Wann ist ein Sportler "gut"? Motivation im Sport und die moralische Bewertung von Doping unter Berücksichtigung Platons


Bachelorarbeit, 2020

33 Seiten, Note: 1,3

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Was macht einen guten Sportler aus?

3 Motivation
3.1 Definition des Begriffs Motivation
3.2 Motivation unter sportlichem Gesichtspunkt
3.3 Motivation nach Platon

4 Doping als Mittel zum Erfolg
4.1 Definition des Begriffs Doping
4.2 Gründe für Doping
4.2.1 Interne Gründe
4.2.2 Externe Gründe
4.3 Gründe gegen Doping
4.3.1 Medizinische Gründe
4.3.2 Sportpädagogische und sportphysiologische Gründe

5 Sportethik
5.1 Definition des Begriffs Moral
5.2 Ethische Ansätze
5.3 Gegenstand der Sportethik
5.4 Bewertung von Doping in Bezug auf die Moral
5.4.1 Fairness und Fairplay
5.4.2 Chancengleichheit
5.4.3 Gesundheit und medizinethische Einordnung
5.4.4 Der Geist des Sports
5.5 Bewertung von Doping nach Platon
5.6 Eigene Bewertung von Doping

6 Fazit

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Usain Bolt ist unumstritten ein guter Läufer – als Weltrekordhalter im 100 Meter Lauf seit 2009 sogar der Beste. Michael Jordan gilt als bester Basketballspieler aller Zeiten. Gleiches gilt für Lionel Messi als Fußballspieler. Betrachtet man Sport unter dem Gesichtspunkt der Leistung und des individuellen Erfolges eines jeden, lassen sich sehr viele gute Sportler finden. Was muss passieren, damit man diese Sportler nicht mehr als "gut" bezeichnet?

„Wenn in unserer Gesellschaft Skandale das Vertrauen in Politik und Wirtschaft, staatliche Institutionen, aber auch in einzelne Repräsentanten erschüttern, wird laut und deutlich nach der „Ethik“ gerufen. Die Ethik – heißt es dann – hat versagt“ (Ränsch-Trill 2004: 249). Solche Skandale sind im Sport meist einhergehend mit dem Thema Doping. Es gibt viele Gründe aufgrund derer ein Sportler verbotene Mittel und Methoden zur Leistungssteigerung nutzt. Je höher die Ambitionen sind, desto größer ist die Versuchung Doping zu nutzen. Zudem wird mit steigenden Ambitionen immer weniger Rücksicht auf das Fair Play genommen. Außerdem wird durch die Medien, die Konkurrenz oder durch die eigene Motivation, ein gewaltiger Leistungsdruck auf die Sportler ausgeübt. Um diesen Leistungsdruck zu kompensieren greifen nicht nur Hochleistungs- sondern auch häufiger Alltagssportler zu der medikamentösen Leistungssteigerung in Form von Doping (vgl. Arndt et. al. 2004: 9 ff.). Allerdings stellt sich die Frage, ob diese Sportler dann noch als "gut" zu bewerten sind oder ob hier andere leistungsunabhängige Parameter zum Tragen kommen, die diese Bewertung beeinflussen.

Die vorliegende Arbeit setzt sich mit dieser Fragestellung auseinander, wobei der Ausarbeitung die These zugrunde liegt, dass ein Sportler dann "gut" ist, wenn er kein Doping verwendet, da dies moralisch falsch ist. Diese These wird im Verlauf der Arbeit auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft. Hierbei bilden Motivation im Sport, Doping als Mittel zur Leistungssteigerung sowie die moralische Bewertung dessen die Schwerpunkte der Auseinandersetzung. Im Zuge dieser Erarbeitung soll zunächst definiert werden, was ein guter Sportler ist und welche Faktoren auf eine Bewertung Einfluss nehmen.

