Die Krankenhauslandschaft befindet sich seit dem Gesundheitsreformgesetz
aus dem Jahr 2000 in einem ständigen Umbruch. Die Zielsetzung der
Gesundheitspolitik in Deutschland ist es, neben stabilen Beitragssätzen der
gesetzlichen Krankenversicherung, eine Senkung der Ausgaben für
Gesundheitsleistungen zu erreichen. Dieses soll u.a. durch einen erhöhten
Wettbewerb im Gesundheitssektor möglich werden. Dabei steht der Bereich
der stationären Behandlungen im Vordergrund, da dieser den größten
Ausgabenblock der gesetzlichen Krankenversicherung darstellt.
Mit der Gesundheitsreform wurde die Abschaffung des
Selbstkostendeckungsprinzips beschlossen. Es wurde durch ein für
Deutschland neues durchgängiges, leistungsorientiertes und
pauschalierendes Abrechnungssystems, den Diagnosis Related Groups (im
weiteren Verlauf DRG’s genannt) ersetzt. In diesem System erhalten die
Leistungserbringer eine feste Vergütung je Krankheitsfall, unabhängig von
den im einzelnen Krankenhaus entstandenen Kosten. Diese DRG’s gelten für
die allgemeinen voll- und teilstationären Leistungen eines Krankenhauses.
Die Bewertungsrelationen für die einzelnen DRG’s sind im
Fallpauschalenkatalog festgelegt, der für die Abrechnung aller stationären
Leistungen verbindlich ist. Für die Krankenhäuser entstehen somit neue
Grundlagen für die Ermittlung ihres Gesamtbudgets. Die Kalkulation von
Kosten erhält eine große Bedeutung. Jede einzelne DRG als Kostenträger
bildet die Basis für die Beschaffung von Kosteninformationen. Ziel des
Krankenhauses muss es sein, qualitativ hochwertige Leistungen mit einem
wirtschaftlichen und sparsamen Ressourceneinsatz zu erbringen. Dabei
spielt die Steigerung der Effektivität und Effizienz der Leistungen eine
entscheidende Rolle.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Zielsetzung der Arbeit
1.3 Aufbau der Arbeit
2 Theoretische Grundlagen
2.1 Funktionen der Kosten- und Leistungsrechnung
2.1.1 Kosten- und Leistungsrechnung im erwerbswirtschaftlichen Unternehmen
2.1.2 Kosten- und Leistungsrechnung im Krankenhaus
2.2 Das DRG-System
2.3 Grundlagen der Kalkulation zur Ermittlung der Rohfallkosten
2.4 Personalbedarfsermittlung
2.5 Entscheidungsorientierte Vorgehensweise
3 Praktische Umsetzung
3.1 Vorstellung des Krankenhauses
3.1.1 Organisation und Rechtsform des Krankenhauses
3.1.2 Struktur des Krankenhauses
3.1.2.1 Ärztlicher Bereich
3.1.2.2 Pflegedienst
3.1.2.3 Verwaltung
3.1.3 Wirtschaftsdaten
3.1.4 Die Fachabteilung Geburtshilfe
3.2 Ermittlung der notwendigen Kosten- und Leistungsdaten
3.2.1 Normalstation
3.2.1.1 Verrechnung der Kosten- und Leistungsdaten
3.2.1.2 Zusammenfassung
3.2.2 Anästhesie
3.2.3 Kreißsaal
3.2.4 Labor
3.2.4.1 Verrechnung der Kosten- und Leistungsdaten
3.2.4.2 Zusammenfassung
3.2.5 Übrige diagnostische und therapeutische Bereiche
3.2.5.1 Verrechnung der Kosten- und Leistungsdaten
3.2.5.2 Zusammenfassung
3.2.6 Basiskostenstelle
3.3 Kalkulation von ausgewählten DRG’s der Fachabteilung
3.3.1 Kalkulation der DRG O60 Vaginale Entbindung
3.3.1.1 Ermittlung der Kosten
3.3.1.1.1 DRG O60B
3.3.1.1.2 DRG O60C
3.3.1.1.3 DRG O60D
3.3.1.2 Vergleich der Kosten
3.3.1.3 Ermittlung der Erlöse
3.3.1.4 Vergleich der Erlöse
3.3.2 Kalkulation der DRG O01 Kaiserschnitt
3.3.2.1 Ermittlung der Kosten
3.3.2.1.1 DRG O01C
3.3.2.1.2 DRG O01D
3.3.2.1.3 DRG O01E
3.3.2.2 Vergleich der Kosten
3.3.2.3 Ermittlung der Erlöse
3.3.2.4 Vergleich der Erlöse
3.3.3 Kalkulation der DRG O02 Vaginale Entbindung mit komplizierender OR-Prozedur
3.3.3.1 Ermittlung der Kosten
3.3.3.2 Vergleich der Kosten
3.3.3.3 Ermittlung der Erlöse
3.3.3.4 Vergleich der Erlöse
3.4 Personalbedarfsermittlung
3.5 Auswertung der ermittelten Kosten und Erlöse
4 Fazit / Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die wirtschaftlichen Auswirkungen einer Umstellung von Beleghebammen auf angestellte Hebammen in der Fachabteilung Geburtshilfe des St.-Josefs-Hospitals in Cloppenburg. Ziel ist die Kalkulation von Kosten und Erlösen ausgewählter DRGs, um eine fundierte Entscheidungsgrundlage für das Krankenhausmanagement zu schaffen.
