Männer in der Sozialen Arbeit. Motive, Kompetenzen und Herausforderungen


Hausarbeit, 2021

21 Seiten, Note: 2,0

Anonym


Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Geschlechterforschung
2.1 Historischer Rückblick über die Geschlechter
2.2 Geschlechtsspezifische Historie der Sozialen Arbeit
2.3 Konstruktion von Geschlecht (Doing-Gender)
2.4 Segregation der Sozialen Arbeit nach Geschlecht

3 Männlichkeit/ männliches Geschlecht in der Sozialen Arbeit
3.1 Männer in frauendominierten Berufsfeldern in Bezug auf die Soziale Arbeit
3.2 Welche Motive und Umstände führen Männer in die Soziale Arbeit?
3.3 Männlichkeit als Kompetenz und Herausforderung der Sozialen Arbeit

4 Fazit

Quellenverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Statistisches Bundesamt (2021). Datenreport 2021 – Kapitel 5: Arbeitsmarkt und Verdienste. https://www.destatis.de/DE/Service/Statistik-Campus/Datenreport/Downloads/datenreport-2021-kap-5.html (15.03.2021).

Tabelle 2:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Statistisches Bundesamt (2020). Anzahl der Alleinerziehenden in Deutschland nach Geschlecht von 2000 bis 2009. https://de.statista.com/statistik/daten/studie/318160/umfrage/alleinerziehende-in-deutschland-nach-geschlecht/#professional (10.03.2021).

1 Einleitung

Männer fallen auf in der Sozialen Arbeit. Keineswegs in allen Bereichen, aber betrachte man exemplarisch einen Studiengang der Sozialen Arbeit, macht sich eine deutliche Unterzahl an männlichen Studierenden gegenüber weiblichen Studierenden bemerkbar. Durch die thematische Behandlung von Männlichkeit und Männlichkeiten in der Sozialen Arbeit im Kontext des Studiums, ist die Frage aufgekommen, warum Männer überhaupt diesen Lebensweg eingeschlagen, da die Unterrepräsentation an Männern ein gewissermaßen atypisches Geschlechterbild darstellt. Warum entscheiden sich die Männer für den Weg der Sozialen Arbeit oder anders gefragt, warum entscheidet sich die Mehrheit der Männer für ebendiesen Berufsweg nicht? Dabei sollen besonders die Motive und Umstände von verschiedenen männlichen Personengruppen betrachtet und die Chancen und Grenzen von Männlichkeit in der Sozialen Arbeit beleuchtet werden. Um darauf eine Antwort zu finden, geht es zunächst im zweiten Kapitel um die allgemeine Geschlechterforschung. Im Hinblick auf die historische Entwicklung von Geschlechtern und nachgehend die Historie der Geschlechter in der Sozialen Arbeit bildet es das Fundament, um die Konstruktion von Geschlechtern und die geschlechtssegregierte Sozialarbeit zu erläutern. Kapitel drei bezieht sich dann auf die Männlichkeit und Männlichkeiten in der Sozialen Arbeit. Dabei werden zunächst allgemein Männer in frauendominierten Berufen betrachtet, um dann die Motive und Umstände zur Wahl eines solchen Berufes wie die Soziale Arbeit und die Auswirkungen des männlichen Geschlechts in der Sozialen Arbeit zu verdeutlichen.

Wissenschaftlich beleuchtet wurden besonders die Thematiken über die Entstehung des Geschlechtes und deren Historie, woraus auch der Ansatz des „doing-gender“ entstand. Geringe wissenschaftliche Untersuchungen wurden bisher in der geschlechtlichen Segregation speziell im Hinblick auf die Soziale Arbeit getan, wo definitiv erweiterter Bedarf besteht und die zukünftigen Entwicklungen beobachtet werden müssen. Der fachliche Diskurs um Männer und Männlichkeiten in der Sozialen Arbeit unterscheidet sich stark und spaltet sich in verschiedenste Meinungen darüber, inwiefern Männer soziale Berufe beeinträchtigen und Vor- und Nachteile diese Berufe bringen.

2 Geschlechterforschung

Die Geschlechterforschung reicht von den historischen Ansätzen zwischen dem Mann-Frau-Dualismus, also der biologischen Zweigeschlechtlichkeit, bis hin zur konstruktivistischen Sicht, was die gänzliche Auflösung der Geschlechter bedeutet. Der Prozess der Geschlechterentwicklung beeinflusst die Gesellschaft noch heute, weshalb ein knapper historischer Rückblick nötig ist, um im Nachgang den heutigen, konstruktivistischen Ansatz des „doing-gender“ und der Segregation des Berufsfeldes der Sozialen Arbeit zu erklären. Darauf aufbauend ist es möglich herauszuarbeiten, warum Soziale Arbeit weitgehend weiblich konnotiert ist

