Obwohl die Menschheit gegenwärtig akzeptiert hat, dass die Gesellschaft und ihre Bedingungsfaktoren sich in einem permanenten technologischen und gesellschaftlichen Wandel befinden, ist das lebenslange Lernen, also die stetige Weiterbildung, als angemessene Anpassungsstrategie an Veränderungsprozesse noch immer nicht durchweg zur Selbstverständlichkeit geworden. Sowohl die Globalisierung als auch der europäische Binnenmarkt und in besonderem Maße die demografischen Entwicklungen der Gesellschaft stellen für das Bildungssystem wachsende Herausforderungen dar, denen die Arbeitswelt begegnen und gerecht werden muss. Insbesondere die Frage, wie der Mensch zu stetigen Lernprozessen motiviert werden kann, aber auch, wie das Weiterbildungsverhalten des arbeitenden Teils der deutschen Gesellschaft angeregt werden kann, soll mit dieser Ausarbeitung unter Hervorhebung der für diese Entwicklung besonders relevanten Bestandteile untersucht werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. 'Weiterbildung' und 'adult learning' – Bestimmung und Erläuterung der Begrifflichkeiten
2.1 Bildung
2.2 Definition: Erwachsenenbildung/Weiterbildung
2.3 Weiterbildung als mehrdimensionales Phänomen
2.4 Adult learning/Lebenslanges Lernen: Schnittmengen von Weiterbildung und lebenslangem Lernen: Zum Bedeutungsgewinn und Stellenwert der Weiterbildung vor dem Hintergrund des lebenslangen Lernens
3. Weiterbildung im Fokus: Historische Entwicklungen des Weiterbildungsbegriffs vor dem Hintergrund bildungspolitischer Veränderungen
4. Das System der Weiterbildung
4.1 Die Arten von Weiterbildung
4.2 Die Formen von Weiterbildung
4.2.3 Arbeitsplatznahe Weiterbildung
4.2.4 Dezentrale Konzepte des Lernens innerhalb eines Unternehmens
4.2.5 Selbstgesteuertes Lernen
4.3 Exkurs: Potentiale neuer Lernformen
4.4 Strukturen und Zuständigkeiten: Anbieter und Träger der Weiterbildung
4.5 Gesetze und Regelungen innerhalb des Weiterbildungssektors
5. Empirische Datenquellen der betrieblichen Weiterbildung:Ein kurzer Überblick über verfügbares Datenmaterial
5.1 Berichtsytem Weiterbildung (BSW) / Adult Education Survey (AES)
5.2 Mikrozensus (MZ)
5.3 Sozioökonomisches Panel (SOEP)
5.4 Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung: IAB – Betriebspanel (IAB)
5.5 Continuing Vocational Training Survey (CVTS)
5.6 Exkurs: Unterschiede zwischen Individual- und Unternehmensbefragungen: Ein kurzer Vergleich
6. Weiterbildungsbeteiligung: Einflussfaktoren, Motive, Erwartungen und Nutzen bei der Teilnahme an einer betrieblichen Weiterbildung
6.1 Weiterbildungsbeteiligung nach Personengruppen: Soziale Unterscheidungsmerkmale
7. Weiterbildungsabstinenz in Deutschland
7.1 Zugangsbarrieren bei der Nicht-Teilnahme an Weiterbildung: Determinanten der Nicht-Teilnahme an beruflicher Weiterbildung
7.2 Formen des Weiterbildungswiderstandes – Lernwiderstände
8. Soziale Ungleichheit und Bildungsbenachteiligung innerhalb der beruflichen Weiterbildung
8.1 Soziale Ungleichheit und Bildungsbenachteiligung: Eine Begriffsbestimmung
8.2 Exkurs: Die Sinus-Milieu-Forschung in der Weiterbildung
8.3 Weiterbildung, Ungleichheit und ihre Folgen: Chancengleichheit durch Weiterbildung? Das Matthäus-Prinzip in der Weiterbildung – Ein Exkurs
9. Bildungspolitische Präventions- und Interventionsmöglichkeiten der Weiterbildungsthematik
9.1 Möglichkeiten und Herausforderungen zur Förderung der Weiterbildungsbeteiligung: Bildungspolitische Förderprogramme, Entwicklungstendenzen und Trends in der beruflichen Weiterbildung
10. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die komplexe Realität der Weiterbildungsbeteiligung und -abstinenz in Deutschland, wobei sie insbesondere die Diskrepanz zwischen dem politischen Anspruch des lebenslangen Lernens und der empirischen Wirklichkeit analysiert. Ziel ist es, die zentralen Einflussfaktoren und Barrieren zu identifizieren, die über die Teilnahme an beruflicher Weiterbildung entscheiden, sowie bildungspolitische Interventionsmöglichkeiten kritisch zu beleuchten.
