Philosophischer Exkurs der kreativen Entfaltung in technischen Disziplinen


Wissenschaftlicher Aufsatz, 2008

56 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Zusammenfassung

1 Einleitung

2 Philosophie als Begriff
2.1 Philosophie und Individualität
2.2 Philosophie und Gesellschaft

3 Der Einfluss des Kosmos
3.1 Die Äthertheorie
3.2 Die zureichende Ursache
3.3 Die Schöpfung der Materie
3.4 Die Schöpfung der Lebewesen
3.5 Die Schöpfung des Menschen

4 Der Einfluss der Religionen
4.1 Die großen Strömungen
4.2 Harmonie und Chaos
4.2.1 Gesetz der Harmonie
4.2.2 Gesetz der Geistigkeit
4.2.3 Gesetz der Polarität
4.2.4 Gesetz der Entsprechung
4.2.5 Gesetz von Ursache und Wirkung
4.2.6 Gesetz der Schwingung
4.2.7 Gesetz des Rhythmus
4.2.8 Gesetz der Resonanz

5 Der kreative Prozess
5.1 Kreativität als Begriff
5.2 Kreativitäts – Thesen
5.3 Methodik zur Effizienz – Bewertung im Know How- Bereich
5.3.1 Der absolute Kreativitätsindex Q (a)
5.3.2 Der relative Kreativitätsindex Q (r)
5.3.3 Die Effizienz E
5.3.4 Beispiel – Rechnung
5.3.5 Zusammenfassung
5.4 Die Kräfte des Geistes
5.4.1 Das logische und das intuitive Gehirn
5.4.2 Der Schlüssel zu Kreativität
5.4.2.1 Aufgaben der linken Gehirnhälfte
5.4.2.2 Aufgaben der rechten Gehirnhälfte

6 Das Wesen der Kreativität
6.1 Produkt - Innovationen
6.2 Die Situation im Deutschen Ingenieurwesen
6.3 Erfinden - um jeden Preis ?
6.4 Betätigungsfelder zukünftiger Innovationen
6.5 Gelöste Probleme technischer Widersprüche

7 Die sozialistische und die kapitalistische Kreativitätsphilosophie
7.1 Erfindertätigkeit in der ehemaligen DDR
7.2 Erfinden im vereinten Deutschland
7.3 Erfindertätigkeit und wissenschaftliche Anerkennung
7.4 Der Diebstahl geistigen Eigentums im Know How -Bereich
7.5 Intelligenz - ein Baustein der Kreativität

Nachwort

Literaturverzeichnis

Autor

Zusammenfassung

Der vorgelegte Aufsatz untersucht den philosophischen und mentalen Hintergrund durch eine wissenschaftliche Analyse und dem Resultat eigener Erfahrungen und Erkenntnisse über Kreativität und Erfinderpotential, sowie die Wirkungsweise wie das kreative Denken in Verfahrens -und Produktinnovationen überführt wird. Dabei ist es ein grundlegendes Anliegen des Verfassers die gesellschaftliche Stellung überdurchschnittlich kreativer Know-how-Entwickler in der Gesellschaft und im beruflichen Leben aufzuzeigen und Defizite einer mangelnden Wertschätzung des kreativen Ingenieurs darzustellen. Es ist unzweifelhaft zu erkennen, dass eine Gesellschaft von den „lebendigen Keimzellen" in ihrer Mitte abhängig ist, es ist jedoch auch erkennbar das viele Erfinderschicksale nicht den elenden Verlauf der Negierung oder Geringschätzung nehmen müssten, wenn eine wirklich leistungsgerechte Anerkennung im moralischen, wie auch im finanziellen Bereich für kontinuierliche Denkleistungen die Regel wären. Anhand zahlreicher interessanter und gelöster Know-how-Entwicklungen zeigt der Verfasser die Zusammenhänge zwischen Widerspruch und Lösung; und er zeichnet aus einem Zeitraum von zwanzig Jahren eigener Entwicklererfahrungen die geistige Leistungskraft des treibenden „inneren Motors" auf, aber er weist auch auf den permanenten Kampf mit den unbeteiligten Individuen, der Bürokratie und dem Dünkel des Machtmissbrauches hin, der den Pfad zur Erkenntnis und zum Fortschritt auch zu einem Weg nach Golgatha verwandeln kann.

