Anhand meiner Hausarbeit möchte ich herausfinden, ob eine Verbindung zwischen dem Verlust des Elternteils in der Kindheit und späteren Bindungsproblemen besteht. Spezifisch werde ich mich auf das späte Kindesalter von 9 bis 11 Jahren konzentrieren. Nach Auffassung einiger Therapeuten ist dies das Alter, in dem es Kinder besonders schwer haben, mit dem Verlust eines Elternteils durch den Tod umzugehen.
Jeder hofft, dass das eigene Kind davon verschont bleibt und behütet aufwachsen kann. Aber es kommt häufiger vor als gedacht: Der Verlust eines Elternteils im Kindesalter. Dieser ist nicht nur mit akuter Trauer verbunden, sondern kann die Entwicklung des Kindes bis ins Erwachsenenalter beeinflussen. Wie mit der Trauer umgegangen wird, hängt von den kognitiven und sprachlichen Fähigkeiten und somit von der Entwicklungsphase des jeweiligen Kindes ab. Aber auch der hinterbliebene Elternteil spielt hierbei eine wichtige Rolle. Oft werden Probleme, die mit dem Verlust einhergehen, in jungen Jahren noch nicht erkannt. In der Pubertät verstärkt sich der Vergleich mit anderen. Veränderungen sind normal und anders sein gehört zum Entwicklungsprozess. Spätesten im Erwachsenenalter kommen Fragen auf, ob das „anders sein“ einen anderen Ursprung, als die normale Entwicklung hat. Es gibt Menschen, die in ihren Beziehungen von der Angst, von Ihrem Partner verlassen zu werden, nicht loskommen. Es fällt ihnen schwer, Bindungen einzugehen oder vorhandene Beziehungen zu genießen. Das Misstrauen und die Angst, verlassen zu werden, schwingen wie ein dunkler Schatten mit. Oder es wird einer Partnerschaft komplett aus dem Weg gegangen. Die Autarkie wird einer verbindlichen Beziehung vorgezogen. Und obwohl sich nach Nähe gesehnt wird, ist zu viel davon schnell unangenehm.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Entwicklung und Trauer in der späten Kindheit
2.1 Individuelle Veranlagung
2.2 Frühe Bindungsmuster
2.2.1 Bindungstyp B – der sichere Bindungstyp
2.2.2 Bindungstyp A – der unsicher‐vermeidende Bindungstyp
2.2.3 Bindungstyp C – der unsicher‐ambivalente Beziehungstyp
2.2.4 Bindungstyp D – der unsicher desorganisierte Bindungstyp
3 Rolle des Hinterbliebenen Elternteils
3.1 „Alles in Ordnung“ Elternteil
3.2 Hilfloser Elternteil
3.3 Ferner Elternteil
3.4 Heroischer Elternteil
4 Partnerschaften im Erwachsenenalter
4.1 Ängstlich‐ambivalenter Beziehungstyp
4.2 Vermeidender Beziehungstyp
4.3 Sicherer Beziehungstyp
5 Fazit und persönliche Stellungnahme
6 Referenzen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen dem Verlust eines Elternteils im späten Kindesalter (9-11 Jahre) und der Entwicklung von Bindungsstörungen im Erwachsenenalter, unter besonderer Berücksichtigung der Rolle des hinterbliebenen Elternteils bei der Bewältigung dieses Traumas.
- Psychologische Auswirkungen des elterlichen Verlusts im späten Kindesalter
- Analyse verschiedener früher Bindungsmuster (Bowlby/Ainsworth)
- Typologie der Bewältigungsstrategien des hinterbliebenen Elternteils
- Einfluss der Kindheitserfahrungen auf Partnerschaften im Erwachsenenalter
Auszug aus dem Buch
3.2 Hilfloser Elternteil
Mit dem Tod des Partners kann neben der Trauer auch noch die Hilflosigkeit hinzukommen. Erst durch den Verlust des Partners fallen einem die Abhängigkeit und die Schwierigkeit allein für die Kindererziehung, den Haushalt und das weitere Geschehen zu sorgen, auf. Gerade wenn der Tod plötzlich und unverhofft eintrifft und keine großen Vorbereitungen getroffen werden konnten, kann es den Hinterbliebenen völlig überfordern. Mit Beruf, Kindererziehung und Haushalt kommt die Hilflosigkeit. Väter sind hier meist häufiger betroffen, da auch noch in der heutigen Zeit der größte Teil des Haushaltes und der Kindererziehung von der Mutter übernommen wird.