Im Ersten Teil dieser Arbeit wird aufgezeigt, dass bei einer solchen Bewertung vor allem die Leistung und der Erfolg eines Sportlers im Fokus stehen. Aus diesem Grund wird die Motivation, die der Grundstein für Erfolg bringende Leistung ist, näher betrachtet. Dazu wird sie in Bezug auf den Sport dargestellt und außerdem in Bezug zu Platon gesetzt, da dieser den Ursprung der Motivation genauer betrachtet hat. Der Fokus des zweiten Teils der Arbeit liegt auf dem Doping als Mittel zur Leistungssteigerung. Zunächst wird Doping definiert, um einen Einstieg in dieses Thema zu ermöglichen. Es werden die Gründe aufgezeigt, aus denen Sportler diese Form der Leistungssteigerung nutzen. Ebenso werden Argumente angeführt, die gegen eine Nutzung sprechen. Zum Schluss soll Doping moralisch bewertet werden. Dies geschieht unter Berücksichtigung der Begriffe Fairness, Fairplay und Chancengleichheit, unter dem Gesichtspunkt der Gesundheit und aus medizinethischer Sicht. Zusätzlich soll Doping auch unter Berücksichtigung des Geistes des Sports bewertet werden. Anschließend wird ein Bezug zu Platon hergestellt werden, wodurch die Motivation für Doping mit dessen Hilfe eingeordnet wird. Es soll außerdem überprüft werden, ob Doping nach Platon gerechtfertigt werden kann. Den Abschluss der Arbeit bilden eine eigene Bewertung von Doping und die Auswertung der gewonnenen Erkenntnisse in Form eines Fazits. Dieses wird abschließend feststellen, wann ein Sportler "gut" ist.

2 Was macht einen guten Sportler aus?

Eine pauschale Beantwortung der Frage, was einen guten Sportler ausmacht, ist unmöglich. Aufgrund von verschiedenen Betrachtungsweisen kann diese Frage unterschiedlich interpretiert werden. Unter dem Gesichtspunkt der Leistung ist diese Frage leicht zu beantworten: schnelle Erfolge, Verbesserung, das Erreichen von Zielen, das Gewinnen von Wettbewerben oder der oder die Beste sein. Die Recherche mithilfe der Online Suchmaschine Google zur Beantwortung dieser Frage ergibt, dass einen guten Sportler vor allem Eigenschaften wie Hartnäckigkeit, Zielstrebigkeit, Mut, Stärke und Leidenschaft ausmachen. Es finden sich zudem zahlreiche Ratschläge zur Steigerung der Motivation. Der Online Ratgeber „Be a Good Sport: A Guide to Sportsmanship“ (McKay 2009) erläutert was es braucht, um ein guter Sportler zu sein und, dass ein wahrer Sportler über mehr als körperliche Stärke und Geschwindigkeit verfügt. Um wirklich großartig zu werden ist eine positive Grundeinstellung Voraussetzung. Dies bezieht sich vor allem auf den Umgang mit anderen Sportlern, auch wenn sie nicht zu der eigenen Mannschaft zählen. Wenn man ein Spiel verliert, akzeptiert ein guter Sportler die Niederlage und respektiert die anderen Spieler für ihren Sieg. Ist man ein vorbildlicher Sportler, erhält man denselben Respekt, wenn man selbst gewinnt (vgl. Ebd.). Diese Sichtweise bezieht sich auf die zugrunde liegenden Werte des Sports. Der olympische Gedanke spiegelt diese Werte wider und definiert den „Geist des Sports mit den Fundamenten: Fairness, Regeleinhaltung, natürliche Eigenleistung, Chancengleichheit“ (Maier 2018: 26). Dies beinhaltet vor allem das Befolgen von sportartspezifischen Regeln, das Einhalten der Fairness Regelungen, das Schützen des eigenen Körpers und das Befolgen von Gesetzen zum Schutz der Chancengleichheit, wie beispielsweise den Anti-Doping Gesetzen.

3 Motivation

3.1 Definition des Begriffs Motivation

Dieses Kapitel befasst sich damit was Motivation ist und was es bedeutet, Motivation zu besitzen respektive motiviert zu sein. Menschen haben unterschiedliche Ziele. Dazu gehören beispielsweise das glücklich Sein, der Erfolg in der Schule oder im Studium, sportliche Erfolge oder angesehene, gut bezahlte Berufe. Die Gründe diese erreichen zu wollen sind verschieden und abhängig von der jeweiligen Person. Eines haben diese Ziele jedoch gemeinsam: Man muss etwas dafür tun. Der Antrieb hinter diesem Handeln ist die Motivation.

Sucht man nach einer Definition des Begriffs Motivation findet sich folgende Erklärung:

Motivation ist der

Zustand einer Person, der sie dazu veranlasst, eine bestimmte Handlungsalternative auszuwählen, um ein bestimmtes Ergebnis zu erreichen und der dafür sorgt, dass diese Person ihr Verhalten hinsichtlich Richtung und Intensität beibehält (Gabler Wirtschaftslexikon 2020a).

