Ziel meiner Arbeit ist es, das höfische Frauenbild am Beispiel der Enite aus Hartmanns von Aue „Erecroman“, mit der geistlichen Sicht auf die mittelalterliche Frau zu vergleichen und zu beweisen, dass Enite zwar dem höfischen Frauenbild entspricht, jedoch mit der geistlichen Idee des weiblichen Geschlechtes nur in abgeschwächter Form übereinstimmt.
Die Beschäftigung mit meinem Thema setzte voraus, dass ich mich mit dem geistlichen Frauenbild des 11. und 12. Jahrhundert beschäftigte. Bei dieser Auseinandersetzung wurde mir erst bewusst, wie vielseitig und facettenreich dieses war.
War ich noch zuvor der Annahme, dass die Frau im Mittelalter nur als Mittel zum Zweck, also zur Mutterschaft und Ehe, diente, und eigentlich etwas darstellte, vor dem die Geistlichen Angst hatten, musste ich meine Meinung teilweise revidieren.
Im 11. und 12. Jahrhundert gab es nämlich zwei extreme geistliche Meinungen: die Frau als Sünde und Schande im Gegensatz zu dem Marienkult, der im 12. Jahrhundert mehr und mehr an Popularität gewann. Im Allgemeinen gesprochen also die Geringschätzung der Frau und die Wertschätzung der Frau.
Das im „Erecroman“ dargestellte höfische Frauenideal hatte eine Mittelstellung zwischen diesen beiden Extremmeinungen inne. Das heißt soviel, als dass sich die beschriebene höfische Idee von der Frau aus beiden Monopolauffassungen in abgeschwächter Form zusammensetzte.
In den folgenden Teilen meiner Ausarbeitung möchte ich nun die Sicht auf Enite, also die höfische Sicht auf die Frau, mit der geistlichen Sicht und ihren Facetten vergleichen und folgende Fragen, die mir bei der Bearbeitung auffielen, beantworten: Entspricht Enite dem geistlichen mittelalterlichen Frauenbild des 11. / 12. Jahrhunderts? Spiegelt sich im Erec ein reelles christliches Frauenbild wider? und Wie definieren sich die unterschiedlichen Sichtweisen der Geistlichen auf die Frau?
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Hauptteil
II.1 Hartmanns Enite im Vergleich zu dem Bild der christlichen Frau im Mittelalter (11. / 12. Jahrhundert)
II.1.1 Herkunft und Erziehung der jungen Enite
II.1.2 Enites Liebe und Sexualität
II.1.3 Treue versus Gehorsamkeit
II.1.4 Sünderin versus Sühnerin
II.1.5 Hartmanns Enite – eine Gefahr für die Romanfiguren?
III. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Frauenbild im „Erecroman“ von Hartmann von Aue, insbesondere die Figur der Enite, um deren Verhältnis zum mittelalterlichen geistlichen Frauenbild – geprägt durch die Pole von Eva als Sünderin und Maria als Ideal – zu bestimmen.
- Vergleich der literarischen Enite-Figur mit den biblischen Archetypen Eva und Maria.
- Analyse der herrschenden geistlichen Vorstellungen von der Frau im 11. und 12. Jahrhundert.
- Untersuchung von Enites Handlungen hinsichtlich Gehorsam, Treue und Verführung.
- Bewertung von Enite als Figur, die sowohl das "Sünderin"- als auch das "Sühnerin"-Motiv in sich trägt.
- Reflektion über die Gefahr, die Enites Schönheit für männliche Romanfiguren darstellt.
Auszug aus dem Buch
II.1.1 Herkunft und Erziehung der jungen Enite
Die Figur der Enite, vom Autor dargestellt als ein junges wunderschönes Mädchen, wird in der Stadt Lut geboren und wächst bei ihren Eltern Koralus und Karsinefite auf. Ihr Onkel ist der Herzog Imain, ein Mann von großer politischer Macht - Enite ist folglich adliger Herkunft.