1 Einleitung

Dieser Arbeit möchte ich einige Gedanken zum Verhältnis der Philosophie zu den Naturwissenschaften im voraus widmen. Täglich erleben wir die Publizierung neues Wissens und neuer Erkenntnisse, die sich zum einen an bekanntes Wissen anschließen und zum anderen bestehende Wissenslücken auffüllen. Viele Dinge und Sachverhalte erscheinen uns dann in einem neuen oder anderen Blickwinkel. Dennoch, die Frage bleibt bestehen, warum die Naturwissenschaften die Aufgabe einer in sich schlüssigen Erklärung der Welt nicht leisten können. Der Grund dafür ist, das die Naturwissenschaften gezwungen sind, alle Erscheinungen durch etwas zu erklären, das noch unbekannter als die Erscheinung selbst ist: durch Naturkräfte und Naturgesetze. Die Naturwissenschaft löst diese Aufgabe dadurch, dass sie die Erscheinungen auf lauter Unbekannte zurückführt, die sie aber selbst in keiner Weise erklären oder ausräumen kann. Solche unauflöslichen Unbekannten in der naturwissenschaftlichen Lösungsfindung sind Begriffe wie Schwere, Härte, Elastizität, Elektrizität, chemische Kräfte u.a.. So ist das Weltbild der Naturwissenschaften mit einem Labyrinth zu vergleichen : endlose und anfangslose Kausalitätsreihen, unerforschbare Grundkräfte, unendlicher Raum, anfangslose Zeit, endlose Teilbarkeit der Materie. Der Grundirrtum dieses Naturalismus ist seine Ignorierung der inneren Erfahrung, seine erkenntnis-theoretische Naivität. Er bedenkt nicht, dass diese ganze Welt bedingt ist durch ein erkennendes Gehirn, in dem dies alles allein dasteht und ohne welches alles verschwindet wie ein Traumbild.

Die vollkommenste Naturwissenschaft führt uns also erst an das Problem heran, sie legt es rein dar, führt aber selbst keinen Schritt über das von den Sinnen gegebene hinaus. Wer also meint, dass Tiegel und Retorte (heute Gen-Labor und Elektronenbeschleuniger) seien die wahren und einzigen Quellen der Weisheit, der vergisst die Vorfrage aller Wissenschaft; weil in unserem Weltbild subjektive Anschauungsformen und objektive Elemente verwoben sind. So muss gefragt werden, was ist das Ding an sich und wie verhält es sich zu dem subjektiv bedingten Ding der Erscheinungen. Um diese Frage zu beantworten, gibt es nur einen Weg. Der Blick des Forschers muss sich nach innen kehren. In seinem Inneren trägt der Mensch die letzten Grundgeheimnisse, nur in seinem Inneren kann er den Schlüssel zum Rätsel der Welt finden. Aus der Interpretation von Begriffen lässt sich niemals mehr daraus ableiten, als das Wissen, welches unter dem Begriff gespeichert ist hergibt. Welche Fackel wir auch anzünden und welchen Raum sie auch erleuchten mag, stets wird unser Horizont von tiefer Nacht umgrenzt bleiben. Die wirklich positive Lösung des Rätsels der Welt muss daher etwas sein, dass zu fassen der menschliche Intellekt völlig unfähig ist, so dass, wenn ein Wesen höherer Art käme und sich alle Mühe gäbe, es uns beizubringen, wir seine Eröffnungen durchaus nicht verstehen würden können. Der Ausgangspunkt alles echten Philosophierens kann sich nur aus dem Sokratischen erklären: „dies eine weiß ich, dass ich nichts weiß.“ Dieses meiner Arbeit voraus zu schicken, war mir ein wichtiges Anliegen.

