Elterlicher Einfluss auf die Berufswahl von Jugendlichen. Eine SINUS-Milieu-Analyse


Hausarbeit, 2020

25 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Begriffsbestimmungen
2.1 Sozialisation
2.2 BeruflicheSozialisation
2.3 SozialeMilieus

3 Etappen beruflicher Sozialisation
3.1 VorberuflicheSozialisation
3.1.1 Familie
3.1.2 Außerfamiliale Instanzen
3.2 Sozialisation in der Berufsausbildung
3.3 SozialisationimBeruf.

4 Berufswahl
4.1 Berufsorientierung
4.2 Milieu und Berufswahl
4.2.1 Beispiel SINUSMilieu
4.2.2 Einfluss desMilieus auf die Berufswahl

5 FazitundAusblick

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Phasen derBerufswahl

Abbildung 2: SINUS-Modell fürjugendliche Lebenswelten (U-18) 2020

1 Einleitung

Jeder Mensch durchläuft in seinem Leben vielfältige Phasen und Prozesse. Schon von Geburt an ist der Mensch Beziehungen und einer sozialen Umwelt unmittelbar ausgesetzt. Dabei durchläuft er einer ständigen Sozialisation um sich dem Umfeld und der Gesellschaft anzupassen.

„Um in einer Gesellschaft leben zu können, müssen die Menschen bestimmte Fähigkeiten, Orientierungen, Verhaltens- und Handlungsweisen erwerben.“ (Bammé, Holling, Lempert 1983: 9).

Bammé et al. (1983: 9) definiert diesen Erwerb als „Sozialisationsprozess“. Dabei werden im Laufe eines Lebens verschiedene Sozialisationsinstanzen bewältigt, die einen Einfluss auf die Lebensweise haben. Hierbei spricht man unter anderem von Familie, Schule und Beruf (vgl. ebd.: 9). Diese Instanzen können sich auf alle Sphären des Individuums auswirken - so auch auf die Berufswahlentscheidung von Jugendlichen.

Der Beginn der beruflichen Erwerbstätigkeit ist ein bedeutendes Ereignis im Leben von Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Ist die Wahl des Berufes erst einmal getroffen, hat diese Entscheidung längerfristige, nicht selten auch lebenslange Auswirkungen. Es ist daher empfehlenswert, sich im Vorfeld Gedanken zu machen, welcher Beruf der Richtige ist. Besonders in der frühen Phase der Berufsorientierung erhoffen sich Kinder und Jugendliche in ihren Eltern die geeigneten Ansprechpartner. Dabei ist es nicht abhängig von Milieu oder Schulform, ob sich Kinder und Jugendliche Rat und Hilfe bei ihren Eltern einholen. Elternteile und Familie können daher als erster und generell wichtigster Ansprechpartner bei der Berufsorientierung angesehen werden (vgl. Bundesministerium für Bildung und Forschung 2014: 9).

Die Mehrzahl aller Kinder und Jugendlichen fühlt sich hinsichtlich ihrer späteren Berufswahl noch unsicher. Nur ein kleiner Teil der 14 bis 17-Jährigen ist sich bereits sicher, welcher Beruf ergriffen werden soll (Calmbach et al. 2020: 237). Die Wahl eines Berufes ist grundsätzlich frei und erst einmal nicht durch die soziale Herkunft dominiert. Interessen und Fähigkeiten stehen bei Wahlentscheidungen im Vordergrund. Berufsorientierende Maßnahmen sollen Jugendliche anregen, sich mit dem Entscheidungsprozess zu befassen und eine individuelle Wahl zu treffen (vgl. Eckert 2017: 16f.).

Forschungen in diesem Themengebiet sind dabei nicht neu: Bereits in den 1970er Jahren erfolgte die Auseinandersetzung mit dem Prozess von beruflichen Entscheidungen. Es folgten Studien zu Auswirkungen von Herkunftsmilieus, die auch Teil dieser Arbeit darstellen werden. In der aktuellen Forschung steht nicht mehr der gesamte Prozess im Fokus, sondern die Phase vor der unmittelbaren Entscheidung eines Berufsfeldes. Bei dieser Phase handelt es sich um die Berufsorientierung (vgl. Matthes 2019: 24).

