Das Herunterfallen eines Kugelschreibers, das Klicken einer Brotdose oder das vermeintlich leise Gekicher von Schülerinnen und Schülern während des Unterrichts sind akustische Signale, die eine Lehrkraft sofort einzuordnen weiß. Aber auch durch die Lehrkraft vergessene Unterrichtsmaterialien oder "übergeordnete Kräfte", die die elektrische Schultafel im "Montags-Modus" feststecken lassen, werden weitläufig als Unterrichtsstörungen abgetan. Die Folgen solcher Störungen sind bedeutsam, denn je mehr die Unterrichtszeit für die Reduktion störender Aktivitäten verbraucht bzw. verschwendet wird, desto weniger aktive Lernzeit steht zur Verfügung.
Daraus könnte resultieren, dass eine vollständige, ausführliche Vermittlung des Lernstoffes aufgrund von Zeitmangel nicht möglich ist. Ein bewusster Umgang mit Unterrichtsstörungen durch die Lehrkraft ist demnach notwendig, um den Zeitverlust möglichst gering zu halten. Während die Lehrkraft die Unterrichtsstörungen im Präsenzunterricht gut einschätzen kann, stehen im digitalen Raum neue Herausforderungen bevor. Der digitale Unterricht bietet diverse Möglichkeiten, den Unterricht zu stören. Damit die Lehrkraft auch im Online-Unterricht effektiv die Störungen beseitigen kann, muss sie wissen, welche Störarten es dort gibt.
Aus diesem derzeitigen Unwissen entsteht folgende Forschungsfrage: "Inwiefern unterscheiden sich Unterrichtsstörungen im digitalen Unterricht von Unterrichtsstörungen im Präsenzunterricht?“. Aspekte, die in dieser Arbeit keine Berücksichtigung finden, sind neben persönlichen Folgen der Störungen für Schülerinnen und Schüler oder die Lehrkräfte auch präventive Maßnahmen zur Vorbeugung von Unterrichtsstörungen. Auch der eigentliche Umgang mit Störungen wird nicht behandelt. Folglich rücken ausschließlich die Störungsverursacher und die verschiedenen Erscheinungsformen von Unterrichtsstörungen an zwei Lernorten in den Fokus.
In dieser Arbeit werden qualitative Experteninterviews geführt. Diese werden mit Hilfe der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring ausgewertet. Im Anhang finden sich entsprechende Belege zum Nachvollziehen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Problemstellung und Zielsetzung
1.2 Gang der Untersuchung
2. Definition von Unterrichtsstörungen
2.1 Definition nach Rainer Winkel (1976)
2.2 Definition nach Karlheinz Biller (1989)
2.3 Definition nach Felicitas Thiel (1976)
2.4 Vergleich der vorgestellten Definitionen
3. Störungsverursacher und Arten von Unterrichtsstörungen
3.1 Aktive Störungen des Unterrichts
3.2 Passive Störungen des Unterrichts
3.3 Die schülerperspektivischen Störungen nach Lohmann
3.3.1 Erste Erscheinungsform – Verbales Störverhalten nach Lohmann
3.3.2 Zweite Erscheinungsform – Mangelnder Lerneifer nach Lohmann
3.3.3 Dritte Erscheinungsform – Motorische Unruhe nach Lohmann
3.3.4 Vierte Erscheinungsform – Aggressives Verhalten nach Lohmann
3.4 Erscheinungsformen nach Keller
3.4.1 Erste Erscheinungsform – Akustische Störungen nach Keller
3.4.2 Zweite Erscheinungsform – Motorische Störungen nach Keller
3.4.3 Dritte Erscheinungsform – Aggressionen nach Keller
3.4.4 Vierte Erscheinungsform – Geistige Abwesenheit nach Keller
3.4.5 Fünfte Erscheinungsform – Verweigerung nach Keller
3.4.6 Sechste Erscheinungsform – Verstöße gegen die Hausordnung nach Keller
3.5 Zusammenfassung
4. Die Lehrkraft als Verursacher & Externe Störungen
4.1 Die Lehrkraft als Störungsverursacher
4.1.1 Nicht aggressives Lehrerverhalten nach Wettstein und Scherzinger
4.1.2 Erste Kategorie – Unterrichtsvorbereitung und Pünktlichkeit nach Wettstein und Scherzinger
4.1.3 Zweite Kategorie – Gehalt des Unterrichts nach Wettstein und Scherzinger
4.1.4 Dritte Kategorie – Überblick und Regeln nach Wettstein und Scherzinger
4.1.5 Vierte Kategorie – Umgang mit Schülerinnen und Schülern nach Wettstein und Scherzinger
4.1.6 Fünfte Kategorie – Umgang mit Unterrichtsstörungen nach Wettstein und Scherzinger
4.2 Aggressives Lehrerverhalten – Nach Wettstein und Scherzinger
4.3 Externe Störungen
4.3.1 Erste Kategorie – Akustische Störungen
4.3.2 Zweite Kategorie – Technische Störungen
4.3.3 Dritte Kategorie – Meteorologische Störungen
4.3.4 Vierte Kategorie – Olfaktorische Störungen
4.3.5 Fünfte Kategorie – Personenbedingte Störungen
4.4 Zusammenfassung Externe Störungen
5. Zusammenfassung – Unterrichtsstörungen im Präsenzunterricht
5.1 Relevanz des digitalen Unterrichts und Ausblick
5.2 Hypothese
6. Methodische Grundlagen
6.1 Semi-Strukturiertes Experteninterview als Datenerhebungsmethode
6.1.1 Auswahl der Gesprächspartner:innen
6.1.2 Entwicklung des Fragebogens
