Licht und Farbe im Filmmusical "La La Land" zur Emotionalisierung der Figur Mia


Hausarbeit, 2017

20 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Postmoderne
2.1 Merkmale des postmodernen Films
2.2 Farbe im Filmmusical

3. Analyse
3.1. Erste Szene: Mia und Seb auf dem Weg zum Auto
3.2 Zweite Szene: Mia nach dem Theater
3.3. Dritte Szene: Mia wird von Seb besucht

4. Film und Farbe im postmodernen Filmmusical

5. Fazit

Literaturverzeichnis

Filmverzeichnis

Anhang

1. Einleitung

Das Filmmusical La La Land (2016) von Regisseur Damien Chazelle erzählt die Geschichte der Schauspielerin Mia (Emma Stone) und dem Jazzmusiker Sebastian (Ryan Gosling). Beide leben in Los Angeles und streben nach einer erfolgreichen Karriere. Als sie sich über den Weg laufen, verlieben sie sich ineinander. Die Schwierigkeit, ihren Traum zu verwirklichen, wird eine ernsthafte Herausforderung für beide, an welcher sie und ihre Beziehung zueinander zu scheitern drohen.

Diese Hausarbeit befasst sich mit der Figur Mia. La La Land ist ein postmodernes Filmmusical. Es inszeniert Emotionen und die Charaktere dementsprechend in gesättigten, bunten Farben und mit einer besonderen Spektakularität. Wie werden Licht und Farbe im Film eingesetzt, um dem Rezipienten Mias Emotionen zu vermitteln? Die Verwirklichung von Träumen steht bei La La Land thematisch im Vordergrund. Wie wird in La La Land das Verträumte, Hoffnungsvolle und im Kontrast dazu das Scheitern dargestellt? Mia erlebt im Laufe der Handlung einige Dinge, die dazu führen, dass sie ihren Traum, eine berühmte und erfolgreiche Schauspielerin zu werden, aufgeben möchte. Sowohl ihre Hoffnung und Träume, als eben auch ihr Aufgeben werden durch den unterschiedlichen Einsatz von Licht und Farbe in ihrer Wirkung auf den Betrachter intensiviert. Um dies zu belegen, werden in dieser Hausarbeit drei Szenen analysiert, die genau diesen Kontrast zwischen Träumen und Scheitern im Film darstellen. Um die Verwendung von Licht und Farbe im Film jedoch besser einordnen zu können, werden in einem kurzen Theorieteil zunächst die Eigenschaften eines postmodernen Musicalfilms in Bezug darauf dargestellt. Anschließend folgt die vergleichende Analyse der Szenen, durch welche deutlich werden soll, dass Licht und Farbe tatsächlich gezielt eingesetzt werden, um die Wirkung der Emotionen der Figur Mia auf den Zuschauer/die Zuschauerin zu verstärken.1 Da alle drei ausgewählten Szenen Nachtszenen sind, lässt sich besonders deutlich der Unterschied in der Wahl der Belichtung darstellen. Für die kurze Charakterisierung der Postmoderne soll Die Postmoderne im Kino. Entwicklungen im Spielfilm der 90er Jahre von Jens Eder dienen, anschließend sollen typische Eigenschaften des Filmmusicals mit Hilfe des Buches Das Filmmusical im 21. Jahrhundert von Marcel Göken dargestellt werden. Für die folgende Analyse von Licht und Farbe wird verschiedene Literatur eingesetzt, Grundlage ist das Susanne Marschalls Buch Farbe im Kino.

2. Postmoderne

2.1 Merkmale des postmodernen Films

Jens Eder beschreibt vier Merkmale des postmodernen Films: Intertextualität, Spektakularität und Ästhetisierung, Selbstreferentialität sowie Anti-Konventionalität (Eder 2002, 9). Zur Intertextualität sagt Eder, bediene sich der Film der Mittel „sowohl aus dem Bereich der Hochkultur als auch aus dem der Popkultur.“ Er spricht von einer „gezielten Stilmischung“ (ibid., 14). Auch lege der postmoderne Film eine „Tendenz zum Konventionsbruch nahe“ mit dem Ziel, „aus der Kombination des Alten etwas Neues, Eigenes hervorzubringen.“ (ibid., 15). Wichtig ist die von Eder angesprochene Doppelcodierung als rezeptionsstrategische Ausrichtung:

Mit diesem Stichwort ist eine Ambivalenz auf der Ebene des kommunikativen Handelns gemeint, durch die ein semantischer Schwebezustand entsteht: eine Äußerung oder Darstellung ist so angelegt, dass sie auf (mindestens) zwei verschiedene Weisen verstanden werden kann und soll - sowohl als Zitat als auch als eigenständige, nicht-zitierende Kommunikation; [..] (ibid., 17).