Zentrale Anliegen der Geschlechterforschung sind die Analyse der Geschlechterverhältnisse im Hinblick auf Unterschiede, ihre Hierarchien und Machtstrukturen, sowie der Betrachtung des Geschlechts als historische und soziale Kategorie (vgl. Ehlert/Funk/Stecklina 2011, 164). Es gibt zahlreiche Ansätze zur Geschlechterforschung, exemplarisch hierzu der Habitus-Ansatz von Bourdieu. Hier wird dem Habitus, der Gesamtheit des Verhaltens eines Individuums in einer sozialen Welt, die Erzeugung all jener Gedanken, Wahrnehmungen und Handlungen zu Grunde gelegt, obwohl der Habitus selbst durch und innerhalb von Bedingungen erzeugt (Bourdieu 1970, 40) ist. Ein weiterer Ansatz wäre die „Null-Hypothese“ von Carol Hagemann-White, „daß es keine notwendige, naturhaft vorgeschriebene Zweigeschlechtlichkeit gibt, sondern nur verschiedene kulturelle Konstruktionen von Geschlecht“ (Hagemann-White 1998 in Becker/Kortendiek/Budrich/Lenz 2004, 122). Viele Ansätze stimmen zumindest „darin überein, dass sie der Kindheit, insbesondere den ersten sechs Lebensjahren, einen zentralen Stellenwert für die Entwicklung und Sozialisation geschlechtsbezogener Orientierung und Verhaltensweisen zuschreiben“ (Rohrmann 2019 in: Handbuch Interdisziplinärer Geschlechterforschung Band 2, 1066) und es gibt Einigkeit, dass die Anlage- und Umweltfaktoren (ebd., 1069) in der Entwicklung zusammenspielen.

2.1 Historischer Rückblick über die Geschlechter

Geht man von der „grundlegendsten, möglicherweise als die fundamentale Strukturierung der symbolischen Welt angesehenen Dualismus Mann/Frau“ (Kuster 2019 in: Handbuch interdisziplinäre Geschlechterforschung Band 1, 4) aus, wandelt sich das Geschlechtsverhältnis erst in der frühen Aufklärung ausschlaggebend. Mit der politischen Aufklärung und dem neuzeitlichen Politikverständnis setzt die Herrschaft des Mannes über die Frau die „fundamentale Prämisse der universellen Selbstbestimmungsfähigkeit aller Individuen“ (ebd., 6) außer Kraft. Mit der Wende der Aufklärung ab 1750 bedeutet das Mann- und Frau-Sein primär die Zugehörigkeit zu einem biologischen Geschlecht, das sich aus der Differenz zum anderen bestimmt (ebd., 6). An diese Geschlechterbedeutung der Aufklärung anschließend, bezieht sich das Bild der bürgerlichen Familie, wo das Geschlecht eine gesellschaftliche Ordnungsfunktion innehat, mit der strikten Trennung der Aufgaben und Rollen nach Geschlecht. Dem Mann wird aufgrund seiner rationalen Veranlagung die Öffentlichkeit, wie „Ökonomie, Wissenschaft und Politik“ und der Frau die Privatheit wie „Tätigkeiten des familiären Nahbereichs“ (ebd.,7) zugeordnet. Mit der Entwicklung zur spätbürgerlichen Familie werden soziale und reproduktive Aufgaben schrittweise an sozialstaatliche Institutionen abgegeben, wodurch die vorher beschriebenen Rollen- und Funktionsbereiche aufgebrochen werden (vgl. ebd., 7). Letztlich werden die „geschlechtsständisch-arbeitsteiligen Zuweisungen“ in der Moderne aufgelöst und Frauen „aus traditionellen Lebenszusammenhängen und Rollenvorgaben herausgesetzt“ (ebd., 7). In der Zweiten Frauenbewegung in den 1960er Jahren will diese, nach der männlichen Vorherrschaft, vor allem auf die „privilegierten männlichen Positionen aufschließen“ (ebd., 8). Mit der zunehmenden Analyse der Geschlechter, beispielsweise im Hinblick auf die Arbeitsteilung, rücken Geschlechterverhältnisse in den Fokus und werden immer mehr zu gesellschaftlichen Machtverhältnissen und zu sozialen Ungleichheiten (vgl. ebd., 8-9).

Eine abschließende Betrachtung dieser verknappten historischen Entwicklung der Definitionen und Zuschreibungen von Geschlechtern, führt zu dem Ergebnis, dass die vermeintlich natürlichen Unterschiede zwischen Frauen und Männern ein „Ausdruck von historischen Entwicklungen und somit wandelbar“ (Ehlert 2021, 5) sind. Mit dieser Annahme kann das Geschlecht konstruktivistisch betrachtet, als sozial gebaut angesehen werden oder anders gesagt, konstruiert die soziale Welt den Körper als geschlechtliche Tatsache (Bourdieu 2005, 22). Dieser konstruktivistische Ansatz führt bei einer genaueren Analyse zum „doing-gender“, dessen Ansatz in Punkt 2.3 betrachtet wird.