Innerhalb der Berufswahlforschung ergeben sich viele Fragen und Ansatzpunkte. Der konkrete Einfluss verschiedener Faktoren auf den Entscheidungsprozess, besonders im Wechselspiel zueinander, ist in der aktuellen Forschung eher selten untersucht worden (vgl. Matthes 2019: 24).

Genau an diesem Forschungsstandpunkt knüpft diese Hausarbeit an. Die zentrale Informationsquelle in der Berufsorientierung stellt die Familie dar. Dabei ergibt sich automatisch die Frage, welche Gewichtung diese Instanz bei der folgenden Berufswahl einnimmt. Dies soll im Hinblick auf soziale Milieus beantwortet werden. Im Zuge der Literaturrecherche dieser Arbeit erschien die neueste Studie zu SINUS-Milieus. Daher erscheint es wichtig, den neuesten Stand dieser Forschung miteinfließen zu lassen.

Ziel dieser Arbeit ist es folglich, soziale Milieus und die darin eingeschlossene Familie auf die Einflussnahme in Zukunfts- und Berufsvorstellungen zu untersuchen.

Im hierauf folgenden 2. Kapitel dieser Arbeit sollen fundamentale Begriffe geklärt werden. Sozialisation, berufliche Sozialisation und soziale Milieus stehen im Mittelpunkt dieser Arbeit und werden vorab definiert. Im dritten Kapitel werden die Etappen der beruflichen Sozialisation untersucht. Da in dieser Arbeit Handlungen vor Eintritt in das Berufsleben den Fokus darstellen, wird in diesem Kapitel die vorberufliche Sozialisation im Mittelpunkt stehen. Dabei werden die Sozialisationsinstanzen herausgearbeitet, die auf die vorberufliche Sozialisation Einfluss nehmen. Dazu zählt in erster Linie die Familie. Demgegenüber stehen die außerfamilialen Instanzen, die in dieser Arbeit kurz und bündig erläutert werden. Das Hauptaugenmerk soll auf den familialen Instanzen liegen. Im Anschluss erfolgt eine kurze Erläuterung der weiteren Etappen. Im darauffolgenden Kapitel wird die Berufswahl von Belang sein. Einen geeigneten Beruf zu erlangen, stellt für viele Jugendliche eine existenzielle und herausfordernde Aufgabe dar. Bei der Suche und Wahl der Erwerbstätigkeit spielt die Sozialisation eine einflussreiche Rolle. In diesem Kapitel wird der Prozess der Berufswahl detailliert vorgestellt. Dazu zählen verschiedene Phasen. Eine dieser Phasen stellt die Berufsorientierung dar, die eingehender erörtert wird. Im Anschluss daran erfolgt ein Rückblick auf den Begriff des sozialen Milieus. Die soziale Herkunft und die Zuweisung zu einem Milieu können bedeutend für die Wahl des Berufes sein. Dieser Einfluss soll am Beispiel der SINUS-Milieu Studie betrachtet werden. Dazu werden die einzelnen Lebenswelten dieser Studie vorgestellt und in Bezug auf Familie und Beruf gesetzt.

Zu guter Letzt erfolgt das Fazit dieser Arbeit, in dem die Frage geklärt werden soll, ob und welchen Einfluss Familie und Milieu auf die Wahl einer Erwerbstätigkeit nehmen. Eine Reflexion der Forschungsarbeit inklusive Ausblick auf weitere mögliche Forschungsansätze stellen den Schluss dieser Arbeit dar.

2 Begriffsbestimmungen

Das folgende Kapitel erfüllt den Zweck, kurz und prägnant auf die wichtigsten Begrifflichkeiten dieser Arbeit einzugehen. Durch kurze Definitionen sollen Abgrenzungen der einzelnen Begriffe zueinander deutlich werden. Da im späteren Teil dieser Arbeit soziale Milieus am Beispiel der SINUS-Milieu-Studie aufgegriffen werden, erfolgt, neben Sozialisation und beruflicher Sozialisation, eine Erläuterung der Milieu-Theorie.

