Diese Arbeit befasst sich mit der Frage, inwieweit die Leichte Sprache als eine weitere Art von barrierefreier Kommunikation im Geschichtsunterricht zum historischen Lernen bei einer multiethnischen Lerngruppe beiträgt.
Die barrierefreie Kommunikation rückt durch eine immer größer werdende Diversität in der pluralistischen Gesellschaft ins Zentrum der Wissenschaft. Nicht erst seit der Verabschiedung der UN-Behindertenrechtskonvention und des Bundesteilhabegesetzes im Jahr 2016 ist die Barrierefreiheit ein bedeutendes Thema innerhalb einer Informationsgesellschaft wie die unsrige. Heute gibt es eine Vielzahl von Angeboten von Informationen in Gebärdensprache mithilfe eines QR-Codes über Ferndolmetscher hin zu Filmen, wie auch Serien mit Untertitel oder in Hörfassung. Auch der schulische Alltag muss sich auf diese Veränderung einstellen und ein umfassendes Angebot für alle Schülerinnen und Schüler darbieten, um eine umfassende Allgemeinbildung und Teilhabe für alle am gesellschaftlichen Miteinander zu ermöglichen. Hierbei ist ein Fokus auf die Unterrichtsfächer zu legen, bei denen die Sprache im Zentrum für den Erwerb von Wissensinhalten und fachspezifischen Kompetenzen ist, wie zum Beispiel Ethik, Sozialkunde oder Geschichte. Das Schulfach Geschichte wird im Folgenden exemplarisch her-angezogen, weil die Sprache in diesem Fach durch die gemeinsame Narrativierung von Vergangenheit und deren Bewertung aus der Gegenwart unabdingbar ist. Weiterhin stehen in dieser Arbeit hauptsächlich Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund als AdressatInnen der Leichten Sprache und den damit einhergehenden Besonderheiten des Lernprozesses im Mittelpunkt, da diese durch den Erwerb der deutschen Sprache als Zweitsprache und einer anderen kulturellen Sozialisationserfahrung einige Barrieren mit in den Lernprozess bringen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Forschungsstand
Die Leichte Sprache
Entstehung und Adressatengruppe
Struktur und Merkmale
Beispiel für Leichte Sprache
Vor- und Nachteile
Leichte Sprache im Geschichtsunterricht
Geschichtsunterricht mit SchülerInnen mit Migrationshintergrund
Einsatz Leichte Sprache im Geschichtsunterricht
Weitere Methoden für diverse Lerngruppe
Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Eignung der Leichten Sprache als Instrument barrierefreier Kommunikation im Geschichtsunterricht, insbesondere für Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund, um deren Teilhabe und historisches Lernen in heterogenen Lerngruppen zu fördern.
- Grundlagen und Entstehung der Leichten Sprache
- Strukturelle Merkmale und didaktische Anwendung
- Herausforderungen des Geschichtsunterrichts in der Migrationsgesellschaft
- Kritische Reflexion von Vorteilen und Grenzen vereinfachter Sprache
- Ergänzende methodische Ansätze wie Scaffolding
Auszug aus dem Buch
Struktur und Merkmale
Schon bei der Wahrnehmung von Texten in Leichter Sprache fällt auf, dass diese schon durch die visuelle Gestaltung auf der ersten Ebene des Leseprozesses unterstützend wirken. Die Schriftgröße sollte leicht größer sein, die Wörter sollten nicht durch Kursiva, Großschreibung, Unterstreichungen oder ähnlichen verändert werden. Zudem sollten lange Wörter optisch gegliedert sein. Auch ist es zur besseren Leseverständlichkeit hilfreich, wenn nur ein Satz in jeder Zeile steht und die Zeilen nicht zu lang sind. Auch erleichtern gleichmäßige Wortabstände und die Gliederung durch Absätze und Zwischenüberschriften, sowie Randglossen und Bilder eine zügige Texterschließung. Texte in leichter Sprache zeichnen sich weiterhin durch explizite Handlungsorientierungen aus und werden offensichtlich „unter Bezugnahme auf die gegebene Welt“ dargestellt.