Der Begriff Motivation beschreibt also einen Prozess, bei dem ein bestimmtes Motiv aktiviert wird und in Form einer entsprechenden Handlung umgesetzt wird. Dadurch bekommt das Verhalten der Person eine Richtung auf das Ziel, eine Intensitätsstärke und eine Ablaufform (vgl. Stangl 2020). Falko Rheinberg erläutert in seinem Werk Motivation, dass diese Intensitätsstärke variieren kann: „Tennisspieler X ist „hoch motiviert“, die Spitze der Weltrangliste zu erreichen; Schüler Y ist „wenig motiviert“, die Hausaufgaben zu erledigen“ (Rheinberg 2004: 14). Der Motivationsbegriff wird in diesem Beispiel als Einheit behandelt, kann aber qualitativ verschiedene Verhaltens- und Erlebnismerkmale betreffen.

„Hoch motiviert zu etwas“ kann bedeuten, daß jemand alle Kräfte mobilisiert, um etwas Bestimmtes zu erreichen, sich durch nichts davon abbringen läßt, nur noch das eine Ziel vor Augen hat und darauf fixiert ist und nicht eher ruht, bis er es erreicht hat (Ebd.: 14).

Zusammenfassend lässt sich demnach sagen, dass jemand, der motiviert ist, ein klares Ziel vor Augen hat, sich anstrengt dies zu erreichen und resistent gegenüber Ablenkungen ist. DeCharms hat diesen Zustand so beschrieben, dass Motivation „wie eine milde Form der Besessenheit“ ist (DeCharms 1979: 55). Mit der Motivation einhergehende Zustände wie beispielsweise Streben, Wollen, Bemühen, Wünschen oder Hoffen haben als Gemeinsamkeit die Komponente „einer aktivierenden Ausrichtung des momentanen Lebensvollzugs auf einen positiv bewerteten Zielzustand“ (Rheinberg 2004: 15). Aus diesem Zustand heraus lassen sich unterschiedliche Strategien und verschiedene Vorstellungen entwickeln, die dazu beitragen das zuvor formulierte Ziel zu erreichen.

3.2 Motivation unter sportlichem Gesichtspunkt

Dass Sport und Motivation unmittelbar miteinander verknüpft sind, scheint im Hinblick auf die Definition von Motivation plausibel. Sport ist vor allem leistungsorientiert. Um ein guter Sportler zu sein, muss die Motivation entsprechend hoch sein, um formulierte Ziele zu erreichen. Wenn man Motivation unter einem sportlichen Gesichtspunkt betrachtet, müssen vor allem die Motive für sportliche Aktivität genauer beleuchtet werden. Solche Motive können äußerst vielfältig sein. Hartmut Gabler, ein deutscher Sportpsychologe und Sportwissenschaftler, kategorisiert diese wie folgt. Motive können auf das Sporttreiben selbst bezogen sein. Hier können ästhetische Gründe, wie Gewichtsabnahme oder Muskelaufbau, eine Rolle spielen. Zudem können aber auch die reine Funktionslust, also der Spaß an der Bewegung selbst oder die soziale Interaktion im Teamsport von Bedeutung sein. Außerdem können Motive auf das Ergebnis des Sporttreibens bezogen sein. Gabler differenziert hier zwischen der Leistung als Selbstbestätigung und dem sachbezogenen Erfolg, wie beispielsweise dem Erlernen von Bewegungsabläufen und der Leistung als Selbstbestätigung und subjektbezogenem Erfolg. In diesem Kontext ist die persönliche Leistungssteigerung bedeutsam. Als dritte Kategorie dieser Motivklasse nennt Gabler die Leistung als Selbstbestätigung und sozialbezogenen Erfolg. Dies kann anhand des folgenden Beispiels erläutert werden: Person Y läuft den Zehn Kilometer Lauf 20 Sekunden langsamer als Person X. Person X ist demnach 20 Sekunden schneller als Person Y und nutzt diese Tatsache nicht nur, um die eigene Leistung einzuordnen, sondern profiliert sich gegenüber anderen, die schlechter sind. Letztlich gibt es nach Gabler einige weitere Motive, die auf das Sporttreiben als Mittel für andere Zwecke bezogen sind. Hierzu zählen Gesundheit, Fitness und körperliche Tüchtigkeit, Entspannung, Freizeitgestaltung, das Naturerlebnis oder materielle Gewinne und Geldprämien (vgl. Gabler 2002: 14 ff.).