2 Philosophie als Begriff

Die Philosophie ist die Wissenschaft, die den letzten Grund und Zweck alles Seins, des materiellen wie des geistigen, zu erforschen sucht. Sie unterscheidet sich insofern von den Einzelwissenschaften, als sie die Erkenntnis der Welt als Ganzes zum Gegenstand hat. Nach Platon ist die philosophische Erkenntnis des Seienden oder des Ewigen, nach Aristoteles die Untersuchung der Ursache und Prinzipien der Dinge, für die Stoiker das Streben nach theoretischer und praktischer Tüchtigkeit, für die Epikureer das Vermögen durch Vernunft glücklich zu werden der Maßstab einer Bewertung.1 Aus dem griechischen Sprachstamm abgeleitet bedeutet „philos" ich hebe und „sophein" die Weisheit, also die Lehre von der Liebe zur Weisheit. Was aber ist Weisheit ? Ist es die Anerkennung unserer eigenen menschlichen Begrenztheit, oder ist es die Einsicht mit diesem Mangel leben zu müssen? Beide Argumente kann man wohl weise nennen.

2.1 Philosophie und Individualität

Das Individuum der Gattung „Homo Sapiens" ist in die von ihm selbst geschaffene philosophische Struktur integriert. Er hat sie geschaffen und ist gleichzeitig, ohne seinen Willen, Bestandteil dieser Philosophie. Schopenhauer, ein exzellenter Philosoph befasste sich auch mit der Individualität und den Begriffen Glück, Not etc.. Dabei gelangte er zu sehr gültigen Schlussfolgerungen wie die folgenden.

Alle Lebensgüter zerfallen in drei Gruppen:

- was einer ist,
- was einer hat,
- was einer darstellt.2

Das Fazit aller Überlegungen gipfelt darin, dass wir das Subjektive, unsere Individualität, nicht ändern können. Dies ist eine absolut wichtige Aussage, die jegliche Erziehungswissenschaften bis in die Wurzeln berührt.

„Wie an dem Tag, der dich der Welt verliehen,

die Sonne stand zum Gruße der Planeten,

Bist alsbald und fort und fort gediehen,

Nach dem Gesetz, wonach du angetreten.

So musst du sein, dir kannst du nicht entfliehen."

Für eine spätere Beurteilung, welche Rolle das Glück „kreativ zu sein" für den Einzelnen im Leben spielt, sollen die folgenden Passagen den Grundstein legen. Den Faktor was wir sind, haben alle als etwas Gegebenes in die Rechnung unserer Lebensglückes einzusetzen, wobei Heiterkeit das Beglückendste im Leben eines Menschen ist. Ist jemand heiter, ganz gleich ob er arm oder reich, jung oder alt, gerade oder bucklig, er ist glücklich. Eine Voraussetzung jeder Heiterkeit ist die Gesundheit. Die Gesundheit ist das höchste Gut, dass die Natur zu vergeben hat. Wie aber geht die Menschheit mit diesem Gut um?

2.2 Philosophie und Gesellschaft

Die Philosophie versteht sich seit Jahrtausenden als der Hausarzt der Völker. Denn alle Philosophen erkannten, dass es in der Hauptsache zwei Feinde sind, die unser persönliches (oder das Glück anderer) bedrohen: Schmerzen und Langeweile. Je mehr wir uns von dem einen entfernen, umso mehr nähern wir uns dem anderen Pol. Es ist vergleichbar mit der Heisenberg sehen Unschärferelation aus der Quantenmechanik.3

