leistungssports gänzlich aus meinem Kopf. Anders verlief die Sportkarriere meines Bruders. Er verließ nach der elften Klasse das Gymnasium, um professionell Eishockey zu spielen. Bereits während seines letzten Schuljahres hatte sich abgezeichnet, dass die Schulleitung nicht bereit war, seine Sportkarriere zu fördern, was zunächst zu sehr vielen versäumten Unterrichtsstunden und schließlich zum Weggang meines Bruders von der Schule führte. Er entschied sich dafür, das Gymnasium zu verlassen, um sich voll und ganz auf den Sport konzentrieren zu können. Ich kann mich sehr gut daran erinnern, dass seine Entscheidung von vielen Lehrern mit Kopfschütteln quittiert und belächelt wurde. Eine Vereinbarung von Schule und Leistungssport war also unmöglich. Das ist fast 15 Jahre her. Mittlerweile hört man immer häufiger den Begriff des Sportinternats. Es wird versucht, Schule und Leistungssport miteinander zu verbinden. Kindern und Jugendlichen soll die Chance gegeben werden, ihr Abitur machen zu können und sich gleichzeitig auf ihre sportliche Laufbahn zu konzentrieren. Dabei gibt es verschiedene Umsetzungsmöglichkeiten, die in dieser Arbeit vorgestellt werden sollen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Verbundsysteme von Schule und Leistungssport
2.1 Kooperationsmodelle von Schule und Sport
2.1.1 Sportinternate
2.1.2 Sportbetonte Schulen
2.1.3 Partnerschulen des Leistungssports
2.1.4 Sportgymnasien
2.2 Sportschulmodelle in der ehemaligen DDR
2.2.1 Die Kinder- und Jugendsportschule (KJS)
2.2.2 Zur Vergleichbarkeit von KJS mit ihren Nachfolgern
3. Konzipierung der Studie
3.1 Methodische Vorgehensweise
3.1.1 Qualitative Forschung
3.1.2 Auswahl der Einrichtungen
3.1.3 Auswahl der Interviewpartner
3.1.4 Interview
3.1.4.1 Formen des Interviews
3.1.4.2 Durchführung des Interviews
3.1.5 Leitfaden
3.1.6 Transkription
3.1.7 Auswertungsverfahren
3.2 Vorstellung der besuchten Einrichtungen
3.2.1 Sportbetonte Schule 1
3.2.2 Sportbetonte Schule 2
3.2.3 Fußballinternat
3.2.4 Sportgymnasium
4. Darstellung und Interpretation der Ergebnisse
4.1 Der Zugang zum Leistungssport
4.1.1 Forschungsstand und eigene Vermutungen
4.1.2 Zugang zum Sport
4.1.3 Der Weg zum Internat
4.1.4 Die Rolle der Eltern
4.1.5 Ergebnisse
4.2 Wahrnehmung der Mehrfachbelastung von Schule und Sport und des damit zusammenhängenden Lebensstils
4.2.1 Forschungsstand und eigene Vermutungen
4.2.2 Der Tagesablauf
4.2.3 Selbsteinschätzung schulischer Leistungen
4.2.4 Freizeit
4.2.5 Ergebnisse
4.3 Wahrnehmung der Unterstützung von Seiten der Schulen
4.3.1 Forschungsstand und eigene Vermutungen
4.3.2 Zufriedenheit der Fördermaßnahmen an den Schulen und der Unterstützung der Lehrer
4.3.3 Ergebnisse
4.4 Wahrnehmung der „öffentlichen Meinung“
4.4.1 Forschungsstand und eigene Vermutungen
4.4.2 Ansichten „normaler“ Schüler
4.4.3 Der Freundeskreis
4.4.4 Ergebnisse
4.5 Wahrnehmung der eigenen Zukunft
4.5.1 Forschungsstand und eigene Vermutungen
4.5.2 Zukunftspläne
4.5.3 Vorstellung eines Lebens ohne Sport
4.5.4 Ergebnisse
5. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Selbstwahrnehmung jugendlicher Sportschüler in Verbundsystemen von Schule und Leistungssport. Ziel der empirischen Studie ist es, zu analysieren, wie die Athleten ihr Leben zwischen schulischer Ausbildung und sportlichem Leistungstraining wahrnehmen, welche Rolle die Internatsmodelle dabei spielen und wie sie ihre Zukunftsperspektiven einschätzen.
- Strukturen und Kooperationsmodelle von Schulen und Leistungssport in Deutschland.
- Vergleich heutiger Sportschulkonzepte mit der ehemaligen DDR-Sportschule (KJS).
- Analyse der täglichen Mehrfachbelastung und deren Bewältigung durch junge Sportler.
- Die Rolle der Unterstützung durch Lehrkräfte und soziale Umfelder.
- Zukunftspläne der Jugendlichen und die Bedeutung des Sports als zentraler Lebensinhalt.