Aus den genannten Motiven heraus wird der Fokus auf das Ziel gelenkt. Es geht vor allem um die Fragen: Was will ich erreichen? Wann will ich es erreichen? Und warum will ich es erreichen? Durch die Beantwortung dieser Fragen ergibt sich ein klar formuliertes Ziel, dass es durch sportliche Betätigung zu erreichen gilt. Den Prozess dieser Motivanregung bezeichnet man als Motivierung, welche die Motivation zum Ergebnis hat, die im Sport vor allem an der Leistung orientiert ist. Die Leistungsmotivation ist das

Bestreben, die eigene Tüchtigkeit in allen jenen Tätigkeiten zu steigern oder möglichst hoch zu halten, in denen man einen Gütemaßstab für verbindlich hält und deren Ausführung gelingen oder misslingen kann […]. Die Leistungsmotivation resultiert aus dem Zusammenspiel von Merkmalen einer Person, dem Leistungsmotiv und dem Anregungscharakter einer Situation (d.h. dem Ausmaß, in dem eine Situation das Leistungsmotiv anregt) (Gabler Wirtschaftslexikon 2020b).

Leistungsmotiviert ist ein Verhalten also nur, wenn es auf die Selbstbewertung eigener Tüchtigkeit zielt. Zudem muss immer eine Auseinandersetzung mit einem Gütemaßstab, den es zu erreichen oder zu übertreffen gilt, stattfinden (vgl. Rheinberg 2004: 60). Im Hinblick auf die Wirksamkeit solcher Gütemaßstäbe sind sportliche Phänomene näher zu betrachten. Jemand, der in seiner Freizeit joggt und anfängt seine Zeit zu messen, freut sich, wenn er diese beim nächsten Lauf verbessern kann. Die Lauf App Nike Run Club, die die Strecke, Zeit und Geschwindigkeit eines Laufes misst, verzeichnete allein im Februar 2020 eine Zahl von 600.000 Downloads (vgl. SensorTower). Pro Jahr würde dies eine Zahl von 7,2 Millionen Läufern bedeuten, denen es wichtig ist, die Daten über einen Lauf zu erfassen. Ein Radfahrer, der seine Durchschnittsgeschwindigkeit mithilfe eines Tachometers erfasst, verändert „meist umgehend die Erlebnisqualität und Fahrweise auf einem Fahrrad“ (Rheinberg 2004: 60).

Als Anreiz der Zielerreichung genügen also der Stolz, etwas persönlich Anspruchsvolles geschafft zu haben und die daraus resultierende Zufriedenheit mit der eigenen Tüchtigkeit (erlebt als „gutes Gefühl“) (Ebd.: 60).

Die Resultate dieser Phänomene werden im Volksmund gewöhnlich als Erfolgserlebnis bezeichnet. Die leistungsthematische Freude über die eigene Tüchtigkeit stellt sich nach Rheinberg allerdings nur dann ein,

wenn man ein Resultat sich selbst, also der eigenen Fähigkeit und/oder dem eigenen Bemühen zuschreiben kann […] und nicht etwa äußere Ursachen wie Glück, Hilfe von anderen, geringe Anforderungen etc. für ein gutes Gelingen verantwortlich macht (Ebd.: 61).

Erfolgserlebnisse im Sport sind motivationsfördernd, da das Verlangen nach dem wiederholten Erleben dieser Freude verstärkt wird.

3.3 Motivation nach Platon

In der Antike gab es kein Wort, das das Phänomen der Motivation beschreibt. In der altgriechischen Sprache wurden verschiedene Begriffe genutzt, um diesen bestimmten Zustand zu beschreiben. Dies bedeutet nicht, dass es den Zustand der Motivation nicht gab, sondern dass man zu dieser Zeit der Auffassung war, dass es so etwas wie einen einheitlichen Begriff nicht gibt. Demnach stellt sich die Frage, was Platon unter Motivation verstanden hat. Dieser spricht im Zusammenhang mit dem Begriff der Motivation über positive Gefühle wie Lust oder Freude. Lust beschreibt ein Gefühl, das dem Körperzustand entspricht, wohingegen Freude ein Gefühl ist, das einen Geisteszustand näher beschreibt. Diese Differenzierung ist allerdings nicht entscheidend, da Platon allgemein danach fragt, wie positive Gefühle jemanden zu einem bestimmten Handeln motivieren können (vgl. Bordt 2012: 17 f.).