2.1 Sozialisation

Sozialisation ist ein vielschichtiger, interdisziplinärer Begriff. Sozialisation ist nicht nur Gegenstand in Soziologie und Psychologie, sondern findet sich auch in Erziehungswissenschaft oder wirtschaftswissenschaftlichen Fragestellungen wieder. (Vgl. Hurrelmann/Bauer 2018: 11). Sozialisation ist ein Prozess, der sowohl bewusst, als auch unbewusst im Hintergrund, ablaufen kann (vgl. Lüscher 1986: 76). Dabei geht dieser Prozess weiter als Erziehung an sich. Sozialisation integriert Auswirkungen der Umwelt auf die Entwicklung einer individuellen Persönlichkeit (vgl. Seel/Hanke 2015: 484). Die Fähigkeit, gesellschaftlich korrekt zu handeln, entsteht durch Interaktionen (vgl. ebd.: 486). Sobald diese im unmittelbaren sozialen Kontext geschehen, entwickelt sich der Mensch zu einem Individuum, das in der Lage ist, eigenständige Handlungen auszuführen (vgl. Scherr 2018: 409). Sozialisation setzt sich ebenfalls mit der Frage auseinander, inwiefern Tätigkeiten, Denkprozesse und Verhaltensweisen angepasst und konstituiert werden können (vgl. Abels 2015: 51). Durch Teilhabe innerhalb der Gesellschaft oder einer Gruppierung eignen sich neue Handlungskompetenzen, Kenntnisse und Fähigkeiten an (vgl. Scherr 2018: 409f.).

In dem Prozess von Sozialisation sind Sozialisationsinstanzen in der Lage auf ein Individuum einzuwirken (vgl. Seel/Hanke 2015: 488). Da Sozialisation ein Prozess ist, der bis zum Lebensende besteht, lässt kann Sozialisation in altersabhängige Phasen unterteilt werden: Primäre Sozialisation beginnt in der Familie und endet mit dem Eintritt in die Schule beziehungsweise mit dem Beginn der beruflichen Ausbildung. An dieser Stelle beginnt die sekundäre Sozialisation. Die tertiäre Phase findet im Laufe des Arbeitslebens statt. Schlussendlich erfolgt die quartäre Sozialisationsphase mit dem Ende der Erwerbstätigkeit (vgl. Seel/Hanke2015: 497).

Im Zuge der beruflichen Sozialisation ergeben sich ähnliche Unterteilungen, die in einem späteren Kapitel aufgegriffen werden.

2.2 Berufliche Sozialisation

Sozialisation befasst sich mit Auswirkungen, die verschiedene Instanzen auf die Persönlichkeit und soziale Identität ausüben. Der Beruf ist ebenfalls eine dieser Instanzen, die die Lebensweise und den Charakter von Individuen beeinflussen können. Die berufliche Sozialisation beginnt dabei keinesfalls erst bei der Aufnahme einer Erwerbstätigkeit. Bereits in der Kindheit können die Berufserfahrungen der Eltern, die an die Kinder weitergegeben werden, eine belangvolle Rolle spielen (vgl. Heinz 1991: 51f.).

Das folgende Zitat soll hierzu eine Definition und Einordnung schaffen:

„Unter beruflicher Sozialisation verstehen wir [...] die Entwicklung von Persönlichkeitsstrukturen in der Auseinandersetzung mit den Anforderungen und Bedingungen des Arbeitsprozesses.“ (Bammé, Holling, Lempert 1983: 9).

In der beruflichen Sozialisation stehen also vielmehr diejenigen Anpassungs- und Veränderungsmechanismen im Vordergrund, die in der späteren oder laufenden Erwerbstätigkeit von Bedeutung sind (vgl. Heinz 1991: 52). Im Gegensatz zur allgemeinen Sozialisation ist berufliche Sozialisation deutlich zielgerichteter (vgl. Lüscher 1968: 75).

