In dieser Arbeit wird der IFRS 3 zunächst von anderen Standards abgegrenzt und sein Ziel dargelegt. Außerdem sind grundlegende Definitionen notwendig, um beim Leser ein einheitliches Verständnis von den Sachverhalten zu ermöglichen. Daraufhin wird das Ablaufschema des IFRS 3 vorgestellt und anschließend auf besondere Aspekte des Standards eingegangen. Auf den theoretischen Teil der Arbeit folgt dann die praktische Anwendung des Standards am Beispiel einer Akquisition des DAX-Konzerns Siemens Healthineers. Diese Akquisition wird dann mit einer ähnlichen Übernahme im Jahr 2014 anhand von verschiedenen Kennzahlen verglichen. Daraufhin wird aus den Messgrößen ein Fazit gezogen und das Ganze kritisch gewürdigt. Die Arbeit endet mit einer Schlussbetrachtung.
Die Aufstellung und Prüfung von international vergleichbaren Unternehmensabschlüssen gewinnt zunehmende Bedeutung. Internationale Rechnungslegung ist also mittlerweile essenziell für viele Unternehmen. Für Erfolg im Wettbewerb wird Wachstum von vielen Unternehmensführern als Grundvoraussetzung gesehen. Um Wachstum zu erzielen haben Unternehmen zwei Möglichkeiten: organisches und anorganisches Wachstum. Um sich den Einstieg in neue, bisher unbekannte Märkte zu erleichtern, können bestehende Unternehmen akquiriert werden. Ein großer Vorteil von Akquisitionen gegenüber dem organischen Wachstum ist das schnelle Eintreten in neue Märkte, da durch die Akquisition werden unter anderem auch Geschäftsbeziehungen zu Kunden und Lieferanten, sowie das Image des Unternehmens übernommen. Natürlich bergen Akquisitionen auch Herausforderungen, allen voran das notwendige finanzielle Engagement.
Unternehmenszusammenschlüsse spielen in der Rechnungslegung eine wichtige Rolle. Der International Financial Reporting Standard (IFRS) 3 regelt die Erstbilanzierung von Unternehmenszusammenschlüssen und schafft durch die Standardisierung eine Vergleichbarkeit. Aufgrund des in den letzten 30 Jahren stark angestiegenen Transaktionsvolumen und der Anzahl an Akquisitionen ist das Thema für Investoren besonders relevant. Der aus der Erstbilanzierung entstehende Goodwill ist ein häufiges Konfliktthema, so wird er als Ursache für vermeintlich aufgeblähte Bilanzen der DAX Konzerne bezeichnet. Er lässt sich auch als Übernahmeprämie bezeichnen und muss zusammen mit den erworbenen Vermögenswerten bilanziert werden. In den folgenden Jahren kann der Goodwill aufgrund von Abschreibungen einen negativen Einfluss auf das Betriebsergebnis haben.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Theoretische Grundlagen
2.1 Ziele und Abgrenzung
2.2 Grundlegende Definitionen
2.3 IFRS 3 – Schema
2.3.1 Grundlegendes
2.3.2 Identifizierung der Erwerbers
2.3.3 Bestimmung des Erwerbszeitpunktes
2.3.4 Ansatz und Bewertung
2.3.5 Ermittlung des Goodwills
2.4 Vertiefung ausgewählter Aspekte
2.4.1 Bilanzierung des Goodwills
2.4.2 Unterschied von Goodwill und immateriellen Vermögenswerte
3 Praktische Anwendung
3.1 Analyse Siemens Healthineers
3.1.1 Siemens Healthineers
3.1.2 Corindus Vascular Robotics
3.1.3 Unternehmenszusammenschluss nach IFRS 3
3.2 Vergleichsakquisition Philips
3.2.1 Grundlegendes
3.2.2 Kennzahlen
3.2.3 Auswertung
3.3 Kritische Betrachtung
4 Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Diese Hausarbeit analysiert die bilanzielle Behandlung von Unternehmenszusammenschlüssen gemäß dem Standard IFRS 3 am praktischen Beispiel der Akquisition von Corindus Vascular Robotics durch Siemens Healthineers.