Der postmoderne Film richtet sich dementsprechend auch an Zuschauer, die eine „passivere Rezeptionshaltung vorziehen“ (ibid., 17).

Das für diese Hausarbeit bedeutendste von Eder definierte Merkmal ist die Spektakularität beziehungsweise die Ästhetisierung. Der Autor zitiert Jens Schreckenberg, welcher von einer „Lust an der Überwältigung der Sinne“ im postmodernen Film spricht. Im postmodernen Film setzen Bild- und Tongestaltung nicht auf Realismus, „sondern auf Ästhetisierung und Expressivität.“; das Schlichte „wird weitgehend ausgeblendet“ (ibid., 18). Insgesamt könne man von einer „Tendenz zur Intensivierung des Spektakulären“ reden. Zur Selbstreferentialität führt Eder an, dass der postmoderne Film „auf allen Textebenen einen hohen Anteil sofort erfassbarer Stereotype“ (ibid., 21) enthält. Diese betonte Artifizialität treffe jedoch nicht nur auf die Erzählstruktur, sondern auch auf die Verwendung filmischer Mittel zu:

Mit spürbarem Bedacht ausgewählte und ausgestattete Schauplätze, das auffällige Design von Gegenständen, technische Effekte, ungewöhnliche Kamerabewegungen und Tonspuren, Lichtsetzungen und Farbdramaturgien ziehen die Aufmerksamkeit auf sich und rufen einen Eindruck „demonstrativer Künstlichkeit“ hervor (Eder 2002., 21).

Der Autor unterscheidet zwischen zwei Kategorien des postmodernen Films: Zwischen dem Mainstream und der Avantgarde. La La Land zählt nach Eders Kategorisierung als ein mit großem Budget produzierter Hollywoodfilm zum Mainstream. Über Mainstreamfilme schreibt er:

Als risikoreiche Produkte, die dem kommerziellen Prinzip der Gewinnmaximierung unterliegen, sind sie auf die Unterhaltung eines möglichst breiten Publikums ausgerichtet. Sie weisen deshalb eine „kommerzielle Ästhetik“ auf, d.h. sie erhöhen zum einen durch spektakuläre Schauwerte, Emotionalisierung und attraktive Themen die Reizintensität und achten zum anderen auf leichte Verständlichkeit durch weitgehend konventionelle Erzählmusterinhalte (Eder 2002, 29).

Außerdem spielt die Vermarktung der Mainstreamfilme eine große Rolle. Um erfolgreich zu sein, müsse ein postmoderner Mainstreamfilm „durch eingängige Bilder und sensationelle Motive leicht bewerbbar sein“ (ibid., 36). Zudem stellt Eder fest, dass postmoderne Filme oft von „einer Verunsicherung der Identität“ handeln (ibid., 24).

2.2 Farbe im Filmmusical

Der Autor Marcel Göken befasst sich in seinem Buch Das Filmmusical im 21. Jahrhundert mit der Geschichte sowie typischen Eigenschaften des Filmmusicals.

Stellen wir uns einen heutigen Zuschauer vor, der sich im Kino — mehr oder weniger zufällig — einen ‘Klassiker’ der Filmmusicalgeschichte, etwa Vincente Minnellis AN AMERICAN IN PARIS aus dem Jahr 1951, ansieht. Er wird hierbei mit einigen inhaltlichen und ästhetischen Elementen und Aspekten konfrontiert werden, die zu den wesentlichen Konventionen des Filmmusicals gehören, beispielsweise der diegetische Gesang (und Tanz) der Figuren, durch den sie ihren Emotionen Ausdruck verleihen, die schematisierte Liebesgeschichte zwischen Mann und Frau (der Fokus der Erzählung liegt ausschließlich auf dem heterosexuellen Figurenpaar) und die visuell überzeichneten Filmbilder, die durch eine starke Farbsättigung und Kontrastreichtum geprägt sind (Göken 2014, 9).