Bei der leichten Sprache handelt es sich um eine Varietät des Deutschen mit einer reduzierten grammatischen und lexikalen Struktur. Der Wortschatz ist nah am Wortschatz des Alltags angelehnt. Die Kernwörter sollten so wenig Nebenbedeutungen wie möglich besitzen und stilistisch neutral sein. Vor allem sollten nur Funktionswörter verwendet werden die eine hohe Gebrauchsfrequenz, diskursive Reichweite, wie auch mediale, konnotative und stilistische Neutralität aufweisen. Auch ist es von Vorteil Begriffe zu verwenden, die schon früh erworben werden und keine Metaphorik. Wenn Fachbegriffe nicht vermieden werden können, müssen diese im Text erläutert werden. Abkürzungen, die schriftbasiert sind, sollten nicht verwendet werden, aber lexikalisierte Abkürzungen, wie LKW hingegen schon. Außerdem können zusammengesetzte Wörter aufgegliedert sein, um damit erstens die Perzeption und zweitens das Wortverstehen zu unterstützen. Dennoch kann die Personifizierung von Rollenträgern dazu führen, abstrakte Szenarien beispielhaft zu erläutern. Einer der größten Eingriffe in das Textsystem ist die Vermeidung von Personalpronomen. Diese sollten nicht gebraucht werden, da der Bezug nicht immer eindeutig geklärt sein könnte, weshalb das eigentliche Wort, das das Personalpronomen ersetzen soll, eingesetzt wird.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung verortet das Thema der barrierefreien Kommunikation im Kontext der Diversität und definiert das Ziel, den Einsatz von Leichter Sprache im Geschichtsunterricht zu untersuchen.
Forschungsstand: Dieses Kapitel fasst die fachdidaktische Diskussion über Schulbuchtexte und die Herausforderungen bei der Vermittlung historischer Inhalte für unterschiedliche Lerngruppen zusammen.
Die Leichte Sprache: Hier werden die historischen Wurzeln, rechtliche Grundlagen, strukturelle Merkmale sowie die Vor- und Nachteile der Leichten Sprache detailliert erläutert.
Leichte Sprache im Geschichtsunterricht: Das Kapitel analysiert die spezifischen Anforderungen des Geschichtsunterrichts bei Schülern mit Migrationshintergrund und bewertet den Nutzen sowie die Grenzen der Leichten Sprache in diesem Fach.
Fazit: Das Fazit bündelt die Ergebnisse und kommt zu dem Schluss, dass Leichte Sprache als Hilfsmittel in Kombination mit weiteren Methoden sinnvoll ist, aber kritisch auf Anachronismen und inhaltliche Reduktion geprüft werden muss.
Schlüsselwörter
Leichte Sprache, Geschichtsunterricht, Barrierefreiheit, Inklusion, Migrationshintergrund, Historisches Lernen, Identitätsbildung, Scaffolding, Sprachbarrieren, Diversität, Fachdidaktik, Kommunikationsstrategien.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Anwendbarkeit von Leichter Sprache als Mittel zur Förderung der Inklusion und Teilhabe im Geschichtsunterricht.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Felder umfassen die Definition und Regeln der Leichten Sprache, die didaktischen Anforderungen der Geschichtsvermittlung sowie die Herausforderungen in heterogenen, multiethnischen Lerngruppen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es zu klären, inwieweit Leichte Sprache als barrierefreies Kommunikationsmittel dazu beitragen kann, historische Inhalte für Schülerinnen und Schüler mit Sprachbarrieren zugänglich zu machen.
Welche wissenschaftliche Methode liegt der Arbeit zugrunde?
Es handelt sich um eine fachdidaktische Analyse, die auf der Auswertung bestehender Forschungsstände und der kritischen Reflexion von Textbeispielen basiert.
Was steht im Hauptteil im Fokus?
Im Hauptteil liegt der Fokus auf der Analyse der strukturellen Merkmale der Leichten Sprache und der Übertragung dieser Merkmale auf das Fach Geschichte sowie der Diskussion über deren Vor- und Nachteile.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit beschreiben?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Leichte Sprache, Inklusion, Geschichtsunterricht, Migrationshintergrund und historische Identität charakterisieren.
Wie unterscheidet sich die Darstellung historischer Fakten in der Leichten Sprache im Vergleich zum Standardtext?
Leichte Sprache reduziert grammatikalische Komplexität, verwendet einen Alltagswortschatz und nutzt gezielte Visualisierungen, während sie komplexe Satzgefüge und Metaphern vermeidet, um das Verständnis zu erleichtern.
Warum wird im Kontext der Geschichtsdidaktik vor einem ausschließlichen Einsatz Leichter Sprache gewarnt?
Es besteht die Gefahr, dass historische Sachverhalte durch Vereinfachung inhaltlich reduziert werden oder dass durch die spezielle Textstruktur Anachronismen entstehen, die das historische Bewusstsein verfälschen können.
- Arbeit zitieren
- Armin Frobel (Autor:in), 2021, Die Anwendung von Leichter Sprache im Geschichtsunterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1145828