- Analyse und Kalkulation der fallbezogenen Kosten und Erlöse im DRG-System.
- Vergleichende Untersuchung der wirtschaftlichen Effekte bei Einsatz von Beleg- versus angestellten Hebammen.
- Durchführung einer quantitativen Personalbedarfsermittlung zur Bewertung zusätzlicher Personalkosten.
- Identifikation von Wirtschaftlichkeitsreserven und Optimierungspotenzialen in der Geburtshilfe.
Auszug aus dem Buch
3.2.1.1 Verrechnung der Kosten- und Leistungsdaten
Die Verrechnung der Kosten- und Leistungsdaten zur Ermittlung der einzelnen Module ergibt folgende Werte:
• Modul 1.1: Personalkosten ärztlicher Dienst:
Das Kalkulationsschema definiert ärztliche Leistungen auf der Normalstation als gleich verteilte Leistung für alle Patienten der Station. Jedem Patienten wird ein gleicher Betrag pro Tag der Verweildauer zugeordnet.78
Eine Erfassung der Personalbindungszeiten der Ärzte auf der Station erfolgt nicht. Die Werte der Personalbindung für stationäre-, ambulante-, OP- und Funktionstätigkeiten basieren auf Schätzwerten der Inanspruchnahme, die von der Personalabteilung festgelegt wurden. Eine Übersicht mit den Schätzwerten zur Verteilung dieser Kosten stand mir nicht zur Verfügung.
Die Bruttopersonalkosten der Stations-, Ober- und Chefärzte werden auf die fachabteilungsbezogene Kostenstelle gebucht und direkt in die Kosten- und Leistungsrechnung übernommen. Somit lassen sich die Leistungen mit den tatsächlich angefallenen Kosten innerhalb der Fachabteilung bewerten. Daraus ergibt sich für den ärztlichen Dienst der folgende Kostensatz pro Tag:
PK ärztlicher Dienst 60.740,29 € / Pflegetage 3.763 = 16,14145 € pro Pflegetag
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Beschreibt die Umbrüche in der Krankenhauslandschaft durch das Gesundheitsreformgesetz und die Einführung des DRG-Systems sowie die Zielsetzung der Arbeit.
2 Theoretische Grundlagen: Erläutert die Kosten- und Leistungsrechnung im Krankenhaus, das DRG-System, Kalkulationsmethoden sowie Ansätze der Personalbedarfsermittlung.
3 Praktische Umsetzung: Präsentiert die konkrete Kalkulation der Kosten und Erlöse der Fachabteilung Geburtshilfe und die Personalbedarfsanalyse für angestellte Hebammen.
4 Fazit / Ausblick: Fasst die Ergebnisse zusammen und gibt eine Empfehlung hinsichtlich der Umstellung von Beleghebammen auf angestellte Hebammen zur Gewinnsteigerung.
Schlüsselwörter
Kosten- und Leistungsrechnung, DRG, Krankenhausmanagement, Geburtshilfe, Beleghebamme, angestellte Hebamme, Personalbedarfsermittlung, Fallpauschalen, Wirtschaftlichkeit, Erlössteigerung, Kalkulation, Benchmarking, Controlling, DRG-Erlöse, stationäre Behandlung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der wirtschaftlichen Analyse der Fachabteilung Geburtshilfe in einem Krankenhaus unter Berücksichtigung des DRG-Abrechnungssystems.
Welche zentralen Themenfelder behandelt der Text?
Im Zentrum stehen die Kosten- und Leistungsrechnung, das DRG-System, die Personalbedarfsplanung und der ökonomische Vergleich verschiedener Hebammensysteme.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit untersucht, ob die Umstellung von Beleghebammen auf angestellte Hebammen für das St.-Josefs-Hospital Cloppenburg unter Kosten-Nutzen-Aspekten wirtschaftlich sinnvoll ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Der Autor nutzt eine fallbezogene Kosten- und Erlöskalkulation auf Vollkostenbasis sowie eine quantitative Personalbedarfsermittlung mittels der Arbeitsplatzmethode.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil beinhaltet die Vorstellung des Krankenhauses, die detaillierte Ermittlung der Kosten- und Leistungsdaten sowie die Kalkulation spezifischer DRGs im Bereich Geburtshilfe.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Wesentliche Begriffe sind DRG, Kosten- und Leistungsrechnung, Geburtshilfe, Beleghebammen, Personalbedarfsermittlung und Wirtschaftlichkeit.
Welche Rolle spielt die Fallzahl bei der Entscheidung zur Umstellung?
Die Analyse zeigt, dass sich die Umstellung auf angestellte Hebammen ab einer kritischen Grenze von ca. 637 Geburten pro Jahr wirtschaftlich positiv auswirkt.
Warum wird beim Kostenvergleich auf Daten von 2005 zurückgegriffen?
Zum Zeitpunkt der Erstellung der Arbeit lagen für das Krankenhaus oder die Vergleichsprojekte noch keine belastbaren Daten für das Jahr 2006 vor.
Wie werden die Personalkosten für angestellte Hebammen kalkuliert?
Die Kosten werden auf Basis der Tarifvorgaben des BAT und TVöD inklusive Sozialabgaben für den berechneten Bedarf an Vollkräften geschätzt.
- Citation du texte
- Diplom-Kaufmann (FH) Christian Seidel (Auteur), 2007, Entscheidungsorientierte Kosten- und Leistungsrechnung im Diagnosis Related Groups (DRG)-System, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/114587