Im 11. Jahrhundert neigten die stärksten, herrschaftlichen oder feudalen, Mächte dazu, den städtischen Gemeinden Gebührenfreiheiten und seltene politische Rechte zu bewilligen. Trotzdem wurde versucht, diese politischen Rechte durch gewaltsame und revolutionäre Aktionen zu erlangen. Als die bürgerliche Bevölkerung (Kaufleute, Handwerker und Händler) feststellte, dass zugebilligte Privilegien sehr gering waren, kam es zu Spannungssituationen. Diese Zusammenstöße zwischen den Bürgern und den Herren nahmen gelegentlich die Form von Revolten an. Sie waren der erste kommunale Aufruhr oder die Bildung von Kommunen. Früher betrachteten die Wissenschaftler das als den charakteristischen Weg zur kommunalen Selbständigkeit , oder man betonte die Ähnlichkeiten zwischen den revolutionären Kämpfen der mittelalterlichen Bürger und dem Dritten Stand in der Französischen Revolution . Heute ist bewiesen, dass es ganz wenige Revolten gab , dennoch ist ihre qualtitative Wichtigkeit groß.
In den nächsten Seiten werde ich versuchen, einen Überblick über dieses komplizierte und zugleich wichtige Thema zu geben. Dafür teile ich den ersten Teil der Hausarbeit in drei Punkte auf. Im ersten Punkt gehe ich über die folgenden Inhalte ein: 1.was ist eine Kommune, 2. ihre zeitliche und räumliche Abgrenzung und 3. ihre verschiedenen Typologien. Im zweiten Punkt stelle ich die verschiedenen Einflussfaktoren zur Bildung der Kommunen vor. Diese sind: Gildetheorie, Gottesfriedenstheorie, Investiturstreit und der wirtschaftliche Aufschwung. Schließlich, im dritten Punkt spreche ich über die historische Bedeutung der Kommune.
Im zweiten Teil der Hausarbeit beschäftige ich mich mit dem Beispiel eines spanischen Aufruhrs in Santiago de Compostela. Dabei möchte ich weniger auf den Aufruhr im Allgemeinen, sondern mehr auf einige konkrete Aspekte eingehen. Dazu möchte ich die Ereignisse kurz zusammenfassen, um die einzelnen Aspekte verständlicher zu machen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
I. Teil
1.1. Die Kommune: Begriff und zeitlich-räumliche Abgrenzung
1.1.1 Motive der kommunalen Bewegung
1.1.2. Typologie
1.2. Einflussfaktoren zur Bildung der Kommunen
1.3. Historische Bedeutung der Kommune
1.4. Zusammenfassung
II. Teil
2.1. Der Aufruhr in Santiago de Compostela
2.2. Quelle zur Erkenntnis des Aufruhrs
2.3. Konstituierte Santiago sich als Kommune?
2.4. Die Gründe des compostelanischen Aufruhrs
2.5. Die Gewalt des Aufruhrs
2.6. Ergebnis des Aufruhrs
2.7. Zuasammenfassung
III. Literaturverzeichnis
3.1. Kommunale Bewegung
3.2. Compostelaniche Aufruhr
IV. Anhang
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Entwicklung und Bedeutung der mittelalterlichen kommunalen Bewegung, wobei der Aufruhr in Santiago de Compostela im Jahr 1117 als zentrales Fallbeispiel dient. Die Forschungsfrage fokussiert sich darauf, wie bürgerliche Gruppen ihre Autonomie gegenüber feudalen Mächten zu sichern versuchten und ob der Aufruhr in Santiago als echte Kommune zu werten ist.
- Begriffsbestimmung und Typologie der mittelalterlichen Kommune.
- Analyse der Einflussfaktoren wie Gildetheorie und Gottesfrieden.
- Historische Untersuchung des Aufruhrs in Santiago de Compostela (1117).
- Kritische Quellenarbeit zur Historia Compostelana.
- Einordnung der bürgerlichen Bewegungen in die Feudalgesellschaft.
Auszug aus dem Buch
2.1. Der Aufruhr in Santiago de Compostela
Bevor ich auf die Bedeutung des Aufruhrs eingehe, will ich eine kurze Zusammenfassung über diesen Aufruhr geben. Die Ersache des Aufruhrs war der Streit zwischen der Königin Urraca I und ihrem Sohn Alfonso Raimundez, der die Unterstützung des Erzbischofs von Santiago de Compostela, Gelmírez, hatte. Dehalb erstes wurde Gelmírez von seinen Funktionen enthoben und das Regieren der Stadt einer Menschengruppe übertragen. Diese konstituierte sich als eine Bruderschaft.
Während des ersten Viertel des Jahres 1117 regierte die Bruderschaft und Gelmírez war zwar politisch tot, war aber immer noch der Herr der Stadt. Er wollte aber die Macht wieder haben und musste sich deshlab mit der Königin und ihrer Partei versöhnen. Durch diese Versöhnung wurde die Bruderschaft nutzlos und transformierte zu einer Geheimorganisation. Außerdem hatten die Mitglieder der Bruderschaft Angst vor der möglichen Beschlagnahme ihrer Güter und der Verbannung aus der Stadt.
