In meinem sonderpädagogischen Handlungsfeld arbeite ich im rhythmisch-musikalischen Bereich. Es geht darum, bei Kindern mit Sprachbehinderung Freude an Musik zu wecken und ihnen somit eine Möglichkeit zu geben, sich durch Musik und Rhythmus auf einer anderen Ebene als der sprachlichen ausdrücken zu lernen. Gerhard Hauptmann sagt: „Wo die Sprache aufhört, fängt die Musik an“ (zit. nach Bastian, 2003: 43).
Nebenbei hat singen im Chor auch einen therapeutischen Effekt. Den spezifischen Sprach- und Sprechstörungen kann durch gezielte Übungen begegnet werden, die ich hier vorstellen möchte. Ich habe mich unter anderem für ein sonderpädagogisches Handlungsfeld im Bereich Musik entschieden, weil diese nachweislich das Selbstvertrauen stärkt, das Sozialverhalten fördert, die Identitätsfindung voran bringt und die Intelligenz steigert (vgl. Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg, 2007).
Die zwölf Schüler des Chors kommen aus den zweiten Klassen der Gebrüder-Grimm-Schule in H.. Wir treffen uns zwei Mal in der Woche, um miteinander zu proben, zu singen und zu musizieren. Am Ende steht für die Schüler eine Aufführung vor ihren Klassenkameraden und Eltern.
Inhaltsverzeichnis
1 RAHMENBEDINGUNGEN
1.1 Planung und Durchführung
1.2 Raum
1.3 Die Gruppe
1.4 Themenauswahl
2 SCHÜLERBESCHREIBUNGEN
3 CHORARBEIT
3.1 Konzeptionelle Überlegungen zum Ablauf
3.2 Einsingen und Stimmbildung
3.3 Weiteres zum Einsingen
4 SPRACHHEILPÄDAGOGISCHE ASPEKTE
4.1 Sozialkompetenz- und Kommunikationsförderung
4.2 Der Bildungsplan der Schule für Sprachbehinderte
4.3 Spezifische Sprachstörungen und Therapiemöglichkeiten
5 KOOPERATION
5.1 Absprache mit Kollegen
5.2 Aufführungen
5.3 Elternarbeit
5.4 Kooperation mit einer anderen Schule
6 REFLEXION UND AUSBLICK
6.1 Wie ich es erlebt habe
6.2 Wie es für die Schüler und Kollegen war
6.3 Weiterarbeit
7 ANHANG
7.1 Übersicht über die einzelnen Stunden
7.3 Stimmgeräusch-Geschichte „Toms Spaziergang“
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit ist die Erprobung und Dokumentation einer rhythmisch-musikalischen Förderung durch Chorarbeit für Kinder mit Sprachbehinderung, um deren Freude am Musizieren zu wecken und therapeutische Effekte zur sprachlichen Entwicklung zu nutzen.
- Förderung der Sozialkompetenz und Kommunikation durch gemeinsames Singen
- Stärkung der auditiven Wahrnehmung und der Mundmotorik
- Überwindung von Redeflussstörungen durch Rhythmisierung
- Positive Einflussnahme auf das Selbstvertrauen und die Identitätsbildung
- Umsetzung des Bildungsplans der Schule für Sprachbehinderte im musikalischen Kontext
Auszug aus dem Buch
3.2 EINSINGEN UND STIMMBILDUNG
Zu Beginn unserer Übungsstunden war das Einsingen ein wichtiger Bestandteil. Durch die Geschichte „Toms Spaziergang“ (siehe Anhang), in der Geräusche vorkamen, die die Kinder nachahmen sollten, konnte der Stimmapparat spielerisch aufgewärmt werden und Übungen zur Stimmbildung eingebaut werden.
Im Folgenden möchte ich kurz die Bedeutsamkeit des Einsingens und der Stimmbildung darlegen. Ich beziehe mich auf die Werke von Chilla (2003) und Mohr (1997).
Vor dem Singen sollten die Stimmbänder und beteiligten Muskeln aufgewärmt werden, so wie es im Sport üblich ist. Durch die richtige Körperhaltung und Atmung werden Kehlkopf und Stimmbänder geschont. Das Singen ist somit nicht anstrengend und klingt schön.
Für Kinder ohne Erfahrung ist es nicht leicht, eine Körperfunktion bewusst zu steuern. Dazu kommt, dass es unter sprachbehinderten Kindern viele gibt, die eine eingeschränkte Körperwahrnehmung haben. Zuerst müssen die Kinder deshalb auf die verschiedenen Muskeln, die Atmung und Haltung aufmerksam gemacht und dafür sensibilisiert werden. Am Anfang ist es zum Beispiel nicht einfach, bewusst die Bauchatmung einzusetzen. Es müssen Hilfen angeboten werden. Zum Beispiel wird die Hand auf den Bauch gelegt, um besser spüren zu können, wo die Luft jetzt hin soll.
