Kartendarstellungen nehmen einen wichtigen Stellenwert in unserem Leben ein. Wer sich in einer fremden Umgebung orientieren möchte, wird dabei in aller Regel auf Landkarten, Straßenkarten, Stadtpläne oder U-Bahnpläne zurückgreifen.
Zunehmend bedienen sich außerdem die modernen Massenmedien kartographischer Darstellungen, um Sachinformationen mit topographischen Informationen zu verknüpfen.
In der Fachliteratur zum Einsatz von Karten in der Schule besteht Einigkeit über die Bedeutung von Karten: SPERLING (1982) verdeutlicht den Wert der Karte als Kultur- und Bildungsgut, LENZ(2005)hebt mit Blick auf die Schule hervor, dass die Karte ein für die geographische Ausbildung unverzichtbares fachtypisches Arbeitsmittel darstellt, ohne das die Raumbewertung, der Aufbau von Orientierungsfähigkeit und die Entwicklung der raumbezogenen Handlungskompetenz nicht vorstellbar sei.
Folgt man dem Konzept von Erziehung in der Schule als „Lebensvorbereitung von Jugendlichen“, muss Unterricht dem Stellenwert von Karten sowie den im Umgang mit Karten entstehenden Problemen Rechnung tragen und den Schülern die Fähigkeit zum Umgang mit Karten, kartographische Kompetenz oder verkürzt: Kartenkompetenz vermitteln.
HÜTTERMANN 1992 betont, dass es einer Didaktik der Schulkartographie nicht lediglich um methodische Kniffe, sondern „um die sinnvolle Einbindung von Karten in einen Fragehorizont des Unterrichts“ gehe.
Das zentrale Anliegen des Unterrichtsvorhabens besteht darin zu prüfen, ob und inwieweit die im Rahmen eines integrativen Ansatzes erprobten Methoden (Lupenmethode,additive Schichtenmethode, Entwicklung eines Auswertungsverfahrens) dazu beitragen, die Kartenkompetenz der Schüler zu fördern.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Begründung der Themenstellung
1.2 Das Problem der Komplexität von Karten
1.3 Zielsetzung des Unterrichtsvorhabens
2. Kartenkompetenz im Erdkundeunterricht
2.1 Was ist Kartenkompetenz?
2.2 Methoden zur Förderung von Kartenkompetenz
2.2.1 Reduktion von Komplexität durch den Lehrer
2.2.2 Reduktion von Komplexität durch den Schüler
3. Planung der Unterrichtsreihe
3.1 Bezüge zum Rahmenlehrplan
3.2 Lernvoraussetzungen
3.3 Sachanalyse
3.4 Didaktische und methodische Entscheidungen
3.4.1 Zur Frage nach der Progression
3.4.2 Transparenz
3.4.3 Überlegungen zum Auswertungsverfahren
3.4.4 „Additive Schichtenmethode“
3.4.5 Versprachlichungskompetenz
3.5 Erkenntnisabsicht und Indikatoren
4. Durchführung und Reflexion ausgewählter Aspekte
4.1 Synoptische Darstellung der Unterrichtsreihe
4.2 Warum haben die Japaner ein Raumproblem? (Stunde 1)
4.2.1 Zielsetzung
4.2.2 Auswahl der Karte
4.2.3 Einbindung in die Fragestellung
4.2.4 Arbeit mit Karte 1
4.2.5 Fazit der 1.Stunde
4.3. Entwicklung eines Auswertungsverfahrens (Stunde 2)
4.3.1 Zielsetzung
4.3.2 Durchführung und Analyse
4.3.3 Fazit der 2. Stunde
4.4 Auf welche Weise wird Neuland gewonnen und wie wird es genutzt? (Stunde 3)
4.4.1 Zielsetzung
4.4.2 Auswahl der Karte
4.4.3 Einbindung in die Fragestellung
4.4.4 Arbeit mit Karte 2
4.4.5 Fazit der 6.Stunde
5. Gesamtreflexion und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht, wie durch gezielte methodische Ansätze im Geographieunterricht einer 7. Klasse die Kartenkompetenz der Schüler gefördert werden kann, indem Karten als aktives Werkzeug zur Lösung konkreter raumbezogener Probleme in Japan eingesetzt werden.
- Förderung der Kartenkompetenz durch einen situativ-integrativen Ansatz.
- Einsatz der „additiven Schichtenmethode“ zur schrittweisen Kartenerschließung.
- Entwicklung eines systematischen Auswertungsverfahrens für komplexe Atlaskarten.
- Förderung der Versprachlichungskompetenz bei der Interpretation räumlicher Zusammenhänge.
- Analyse der Wirksamkeit dieser Methoden bei der Arbeit mit physischen und thematischen Karten.
Auszug aus dem Buch
1.2 Das Problem der Komplexität von Karten
HÜTTERMANN (2001:25) weist allerdings darauf hin, dass die Komplexität der Karten, mit denen die Schüler in der Schule und zunehmend auch in ihrer außerschulischen Erfahrungswelt konfrontiert werden, eine Herausforderung darstellt.
Komplexe Zusammenhänge sind nach KAMINSKE (1998) solche, die eine Vielzahl von Phänomenen in vielfältiger Weise miteinander verknüpfen.