Not und Entbehrung gebären den Schmerz und Überfluss die Langeweile. Die niederen Volksschichten beherrscht der Kampf gegen die Not, die vornehme Welt führt einen anhaltenden, oft verzweifelten Kampf gegen die Langeweile. Die Philosophie sieht sich daher auch als Kritiker und Vermittler zwischen beiden Extrema. Erst in der Einsamkeit des Individuum zeigt sich, was einer an sich selber hat; wie seufzt der Tropf in Kaschmir unter der nicht abzuwälzenden Last seiner armseligen Individualität, während der Hochbegabte die ödeste Umgebung mit seinen Gedanken bevölkert. So ist jeder in dem Masse gesellig, als er selbst arm ist. In unserer Welt hat man lediglich die Wahl zwischen Einsamkeit oder Gemeinheit. Man muss noch, um das Bild einer Gesellschaft, gleich ob es sich um vergangene oder um gegenwärtige Gesellschaften bzw. ihre Formen handelt richtig darstellend dazu bemerken, dass in unserer Welt gewöhnlich die Schlechtigkeit die Herrschaft und die Torheit das große Wort hat. Allerdings ist der geistig Reiche ausgestattet mit einer gesteigerten Empfindlichkeit und Reizbarkeit. Treffend sagte zu diesem Fakt der weise Salomo : „Wo viel Weisheit, da ist viel Grämens" und so lässt sich daraus der Umkehrschluss ziehen : der beschränkteste Mensch ist wohl auch der glücklichste. Nur wird ihm niemand dieses „Glück" neiden. Aus dem Gesagten lässt sich folgendes ableiten :

- Güter und Dinge, die ein Mensch nicht beansprucht, wird er auch nicht entbehren,
- alles Elend auf unserer Erde kommt von den Eigenschaften Gier und Neid,
- was uns die Gesellschaft nicht gibt, kann sie uns auch nicht nehmen. In unserer Gesellschaft dominiert das Massenverhalten. Es erreichte seinen vorläufigen Höhepunk im Nationalsozialismus und pflanzte sich über den Sozialismus bis heute, zu den Massenfesten (Olympiaden, Weltfestspiele, Ökumene usw.) in vielen Völkern fort. Elias Canetti befasste sich mit dem Phänomen der Masse (Masse von Menschen) in seinem Buchwerk „Die Fackel im Ohr".4

Ferner steht fest, dass die Geselligkeit eines jeden im umgekehrten Verhältnis zu seinem intellektuellen Wert steht. „Er ist ungesellig", sagt beinahe schon „Er ist ein Mann von großen Eigenschaften". Jeder sieht am anderen nur soviel, wie er selbst ist, denn er kann ihn nur nach Maßgabe seiner eigenen Intelligenz erfassen und verstehen. Überlegenheit im Umgang erwächst allein daraus, dass man den anderen in keiner Weise ändert.

So kann man das philosophische Traktat formulieren :

Weder lieben, noch hassen, nichts sagen und nichts glauben. Allerdings reduziert dies die Welt auf ein Maß , dass man ihr gerne den Rücken drehen möchte. Und so liegt wohl die Wahrheit zwischen allen Meinungen, jeder hat es selbst in der Hand, welche er wählt.

3 Der Einfluss des Kosmos

3.1 Die Äthertheorie

Schon sehr früh erkannten Astrologen und Physiker das es einen Zusammenhang zwischen den kosmischen Kräften und den Wirkungen auf das Meer, das Wetter, auf die Kreaturen und den Menschen gibt. Den Raum zwischen den Planeten betrachtete man im chemischen und physikalischen Sinne als leer; die Sonne, die Planeten und Monde sind dabei als isolierte Massenanhäufungen aufzufassen. Absolut leer ist dieser Raum, wie überhaupt das Weltall, nicht; man kann sich vorstellen, das dieser Raum (wenn man überhaupt von einem Raum sprechen kann) mit einem unbekannten Stoff gefüllt ist, den man kurzerhand Äther nannte.5

