Wie wirkt sich pferdegestützte Psychotherapie bei Kindern und Jugendlichen mit Posttraumatischer Belastungsstörung aus?
Manch einer hat schon ein traumatisches Erlebnis durchlebt. Doch ist traumatisch gleich traumatisch? In Anbetracht dessen, dass gerade Kinder zu der vulnerabelsten Gruppe von Individuen zählen, die häufig Opfer sexuellen Missbrauchs, häuslicher Gewalt oder gar Verlust der leiblichen Eltern werden und folglich durch das nicht Verarbeiten dieser Erlebnisse immer wiederkehrende Emotionen und Gedanken bis Jahre nach dem Erlebnis hegen, stellt sich die Frage, welche Form der Psychotherapie die effektivste Form der Behandlung darstellt.
Tiere begleiten den Menschen schon seit Jahrtausenden, zuerst rein als Nutztier, mittlerweile hat die Mensch-Tier-Beziehung gesundheitsförderliche Effekte zu Tage gebracht. Die menschliche Psyche braucht stabile Bindungen, wofür Vertrauen, Zuneigung sowie Achtung erforderlich sind. Mit dem Hintergrund, wie Tiere – im besonderen Pferde - im Herdenverband miteinander und auch dem Menschen gegenüber mit großer Einfühlsamkeit reagieren, lässt sich auch auf einen möglichen positiven Effekt auf die menschliche Psyche schließen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Definition der Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS)
2.1 Kinder und Jugendliche mit PTBS
2.2 Diagnostik der PTBS bei Kindern und Jugendlichen
2.3 Behandlung und Therapie der PTBS
3 Pferdegestützte Psychotherapie (EFP) bei der PTBS
3.1 Ansätze und Erklärungsmodelle pferdegestützter Psychotherapie
3.2 Wirkweise pferdegestützter Psychotherapie
3.3 Diskussion
4 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die psychologischen Wirkmechanismen der pferdegestützten Psychotherapie (EFP) als ergänzende Behandlungsmethode für Kinder und Jugendliche, die an einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) leiden. Zentrale Forschungsfrage ist dabei, wie die Interaktion mit Pferden den therapeutischen Prozess bei dieser vulnerablen Zielgruppe unterstützen und fördern kann.
- Grundlagen der Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) und ihre Auswirkungen auf Kinder und Jugendliche.
- Diagnostische Verfahren und die Bedeutung der Früherkennung bei traumatisierten jungen Patienten.
- Theoretische Modelle und Ansätze der pferdegestützten Psychotherapie.
- Analyse der therapeutischen Wirkweise von EFP hinsichtlich Bindungsaufbau, Stressreduktion und emotionaler Regulation.
- Diskussion von Wirksamkeitsstudien und Grenzen der tiergestützten Intervention.
Auszug aus dem Buch
3.1 Ansätze und Erklärungsmodelle pferdegestützter Psychotherapie
Wenn zu Beginn das Pferd als Nutz- und vorrangig Reittier galt, entwickelte sich das therapeutische Reiten. Trotz der mit der Zeit zunehmenden tiergestützten Interventionen hielt das Pferd seinen besonderen Stellenwert. Immer stärker entwickelten sich Therapiekonzepte mit dem Pferd zur Verbindung körperlicher und psychischer Aspekte (Gomolla, 2016, S. 9) und ermöglicht die Interpretation im klinischen Kontext (Bachi, 2013, S. 187). Zielt man auf die Psychoanalyse nach Freud ab, bildet das Pferd als Archetyp die Persönlichkeitsstrukturen des Es (Pferd), dem Über-Ich (Therapeut*in) sowie des Ich (Klient*in) ab (Greiffenhagen & Buck-Werner, 2011, zitiert nach Friesenhahn, 2017, S. 219), wonach das Pferd Gebilde im Unbewusstsein aktivieren und entsprechend unterschiedlich auf den Menschen wirken kann. Durch die Pferdereaktionen kann der Therapeut auf das intraindividuelle Verhalten des Klienten schließen (Greiffenhagen & Buck-Werner, 2011; Scheidhacker, 2003; Karol, 2007, zitiert nach Friesenhahn, 2017, S. 218), was allerdings eine Pferdekenntnis des Therapeuten voraussetzt (Gomolla, 2016, S. 17). Überdies wird die Synchronisation von bewusster und unbewusster Ebene gefördert (Friesenhahn, 2017, S. 219).
Nach Gebhard (1994, zitiert nach Hegedusch & Hegedusch, 2007, S. 39) verfügen Kinder seit Geburt über eine Verbundenheit mit ihrer Umwelt, Tiere eingeschlossen und mit der Entwicklung des Bewusstseins nach Jung (1931), der ebenso von einer Begrenzung des Ichs ausgeht. Menschen setzen sich mit ihrer Umgebung und Lebewesen auseinander, fühlen sich hingezogen (Otterstedt, 2011, S. 51). Mit dem Hintergrund dieser Biophilie-Hypothese (nach Wilson, 1984) ist eine Salutogenese nach Antonovsky (1997, zitiert nach Otterstedt, 2011, S. 53), somit die Wechselwirkung von Entstehung und Aufrechterhaltung der Gesundheit, ohne Zuwendung zur Umwelt und Lebewesen in tiergestützter Intervention nicht möglich. Greiffenhagen und Buck-Werner (2007, S. 25) postulieren die Du-Evidenz als Beziehungsbasis zwischen Menschen und Tieren, die das jeweilige Individuum seinesgleichen kennt.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik traumatischer Erlebnisse bei Kindern ein und stellt die zentrale Forschungsfrage nach der Wirksamkeit der pferdegestützten Psychotherapie.
