Ich werde zunächst etwas weiter ausholen, um den Hintergrund deutlich zu machen, vor dem Shelleys Blankversdichtung Alastor geschrieben wurde.
Der literaturhistorische Begriff des romantic movement wird im “Shorter Oxford English Dictionary (SOECD)” definiert als “die Bewegung in der Literatur (und der Kunst), die aus einer Auflehnung gegen die Formalitäten und Konventionen des Klassizismus entstand und im 19. Jahrhundert durch bewußte Beschäftigung mit den subjektiven und imaginativen Aspekten der Natur und des Lebens charakterisiert war”.
Wenn man den Beginn und das Ende der romantischen Periode in England politisch definieren will, muß das Jahr 1789 als Start dieser Epoche angesehen werden, da in Frankreich eine Revolution stattfand, welche die Ideale der Freiheit, der Gleichheit und der Brüderlichkeit schuf, die sich die englischen Romantiker danach auf ihre Fahne schrieben, um durch sie eine bessere Gesellschaft in der politischen Form einer demokratischen Republik zu erschaffen, die wie in Frankreich die konstitutionelle Monarchie ablösen sollte.
Es gibt jedoch auch andere wissenschaftliche Stimmen, welche die Meinung vertreten, schon das Jahr 1776 mit der amerikanischen declaration of independence, politischen Unruhen in England und den Kolonialkriegen sei der Auslöser für die Literatur der Romantiker gewesen. Mit der großen englischen Wahlrechtsreform von 1832, die eine neue bürgerlich-demokratische Ära einleitete, ging diese grosse lyrische Epoche zu Ende, die “in Wucht und Wirkung [mit] der großen Zeit des [elisabethanischen] Dramas” vergleichbar ist.
Betrachtet man die Zeitspanne unter Berücksichtigung der literarischen Veröffentlichungen der Vertreter dieser Epoche, so startet die englische Romantik ebenfalls im Jahre 1789 mit William Blakes Veröffentlichung der Songs of Innocence, endet jedoch bereits 1824 mit Percy Bhysshe Shelleys Posthumous Poems.
Inhaltsverzeichnis
1 “The Romantic Movement”
1.1 Geschichte
1.2 Grundlagen
1.3 Zentrale Begriffe
2 Percy Bysshe Shelley und Alastor in der englischen Romantik
2.1 P.B. Shelley
2.2 Die romantische Tradition des Alastor
3 Alastor
3.1 Vorgeschichte
3.2 Vorwort
3.3 3.3. Inhalt
3.3.1 Allgemeines
3.3.2 Hoffnung
3.3.3 Gewißheit
4 Resümee
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die zerstörerischen Folgen der vergeblichen Suche nach liebender Intersubjektivität in P.B. Shelleys Gedicht "Alastor". Dabei wird analysiert, wie die Ichbezogenheit des Protagonisten zu einer fatalen Isolation führt und welches didaktische Potenzial Shelley diesem Scheitern beimisst.
- Historische und philosophische Grundlagen der englischen Romantik
- Die Biografie und politische Radikalität Percy Bysshe Shelleys
- Analyse von Identitätssuche und narzisstischer Spiegelung in "Alastor"
- Die Rolle der Natur und die Bedeutung des "Sublime" im Werk
- Kontrast zwischen menschlicher Isolation und gesellschaftlicher Verbundenheit
Auszug aus dem Buch
3.3.1 Allgemeines
Bevor das eigentliche Gedicht mit dem von seinem Freund Peacock vorgeschlagenen Titel Alastor, der den bösen Geist der Einsamkeit bezeichnet, beginnt, wird der heilige Augustinus zitiert: „Nondum amabam, et amare amabam, quaerebam quid amarem, amans amare.“ Dieses Zitat macht deutlich, worum es Shelley im wesentlichen geht, nämlich die Suche nach Liebe.
