Deshalb beschäftigt sich diese Arbeit mit der Frage, wie die Bildungsarbeit in Kindertageseinrichtungen an die veränderten Lebensbedingungen der Kinder angepasst werden kann und soll.
Die Antwort wird anhand des Bildungsbereiches der Sozialen Bildung konkretisiert.
Um diese Frage bearbeiten zu können, werden vorerst die veränderten Lebensbedingungen der Kinder dargestellt. Der gesellschaftliche Wandel und die Folgen für die Kindheit werden beschrieben. Nicht nur die Gesellschaft, sondern auch das Verständnis der Gesellschaft hat sich verändert. Es besteht ein Trend zur Schnelllebigkeit (vor allem durch ständige Innovationen der Technologien) und zur Individualisierung. Daraufhin wird der Wandel der Familienformen dargestell. Die veränderten zeitlichen und räumlichen Lebenswelten der Kinder bilden den letzten Schwerpunkt des ersten Abschnittes.
Kindertageseinrichtungen müssen sich an die veränderten Lebensbedingungen der Kinder anpassen, deshalb verändern sich ihre Bildungs- und Erziehungspläne. Der funktionsorientiete und der situationsorientierte Ansatz sind zwei signifikante Ansätze, die in den 70er Jahren aus der Bildungsreform entstanden sind. Sie werden erläutert und gegenübergestellt, da der situationsorientierte Ansatz noch heute in der aktuellen Diskussion Einfluss auf die neuen Bildungs- und Erziehungspläne hat. Der Bildungsauftrag der Kindertageseinrichtungen wird anhand der rechtlichen Grundlagen dargelegt, bevor im nächsten Abschnitt genauer auf die Bildungsarbeit eingegangen wird. Daraufhin wird die Theorie des Sozialkonstruktivismus vorgestellt und Bildung als sozialer, kokonstruktiver Prozess erläutert. Anschließend wird auf die Bedeutung der Beziehungen im Bildungsprozess sowie auf die Rolle der Erzieherin/des Erziehers eingegangen, und die neuen Theorien der lernmethodischen Kompetenz und der Resilienz werden vorgestellt.
Im letzten Abschnitt liegt der Schwerpunkt auf dem Bildungsbereich der Sozialen Bildung, der auf Grund der veränderten kindlichen Lebenswelten einen der wichtigsten Bildungsbereiche in den Kindertageseinrichtungen darstellt.Es werden mögliche Zukunftsperspektiven mit Hilfe des Modellprojekts ‘Kinderhaus’ dargelegt.
Abschließend erfolgt die Schlussbetrachtung, in der die wichtigsten Argumente noch einmal zusammengefasst werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Veränderte Lebensbedingungen der Kinder
2.1. Der gesellschaftliche Wandel und seine Folgen für die Kindheit
2.2. Wandel der Familienformen
2.3. Veränderte räumliche und zeitliche Lebenswelten der Kinder
3. Kindertageseinrichtungen im Wandel
3.1. Der funktionsorientierte Ansatz
3.2. Der situationsorientierte Ansatz
3.3. Der Bildungsauftrag heutiger Kindertageseinrichtungen – rechtliche Grundlagen
4. Bildungsarbeit in Kindertageseinrichtungen
4.1. Was ist Bildung?
4.2. Die sozialkonstruktivistische Theorie – Bildung als sozial – ko–konstruktiver Prozess
4.3. Bildung braucht Beziehungen – Schwerpunkte heutiger Bildungs- und Erziehungspläne
5. Die Bedeutung des Bildungsbereiches der Sozialen Bildung
5.1. Sozialerziehung – Soziales Lernen – Soziale Bildung
5.2. Die Soziale Bildung als einer der wichtigsten Bildungsbereiche
5.3. Wie sollte die Bildungsarbeit in Zukunft aussehen?
6. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht, wie Kindertageseinrichtungen ihre Bildungsarbeit an die grundlegend veränderten Lebensbedingungen von Kindern – geprägt durch gesellschaftlichen Wandel, neue Familienformen und technologische Einflüsse – anpassen können und müssen. Zentral ist dabei die Frage, wie die Soziale Bildung als Fundament für ganzheitliche Entwicklungsprozesse gestärkt und in die moderne pädagogische Praxis integriert werden kann.
- Analyse der veränderten Lebensumstände von Kindern (Individualisierung, "Verinselung", Medienkonsum).
- Gegenüberstellung pädagogischer Ansätze: Funktionsorientierter vs. Situationsorientierter Ansatz.
- Untersuchung des Bildungsauftrags und neuerer Bildungspläne unter Berücksichtigung der sozialkonstruktivistischen Theorie.
- Diskussion der Bedeutung von Beziehungen, Ko-Konstruktion und Resilienzförderung im Kindergarten.
- Entwicklung von Zukunftsperspektiven (z.B. das Modellprojekt "Kinderhaus").