2 Definition der Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS): Dieses Kapitel definiert PTBS medizinisch und psychologisch, erläutert Symptome und beleuchtet die spezifische Belastungssituation bei Kindern und Jugendlichen.
2.1 Kinder und Jugendliche mit PTBS: Hier wird fokussiert, wie PTBS bei jungen Menschen in Erscheinung tritt und welche besonderen Anforderungen an die therapeutische Verarbeitung traumatischer Erlebnisse im Kindesalter gestellt werden.
2.2 Diagnostik der PTBS bei Kindern und Jugendlichen: Dieser Abschnitt behandelt die notwendigen diagnostischen Schritte und Instrumente, um eine PTBS bei Minderjährigen sicher zu identifizieren.
2.3 Behandlung und Therapie der PTBS: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über etablierte psychologische Therapiemethoden und diskutiert die Rolle körperlicher Aktivität und bisheriger Interventionsstudien.
3 Pferdegestützte Psychotherapie (EFP) bei der PTBS: Die Einführung der EFP als therapeutisches Konzept sowie die Darstellung des Pferdes als Co-Therapeuten stehen hier im Mittelpunkt.
3.1 Ansätze und Erklärungsmodelle pferdegestützter Psychotherapie: Dieses Kapitel erläutert theoretische Modelle, wie die Psychoanalyse oder die Biophilie-Hypothese, um die heilende Wirkung der Mensch-Pferd-Interaktion zu begründen.
3.2 Wirkweise pferdegestützter Psychotherapie: Hier werden die spezifischen Fähigkeiten der Pferde wie Empathie und Reaktionsschnelligkeit sowie ihr Einfluss auf die psychische Gesundheit und Stressregulation der Klienten dargelegt.
3.3 Diskussion: Dieses Kapitel kritisiert aktuelle Studienergebnisse und betont die Notwendigkeit weiterer Forschung zur Wirksamkeit der EFP unter Berücksichtigung von Kontraindikationen und Sicherheitsaspekten.
4 Fazit: Die Arbeit schließt mit einer Zusammenfassung, die Pferde als förderliche Unterstützung im therapeutischen Prozess bei traumatisierten Kindern hervorhebt, während gleichzeitig der Bedarf an weiteren Langzeitstudien betont wird.
Schlüsselwörter
Posttraumatische Belastungsstörung, PTBS, Kinder und Jugendliche, pferdegestützte Psychotherapie, EFP, tiergestützte Intervention, Trauma, Psychotherapie, Bindungstheorie, Stressreduktion, Salutogenese, psychische Gesundheit, therapeutisches Reiten, Diagnostik, Symptomatik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Hausarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie die pferdegestützte Psychotherapie (EFP) als komplementärer Ansatz bei Kindern und Jugendlichen eingesetzt werden kann, die an einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) leiden.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zu den Kernbereichen zählen die klinische Definition der PTBS, die diagnostischen Herausforderungen bei Minderjährigen, theoretische Erklärungsmodelle der Mensch-Tier-Interaktion sowie die Wirksamkeit von EFP im therapeutischen Kontext.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Hauptziel besteht darin, zu eruieren, inwiefern pferdegestützte Psychotherapie zur Linderung von Traumafolgesymptomen bei Kindern und Jugendlichen beitragen kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine Literaturarbeit, die auf einer umfassenden Analyse aktueller Studien und Fachpublikationen zu den Themen Psychologie, Traumatherapie und tiergestützte Intervention basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die diagnostische Einordnung der PTBS, die theoretischen Ansätze der Pferdegestützten Psychotherapie (einschließlich psychoanalytischer und entwicklungspsychologischer Aspekte) sowie eine kritische Diskussion aktueller Forschungsergebnisse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind PTBS, pferdegestützte Psychotherapie (EFP), Trauma bei Kindern, Bindungsförderung, tiergestützte Intervention und psychische Störungsbilder.
Wie unterscheiden sich die Symptome von PTBS bei kleinen Kindern von denen bei Jugendlichen?
Die Arbeit erläutert, dass sich Traumata bei Kindern häufig durch Albträume oder traumatisches Spiel äußern, während bei Jugendlichen die Symptomatik oft komplexer ist und differentialdiagnostisch von anderen Störungen wie ADHS oder Borderline abgegrenzt werden muss.
Warum ist die Wahl des Pferdes in der EFP so wichtig?
Das Pferd fungiert als zentraler Beziehungspartner. Eine artgerechte Haltung und ein sorgfältig ausgewähltes Wesen des Pferdes sind unabdingbar, da das Tier auf das psychische Gleichgewicht und die Bindungsfähigkeit des Klienten direkt einwirkt.
Welche Rolle spielt die Bindungstheorie in diesem Zusammenhang?
Die Bindungstheorie ist essenziell, da die Interaktion mit dem Pferd als „Du-Evidenz“ eine emotionale Bindung ermöglicht, die traumatisierten Klienten dabei hilft, wieder Vertrauen zu fassen und die eigene Beziehungsfähigkeit zu stärken.
Sind Kontraindikationen für die EFP bei PTBS bekannt?
Ja, die Arbeit nennt unter anderem starke körperliche Beeinträchtigungen, die das Reiten unmöglich machen, die Einnahme starker Psychopharmaka (wegen verzögerter Reaktionszeit) sowie Tierhaarallergien als mögliche Ausschlusskriterien.
- Citar trabajo
- Christina Yüksel (Autor), 2021, Pferdegestützte Psychotherapie bei Kindern und Jugendlichen mit einer Posttraumatischen Belastungsstörung, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1146643