- Analyse von Strukturen und Systematiken des deutschen Weiterbildungssektors.
- Untersuchung von Barrieren und Widerständen, die zur Weiterbildungsabstinenz führen.
- Evaluierung der Bedeutung von sozialer Herkunft und Milieuzugehörigkeit für Bildungschancen.
- Diskussion des Matthäus-Prinzips als Mechanismus sozialer Ungleichheit in der Weiterbildung.
- Darstellung bildungspolitischer Förderprogramme und deren Effektivität.
Auszug aus dem Buch
4.2.3 Arbeitsplatznahe Weiterbildung
In der betrieblichen Praxis gewinnt das arbeitsplatznahe Lernen beziehungsweise die arbeitsplatznahe Weiterbildung zunehmend an Gewicht. Diese Entwicklung ist das Resultat aus der pädagogischen Erkenntnis, dass das Lernen Erwachsener langfristig betrachtet nur dann erfolgreich ist, wenn die Verbindung und Verzahnung mit konkreten sinnvollen Situationen stattfindet. Begründet wird das Lernen in der Arbeit vor allem mit ökonomisch-betriebswirtschaftlichen Argumenten. Außerdem ist das Lernen im Rahmen von Arbeitssituationen, die Auseinandersetzung mit zentralen Arbeitsaufgaben und Problemsituationen, sowie die Aneignung neuer Methoden und Verfahren im Zuge des technischen Fortschritts zu einem unabdingbaren Bestandteil geworden, wenn es um die Erhöhung individueller Ressourcen geht.
Arbeitsplatznahe Lernformen beziehen sich daher in der Regel auf betriebliche, außerbetriebliche und schulische Konzepte, Lernformen und Lerninhalte, die sich mit Arbeitsabläufen und Inhalten befassen. „Die ständige Weiterentwicklung der individuellen Qualifikation ist nicht nur essentiell für den bloßen Erhalt des individuellen Marktwertes, sie ist auch ein Beitrag zur dauerhaften Sicherstellung der betrieblichen Funktionsfähigkeit“.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Notwendigkeit lebenslangen Lernens im Kontext des gesellschaftlichen Strukturwandels und definiert das Ziel, die empirische Weiterbildungssituation in Deutschland zu analysieren.
2. 'Weiterbildung' und 'adult learning' – Bestimmung und Erläuterung der Begrifflichkeiten: Dieses Kapitel klärt die theoretischen Grundlagen der Begriffe Bildung, Erwachsenenbildung und Weiterbildung, um eine Basis für die weitere wissenschaftliche Analyse zu schaffen.
3. Weiterbildung im Fokus: Historische Entwicklungen des Weiterbildungsbegriffs vor dem Hintergrund bildungspolitischer Veränderungen: Es wird die historische Entwicklung der Erwachsenenbildung von den Anfängen bis zur Institutionalisierung als vierte Säule des Bildungssystems nachgezeichnet.
4. Das System der Weiterbildung: Hier werden die verschiedenen Arten, Formen und Strukturen des Weiterbildungssektors sowie die Rolle der Anbieter und Träger systematisch untersucht.
5. Empirische Datenquellen der betrieblichen Weiterbildung:Ein kurzer Überblick über verfügbares Datenmaterial: Das Kapitel bietet einen kritischen Überblick über die wichtigsten empirischen Datenquellen wie AES, Mikrozensus und SOEP und analysiert deren Aussagekraft.
6. Weiterbildungsbeteiligung: Einflussfaktoren, Motive, Erwartungen und Nutzen bei der Teilnahme an einer betrieblichen Weiterbildung: Die Faktoren, Motive und Nutzenaspekte, die die Entscheidung für oder gegen eine Teilnahme an betrieblicher Weiterbildung beeinflussen, werden hier detailliert erörtert.
