Death Wish erschien im November 1974 mit über 50 Kopien in den deutschen Kinos(1) und sorgte für Stürme der Entrüstung in der Presse, die dem Film Gewaltverherrlichung, mangelnde Moral und Förderung faschistischem Gedankenguts vorwarfen. Die in ihm vertretene Ideologie “trifft auf ein Vakuum, das entstanden ist, nach dem liberale Illusionen über Staat, Gesellschaft und Recht (nach Watergate etc. pp.) verdunstet sind.”(2)
In der Tat ist Winners Film erschreckend eindimensional und voller Klischees. Dem Publikum wird mit voller Absicht jeder Anstoß zum kritischen Überdenken des Gezeigten vorenthalten. Aber die Moral des Filmes soll nicht das Thema dieser Arbeit sein, auch wenn man diesen Aspekt nicht ganz ausklammern kann. Statt dessen soll es um die Gewaltdarstellung gehen, denn immerhin ist der Film noch immer auf dem Index, was bedeutet, daß er nicht beworben werden darf und Personen unter 18 Jahren nicht zugänglich ist.
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1 Frankfurter Rundschau 1.11.1974
2 Eb.
Inhaltsverzeichnis
I. EINLEITUNG
II. INHALTSANGABE
III. DIE VORGESCHICHTE
IV. DER WEG ZUM RÄCHER
V. DER RÄCHER
VI. ZUSAMMENFASSUNG
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die filmische Darstellung von Gewalt im Film "Death Wish" (1974) unter Berücksichtigung der gesellschaftlichen Rezeption und der moralischen Implikationen der Selbstjustiz. Das primäre Ziel ist es, den Einsatz von Gewalt als stilistisches Mittel zur Motivierung des Protagonisten und zur Manipulation der Zuschauerperspektive zu analysieren, ohne dabei die zugrunde liegenden gesellschaftspolitischen Spannungen der 1970er Jahre zu vernachlässigen.
- Analyse der Gewaltdarstellung und deren Funktion für die Handlungslogik des Films.
- Untersuchung der psychologischen Beeinflussung des Publikums zur Akzeptanz von Selbstjustiz.
- Kontrastierung der Figur des Vigilanten mit den zeitgenössischen gesellschaftlichen Normen und der Rolle staatlicher Institutionen.
- Bewertung des Films im Kontext des Western-Genres und der zeitgeschichtlichen Stimmung (post-Watergate, Kriminalitätsfurcht).
Auszug aus dem Buch
Die Gewaltdarstellung in Death Wish
Diese Szene ist der Umbruch im Film, der zu den späteren Ereignissen führt, sie auslöst. Mit dem Stilmittel, die Mißhandlung so darzustellen, wie die zusammengeschlagene Joanna sie sieht, gelingt es Winner, das Publikum, das durch die Augen der Wehrlosen am Geschehen teilnimmt, noch stärker in die Handlung einzubeziehen und so eine stärkere emotionale Betroffenheit zu erzeugen. Das Verhalten der drei “Ratten” ist von vornherein völlig unmotiviert. Es geht ihnen nur darum, schwächere Opfer zu überfallen. Als sie kein Geld finden, lassen sie ihren Zorn an den Wehrlosen aus, gleichsam einer Übersprungshandlung. Der sinnlose Zorn, die abstoßende Sprache und die brutale Vorgehensweise erwecken im Zuschauer ein Gefühl des Hasses auf diese Leute, der es erlaubt, die späteren Handlungen des “Rächers” nicht nur hinzunehmen, sondern sie sogar zu akzeptieren und für gerechtfertigt zu halten.
Dabei wird natürlich insbesondere mit dem Beschützerinstinkt des männlichen Publikums gespielt. Durch die emotionale Bindung an das Geschehen auf der Leinwand versetzt man sich um so stärker in die Figur Paul Kersey und hält seine Handlungen nicht nur für richtig, sondern ist auch der Meinung, in einer ähnlichen Situation genau so handeln zu müssen. Als der Film im Oktober 1974 in die deutschen Kinos kam, ging diese Rechnung offenbar auf, denn jeder Mord, den Kersey später begeht, wurde vom Publikum mit frenetischem Applaus begleitet.
Zusammenfassung der Kapitel
I. EINLEITUNG: Darstellung der kontroversen Aufnahme des Films bei seinem Erscheinen 1974 sowie die Festlegung des Fokus auf die Gewaltdarstellung statt auf die moralische Bewertung.
II. INHALTSANGABE: Zusammenfassung der Handlung über den Architekten Paul Kersey, dessen Frau nach einem Überfall verstirbt, was ihn zur Selbstjustiz an kriminellen Jugendlichen treibt.
III. DIE VORGESCHICHTE: Analyse der Einführung von Paul Kersey als bürgerlicher Architekt und der Etablierung des Gegensatzes zwischen der Ordnung der Familie und der zunehmenden Bedrohung durch gesellschaftliche "Ratten".
IV. DER WEG ZUM RÄCHER: Untersuchung der Radikalisierung Kerseys nach dem traumatischen Überfall auf seine Familie und dem Erhalt eines Revolvers als Abschiedsgeschenk in Arizona.
V. DER RÄCHER: Beschreibung der Durchführung der Selbstjustiz und wie der Film das Publikum dazu manipuliert, die Taten Kerseys als legitime Gegenwehr zu interpretieren.
VI. ZUSAMMENFASSUNG: Reflexion über den Wandel der Filmgeschichte bezüglich der Gewaltdarstellung und Kritik an der mentalen Gewalt des im Film gezeichneten Weltbildes.
Schlüsselwörter
Death Wish, Selbstjustiz, Filmanalyse, Gewalt, Vigilante, Michael Winner, Paul Kersey, Filmgeschichte, Kriminalität, FSK, Moral, Gesellschaftskritik, Western, 70er Jahre.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die filmische Darstellung von Gewalt im Film "Death Wish" aus dem Jahr 1974 und untersucht, wie der Film das Publikum zur Sympathisierung mit Selbstjustiz bewegt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Inszenierung von Gewalt, die Rolle der staatlichen Institutionen bei Kriminalität, die gesellschaftliche Stimmung der 1970er Jahre und die psychologische Manipulation des Publikums.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die Analyse der filmischen Mittel, mit denen Regisseur Michael Winner das Weltbild des "Vigilanten" rechtfertigt und den Zuschauer emotional in das Geschehen einbindet.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine filmwissenschaftliche Text- und Inhaltsanalyse, die Szenenabfolgen, Stilmittel und die Rezeption im historischen Kontext untersucht.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Charakterentwicklung von Paul Kersey, der Darstellung des Überfalls auf seine Familie, der moralischen Rechtfertigung der Selbstjustiz und der polizeilichen Reaktion auf den "Rächer".
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Selbstjustiz, Vigilante, Gewaltdarstellung, gesellschaftliche Akzeptanz, filmische Manipulation und das Western-Genre.
Warum spielt das Western-Genre eine Rolle für die Interpretation des Films?
Der Autor argumentiert, dass Kersey als ein moderner Pionier stilisiert wird, der die "Gesetzlosigkeit" der Stadt durch das vermeintlich "einfache Recht" des Wilden Westens bekämpft.
Welche Rolle nimmt der "Vigilante" im Kontext der Polizei ein?
Obwohl die Polizei Kersey offiziell identifiziert, wird er nicht konsequent verfolgt, da die Behörden die statistische Senkung der Kriminalitätsrate durch seine Taten indirekt billigen.
- Citation du texte
- Cord Gudegast (Auteur), 1995, Die Gewaltdarstellung in "Death Wish", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1146