Der Äther ist gegenüber den auch noch so verdünnten und bekannten Formen der Materie, als unvorstellbar dünn aufzufassen und ist, obwohl mit der übrigen Masse wohl im Zusammenhang stehend, dennoch nicht sinnlich zu erfassen. Es gibt derzeit kein von Menschen erdachtes Gerät, welches in der Lage wäre, z.B. telepathische Energiefelder zu messen. Man spricht zwar von Psi – Fähig-keiten, benutzt aber lediglich einen Buchstaben des griechischen Alphabets für ein Phänomen, von dem man eigentlich nur weiß das es existiert. Es gibt zwar Geräte, die bestimmte Phänomene (Kirlian-Fotografie6, Aura – Fotografie, Energie – Pyramide, Wünschelrute etc.) indirekt sichtbar machen, aber das Wesen der Dinge offenbart sich dadurch nicht. Die Annahme die eine Äthertheorie darstellt ist sozusagen eine Brücke zu dem noch Unerklärlichen, da die Naturwissenschaft zu einer solchen Annahme gezwungen ist kann sie doch ansonsten nicht erklären wie die Kraftäußerungen der Materie, z.B. Licht und Anziehung von einem Himmelskörper auf den anderen übergehen können. Wir leben in einem Zeitalter wo wir glauben alles erklären zu können nur weil wir tiefer wie vor zwanzig Jahren in den Weltraum schauen können, oder eine weitere Stelle nach dem Komma für das Maß der absoluten Kälte (- 273,15... °C) messtechnisch realisiert haben. Ein lächerliches und törichtes Unterfangen, wenn man weiß das es noch eine unendliche Vielzahl genauere Stellen nach dem Komma gibt. Das also ist die Versuchung unserer Tage: sich in einem winzigen Ausschnitt der Gesamtwirklichkeit zu verlieren; zu vergessen, dass eigenes Wissen nur ein Ausschnitt ist, der sich mit vielen tausend anderen zu gewaltigen Kreisen eint. Das ist die Gefahr: Harmonie in ein Chaos von Einzelordnungen aufzulösen, die unberührt, wie feindlich nebeneinander stehen.7

Wenn wir heute von Naturphilosophie sprechen denken wir an die philosophische Verarbeitung der modernsten Atomtheorie, die letzten Erkenntnisse der Biochemie oder der Anthropologie, der immer wieder erregenden Botschaften der Sterne. Wie aber soll da ein Denken helfen können, das die Erde im Mittelpunkt des Weltalls wähnte: das Tier und Pflanzen aus Schlamm und verschiedenen anderen meist recht merkwürdigen Stoffen geworden glaubte, das also ungeheuerlich unmodern ist ? Hier hilft uns nur die christliche Weltlehre weiter, die das Gesetz vom Nicht – Widerspruch, das von der Analogie des Seins und das von der unzureichenden Ursache anwendet.

3.2 Die zureichende Ursache

Eigentlich kennt die moderne realistische Philosophie nur zwei Versuche die Frage nach der zureichenden Ursache von Materie, Leben und Geistseele zu beantworten. Den einen leistet die christliche Philosophie, den anderen der dialektischer Materialismus.8

Der Positivismus versucht der Fragestellung auszuweichen, indem er sie als unwissenschaftlich und daher unzulässig zurückweist. Der DIAMAT nennt als zureichende Ursache der Entstehung wesensverschiedener Formen in der Geschichte des Kosmos den dialektischen Sprung. Dieser Sprung beinhaltet die Aussage: „Eine Anhäufung unbedeutender allmählicher quantitativer Veränderungen führt gesetzmäßig zu einem sprunghaften Übergang von einem alten quantitativen Zustand in einen neuen qualitativen Zustand."9

Dafür nennt der DIAMAT quantitative Sprünge wie: der Übergang von Materie zum Leben, oder vom Tier zum Menschen. Diese Theorie hat m.E. nach große Defizite in der Beweisführung mit Hilfe einer Evolutionstheorie nach Darwin und Haeckel, „das sich alles Höhere aus dem Niederen entwickelt habe." Der dialektische Sprung kommt als zureichende Ursache gar nicht in Betracht. Zureichend besagt, dass Ursache und Wirkung zueinander in einem bestimmten Verhältnis (Kausalitätsprinzip) stehen müssen. So kann eine niedere Ursache aus sich heraus keinen wesentlich höheren Effekt erzielen.