7. Weiterbildungsabstinenz in Deutschland: Dieses Kapitel identifiziert Zugangsbarrieren und Formen von Lernwiderständen, die zur Nicht-Teilnahme an Weiterbildungsangeboten führen.
8. Soziale Ungleichheit und Bildungsbenachteiligung innerhalb der beruflichen Weiterbildung: Die soziale Selektivität und der Einfluss der sozialen Herkunft sowie das Matthäus-Prinzip werden in Bezug auf ihre Auswirkung auf die Weiterbildungschancen diskutiert.
9. Bildungspolitische Präventions- und Interventionsmöglichkeiten der Weiterbildungsthematik: Abschließend werden staatliche Förderprogramme vorgestellt und auf ihre Wirksamkeit zur Überwindung von Zugangsbarrieren geprüft.
10. Fazit: Das Fazit fasst die zentralen Erkenntnisse zusammen und betont die Notwendigkeit einer zielgruppenorientierten Weiterbildungspolitik unter Berücksichtigung milieuspezifischer Faktoren.
Schlüsselwörter
Weiterbildung, Erwachsenenbildung, Lebenslanges Lernen, Weiterbildungsbeteiligung, Weiterbildungsabstinenz, Betriebliche Weiterbildung, Soziale Ungleichheit, Bildungsbenachteiligung, Matthäus-Prinzip, Sinus-Milieus, Arbeitsplatznahes Lernen, Bildungspolitik, Kompetenzentwicklung, Lernwiderstände, Empirische Datenquellen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem deutschen Weiterbildungssektor und untersucht das Spannungsfeld zwischen dem Anspruch auf lebenslanges Lernen für alle und der tatsächlichen empirischen Beteiligung sowie bestehender Abstinenz.
Welche sind die zentralen Themenfelder der Masterarbeit?
Die zentralen Themen umfassen die Systematik der Weiterbildung, die Analyse von Einflussfaktoren auf das Teilnahmeverhalten, die Thematik der Bildungsbenachteiligung sowie die Wirksamkeit politischer Fördermaßnahmen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das primäre Ziel ist es, die empirische Situation der Weiterbildung unter Aspekten der Teilnahme und Abstinenz darzulegen und zu klären, ob Weiterbildung für die Betroffenen eher eine Chance zur beruflichen Entwicklung oder eine verpflichtende Zwangsmaßnahme darstellt.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden zur Analyse verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine tiefgehende Literaturrecherche und die Auswertung existierender empirischer Datenquellen, wie z.B. dem Berichtssystem Weiterbildung (BSW), dem Adult Education Survey (AES) und dem Mikrozensus.
Welche Aspekte werden im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil behandelt die historische Entwicklung, das System der Weiterbildung, die empirische Datenlage, Einflussfaktoren auf die Beteiligung, Ursachen der Abstinenz sowie die Rolle sozialer Ungleichheit und Milieuzugehörigkeit.
Welche Keywords charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Weiterbildungsbeteiligung, soziale Ungleichheit, Matthäus-Prinzip, betriebliche Weiterbildung, lebenslanges Lernen und Weiterbildungsabstinenz charakterisiert.
Inwiefern beeinflusst die soziale Herkunft die Weiterbildungsbeteiligung?
Die Arbeit verdeutlicht, dass soziale Herkunft und Bildungshintergrund maßgebliche Determinanten sind; ein geringerer sozioökonomischer Status korreliert häufig mit niedrigerer Weiterbildungsbeteiligung, ein Phänomen, das im Kontext des Matthäus-Prinzips diskutiert wird.
Was besagt das Matthäus-Prinzip im Kontext der Weiterbildung?
Das Matthäus-Prinzip beschreibt die Tendenz, dass Personen, die bereits über hohe Bildungsressourcen verfügen, eher weitere Weiterbildungsmöglichkeiten erhalten, während benachteiligte Gruppen, die die Förderung am dringendsten benötigen würden, oft ausgeschlossen bleiben.
- Citar trabajo
- Alexandra Kreber (Autor), 2014, Weiterbildung und Weiterbildungsverhalten in Deutschland. Weiterbildungsbeteiligung und -abstinenz zwischen Anspruch und Wirklichkeit., Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1149245