2.3 Soziale Milieus

Gemeinsame Werte, Normen und Prinzipien sind die Basis einer Gruppe, die man als Milieu bezeichnet. Soziale Herkunft, Bildung, materielles Eigentum, Interessen und Überzeugungen sind dabei Instanzen, die ein Milieu bestimmen (vgl. Barth/Flaig 2012: 12ff). In dieser sozialen Gruppe, die als Milieu definiert wird, fassen Seel und Hanke (2015) Personen zusammen, „deren Wertorientierungen, Lebensziele, Lebensweisen ähnlich sind und die oft in verwandten Berufsfeldern mit ähnlichen Ausbildungen arbeiten“ (Seel/Hanke 2015: 543). Dies impliziert, dass Mitglieder eines Milieus ein gemeinsames Umfeld haben und in diesem interagieren (vgl. Hradil 2018: 319).

Die Zugehörigkeit zu einem bestimmten Milieu entwickelt sich bereits in einem jugendlichen Alter. Dabei stehen unter anderem die soziale Herkunft und die Schulbildung in Wechselwirkung zueinander. Im späteren Verlauf des Lebens kann sich diese Zugehörigkeit allerdingsjederzeit ändern (vgl. Barth/Flaig 2012: 15f.). Soziale Milieus sind nicht klar voneinander abzugrenzen, die Grenzen zueinander sind eher fließend. Dies bedeutet, dass die meisten Individuen nicht klar einem Milieu zuzuordnen sind (vgl. Hradil 2018: 320). Durch die Forschungsarbeit bezüglich der SINUS-Milieus etablierte sich der Milieu-Begriff in den 1980er Jahren (vgl. Seel/Hanke 2015: 543). Ergebnisse dieser Forschung sind nach wie vor Instrument in Beratung oder Wirtschaft (vgl. Hradil 2018:321). Die Ergebnisse der Forschung zu SINUS-Milieus werden in Kapitel 4.2.1 vorgestellt.

3 Etappen beruflicher Sozialisation

In der Forschungsarbeit zu beruflicher Sozialisation wird zwischen verschiedenen Etappen unterschieden. Diese sind davon abhängig, wie weit das Individuum in der Aufnahme seiner Erwerbstätigkeitbereits vorangeschritten ist (vgl. Heinz 1991: 52).

3.1 VorberuflicheSozialisation

In der Umwelt eines jeden Individuums herrschen Einflüsse und Eindrücke vor, die zur Entwicklung der eigenen Persönlichkeit beitragen können (vgl. Geßner 2003: 58). Zu dieser Umwelt zählen auch die Instanzen der Sozialisation.

Diese Sozialisationsinstanzen „funktionieren als Vermittler der äußeren Realität“ (Bründel/Hurrelmann 2017: 24). Dies bedeutet, dass beispielsweise Kinder und Jugendliche in der vorberuflichen Sozialisation unmittelbar und auch mittelbar von äußerlichen Einflüssen im Lebensumfeld geprägt werden (vgl. Geßner 2003: 58). Sozialisation spielt sich demnach in unterschiedlichen Lebensbereichen ab. Diese Instanzen lassen sich in primäre, sekundäre und tertiäre Sozialisationsinstanzen klassifizieren (vgl. Hurrelmann/Bauer 2018: 144). Zu den primären Instanzen zählt die Familie. Diese Instanz wird im folgenden Kapitel eingehender untersucht und stellt den Schwerpunkt dieser Arbeit dar. Die sekundären und tertiären Instanzen werden in dieser Arbeit kurz aufgegriffen, allerdings nicht weiter untersucht. Bei den sekundären Sozialisationsinstanzen handelt es sich um Bildungseinrichtungen, zu denen beispielsweise die Schule zählt. Zu guter Letzt lassen sich zu den tertiären Instanzen Aspekte von Freundschaft, Partnerschaft und Freizeitgestaltung zählen (vgl. Hurrelmann/Bauer 2018: 144).

3.1.1 Familie

Die familialen Instanzen lassen sich zu den primären Sozialisationsinstanzen zählen. Die Familie stellt den am wichtigsten Ort der Sozialisation dar (vgl. Hurrelmann/Bauer 2018: 144).