Eine Katze kann einem Klavier keine Sonate entlocken; die Materie kann nicht die wesentlich höhere Form des Lebendigen verursachen; das Tier nicht die wesentlich höhere Stufe des Geistwesens. Niemand kann geben, was er nicht hat. Als zureichende Ursache des Lebens auf der Erde kommt nur ein Lebendiges in Frage, als zureichende Ursache des Geistes nur ein Geistiges. Die Antwort auf eine Zeit in der es noch keine Materie gab, gab es den Geist und dieser Geist heißt Gott. Diese Annahme beruht auf der Plausibilität, dass, wenn etwas vor der Materie existierte, es immateriell-geistig sein musste. Da Materie nicht lebt und das Leben wesensverschieden von ihr ist, muss dieses Lebewesen ein Geistwesen gewesen sein. Im Umkehrschluss bedeutet dies: wenn es keinen Gott gäbe, wären Materie, Leben, Geistseele unmöglich; nun aber sind sie möglich, was aus ihrer Existenz folgt; also existiert Gott. Das bestehen von Materie, Leben und Geistseele ist ein unwiderlegbarer Beweis für die Existenz Gottes.

3.3 Die Schöpfung der Materie

Die Schöpfung der Materie war vermutlich eine aktuelle Schöpfung, eine Schöpfung durch ein aktuelles eingreifen Gottes, da vor ihr noch nichts existierte das die Kraft erhalten haben könnte unter gewissen Umständen Materie hervorbringen zu können, es sei denn ein allgemeiner Welthintergrund, ein nichtmaterieller Raumzustand hätte vorgelegen. Die Schöpfung eines solchen Welthintergrundes, der in der Lage ist eine virtuelle Schöpfung der Materie zu ermöglichen setzt aber als aktuelle Schöpfung wenigstens einige Materie voraus.

3.4 Die Schöpfung der Lebewesen

Hier kommen drei Möglichkeiten in Frage. Zum einen durch die aktuelle Schöpfung jedes einzelnen Lebewesens oder jeder einzelnen Geistseele. Gott greift nicht nur bei der Erschaffung des ersten Lebewesens oder des ersten Menschen schöpferisch in den Weltablauf ein, sondern jedes Mal neu, wenn die materiellen und chemo – physiko – biologischen Voraussetzungen für die Erschaffung eines Lebensprinzips oder einer Geistseele gegeben sind (aktuelle Schöpfung).

Zweitens durch eine aktuelle Schöpfung nur des ersten Lebewesens oder des ersten Menschen. Diesen gab er dann die Fähigkeit das Lebensprinzip oder die Geistseele an ihre Nachkommen weiterzugeben, ohne dass ein erneutes aktuelles Schöpfungswirken nötig wäre. Gott hatte dann die Nachfahren der je ersten virtuell erschaffen, insofern er in die Stammeltern eine Kraft einbrachte die ihnen nicht schon von ihrer Natur her zukommt, Lebensprinzip und Geistseele weiterzugeben (gemischte Schöpfung).

