Eine Analyse der inter-zivilisatorischen Begegnungen nach Johann P. Arnason


Seminararbeit, 2021

15 Seiten, Note: 1


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Zivilisations-Begriff nach Johann P. Arnason
2.1. Zivilisation im Singular
2.2. Zivilisation im Plural
2.3. Der Zivilisationsbegriff und der Begriff inter-zivilisatorischer Begegnungen
2.4. Zivilisation und Kultur

3. Inter-zivilisatorische Begegnungen
3.1. Definition von inter-zivilisatorischen Begegnungen nach Johann P. Arnason
3.2. Folgen und Auswirkungen inter- zivilisatorischer Begegnungen

4. Konklusion

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Begegnungen zweier oder mehrerer Zivilisationen scheinen vor allem in der heutigen globalisierten Welt unumgänglich, weswegen es mir relevant erscheint sich den Theorien Johann P. Arnasons zuzuwenden, welcher sich mit eben diesen Arten von Begegnungen - die er als inter-zivilisatorische Begegnungen bezeichnet - auseinandergesetzt hat.

Arnason geht davon aus, dass Interkulturalität und die Begegnungen verschiedener Zivilisationen eine unausweichliche Dimension der Welt sind (vgl. Adams 2009, 249). Er gibt nämlich an, dass Zivilisationen nicht als geschlossene kulturelle Welten angesehen werden können (vgl. Adams 2009, 260). Sie existieren nicht in einem Vakuum, unbeeinflusst von den anderen Zivilisationen, sondern sind immer schon offen gegenüber inter-zivilisatorischen Begegnungen und gegenüber mit diesen einhergehenden Einflüssen anderer Zivilisationen (vgl. Adams 2009, 260). Möchte man also entweder eine einzelne Zivilisation oder gar das Zusammenspiel unterschiedlicher Zivilisationen verstehen, so kommt man nicht umhin sich der Problematik der inter-zivilisatorischen Begegnungen zuzuwenden. Folgt man Arnasons Argumentation so sieht man, dass sie Welt als Einheit nur als interkulturelle Pluralität verstanden werden kann (vgl. Adams 2009, 263).

Das oftmals fälschlich als clash of civilizations betitelte Aufeinandertreffen unterschiedlicher Zivilisationen steht im Zentrum der Überlegungen von Arnason. Inter-zivilisatorische Begegnungen sind laut Arnason charakteristisch für das menschliche Dasein im Allgemeinen (vgl. Adams 2009, 259). Das Verständnis dieses Phänomens wirft ein neues Licht auf die historischen Interaktionen zwischen den verschiedenen Zivilisationen.

Im Zuge dieser Arbeit möchte ich nun der Frage auf den Grund gehen, was Johann P. Arnason unter inter-zivilisatorischen Begegnungen versteht und welche Folgen und Auswirkungen diese Art der Begegnungen auf einzelne Zivilisationen haben können.

Um diese Frage beantworten zu können, werde ich im ersten Teil dieser Arbeit im Detail erklären, was Johann P. Arnason unter dem Begriff der Zivilisation versteht und inwiefern er eine Unterscheidung zwischen Zivilisation im Singular und Zivilisation im Plural trifft. Des Weiteren werde ich darlegen für welchen der beiden Zivilisationsbegriffe sich Arnason als Arbeitsbegriff in Hinblick auf inter-zivilisatorische Begegnungen entschieden hat und weshalb er diese Entscheidung traf.

Diesen Teil der Arbeit abschließend möchte ich noch auf die Unterscheidung zwischen dem Begriff der Zivilisation und dem Begriff der Kultur nach Arnason eingehen, da ich eine fälschliche Gleichsetzung dieser beiden Begrifflichkeiten als nicht zuträglich zur Diskussion inter-zivilisatorischer Begegnungen erachte. Die Darlegung der von Arnason verwendeten Begrifflichkeiten soll im Allgemeinen potentielle Missverständnisse vorbeugen und der sinnvollen Darlegung der Theorien von Arnason dienen.

Im zweiten Teil dieser Arbeit möchte ich beleuchten was Johann P. Arnason unter inter­zivilisatorischen Begegnungen versteht und wie er diese von ihm verwendete Begrifflichkeit von anderen abgrenzt. Darüber hinaus werde ich kurz darauf eingehen, weswegen Arnason den Begriff clash of civilizations für zu politisch aufgeladen und negativ befindet und weshalb er davon ausgeht, dass dieser nicht zu einem wahrhaftigen Erkennen dessen führt, was sich bei dem Aufeinandertreffen verschiedener Zivilisationen tatsächlich abspielt.

Abschließend werde ich versuchen darzustellen, welche Auswirkungen inter-zivilisatorische Begegnungen auf die an ihnen beteiligten Zivilisationen haben können. Hierzu führe ich ein Beispiel von Johann P. Arnason an, welches er benutzt, um die unterschiedlichen Folgen inter­zivilisatorischer Begegnungen deutlich zu machen. Dieses Beispiel soll auch mir dazu dienen klar zu machen, auf welch' nuancierte Weise sich inter-zivilisatorische Begegnungen auswirken können.