Der Begriff Familie entstammt dem lateinischen Wort familia und bedeutet Hausgemeinschaft. Generell ist die Familie eine Lebensgemeinschaft, die sich durch das Zusammenleben von Eltern oder Erziehungsberechtigten und Kindern definiert (vgl. Seel/Hanke 2015: 500). Allerdings hat sich in der Zusammenstellung dieser Lebensgemeinschaften in den letzten Jahren ein Wandel vollzogen. Uneheliche Lebensgemeinschaften, sowie Patchwork-Familien und Alleinerziehende treten immer mehr in den Fokus. Allerdings ist der traditionelle Entwurf einer Familie, die aus Vater, Mutter und einem leiblichen, ehelichen Kind besteht, mit 70% nach wie vor die häufigste Form einerFamilie (vgl. Bründel/Hurrelmann 2017: 48f.).

Hurrelmann und Bauer (2018) beschreiben die Familie, unabhängig von der Form des Zusammenlebens, als Sozialisationsinstanz folgendermaßen:

„Sie agieren seit Jahrhunderten als die einflussreichsten Vermittler der äußeren Realität für den gesellschaftlichen Nachwuchs. Sie werden oft als »primäre Sozialisationsinstanz« bezeichnet, da sie für die meisten Menschen die erste und wichtigste soziale Umwelt bilden. Wie in einem Mikrokosmos spiegeln sich in einer Familie von früher Kindheit an soziale, kulturelle und ökonomische Lebensbedingungen, die auf die Persönlichkeitsentwicklung ausstrahlen.“ (Hurrelmann/Bauer2018: 145).

In der Vergangenheit war es für eine Familie vielmehr von Bedeutung sich gegenseitig Schutz und Sicherheit in Form eines praktischen Lebensbundes zu bieten. In der heutigen Zeit des 21. Jahrhunderts sind wirtschaftliche Vorteile einer Familie in den Hintergrund gerückt. Die Erziehung und Ausbildung der nachfolgenden Generation steht im Mittelpunkt. Laut Hurrelmann und Bauer (2018) ist die Familie „zu einer reinen Sozialisationsinstanz geworden“ (Hurrelmann/Bauer 2018: 148).

3.1.2 Außerfamiliale Instanzen

Durch die Schulpflicht verbringen Kinder und Jugendliche den Großteil ihrer Jugend in Bildungseinrichtungen. Durch den gesetzlich festgelegten Erziehungsauftrag trägt die Schule daher auch maßgeblich zur Sozialisation bei. Die Leistung einesjeden Schülers wird in seiner Schullaufbahn bewertet. Diese Bewertung hat einen Einfluss auf den späteren Berufsweg. Dadurch kann die Schule auf den späteren sozialen Stand in der Gesellschaft einwirken (vgl. Seel/Hanke 2015: 502f.). Durch Erfahrungen im Schulalltag, die beispielsweise aus Konfrontation mit Leistungsbewertung und Wettbewerb zu Klassenkameraden bestehen, erhalten Schülerinnen und Schüler früh ein Verständnis für Produktivität und Arbeitsanforderung. Der Einbezug der Berufswahlorientierung in den schulischen Lehrplan wirkt sich ebenfalls auf die Berufsplanung der Schülerinnen und Schüler aus (vgl. Ratschinski 2013: 14f.).

Die Peergroup1 ist eine weitere wichtige Instanz in der vorberuflichen Sozialisation von Kindern und Jugendlichen. Nicht nur die Familie ist in der Lage, Werte zu vermitteln und Einfluss zu nehmen, auch Freunde sind ein wichtiger Faktor. Besonders Freundschaften, die über längere Zeit bestehen, formen den Charakter durch gemeinsame Aktivitäten, Ziele und Interessen(vgl. Seel/Hanke 2015: 501).

Nichtsdestotrotz hat die Peergroup keinen so großen Einfluss auf die Berufswahl wie die Familie (vgl. Ratschinski 2013: 15).

3.2 Sozialisation in der Berufsausbildung

In Ausbildungseinrichtungen findet die Sozialisation in den Beruf statt (vgl. Bammé/ Holling/Lempert 1983: 61). Dabei stehen sie meistens unter einem besonders hohen Leistungsdruck, da sie in der Ausbildung ausreichende Qualifikationen erwerben müssen, um für den Arbeitsmarkt attraktiv und interessant zu sein (vgl. Mayer et al. 1981: 13). Durch diese Qualifikationsphase soll es den Jugendlichen gelingen, sich auf Anforderungen der Wirtschaft und des Arbeitsmarktes vorzubereiten (vgl. Wähler 1997: 43).