Michael Bordt schreibt in seiner Abhandlung Der zweifache Ursprung der Motivation bei Platon, dass die zentrale Frage in Platons Politeia sei, „ob es für einen Menschen besser ist, ehrlich und gerecht zu sein, oder ob ein Mensch in seinem Leben besser damit fährt, auch immer mal wieder ungerecht zu handeln […]“ (Ebd.: 18). Ist es einem Menschen also nur möglich das größte Glück zu erreichen, indem er absichtlich Unrecht tut? Diese Frage beantwortet Platon klar. Das Ziel der Politeia ist es aufzuzeigen, dass es für einen Menschen besser ist, ehrlich und gerecht zu leben, weil es einem schlicht und einfach besser geht, wenn man auf diese Weise lebt. Dies zielt vor allem auf den positiven Gemütszustand des Einzelnen ab, der der Antrieb für diese Lebensweise ist. Jeder Mensch will naturgemäß lieber mehr Freude und Lust empfinden als weniger. Aus diesem Grund hat der Mensch eine natürliche Motivation dazu, gerecht und ehrlich zu leben.

Nun, so antworte mir, sprach ich: Geben wir zu, dass Schmerz das Gegenteil von Lust sei?

Ja, sicher.

Auch weder Lust noch Schmerzen zu haben, ist etwas?

Ja, freilich.

In der Mitte zwischen beiden eine gewisse Ruhe der Seele? Oder nennst du es nicht so?

Ja, sagte er (Platon: 583 C).

In diesem Teil der Politeia verweist Platon darauf, dass Unlust bzw. Schmerz und Lust bzw. Freude Gegensätze sind. Zudem gibt es einen mittleren Zustand, die Ruhe der Seele, in dem man weder Lust noch Unlust empfindet.

Wenn man längere Zeit in diesem mittleren, neutralen Zustand lebe, dann finde man ihn eigentlich ganz langweilig und ohne Freude, und man möchte diesen Zustand wieder verlassen. Hieran sehe man klar, dass der neutrale Zustand kein Zustand von Freude der Lust sein könne (Bordt 2012: 19).

Es ist also erstrebenswert diesem Gefühl der Unlust wieder zu entkommen.

Auch die, welche von einem heftigen Schmerz befallen sind, hörst du sagen, dass nichts angenehmer sei, als wenn der Schmerz aufhört?

Ja (Platon: 583 D).

Nach Platon ist man, wenn man Schmerzen und Unlust empfindet, extrem motiviert diesem Zustand zu entkommen. Er geht in dieser ersten Form der Motivation also immer von einem Mangelzustand aus, den man verlassen will und der den Ursprung für die Motivation darstellt. In einer zweiten Form der Motivation will man laut Platon nicht von etwas wegkommen, sondern wird von etwas angezogen. Das Erreichen dieses Zustandes ist in diesem Fall der Motivator.

Damit du nicht, sagte ich weiter, noch etwa im Augenblick an der Meinung hängen bleibst, Lust und Schmerz hätten von Natur ihr Wesen darin, dass jenes im Aufhören von Schmerz und dieser im Aufhören von Lust bestehe, so schaue denn nun noch auf Lustvolles, das nicht aus Schmerzen entspringt!

Wohin denn soll ich schauen, fragte er, und welches meinst du?

Es gibt deren viele andere, erwiderte ich, besonders aber kannst du es sehen, wenn du die Lustempfindungen bei den Gerüchen in Betracht ziehen willst. Denn diese kommen einem ohne vorhergegangenen Schmerz plötzlich in erstaunlicher Stärke und hinterlassen, wenn sie aufhören, keinen Schmerz.

Ganz richtig, sagte er (Ebd.: 584B).

Nach Bordt bringt Platon hier als Beispiel den Duft einer Blume, den jemand in einem ausgeglichenen mittleren Zustand plötzlich riecht und als angenehm und lustvoll empfindet. Wenn derjenige weitergeht und der Duft nachlässt, dann stellt sich kein unangenehmes Gefühl ein. Der Rückfall auf den mittleren Zustand ist nicht mit dem Gefühl eines Mangels oder einer Unlust verbunden. Es gibt demnach Erlebnisse von Freude, die nicht daraus resultieren, dass sie einen schmerzhaften Mangelzustand ausgleichen. Man kann aus dem ausgeglichenen Zustand der Seelenruhe heraus Freude an etwas empfinden, weil man davon angezogen wird (vgl. Bordt 2012: 20 f.).