Als Gelmírez und Urraca mit ihrem Heer in Santiago de Compostela ankamen, schlossen sich die Mitglieder der Bruderschaft bewaffnet in der Kathedrale ein. Die Eingeschlossenen ließen verlauten, dass sie an einem heiligen Ort verfolgt würden. Deshalb erhoben sich die Bürger mit Waffengewalt, brannten einen Teil der Kathedrale nieder, verfolgten den Erzbischof und die Königin und wandten schließlich Gewalt gegen sie an. Nach diesem Erfolg konstituierte sich eine neue Bruderschaft. Sie baten die Königin um Verzeihung und suchten ihre Unterstützung, um ihre Macht zu festigen. Urraca unterstützte sie, um Zeit zu gewinnen. Aber der wahre Plan der Königin und des Erzbischofs war, die Stadt zu belagern und die Bruderschaft zu vernichten. Schlißlich schafften sie es, dass die Mitglieder der Bruderschaft kapitulierten. Die Klauseln der Kapitulation wuden, wie folgt, festgelegt: Auflösung der Bruderschaft, Zahlung einer Geldstrafe, Rückgabe alles Gestohlenen an Erzbischof und Königin, sowie die Vertreibung der Aufständischen aus der Stadt. Trotzdem wünschte sich die Königin, dass die Maßnahmen härter wären.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in das Thema der kommunalen Bewegungen im 11. Jahrhundert und Abgrenzung der Forschungsbereiche der Arbeit.
I. Teil: Theoretische Untersuchung der mittelalterlichen Kommune, ihrer Motive, Typologien und der historischen Einflussfaktoren auf ihre Bildung.
II. Teil: Analyse des spezifischen Aufruhrs in Santiago de Compostela, der Quellenlage und der Interpretation des Ereignisses durch verschiedene Historiker.
III. Literaturverzeichnis: Umfassende Zusammenstellung der für die Analyse herangezogenen wissenschaftlichen Werke und Primärquellen.
IV. Anhang: Bereitstellung relevanter Textstellen aus der zeitgenössischen Quelle Historia Compostelana zur Dokumentation des Aufruhrs.
Schlüsselwörter
Kommunale Bewegung, Mittelalter, Santiago de Compostela, Feudalismus, Historia Compostelana, Bruderschaft, Bürgertum, Gelmírez, Gottesfrieden, Gildetheorie, Investiturstreit, Coniuratio, Autonomie, Germanitas, Stadtgeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Entstehung und Entwicklung mittelalterlicher Stadtgemeinden, den sogenannten Kommunen, und analysiert deren Verhältnis zu herrschaftlichen und kirchlichen Mächten.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Im Mittelpunkt stehen die Entstehung urbaner Freiheitsbewegungen, die soziopolitische Struktur mittelalterlicher Städte sowie die Rolle von Schwurverbänden und wirtschaftlichen Faktoren.
Welches primäre Ziel verfolgt der Autor?
Das Ziel ist es, den Aufruhr in Santiago de Compostela (1117) wissenschaftlich einzuordnen und zu prüfen, ob dieser als genuine Kommune oder eher als machtpolitische Interessengruppe zu verstehen ist.
Welche wissenschaftliche Methodik wird angewandt?
Der Autor stützt sich auf eine detaillierte Analyse der Sekundärliteratur zur kommunalen Bewegung sowie auf die kritische Auswertung der Primärquelle "Historia Compostelana".
Welche Inhalte werden im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine allgemeine theoretische Fundierung über die Bildung von Kommunen und einen speziellen Teil, der den Aufruhr in Santiago und dessen Nachwirkungen detailliert beschreibt.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen zählen Kommune, Aufruhr, Feudalismus, Autonomie und die spezifische Bedeutung von Schwurverbänden in der mittelalterlichen Gesellschaft.
Wie bewerten verschiedene Historiker den Aufruhr von 1117?
Die Forschungsmeinungen gehen auseinander; während einige Forscher in Santiago eine echte Kommune sehen, betrachten andere den Aufruhr lediglich als Interessengruppe im Rahmen feudaler Strukturen.
Warum ist die "Historia Compostelana" für diese Arbeit von so großer Bedeutung?
Sie ist die wichtigste zeitgenössische Quelle zum Aufruhr in Santiago, bietet detaillierte Informationen aus Augenzeugenperspektive, ist jedoch aufgrund der parteiischen Haltung des Autors zu Gelmírez kritisch zu hinterfragen.
Was hat es mit der "Germanitas" in Santiago auf sich?
Der Begriff "germanitas" wird in den Quellen anstelle von "Kommune" verwendet; es wird diskutiert, ob dies lediglich eine Gruppe oder bereits eine institutionalisierte Form der Selbstverwaltung darstellte.
- Quote paper
- Manuel Talavan (Author), 2007, Die kommunale Bewegung, untersucht am Beispiel Santiago de Compostela (1117), Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/114653