Ein Blick in den Atlas mag das demonstrieren. Eine generelle Schwierigkeit ergibt sich daraus, dass die Karten in allen Schulatlanten klassenstufenunabhängig gestaltet sind. Unter Ausschöpfung der Vielfalt der kartographischen Gestaltungsmöglichkeiten sind die Karten oft mehrschichtig und komplexanalytisch. Durch geschickte Gestaltung, zum Beispiel bei synthetischen Karten, bei denen zugrunde liegende komplexe Sachverhalte in die Legende verlagert wurden, entstehen inhaltlich dichte, aber grafisch „noch so eben“(HÜTTERMANN 1992:2) tragbare Karten. Dies gilt im gleichen Maße auch für die neuen Ausgaben.
Die Generalisierung auf inhaltlicher sowie graphischer Ebene durch den Kartographen führt mitunter zu einem hohen Abstraktionsgrad, sodass sich Schülern die Aussage, Karten bildeten Realität ab, nicht mehr ohne weiteres erschließt.
CLAAßEN (1997) schreibt der Informationsfülle der Karten zu, dass gerade die Kartenarbeit bei Schülerinnen und Schülern zu Verdruss führt. Auch LENZ (2005:4) konstatiert einen „nicht selten“ geringen Motivationsgrad und infolgedessen hohen Zeitaufwand für die Interpretation.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Erläutert die Bedeutung der Kartenarbeit im Erdkundeunterricht, skizziert die Problematik komplexer Karten für Schüler und definiert das Ziel, die Kartenkompetenz durch problemorientierte Ansätze zu fördern.
2. Kartenkompetenz im Erdkundeunterricht: Definiert Kartenkompetenz als Fähigkeit, Karten zu lesen, auszuwerten und kritisch zu bewerten, wobei Konzepte wie „graphicacy“ und methodische Ansätze zur Komplexitätsreduktion (durch Lehrer und Schüler) dargelegt werden.
3. Planung der Unterrichtsreihe: Begründet die didaktischen Entscheidungen, beschreibt die Lernvoraussetzungen der 7. Klasse am Lessing-Gymnasium und führt die „additive Schichtenmethode“ als zentrales Planungselement ein.
4. Durchführung und Reflexion ausgewählter Aspekte: Analysiert die konkrete Umsetzung in den Unterrichtsstunden (Japan-Raumproblem, Kartenauswertung, Neulandgewinnung), inklusive der Anwendung von Checklisten und der Lupenmethode.
5. Gesamtreflexion und Ausblick: Bewertet den Erfolg der gewählten Methoden hinsichtlich der definierten Indikatoren für Kartenkompetenz und diskutiert den weiteren Bedarf an methodischer Unterstützung für die Schüler.
Schlüsselwörter
Kartenkompetenz, Erdkundeunterricht, Kartenarbeit, Karteninterpretation, Komplexitätsreduktion, additive Schichtenmethode, Lupenmethode, Japan, Raumprobleme, Landgewinnung, fachsprachliche Versprachlichung, Lesekompetenz, graphicacy, Unterrichtsplanung, Schulkartographie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Erprobung methodischer Ansätze zur Förderung der Kartenkompetenz von Schülern einer 7. Gymnasialklasse anhand der Thematik „Japan – ein Land mit Raumproblemen“.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Felder sind die geographische Kartenarbeit, die didaktische Reduktion komplexer kartographischer Informationen sowie die fachsprachliche Versprachlichung von Karteninhalten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, zu prüfen, inwieweit methodische Hilfsmittel wie die „additive Schichtenmethode“, Auswertungschecklisten und die Lupenmethode die Kartenkompetenz der Schüler nachhaltig fördern und systematisieren.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Der Autor wählt einen handlungsorientierten und situativ-integrativen Ansatz. Die Wirksamkeit wird durch die Dokumentation und Reflexion von Unterrichtsphasen (Beobachtungen und Arbeitsergebnisse) evaluiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung der Kartenkompetenz, die detaillierte Planung der Unterrichtsreihe und die anschließende Durchführung sowie kritische Reflexion der einzelnen Unterrichtsstunden.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen zählen neben der Kartenkompetenz vor allem die Komplexitätsreduktion, das Auswertungsverfahren, die Schichtenmethode und der situative Ansatz.
Wie wurde das Problem der hohen Komplexität von Atlaskarten gelöst?
Der Autor führt verschiedene Reduktionstechniken ein, wie die vom Lehrer gesteuerte „kartendidaktische Progression“ und die vom Schüler selbst gesteuerte „additive Schichtenmethode“ sowie Lupenmethode, um Karten schrittweise zu erschließen.
Wie trägt die „additive Schichtenmethode“ zum Lernerfolg bei?
Sie verknüpft die Teilschritte des Lesens, Orientierens und Auswertens, indem Schüler eigene Informationen auf einer Karte einfügen, wodurch sie ein besseres Verständnis für kartographische Darstellungsebenen entwickeln.
Warum ist das Thema „Japan“ für dieses Vorhaben besonders geeignet?
Japan verdeutlicht als Inselstaat mit starkem Gebirgsanteil und hohem Bevölkerungsdruck in den Ebenen die räumlichen Disparitäten sehr anschaulich, was den Einsatz von physischen und thematischen Karten für die Problemanalyse geradezu erzwingt.
Welchen Stellenwert nimmt die Fachsprache in dieser Untersuchung ein?
Eine hohe Bedeutung; der Autor betont, dass die korrekte Versprachlichung (durch Glossar und Formulierungshilfen) unerlässlich ist, damit Schüler räumliche Prozesse nicht nur grafisch erfassen, sondern auch präzise begründen können.
- Arbeit zitieren
- Andreas Steiner (Autor:in), 2008, Japan - ein Land mit Raumproblemen - Erprobung ausgewählter Methoden zur Förderung der Kartenkompetenz, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/114816