Diese Hilflosigkeit kann so weit gehen, dass aus der tiefen Verzweiflung, Depressionen und Apathie entstehen. Neben der Vernachlässigung von sich selber und dem Haushalt kann es auch zur emotionalen und psychischen Verwahrlosung des Kindes kommen. Es fühlt sich für das Kind dann nicht mehr so an als hätte es ein Elternteil verloren, sondern gleich beide. Das Kind muss früh lernen, sich um sich selbst zu kümmern. Sie übernehmen den Haushalt. Größere Geschwister übernehmen die Verantwortung für die Kleineren. Sie lernen, dass sie auf sich selbst vertrauen müssen. Sie werden sehr schnell erwachsen, selbständig und vor allem unabhängig. Kinder die so groß werden fällt es schwer sich auf andere zu verlassen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik des elterlichen Verlustes in der Kindheit ein und stellt das Ziel der Hausarbeit dar, den Zusammenhang zu späteren Bindungsstörungen zu untersuchen.
2 Entwicklung und Trauer in der späten Kindheit: Das Kapitel beleuchtet die kognitiven und emotionalen Entwicklungsschritte von Kindern im Alter von 9-11 Jahren und erläutert die verschiedenen Bindungstypen nach Bowlby und Ainsworth.
3 Rolle des Hinterbliebenen Elternteils: Hier werden vier verschiedene Bewältigungsstrategien hinterbliebener Elternteile beschrieben, die maßgeblich beeinflussen, wie das Kind das Trauma verarbeitet.
4 Partnerschaften im Erwachsenenalter: Das Kapitel überträgt die frühkindlichen Bindungsmuster auf das Beziehungsverhalten Erwachsener und erläutert, wie ein früher Verlust die Intimität in Partnerschaften prägen kann.
5 Fazit und persönliche Stellungnahme: Die Autorin fasst die Ergebnisse zusammen und betont die zentrale Rolle des verbleibenden Elternteils für die psychische Stabilität und die spätere Beziehungsfähigkeit des Kindes.
6 Referenzen: Dies ist das Verzeichnis der verwendeten wissenschaftlichen Literatur und Quellen.
Schlüsselwörter
Verlust, Kindheit, Bindungsverhalten, Bindungstyp, Trauer, Elternteil, Entwicklung, Partnerschaft, Bindungsstörung, Trauma, Bewältigungsstrategie, Erwachsenenalter, Bindungstheorie, Bezugsperson, Psychologie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie sich der Verlust eines Elternteils im späten Kindesalter auf die emotionale Entwicklung und das spätere Bindungsverhalten von Menschen im Erwachsenenalter auswirkt.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Themen sind frühkindliche Bindungstheorien, die Rolle des hinterbliebenen Elternteils bei der Trauerbewältigung und die Übertragung dieser frühen Erfahrungen auf die Gestaltung von partnerschaftlichen Beziehungen im Erwachsenenalter.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es zu ergründen, ob ein direkter Zusammenhang zwischen dem elterlichen Verlust in der Kindheit und späteren Bindungsproblemen besteht und welche Faktoren diesen Prozess mildern oder verschärfen können.
Welche wissenschaftliche Methode liegt der Arbeit zugrunde?
Es handelt sich um eine theoretische Hausarbeit, die auf einer Literaturanalyse entwicklungspsychologischer Theorien sowie einschlägiger Studien zu Bindungsmustern und Trauerverarbeitung basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit thematisiert?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der kindlichen Entwicklung und Trauer, die verschiedenen Verhaltensweisen des hinterbliebenen Elternteils (z.B. „hilfloser“ oder „heroischer“ Elternteil) und die Typologie von Beziehungen im Erwachsenenalter.
Welche Schlüsselbegriffe definieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Bindungstypen (sicher, unsicher-vermeidend, unsicher-ambivalent, unsicher-desorganisiert), Trauma, Trauerbewältigung und die psychische Stabilität in Partnerschaften.
Welche Bedeutung kommt dem hinterbliebenen Elternteil zu?
Die Autorin hebt hervor, dass die Art und Weise, wie der verbleibende Elternteil mit dem Verlust umgeht, entscheidend dafür ist, ob das Kind eine „sichere Basis“ behält oder eine Bindungsstörung entwickelt.
Was lässt sich aus der persönlichen Stellungnahme der Autorin ableiten?
Die Autorin betont auf Basis ihrer eigenen Erfahrung, dass ein früher Verlust zwar eine traumatische Prägung darstellt, die langfristige Beziehungsfähigkeit jedoch stark durch die Unterstützung und den emotionalen Halt des hinterbliebenen Elternteils geprägt wird.
- Arbeit zitieren
- Carolin Bertram (Autor:in), 2021, Verlust eines Elternteils in der späten Kindheit. Auswirkung auf das Bindungsverhalten im Erwachsenenalter, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1149206