Direkt werden einige typische Merkmale des klassischen Filmmusicals angesprochen. Göken merkt jedoch an, dass aufgrund von politischer und gesellschaftlicher Veränderung ein solches, klassisches Musical auf den heutigen Zuschauer „altmodisch und künstlich“ wirken würde. In der Analyse wird zu prüfen sein, ob und inwiefern La La Land diese klassische Charakterisierung erfüllt. Göken beschreibt das Musical Singing in the Rain als „Musterbeispiel für ein erfolgreiches traditionelles und zugleich selbstreflexives Filmmusical“ (ibid., 41). Als typische Eigenschaft nennt er unter anderem eine „exaltierte Farbgestaltung“. Auch von Bedeutung ist die sogenannte „dual-focus narration“, die erzählerische Fokussierung auf das handelnde romantische Paar. Diese hat auch Einfluss auf die Ästhetisierung des Films. In Bezug auf die Farben schreibt der Autor:

Zum anderen wird auch bei der Farbgestaltung Komplementarität betont: So ist beispielsweise die Gestaltung und Farbe des gewählten Kostüms zueinander häufig komplementär oder gleichartig, so dass sich entweder die Kleidung der beiden künftigen Partner bereits von Beginn an ähnelt oder aber im Laufe des Filmes ähnlicher wird (ibid., 64).

Der Übergang zwischen Dialog- und Gesangszene im Film wird von Göken als Übergang zwischen Realdiegese und Idealdiegese bezeichnet. Dieser kann beispielsweise durch eine veränderte Farbwahl erfolgen. Als Beispiel führt er das Musical Dancer in the Dark an. Im Hinblick auf die Farbgestaltung der Szenen schreibt Göken, dass die Szenen in der Idealdiegese „von einer deutlich stärkeren Farbsättigung geprägt“ sind als die in der Realdiegese (Göken 2014, 92).

3. Analyse

Im Folgenden wird am Beispiel von drei Szenen analysiert, wie Licht und Farbe eingesetzt werden und wie dieser Einsatz mit dem Charakter Mia und ihrer emotionalen Situation innerhalb der Geschichte zusammenhängt. Anschließend soll unter Einbeziehung der Kenntnisse aus dem vorangehenden theoretischen Teil ein Vergleich der Szenen erfolgen, mit dem Ziel zu beweisen, dass Licht und Farbe für ein postmodernes Filmmusical typisch sowie bewusst eingesetzt werden, um eine emotionale Entwicklung/Veränderung der Figur Mia darzustellen.

3.1. Erste Szene: Mia und Seb auf dem Weg zum Auto

Die Szene startet bei TC 00:31:06. Mia und Seb kommen spät von einer Party und sind auf der Suche nach ihren Autos. Bei TC 00:31:58 laufen die beiden in einen im Vergleich zum Rest auffällig hell ausgeleuchteten Bereich der Straße. Die Straßenlaternen sollen hier für den Rezipienten als natürliche Lichtquelle erscheinen. Die plötzlich deutlich hellere Beleuchtung der Szene weist jedoch darauf hin, dass hier zusätzliche Beleuchtung eingesetzt wurde. Der Effekt der helleren Beleuchtung ist, dass die Farbkontraste deutlich intensiver erscheinen. Ab hier erfolgt nun die genauere Analyse:

Mit dem Betreten der hell ausgeleuchteten Szene öffnet sich auch der Blick auf den Abendhimmel, dieser war in den vorherigen Kameraeinstellungen noch von Bäumen verdeckt (Abb. 1). Die plötzlich deutlich stärker ausgeleuchtete Szene in Verbindung mit dem Blick auf den violetten Abendhimmel verfolgt den Zweck, einen Komplementärkontrast zu Mias gelbem Kleid zu erzeugen. Susanne Marschall definiert diesen ihrem Buch Farbe im Kino als eine von sieben Kontrastwirkungen. Farben, die komplementär zueinander sind, heben sich deutlich voneinander ab - ein gelb/orangener Farbton ist die Komplementärfarbe zu einem blau/lila Farbton (vgl. Abb 2/Marschall 2005, 128). Der Kontrast wird durch die Beleuchtung verstärkt: Während der Hintergrund in einer für eine Nachtszene natürlichen Dunkelheit erscheint, werden die Straße und die Charaktere mit hellem, weißen Licht beleuchtet. Außerdem wird gerichtetes Licht eingesetzt, das die beiden Charaktere hervorheben soll.

[...]


1 Im Folgenden wird das generische Maskulin verwendet werden

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Licht und Farbe im Filmmusical "La La Land" zur Emotionalisierung der Figur Mia
Hochschule
Universität zu Köln  (Institut für Medienkultur und Theater)
Note
1,7
Autor
Jahr
2017
Seiten
20
Katalognummer
V1148163
ISBN (eBook)
9783346528179
ISBN (Buch)
9783346528186
Sprache
Deutsch
Schlagworte
licht, farbe, filmmusical, land, emotionalisierung, figur
Arbeit zitieren
Falk Neubert (Autor:in), 2017, Licht und Farbe im Filmmusical "La La Land" zur Emotionalisierung der Figur Mia, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1148163

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