2. Der Zivilisations-Begriff nach Johann P. Arnason

Johann P. Arnason unterteilt den Begriff der Zivilisation in Zivilisation im Singular und Zivilisation im Plural. Diese Unterscheidung ist besonders im Hinblick auf das Verständnis unterschiedlicher Diskurse besonders relevant, denn die Bedeutung einer Aussage verändert sich gänzlich je nachdem ob man von Zivilisation im Singular oder im Plural spricht. Außerdem werden gewisse Diskussionen überhaupt erst möglich durch das Verständnis von Zivilisation als singuläres oder pluralistisches Phänomen.

Der Diskurs der inter-zivilisatorischen Begegnungen beispielsweise ist nur deshalb möglich, weil ihm das Verständnis der Zivilisation im Plural zugrunde liegt. Ginge man nämlich davon aus, dass es nur eine Zivilisation gebe, also Zivilisation im Singular, so wären inter­zivilisatorische Begegnungen überhaupt nicht möglich.

Die Entgegensetzung eines pluralistischen Zivilisationsbegriffs gegen einen singulären, hat laut Arnason noch eine weitere wichtige Ebene. Diese Ebene besteht darin, dass wenn man von mehreren Zivilisationen ausgeht, auch jene nicht-westliche Zivilisationen eine Stimme bekommen und in Konkurrenz zum Westen treten können (vgl. Arnason 2003, 6). Arnason führt hier die Theorie von Immanuel Wallerstein an, welcher behauptet hat, dass Zivilisation im Singular eine ideologische Projektion des kapitalistischen Weltsystems und dessen expansionistischer Dynamik sei (vgl. Arnason 2003, 8). Die Zivilisation im Plural hingegen sei ein Konzept, welches als ermächtigendes Instrument verstanden werden kann mithilfe dessen sich nicht-westliche Zivilisation gegen die kulturelle Hegemonie des Westens auflehnen können (vgl. Arnason 2003, 8).

2.1. Zivilisation im Singular

Johann P. Arnason gibt an, dass wir dann von Zivilisation im Singular sprechen, wenn wir von der Herkunft, den Errungenschaften und den Aussichten der Zivilisation sprechen (vgl. Arnason 2003, 1). Des Weiteren wird häufig von einer singulären Zivilisation gesprochen, wenn eine Unterscheidung beziehungsweise Abgrenzung zwischen den Stammesgesellschaften und der zivilisierten Gesellschaft getroffen werden soll (vgl. Arnason 2003, 250).

Aus dieser Definition ergibt sich für mich, dass Zivilisation im Singular als eine Art des Universalbegriffs zu verstehen ist, vergleichbar beispielsweise mit dem Begriff der Moderne. Damit meine ich, dass man sowohl mit dem Begriff der Zivilisation im Singular als auch mit dem der Moderne vielmehr eine bestimmte Erscheinung und deren Phänomene beschreiben möchte, als konkrete, greifbare Konstrukte zu benennen. Das heißt, dass man mit dem singulären Begriff der Zivilisation zwar die allgemeine Idee einer Zivilisation beschreiben kann, nicht aber eine bestimmte Zivilisation im Gegensatz zu einer anderen.

Um den Begriff der Zivilisation im Singular genauer darzulegen, greift Arnason auf die Theorien William McNeills zurück, welcher den Westen als Zivilisation im Sinne einer zivilisierten, modernen Gesellschaft ansieht (vgl. Arnason 2003, 126). Der Westen ist nach McNeill also nicht als eine Zivilisation, die erhaben ist über andere ebenso existierende Zivilisationen, zu verstehen, sondern er ist als die einzige Zivilisation im Singular zu verstehen (vgl. Arnason 2003, 126). Diese westliche Zivilisation breitete sich nach McNeill daher aus, weil die zivilisierte Lebensweise zu mehr Wohlstand und Macht führte (vgl. Arnason 2003, 126). Wohlstand und Macht sind ja auch nach Arnason als zwei grundlegende Komponenten von Zivilisationen anzusehen, doch geht er, anders als McNeill, nicht davon aus, dass diese nur in der westlichen Welt zu finden sein (vgl. Arnason 2003, 199).

[...]

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Eine Analyse der inter-zivilisatorischen Begegnungen nach Johann P. Arnason
Hochschule
Universität Wien  (Philosophie)
Veranstaltung
Die philosophischen Grundlagen der Civilizational Analysis
Note
1
Autor
Jahr
2021
Seiten
15
Katalognummer
V1149249
ISBN (eBook)
9783346536679
ISBN (Buch)
9783346536686
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Philosophie, Zivilisation, Begegnungen, Interkulturell, Interzivilisatorisch, Kultur, Arnason, Civilizational Analysis
Arbeit zitieren
Katrin Simon (Autor:in), 2021, Eine Analyse der inter-zivilisatorischen Begegnungen nach Johann P. Arnason, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1149249

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