- Bilanzierung und Bewertung nach IFRS 3
- Unterscheidung zwischen Partial- und Full-Goodwill-Methode
- Unternehmensanalyse von Siemens Healthineers und Corindus Vascular Robotics
- Vergleichende Analyse mit der Akquisition von Volcano durch Philips
- Kritische Beurteilung der Aussagekraft der Kennzahlen
Auszug aus dem Buch
2.3.5 Ermittlung des Goodwills
Im letzten Schritt muss dann der Geschäfts- oder Firmenwert – der sogenannte Goodwill – bestimmt und bilanziert werden. Dieser ergibt sich aus der Differenz des Fair Values und der übertragenen Gegenleistung. Die übertragene Gegenleistung besteht klassischerweise aus Zahlungsmitteln. Bei einer Gegenleistung in Form von sonstigen Vermögenswerten oder bspw. eines Tochterunternehmens des Erwerbers ist hierfür ebenfalls der Fair Value zu ermitteln, um dann anschließend den Goodwill bestimmen zu können (vgl. Zülch & Hendler, 2021, S. 754; vgl. Abbildung 2).
Bei einem Unternehmenszusammenschluss, bei welchem der Fair Value des erworbenen Unternehmens größer ist als die übertragene Gegenleistung, ist gemäß IFRS 3.36 eine erneute Prüfung notwendig. Im Rahmen dieser Prüfung wird gezielt hinterfragt, ob der Fair Value korrekt ermittelt wurde und ob weitere, bisher nicht entdeckte Schulden vorhanden sind, welche den Fair Value mindern würden. Kommt die erneute Prüfung zum gleichen Ergebnis wird der negative Unterschiedsbetrag nach IFRS 3.34 ertragswirksam erfasst (vgl. ebd. S. 754–756).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung erläutert die wachsende Bedeutung von Unternehmenszusammenschlüssen im Kontext globaler Märkte und skizziert die methodische Vorgehensweise der Arbeit.
2 Theoretische Grundlagen: Dieses Kapitel definiert die zentralen Begriffe und das bilanzielle Schema nach IFRS 3 für die Behandlung von Akquisitionen.
3 Praktische Anwendung: In diesem Teil wird die Übernahme von Corindus durch Siemens Healthineers anhand des IFRS 3 Schemas sowie im Vergleich zu Philips analysiert.
4 Schlussbetrachtung: Das abschließende Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die Relevanz sowie die Grenzen der Bilanzierung nach IFRS 3 kritisch.
Schlüsselwörter
IFRS 3, Unternehmenszusammenschluss, Goodwill, Siemens Healthineers, Corindus, Akquisition, Fair Value, Bilanzierung, Firmenwert, Philips, Kennzahlenanalyse, Erwerbsmethode, Kaufpreisallokation, Synergieeffekte, Unternehmensbewertung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der bilanziellen Erfassung und Bewertung von Unternehmenszusammenschlüssen nach dem Rechnungslegungsstandard IFRS 3.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Schwerpunkte sind die Identifizierung des Erwerbers, die Bestimmung des Erwerbszeitpunkts, die Kaufpreisallokation sowie die Ermittlung des Goodwills.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, den Bilanzierungsprozess nach IFRS 3 anhand eines konkreten Praxisbeispiels (Siemens Healthineers / Corindus) nachvollziehbar darzustellen und kritisch zu reflektieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine fallstudienbasierte Analyse angewandt, die durch einen quantitativen Kennzahlenvergleich ergänzt wird.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen des IFRS 3 und die praktische Anwendung inklusive eines Vergleichs mit einer weiteren Akquisition durch Philips.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind IFRS 3, Goodwill, Akquisition, Siemens Healthineers, Kaufpreisallokation und Fair Value.
Wie unterscheidet sich die Partial-Goodwill-Methode von der Full-Goodwill-Methode?
Der Hauptunterschied liegt in der Einbeziehung der Anteile nicht beherrschender Gesellschafter in die Goodwill-Berechnung, was in der Full-Goodwill-Methode zu einer vollständigen Bewertung des Goodwills führt.
Warum wurde Philips als Vergleichsakquisition gewählt?
Philips wurde als Wettbewerber gewählt, um durch ein ähnliches Akquisitionsumfeld und vergleichbare Kennzahlen eine fundierte kritische Einordnung der Siemens-Transaktion zu ermöglichen.
Welche Rolle spielen immaterielle Vermögenswerte bei der Corindus-Übernahme?
Sie stellen einen signifikanten Teil des Kaufpreises dar, insbesondere durch erworbenes technologisches Know-how und Fachwissen der Mitarbeiter.
Welches Fazit zieht der Autor zur Bilanzierung nach IFRS 3?
IFRS 3 ist essentiell für die Transparenz und Vergleichbarkeit, erfordert jedoch eine jährliche Überprüfung des Goodwills und ist stark von den Annahmen des Managements abhängig.
- Citation du texte
- Moritz Reusser (Auteur), Lennart Hilbing (Auteur), 2021, Unternehmenszusammenschluss Corindus Vascular Robotics und Siemens Healthineers nach IFRS 3. Eine Analyse unter Berücksichtigung des Goodwill, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1148591