Auszug aus dem Buch
4.1.2 Zugang zum Sport
Bei der Beschreibung des Zugangs zum Sport ist auffallend, dass fünf der sieben Befragten ihre Familien als erste Verbindung zum Sport nennen. So spricht Interviewpartnerin (IP) 8 davon, dass sie schon sehr früh durch ihre Mutter zum Schwimmen gekommen ist: „Ich schwimme seitdem ich zwei Jahre alt bin .. Ich bin durch meine Mama zum Schwimmen gekommen. Die hat mich auch am Anfang trainiert bis ich dann in meinen ersten richtigen Verein gekommen bin. Mit sechs Jahren oder so ..“ (IP8, S. 159, Z. 5-7)
Auch die beiden Jugendlichen des Fußballinternats verweisen hinsichtlich der Kontaktaufnahme mit dem Sport auf die Eltern: „Also als ich klein war, so vier oder fünf, da habe ich immer bei meinem Dad zugeschaut. Der hat zwar nicht so hochklassig gespielt, aber halt in der Region. Und /ehm/ so bin ich halt zum Fußball gekommen. Ich habe da schon immer mit ihm gespielt.“ (IP6, S. 155, Z. 29-32)
„A::lso ich habe schon relativ früh angefangen mit Fußball, auch bedingt durch meinen Vater. Der spielt auch noch selbst Fußball und hat auch früher ziemlich hoch Fußball gespielt. Ja ich bin halt mit dem Ball aufgewachsen.“ (IP5, S. 150, Z. 33-35)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Thematik der Verknüpfung von Schule und Leistungssport ein und formuliert die Forschungsfrage zur Selbstwahrnehmung jugendlicher Athleten.
2. Verbundsysteme von Schule und Leistungssport: Es erfolgt ein Überblick über die verschiedenen Kooperationsmodelle (Sportinternate, Sportbetonte Schulen, Sportgymnasien) sowie eine historische Einordnung der ehemaligen KJS.
3. Konzipierung der Studie: Dieser Abschnitt beschreibt das methodische Vorgehen der qualitativen Forschung, die Auswahl der Einrichtungen und Interviewpartner sowie die Durchführung und Auswertung der Interviews.
4. Darstellung und Interpretation der Ergebnisse: Das Kernstück der Arbeit wertet die gewonnenen Daten zur Motivation, Belastung, Unterstützung und Zukunftsplanung der befragten Sportschüler aus.
5. Schlussbetrachtung: Das abschließende Resümee reflektiert die Ergebnisse der Untersuchung im Kontext der aktuellen Sportschullandschaft und identifiziert offene Forschungsfragen.
Schlüsselwörter
Leistungssport, Verbundsysteme, Sportgymnasium, Doppelbelastung, Selbstwahrnehmung, qualitative Forschung, Sportinternat, Nachwuchsförderung, Schullaufbahn, Lebensstil, Mentorenprogramm, KJS, Trainingspensum, Zukunftspläne.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Hausarbeit?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der empirischen Untersuchung der Lebenssituation von jugendlichen Leistungssportlern, die in speziellen Verbundsystemen (Schule und Leistungssport) gefördert werden.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Fokus?
Zentrale Aspekte sind der Zugang zum Leistungssport, die Bewältigung der Doppelbelastung durch Schule und Training, die Wahrnehmung schulischer Förderung sowie die Zukunftsplanung der Athleten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Hauptziel ist es, die subjektive Selbstwahrnehmung dieser Jugendlichen in ihrem Alltag zwischen schulfachlichen Anforderungen und sportlicher Karriereentwicklung zu analysieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird angewandt?
Die Autorin verwendet qualitative Forschungsmethoden, insbesondere leitfadengestützte Interviews mit neun Jugendlichen, die in verschiedenen Verbundsystemen sportlich und schulisch gefördert werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert, wie Sportler zum Leistungssport kommen, wie sie ihren streng getakteten Tagesablauf und die Mehrfachbelastung empfinden, inwieweit sie Unterstützung durch Lehrer erfahren und wie sie ihre Perspektiven für die Zeit nach dem Sport einschätzen.
Welche Schlüsselwörter kennzeichnen die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen gehören Verbundsysteme, Doppelbelastung, Sportinternat, Leistungssportförderung, subjektive Wahrnehmung und schulische Laufbahn.
Gibt es Unterschiede in der Wahrnehmung zwischen den Sportlern?
Ja, die Studie zeigt auf, dass Faktoren wie die ausgeübte Sportart (z. B. Spielsportarten vs. konditionelle Sportarten) und das spezifische Schulkonzept Einfluss auf die Wahrnehmung der Belastung und Förderung haben.
Welche Rolle spielt die Vergangenheit der Sportschulen in der Arbeit?
Die Arbeit vergleicht moderne Verbundsysteme mit den KJS der ehemaligen DDR, um Kontinuitäten und Brüche in der Struktur und dem Umgang mit Leistungssportlern aufzuzeigen.
- Citar trabajo
- Conrad von Trzcinski (Autor), 2008, Sportschulen im Vergleich. Eine empirische Studie zur Selbstwahrnehmung jugendlicher Sportschüler, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/114566