Auszug aus dem Buch
3.2. Der situationsorientierte Ansatz
Der deutsche Bildungsrat wies 1972 den Kindergarten als Elementarstufe des Bildungswesens aus. Die Zugehörigkeit zur Jugendhilfe blieb dennoch erhalten (vgl. WEHRMANN 2004, S. 240). In diesem Jahr wurde das Curriculum Soziales Lernen vorgestellt. Es galt als Bildungscurriculum, welches die Kindertageseinrichtung als erste Institution des Bildungssystems vertrat. Der situationsorientierte Ansatz ist die Konkretisierung dieses Curriculums (vgl. FTHENAKIS 2003, S. 9). Er steht dem funktionsorientierten Ansatz mit der sozial – emotionalen Erziehung und dem Bezug zur Lebenswelt der Kinder statt der rein kognitiven Frühförderung gegenüber. Der situationsorientierte Ansatz ist einer der bedeutungsvollsten Ansätze, der sich Mitte der 70er Jahre durchsetzte, und der bis heute in der Diskussion steht.
Ziel des situationsorientierten Ansatzes ist es, die Kinder - neben der Stärkung ihrer Persönlichkeit - auf ein soziales und verantwortliches Leben in der Gesellschaft vorzubereiten (vgl. FRIED 2003, S. 128). Die Kinder sollen in den zukünftigen Lebenssituationen möglichst kompetent und autonom handeln können (vgl. Arbeitsgruppe Vorschulerziehung 1976, S. 15). Das soziale Lernen steht im Mittelpunkt, um die Selbstbestimmungsfähigkeit, die Solidarität und die Kompetenz der Kinder zu fördern. Das soziale Lernen stellt den Lernbereich dar, in den alle anderen Lernbereiche integriert werden oder mit einfließen (vgl. FRIED 2003, S. 129).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in den gesellschaftlichen Wandel ein und erläutert die Notwendigkeit, Kindertageseinrichtungen an die veränderten Lebensbedingungen der Kinder anzupassen.
2. Veränderte Lebensbedingungen der Kinder: Dieses Kapitel analysiert den Einfluss von demografischem Wandel, neuen Familienstrukturen sowie räumlicher und zeitlicher "Verinselung" auf die kindliche Entwicklung.
3. Kindertageseinrichtungen im Wandel: Hier werden historische und aktuelle pädagogische Ansätze (funktions- vs. situationsorientiert) sowie die rechtlichen Grundlagen des Bildungsauftrags gegenübergestellt.
4. Bildungsarbeit in Kindertageseinrichtungen: Dieser Abschnitt beleuchtet den historischen Bildungsbegriff, die sozialkonstruktivistische Theorie sowie die Bedeutung von Basiskompetenzen und Resilienz.
5. Die Bedeutung des Bildungsbereiches der Sozialen Bildung: Das Kapitel definiert Sozialerziehung und Soziale Bildung und unterstreicht deren zentrale Rolle in der Zukunftsgestaltung der pädagogischen Arbeit.
6. Schlussbetrachtung: Zusammenfassung der Kernthesen und Ausblick auf die Notwendigkeit, Bildung als gesamtgesellschaftliche Aufgabe und als Prozess in stabilen Beziehungen zu begreifen.
Schlüsselwörter
Soziale Bildung, Situationsorientierter Ansatz, Kindertageseinrichtung, Bildungsauftrag, Sozialkonstruktivismus, Ko-Konstruktion, Resilienz, Lebenswelt, Familienwandel, Soziales Lernen, Prozessqualität, Basiskompetenzen, Frühe Kindheit, Bildung, Interaktion.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Anpassung der Bildungsarbeit in Kindertageseinrichtungen an die gewandelten Lebensbedingungen von Kindern in einer modernen Wissensgesellschaft.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Felder sind die Auswirkungen gesellschaftlichen Wandels auf die Kindheit, der Vergleich pädagogischer Ansätze, der Bildungsbegriff in Kindertagesstätten und die Bedeutung der Sozialen Bildung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist zu klären, wie die Bildungsarbeit in Kindertageseinrichtungen konkret an die veränderten Lebensumstände angepasst werden kann, wobei die Soziale Bildung als zentraler Ankerpunkt dient.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine fundierte Literatur- und Theorieanalyse sowie auf die Auseinandersetzung mit aktuellen Bildungsplänen und dem SGB VIII.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil behandelt die theoretischen Grundlagen der Pädagogik, die Kritik am funktionsorientierten Modell, den Stellenwert des situationsorientierten Ansatzes und die aktuelle Bedeutung von Bildungs- und Erziehungsplänen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Soziale Bildung, Situationsorientierter Ansatz, Bildungsauftrag, Sozialkonstruktivismus, Resilienz, Lebensweltorientierung und Prozessqualität.
Was ist das „Kinderhaus“ als Zukunftsperspektive?
Das „Kinderhaus“ wird als flexibler Ansatz beschrieben, der verschiedene Betreuungsformen unter einem Dach vereint, längere Öffnungszeiten bietet und somit mehr Raum für konstante Beziehungen und spontanes Spiel ermöglicht.
Warum spielt die „Ko-Konstruktion“ eine wichtige Rolle?
Die Ko-Konstruktion ist zentral, da Bildung hier als sozialer Prozess verstanden wird, bei dem Wissen durch den Austausch und die gemeinsame Interaktion mit anderen Kindern und Erwachsenen aktiv konstruiert wird.
- Quote paper
- Janine Pollert (Author), 2006, Kindertageseinrichtungen. Anpassungen der Bildungsarbeit an veränderte Lebensbedingungen der Kinder, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/114946