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Hartmann von Aue benutzt zur Umschreibung der Enitefigur das Vokabular jucfrouwe. Hier ist der erste Hinweis auf das christliche Frauenbild zu finden, da die Jungfräulichkeit eine der Tugenden der Heiligen Mutter Maria war, die im Mittelalter ein Frauenideal darstellte. Der Erecroman Hartmanns ist in der Blütezeit der Marienverehrung, also zwischen 1180 – 1190 entstanden. Der Marienkult, der sich erst im 11. Jahrhundert entfaltete, hatte im 12. Jahrhundert seinen Höhepunkt.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Die Einleitung definiert das Ziel der Arbeit, Enite als höfische Frauenfigur zwischen den geistlichen Extrempolen von Maria und Eva zu verorten.
II. Hauptteil: Der Hauptteil analysiert Enites Herkunft, ihre Rolle in der Liebesbeziehung zu Erec, ihre Konflikte zwischen Gehorsam und Treue sowie ihre Wirkung als vermeintliche Gefahr für die männliche Umgebung.
II.1 Hartmanns Enite im Vergleich zu dem Bild der christlichen Frau im Mittelalter (11. / 12. Jahrhundert): Dieses Kapitel bildet die theoretische Basis für den Vergleich der Enite-Figur mit zeitgenössischen christlichen Frauenbildern.
II.1.1 Herkunft und Erziehung der jungen Enite: Fokus auf die adlige Herkunft Enites und die symbolische Bedeutung ihrer Jungfräulichkeit in Anlehnung an den Marienkult.
II.1.2 Enites Liebe und Sexualität: Untersuchung, wie die körperliche Liebe zwischen Erec und Enite als Sündenfall im Sinne des biblischen Eva-Bildes interpretiert wird.
II.1.3 Treue versus Gehorsamkeit: Analyse des Spannungsfeldes zwischen Enites Treue zu ihrem Gatten und ihrem Ungehorsam gegenüber seinen Verboten.
II.1.4 Sünderin versus Sühnerin: Erläuterung der Sünden, die Enite begeht, und ihrer anschließenden Läuterung durch Sühnehandlungen und harte Prüfungen.
II.1.5 Hartmanns Enite – eine Gefahr für die Romanfiguren?: Darstellung, wie Enites Schönheit unbewusst das Verderben oder die gefährlichen Aventiuren für diverse männliche Figuren heraufbeschwört.
III. Schlussbetrachtung: Zusammenfassende Antwort auf die Forschungsfrage: Enite lässt sich nicht eindeutig einem der beiden biblischen Pole zuordnen, sondern nimmt eine abgeschwächte Mittelstellung ein.
Schlüsselwörter
Hartmann von Aue, Erec, Enite, höfischer Roman, Mittelalter, Frauenbild, Marienkult, Eva, Sünde, Sühne, Gehorsam, Treue, Literaturanalyse, Aventiure, christliche Ethik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit untersucht das Frauenbild im Erecroman von Hartmann von Aue unter Einbeziehung des mittelalterlichen geistlichen Frauenbildes.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Felder sind die Rolle der Enite, das Spannungsfeld zwischen Erec und Enite sowie der Vergleich mit biblischen Frauenrollen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist der Nachweis, dass Enite eine Mittelstellung zwischen dem Ideal der Muttergottes Maria und dem Sündenfall-Archetyp Eva einnimmt.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit angewendet?
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die den Primärtext mit zeitgenössischen theologischen und historischen Quellen abgleicht.
Welche Aspekte werden im Hauptteil detailliert behandelt?
Behandelt werden unter anderem Enites Herkunft, ihr Verhalten in der Liebe, ihr Bruch mit Geboten und ihre Wirkung auf die Romanwelt.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Publikation?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Höfisches Frauenbild, Sünde, Sühne, Marienverehrung und die biblische Eva-Figur.
Inwiefern beeinflusst die Schönheit der Enite den Handlungsverlauf des Romans?
Ihre Schönheit löst bei männlichen Figuren Verlangen aus, was Erec zur Aventiurenfahrt drängt und Räuber sowie andere Edle in Konflikte stürzt.
Was ist das Fazit der Autorin bezüglich der Einordnung von Enite?
Enite entspricht keinem der beiden biblischen Vorbilder vollständig, sondern agiert in einer abgeschwächten Form zwischen diesen Polen.
- Citar trabajo
- Katharina Giers (Autor), 2005, Frauenbilder im höfischen Roman: Enite, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/114678