2.2 Geschlechtsspezifische Historie der Sozialen Arbeit

Geschichtlich gesehen waren die Rollen vor allem im Bild der spätbürgerlichen Familie strikt voneinander getrennt. Während die bürgerlichen Frauen eher für Hausarbeit und Kindererziehung zuständig waren, arbeiteten Männer hingegen eher im agrarisch geprägten Sektor in die erwerbsförmig organisierte Industrie- und Dienstleistungsarbeit (vgl. Schaffner 2013, 13). Diese Trennung hatte Folgen. In der bürgerlichen Frauenbewegung verlangte die spätere Anführerin Luise Otto (-Peters, 1819–1895) während der Revolution 1848, dass auch Frauen Arbeit finden (vgl. Wendt 2017, 428). Als Reaktion darauf, wurde die politische Betätigung von Frauen verboten (ebd.,428). Jedoch fanden die Forderungen nach Beschäftigung in der Öffentlichkeit Anklang und waren bedeutend für die erste berufliche Emanzipation.

Die Soziale Arbeit entstand als gesellschaftlich akzeptiertes Berufsfeld durch sozial engagierte, bürgerliche Frauen, die beispielsweise in der Armenpflege unentgeltlich tätig waren. Hervorzuheben ist hierbei Henriette Schrader-Preymann, die mit ihrem Konzept der „geistigen Mütterlichkeit“ die qualifizierte Berufsausbildung für Frauen schaffte, ohne gegen die herrschende Rollenverteilung der spätbürgerlichen Familie zu verstoßen (vgl. Schaffner 2013, 13). Somit konnten sich Frauen beruflich betätigen und erste Ausbildungsstätten wurden in Deutschland von Frauen, unter prinzipiellem Ausschluss einer Aufnahme von Männern, gegründet (ebd., 13). „Frauen, die Mutterschaft nicht im Rahmen einer eigenen Familie verwirklichen, hatten dadurch eine Chance, diese ihre besondere Befähigung in einem beruflichen Kontext auszuleben (ebd., 13), denn „Empathie, Sorge mitfühlende Liebe und die Fähigkeit verstehender, sich auf das Gegenüber einlassende Kommunikation“ (Oswald 2013, 18) wurde Frauen durch die Hausarbeit und Kindererziehung zugeschrieben. Ein erster ersichtlicher beruflicher Habitus wurde dadurch etabliert und die beschriebenen Fähigkeiten dem weiblichen Geschlecht zugeordnet (vgl. ebd., 18). Paradox zu betrachten ist jedoch die Entwicklung der Entstehung der Sozialen Arbeit. Während im Zuge der Frauenbewegung mehr Emanzipation gefordert wurde, um „in der inhumanen Männerwelt durch Weiblichkeit mehr Humanität zu verwirklichen“ (Hausen 1976 in Oswald 2013, 17), entstand jedoch paradoxerweise mit dem Konzept der „geistigen Mütterlichkeit“ ein sozialer Beruf, der Geschlechtsstereotype innehatte. In der Zeit der Weimarer Republik wurde die entwickelte Sozialarbeit in die kommunale Sozialbürokratie integriert. Dabei lag die Leitung der Behörden in Männerhand (Hammerschmidt/Sagebiel/Stecklina 2020, 41). Dies erzeugte einen Widerspruch zwischen sachlich-unpersönlicher Verwaltungsroutine und individualisierten-personenbezogener Dienstleistung und sorgte in der Folgezeit für eine „Feminisierung“ der Bürokratie (vgl. ebd., 41). Ab den 1970er Jahren wurde zwischen organisationsbezogener Leitungsfunktion und klientennaher Dienstleistungen unterschieden (vgl. ebd. 41). Die neuen Leitungsfunktionen zogen auch Männer an (ebd., 41) und es gab in den Studiengängen der Sozialen Arbeit zwischen 1990 und 1997 einen auffälligen Männerzustrom. „Vereinfacht könnte man sagen: Die Professionalisierung der Sozialarbeit führte zu ihrer Vermännlichung“ (ebd., 42). Bis heute ist festzustellen, dass sich geschlechtsstereotyper Bilder bedient wird und durch die Konstruktion des weiblichen Geschlechtes der Frauenanteil in sozialen Berufen weiterhin überdurchschnittlich hoch ist. Dies ist dadurch zu begründen, dass „Care“, also der Gesamtheit der Pflege, Sorge, Betreuung und Fürsorge, den Frauen zugeschrieben wird, weshalb das Berufsfeld der Sozialen Arbeit auch einer starken Segregation unterliegt.

[...]

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Männer in der Sozialen Arbeit. Motive, Kompetenzen und Herausforderungen
Hochschule
Fachhochschule Erfurt
Note
2,0
Jahr
2021
Seiten
21
Katalognummer
V1149309
ISBN (eBook)
9783346532794
ISBN (Buch)
9783346532800
Sprache
Deutsch
Schlagworte
männer, sozialen, arbeit, motive, kompetenzen, herausforderungen
Arbeit zitieren
Anonym, 2021, Männer in der Sozialen Arbeit. Motive, Kompetenzen und Herausforderungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1149309

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