Für die Stimmbildung sind drei Bereiche wichtig: Körperhaltung, Atemvorgang, Stimme; denn „ohne richtige Haltung kein guter Atemfluss, ohne gleichmäßig gestützten Atemfluss keine gute Tongebung, ohne gute Artikulation kein verständlicher Sprachfluss“ (Chilla 2003: 147)
Zusammenfassung der Kapitel
1 RAHMENBEDINGUNGEN: Hier werden die organisatorischen Aspekte der Chorarbeit, wie die Planung der Probenzeiten, die Herausforderungen der Raumwahl und die Zusammensetzung der Schülergruppe erläutert.
2 SCHÜLERBESCHREIBUNGEN: Dieser Abschnitt befasst sich mit der Vorstellung der beteiligten Schülerinnen und Schüler, wobei der Inhalt aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht aufgeführt ist.
3 CHORARBEIT: Das Kapitel beschreibt den konzeptionellen Aufbau einer Probenstunde sowie die Bedeutung von Einsing- und Stimmbildungsübungen für die musikalische und sprachliche Entwicklung.
4 SPRACHHEILPÄDAGOGISCHE ASPEKTE: Es wird theoretisch und praktisch dargelegt, wie Musik gezielt zur Förderung von Sozialkompetenz, Wahrnehmung und zur Linderung spezifischer Sprachstörungen eingesetzt werden kann.
5 KOOPERATION: Der Fokus liegt auf der Zusammenarbeit mit Kollegen, Eltern sowie dem geplanten Austausch mit einer anderen Schule, um das Projekt weiter in den Schulalltag zu integrieren.
6 REFLEXION UND AUSBLICK: Die Autorin reflektiert ihre Erfahrungen als Chorleiterin, bewertet die Fortschritte der Schüler und diskutiert Möglichkeiten zur langfristigen Fortführung des Chors.
7 ANHANG: Dieser Teil enthält eine detaillierte tabellarische Übersicht der durchgeführten Stunden, die Vorlage für die Stimmgeräusch-Geschichte sowie das Literaturverzeichnis.
Schlüsselwörter
Rhythmisch-musikalische Förderung, Sprachbehinderung, Chorarbeit, Stimmbildung, Auditive Wahrnehmung, Redeflussstörungen, Sprachheilpädagogik, Sonderpädagogik, Sozialkompetenz, Psychomotorik, Artikulation, Gruppenprozess, Musiktherapie, Inklusion, Schulförderung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit dokumentiert den Einsatz einer rhythmisch-musikalischen Förderung in Form einer Chorarbeit an einer Schule für Sprachbehinderte.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die Chorarbeit mit Kindern, die sprachheilpädagogische Bedeutung von Musik sowie die organisatorische Planung sonderpädagogischer Handlungsfelder.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, Freude an Musik zu wecken und durch gezielte musikalische Übungen die sprachliche Entwicklung und das Selbstvertrauen der Kinder nachhaltig zu unterstützen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer pädagogischen Aktionsforschung, bei der theoretische Grundlagen aus der Musikpädagogik und Sprachheilpädagogik durch praktische Chorstunden erprobt und reflektiert werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in konzeptionelle Überlegungen zur Chorarbeit, die Verknüpfung mit sprachheilpädagogischen Aspekten sowie die notwendige Kooperation mit anderen Lehrkräften und Institutionen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Rhythmisch-musikalische Förderung, Sprachbehinderung, Chorarbeit, Stimmbildung, auditive Wahrnehmung und Sozialkompetenz.
Wie wirkt sich die Chorarbeit auf Kinder mit Stottern aus?
Die Autorin beschreibt, dass Rhythmisierung durch Singen und Sprechen im Chor den Kindern hilft, Redeflussstörungen zu überwinden und mehr Sicherheit in der Artikulation zu gewinnen.
Warum ist die Wahl des Raumes für die Chorarbeit so bedeutsam?
Ein geeigneter Raum ist essenziell für die Bewegung, das Wohlbefinden und die Konzentration der Kinder, da räumliche Enge in Klassenzimmern die musikalische Arbeit und den Gruppenprozess negativ beeinflussen kann.
- Citation du texte
- Judith Berzins (Auteur), 2008, Rhythmisch-musikalische Förderung von Kindern mit Sprachbehinderung im Rahmen eines Chors, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/114761