3.3 SozialisationimBeruf

Die Sozialisation im Beruf vollzieht sich, nach abgeschlossener Ausbildung, am Arbeitsplatz (vgl. Bammé/ Holling/Lempert 1983: 61). Durch die Ausübung des Berufes verändert sich die Identität des Arbeitnehmers. Dies geschieht automatisch durch ausgeübte Tätigkeiten am Arbeitsplatz. Dabei wirken freie Entfaltung, sowie Arbeitsklima und Aufgabenbereiche auf den Entwicklungsprozess ein (vgl. Seel/Hanke 2015: 505).

Die Bewältigung von herausfordernden Aufgaben im Betrieb stellt ebenfalls einen Bildungsprozess dar, der Wissen und Selbstständigkeit weiter ausbauen kann (vgl. Wähler 1997:44).

4 Berufswahl

Die Entscheidung für einen Beruf oder ein Berufsfeld stellt für Jugendliche oft einen Stolperstein dar. Unklare Zukunftsvorstellungen und Unsicherheiten gegenüber Wirtschaft und Gesellschaft verstärken den Druck auf junge Erwachsene. Die Chance, ein Leben lang in einem Beruf nachzugehen, wird aufgrund eines sich stetig verändernden Arbeitsmarktes immer unwahrscheinlicher (vgl. Herzog et al. 2006: 12). Die Angst, den falschen Berufsweg einzuschlagen, ist ebenfalls groß. Steigende Abbruchquoten in Ausbildung und Studium verunsichern Jugendliche zunehmend (vgl. Löwenbein etal.2017: 9).

Sozialisationsinstanzen spielen in der Berufswahl ebenfalls eine Rolle: So ist das Wechselspiel aus verschiedenen Erfahrungen und Eindrücken ein Grundstein der späteren Entscheidung (vgl. Ratschinski 2013: 18).

Bereits Kinder im Grundschulalter setzen sich mit der Frage auseinander, welcher Beruf im späteren Verlauf des Lebens angestrebt wird. Die Wahl eines Berufes beginnt daher mit der diffusen Berufsorientierung (siehe Abbildung 1) im Kindesalter (vgl. Herzog et al. 2006: 43). In der Adoleszenz2 rückt die konkrete Entscheidungsfindung immer näher. In dieser Phase stellen Sozialisationsinstanzen eine entscheidende Informationsquelle dar (vgl. ebd.: 43). Bei der Wahl eines Berufes lassen sich Jugendliche von ihrer Persönlichkeit und ihren Vorstellungen dirigieren. Ist die Entscheidung erst einmal getroffen, beginnt die Suche nach einem Ausbildungsplatz. Dieser kann einen Lehrberuf oder auch die Zulassung zu einem Studium darstellen. Bevor die Berufsausbildung beginnt, stehen die Jugendlichen das letzte Mal vor einer Bedenkzeit. Danach beginnt die Berufsausbildung, die nach erfolgreichem Abschluss, mit dem Start in den Beruf endet (vgl. ebd.: 44). Die Berufswahl lässt sich nach Herzog et al. (2006) in verschiedenen Phasen (siehe Abbildung 1) zusammenfassen:

[...]


1 Gruppe von Gleichaltrigen (vgl. Seel/Hanke 2015: 501).

2 Endphase des Jugendalters (vgl. Seel/Hanke 2015:347).

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Elterlicher Einfluss auf die Berufswahl von Jugendlichen. Eine SINUS-Milieu-Analyse
Hochschule
Technische Universität Dortmund
Note
1,0
Autor
Jahr
2020
Seiten
25
Katalognummer
V1146071
ISBN (eBook)
9783346525086
ISBN (Buch)
9783346525093
Sprache
Deutsch
Schlagworte
elterlicher, einfluss, berufswahl, jugendlichen, eine, sinus-milieu-analyse
Arbeit zitieren
Nina Meier (Autor:in), 2020, Elterlicher Einfluss auf die Berufswahl von Jugendlichen. Eine SINUS-Milieu-Analyse, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1146071

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