Drittens durch eine virtuelle Schöpfung. Gott hätte der Materie die nichtmaterielle Kraft, eine Kraft also, die sie nicht schon von sich aus besitzt geben können bei Erfüllung gewisser chemophysikalischer und biologischer Voraussetzungen, um ein Lebensprinzip hervorzubringen. Oder dem Lebensprinzip die ihm fremde Kraft, unter gewissen Umständen eine Geistseele hervorzubringen (virtuelle Schöpfung). Die aktuelle Schöpfung erklärt dies am besten, wie in der Verschmelzung von Ei und Samenzelle das neue Lebensprinzip zustande kommt. Dennoch unterliegt diese Annahme auch starken Zweifeln die darauf beruhen, dass man annimmt, dass göttliches Wirken nur dort stattfindet, wo es keine ausreichende Deutung aus menschlichen Erkenntnissen heraus gibt. Verlässt man jedoch die Theorie der aktuellen Schöpfung, so steht man vor der grundlegenden Schwierigkeit: woher kommt eigentlich das neue Lebensprinzip? Man wird diese Frage als ungelöst beiseite stellen und sich auf den rein naturwissenschaftlich gegeben Tatbestand beschränken müssen.

3.5 Die Schöpfung des Menschen

Eine virtuelle Schöpfung des Menschen ist unmöglich wegen der möglichen Unabhängigkeit der Materie von der menschlichen Geistseele, sowie der Unabhängigkeit von biologischen Strukturen. Geist ist etwas ganz anderes als Materie und als ein einfaches Lebensprinzip, dass diese in keiner Weise in der Lage ist, unter welchen Umständen auch immer, die Kraft in sich zu tragen selbst Geist hervorzubringen. Eine gemischte Schöpfung ist unmöglich, weil Geist im strengen Sinne unteilbar ist und somit unter keinen Umständen aus der elterlichen Geistseele werden könnte. Die einzige schlüssige Antwort zur Schöpfung des Menschen wäre die aktuelle Schöpfung jeder einzelnen Menschenseele und nicht nur der ersten. Eine Geistseele wird nur durch je ein neues Eingreifen Gottes möglich.10

[...]


1 vgl. Neues Lexikon von A-Z, XENOS Verlagsgesellschaft mbH 1989, S. 337

2 vgl. Aus Natur und Geisteswelt, H. Richert: Schopenhauer, 3. Auflage, Verlag Teubner Berlin 1916, S. 56

3 vgl. Heisenberg, Werner, 1901 - 1976, deutscher Physiker, 1932 Nobelpreis

4 vgl. 1. Auflage Verlag und Welt, Berlin 1981

5 vgl. Natur und Geisteswelt: Der Bau des Weltalls v. Prof. J. Scheiner, 3. Auflage, Verlag Teubner Leipzig 1909, S. 10

6 Verfahren nach dem Russen S.D. Kirlian, zur Registrierung von Hochspannungsent- ladungsmustern

7 vgl. Rupert Lay S.J.: Unsere Welt, Gestalt und Deutung, Verlag J. Pfeiffer München 1959, S. 6

8 vgl. Begründer waren Hegel u. Feuerbach, die jeder These eine Antithese zuordneten, später wurde diese Dialektik von Karl Marx übernommen und weiter entwickelt

9 vgl. Rupert Lay S.J.: Unsere Welt, Gestalt und Deutung, Verlag J. Pfeiffer München 1959, S. 207

10 vgl. ebenda unter 9, S. 216

Ende der Leseprobe aus 56 Seiten

Details

Titel
Philosophischer Exkurs der kreativen Entfaltung in technischen Disziplinen
Autor
Jahr
2008
Seiten
56
Katalognummer
V114850
ISBN (eBook)
9783640169115
ISBN (Buch)
9783640172009
Dateigröße
700 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Philosophischer, Exkurs, Entfaltung, Disziplinen, Erfinden, Patent, Kreativität, Know-How, Innovation, Ingenieur, Wissenschaft, Carl Zeiss, Universität
Arbeit zitieren
Diplom-Ingenieur Bernd Staudte (Autor), 2008, Philosophischer Exkurs der kreativen Entfaltung in technischen Disziplinen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/114850

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