In der Politeia beschreibt Platon zudem, dass es verschiedene Anreize oder auch Ziele gibt, die Motivation bedingen. Zum einen ist dies das instinktive Verlangen nach der Befriedigung von grundlegenden Bedürfnissen wie Essen und Trinken. Hierzu zählen aber auch irdische Güter wie Kleidung oder Geld. Zum anderen gibt es neben der Bedürfnissicherung die Sinnesziele, die motivierend wirken. Dies sind zum Beispiel das Verlangen nach der Fortführung der eigenen Existenz sowie das Empfinden von Glück bei der Erlangung von Erfolg und Ehre. Ein weiteres Ziel ist das Erlangen von Erkenntnis, ein Verstandsziel, das das Begehren nach Wahrheit und Vernunft sowie den Willen richtig zu handeln, beinhaltet.

4 Doping als Mittel zum Erfolg

4.1 Definition des Begriffs Doping

Sir Arthur Porritt, der im Jahr 1960 Präsident der British Medical Association wurde, äußerte sich wie folgt über Doping:

Doping zu definieren, ist sehr schwierig, wenn nicht gar unmöglich, und dennoch weiß jeder, der Leistungssport betreibt, oder der Dopingmittel verabreicht, genau, was es bedeutet Die Definition liegt nicht in den Worten, sondern in der charakterlichen Integrität (Krauß 2000: 19).

Die World Anti-Doping Agency (WADA) hat ein Regelwerk aufgestellt, das auf der ganzen Welt verpflichtend gilt und einen fairen und gerechten Sport garantieren soll. In Deutschland ist die Nationale Anti Doping Agentur (NADA) für sauberen Sport verantwortlich und der NADA-Code als deutsche Version gilt als verbindlich. Es gibt keine einfache Definition des Dopingbegriffs. Sowohl im Leistungssport als auch im Breitensport existieren viele unterschiedliche Methoden des Betrugs. Allerdings ist im Leistungssport eindeutig geregelt, welche Tatbestände als Doping gelten und was ein Verstoß gegen die Anti-Doping-Bestimmungen ist (vgl. NADA Deutschland 2012). Im Leistungssport umfasst Doping den Gebrauch verbotener Substanzen oder Methoden, die durch den Welt-Anti-Doping-Code (WADC) der WADA jährlich neu definiert und festgelegt wird.

„Der Begriff Doping geht auf das englische Wort dope zurück, was als Verb übersetzt „verabreichen“ heißt und in der substantivischen Übersetzung „Rauschgift“ bedeutet“ (Meyer 2017: 560). Im Jahr 1889 ist der Begriff erstmals in einem englischen Wörterbuch erschienen und bezeichnete auch damals schon eine Mischung aus Schmerzmitteln und Opium, die bei Pferderennen zum Einsatz kam (vgl. Prokop 1970: 125).

Eine genauere Betrachtung des Dopingbegriffs führt Dietmar Mieth durch, der den Begriff als unerlaubte Leistungssteigerung definiert und dies unter vier verschiedenen Gesichtspunkten verdeutlicht. Zum einen sind die mit dem Sport verbundenen Werte wie Fairness durch Doping gefährdet. Zum anderen muss das Gesundheitsrisiko und die Gesundheitsgefährdung des dopenden Sportlers betrachtet werden. Außerdem steht der Betrug bzw. die Täuschung der gesellschaftlichen Erwartung, dass Erfolg durch gesteigertes Training erzielt werden kann, im Fokus. Als letzten Punkt bringt er an, dass reguliert sein muss, was im Sport erlaubt ist und was nicht (vgl. Mieth 2004: 229). Diese Regulierung wird durch die NADA durchgesetzt. Doping ist folglich die Einnahme oder Anwendung unerlaubter Medikamente und Methoden, die von der NADA verboten sind. Ein Gebrauch ist gesetzwidrig, weil diese Mittel eine unfaire, d.h. nicht trainingsbedingte Leistungssteigerung bewirken und zum Teil schwere gesundheitliche Beeinträchtigungen hervorrufen können.

[...]

Ende der Leseprobe aus 33 Seiten

Details

Titel
Wann ist ein Sportler "gut"? Motivation im Sport und die moralische Bewertung von Doping unter Berücksichtigung Platons
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum
Note
1,3
Jahr
2020
Seiten
33
Katalognummer
V1147714
ISBN (eBook)
9783346528216
ISBN (Buch)
9783346528223
Sprache
Deutsch
Schlagworte
wann, sportler, motivation, sport, bewertung, doping, berücksichtigung, platons
Arbeit zitieren
Anonym, 2020, Wann ist ein Sportler "gut"? Motivation im Sport und die moralische Bewertung von Doping unter Berücksichtigung Platons, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1147714

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