Alastor kann in zwei Teile untergliedert werden, wobei ich mich weitestgehend auf den zweiten Teil beziehen werde, der auf Seite 224 beginnt, nachdem der Held eine arabische Jungfrau zurückgewiesen hat, und er weiter durch Arabien und Persien wandert, bis er schließlich in einem Tal in Kaschmir, das in verschiedenen Interpretationen des Gedichts als Wiege aller Zivilisation bezeichnet wird, des Nachts in seinem Schlaf die Vision einer verschleierten Frau hat, die als Muse interpretiert werden könnte.
Von diesem Moment an ändert sich sein Leben schlagartig. Befand er sich zuvor auf einer einsamen Suche nach nüchternem Wissen, das er sich auf seinen Reisen durch Südeuropa und den Mittleren Osten angeeignet hatte, so steht von nun an die Suche nach eben dieser Traumerscheinung im Mittelpunkt seines Lebens, da ihm diese deutlich gemacht hat, daß das Wissen allein nichts wert ist, wenn man keine gleichberechtigte Partnerin hat, um dieses Wissen zwischen sich zu teilen. Von nun an hat er nicht mehr länger das Ziel der Anhäufung von physical knowledge, sondern diese wandelt sich in ein Verlangen nach mystical knowledge.
Zusammenfassung der Kapitel
1 “The Romantic Movement”: Dieses Kapitel bietet einen Überblick über den historischen Kontext und die zentralen philosophischen Strömungen der englischen Romantik.
2 Percy Bysshe Shelley und Alastor in der englischen Romantik: Hier werden Shelleys Leben sowie seine Einordnung in die zweite Generation der Romantiker und die literarische Tradition von "Alastor" beleuchtet.
3 Alastor: Das Kernkapitel analysiert die Entstehung, das Vorwort sowie die inhaltliche Entwicklung des Gedichts mit Fokus auf die psychologische Reise des Protagonisten.
4 Resümee: Dieses Kapitel zieht ein Fazit über Shelleys didaktische Intentionen und reflektiert das Scheitern des Protagonisten durch dessen Ichbezogenheit.
Schlüsselwörter
P.B. Shelley, Alastor, Englische Romantik, Intersubjektivität, Solitude, Imagination, Sublime, Identitätssuche, Narzissmus, Pantheismus, Dichtungstheorie, Isolation, Selbstentdeckung, Lyrik, Literaturwissenschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit untersucht die thematische Auseinandersetzung mit der Suche nach zwischenmenschlicher Nähe und Liebe in Shelleys Werk "Alastor" sowie die Konsequenzen des Scheiterns dieser Suche.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind die romantische Suche nach dem idealen Gegenstück, die Gefahr der Isolation durch Ichbezogenheit und die Funktion der Natur als Spiegel der Psyche.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie Shelley anhand seines Helden die zerstörerischen Folgen einer rein narzisstischen Identitätssuche darstellt und welche moralische Botschaft der Autor dem Leser mitgibt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die den Text des Gedichts mit biografischen Hintergründen und zeitgenössischen philosophischen Strömungen der Romantik verknüpft.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Einordnung der Epoche, eine Analyse von Shelleys Lebenshintergrund und eine detaillierte textimmanente Untersuchung der Reise des Protagonisten in "Alastor".
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselbegriffe wie Imagination, Solitude (Einsamkeit), Sublime, Intersubjektivität und das Streben nach mystical knowledge prägen die inhaltliche Untersuchung.
Warum ist das "Vorwort" des Gedichts für die Interpretation so wichtig?
Das Vorwort ist entscheidend, da es den Helden für sein Handeln kritisiert und die didaktische Absicht Shelleys offenlegt, den Leser vor der moralischen "Leere" einer isolierten Existenz zu warnen.
Welche Rolle spielt der Traum der verschleierten Frau?
Der Traum markiert den Wendepunkt im Gedicht; er fungiert als narzisstische Spiegelung der eigenen Seele des Wanderers, deren Unerreichbarkeit den Protagonisten schließlich in den Untergang treibt.
- Arbeit zitieren
- Oliver Buchholz (Autor:in), 2001, Die vergebliche Suche nach liebender Intersubjektivität und ihre zerstörerischen Folgen in P.B. Shelleys 'Alastor', München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/114641