6.1.3 Qualitative und Quantitative Aspekte der Fragenauswahl
6.2 Qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring als Auswertungsmethode des Interviews
7. Anwendung der Methodik
7.1 Auswertung des semi-strukturierten Interviews mit Hilfe der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring
7.2 Erste Oberkategorie – Definition von Unterrichtsstörungen
7.2.1 Beschreibung
7.2.2 Interpretation
7.3 Zweite Oberkategorie – Erscheinungsformen von Unterrichtsstörungen im digitalen Unterricht
7.3.1 Beschreibung
7.4 Erste Subkategorie – Technische Störungen
7.4.1 Beschreibung
7.4.2 Interpretation
7.5 Zweite Subkategorie – Unzureichendes Equipment, schlechte räumliche Gegebenheiten und mangelndes Verständnis der Schüler:innen
7.5.1 Beschreibung
7.5.2 Interpretation
7.6 Dritte Subkategorie – Geräuschkulisse
7.6.1 Beschreibung
7.6.2 Interpretation
7.7 Vierte Subkategorie – Unterlassene Unterrichtsbeteiligung
7.7.1 Beschreibung
7.7.2 Interpretation
7.8 Fünfte Subkategorie – Unbewusstes oder bewusstes, aktives Verhalten
7.8.1 Beschreibung
7.8.2 Interpretation
7.9 Dritte Oberkategorie – Verursacher der Unterrichtsstörungen
7.9.1 Beschreibung
7.10 Subkategorie – Die Lehrkraft, Die Schülerschaft, Externe Störungen
7.10.1 Beschreibung
7.10.2 Interpretation
7.11 Limitationen der Untersuchung
8. Fazit und Relevanz für Forschung und Praxis
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, inwiefern sich Unterrichtsstörungen im digitalen Unterricht von solchen im Präsenzunterricht unterscheiden. Ziel ist es, durch Experteninterviews Erkenntnisse über Erscheinungsformen und Verursacher im digitalen Raum zu gewinnen, um die pädagogische Handlungsfähigkeit in virtuellen Lernumgebungen zu verbessern.
- Vergleich von Unterrichtsstörungen in digitalen und physischen Lernumgebungen.
- Analyse der Störungsursachen: Schüler:innen, Lehrkräfte und externe Faktoren.
- Kategorisierung von Störungen im digitalen Raum mittels qualitativer Inhaltsanalyse.
- Identifikation von Strategien und Implikationen für die pädagogische Praxis.
Auszug aus dem Buch
Die Lehrkraft als Störungsverursacher
Dass auch eine Lehrkraft den Unterricht stören kann, erscheint zunächst fremd, da dem Lehrpersonal die Rolle des Vorbildes zugesprochen wird (Bär, 2015, 10). Im Folgenden wird jedoch aufgezeigt, dass auch der Lehrkörper für eine Unterbrechung der Lernatmosphäre verantwortlich sein kann. Der nächste Abschnitt orientiert sich an dem Werk „Unterrichtsstörungen verstehen und wirksam vorbeugen“, veröffentlicht im Jahr 2018 von Alexander Wettstein und Marion Scherzinger. Der Autor und die Autorin unterteilen von der Lehrkraft verursachte Unterrichtsstörungen in aggressive und nicht aggressive Formen (Scherzinger & Wettstein, 2018, 25-26).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Stellt die Problemstellung und Zielsetzung der Arbeit dar, motiviert durch den durch die Pandemie forcierten Wechsel zum digitalen Unterricht.
2. Definition von Unterrichtsstörungen: Vergleicht verschiedene wissenschaftliche Definitionen von Unterrichtsstörungen und erörtert deren Anwendbarkeit.
3. Störungsverursacher und Arten von Unterrichtsstörungen: Klassifiziert Unterrichtsstörungen in aktiv/passiv und stellt Modelle von Lohmann und Keller vor.
4. Die Lehrkraft als Verursacher & Externe Störungen: Erweitert die Störungsperspektive um die Rolle der Lehrkraft sowie äußere, nicht schülerzentrierte Einflussfaktoren.
5. Zusammenfassung – Unterrichtsstörungen im Präsenzunterricht: Fasst die Erkenntnisse des Präsenzunterrichts zusammen und leitet auf das digitale Umfeld über.
6. Methodische Grundlagen: Beschreibt die Wahl des leitfadengestützten Experteninterviews und die Anwendung der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring.
7. Anwendung der Methodik: Analysiert und interpretiert die Ergebnisse der Experteninterviews in Bezug auf Definitionen, Störungsformen und Verursacher im digitalen Raum.
8. Fazit und Relevanz für Forschung und Praxis: Führt die zentralen Erkenntnisse zusammen und leitet Implikationen für die pädagogische Theorie und Praxis ab.
Schlüsselwörter
Unterrichtsstörungen, Digitaler Unterricht, Präsenzunterricht, Experteninterview, Qualitative Inhaltsanalyse, Lehr-Lern-Situation, Störungsverursacher, Technisches Equipment, Lernatmosphäre, Klassenführung, Homeschooling, Schülerverhalten, Fernunterricht, Pädagogik, Disziplinmanagement.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Unterschiede zwischen Unterrichtsstörungen im digitalen Raum im Vergleich zum klassischen Präsenzunterricht an Schulen.
Welche zentralen Themenfelder werden beleuchtet?
Neben der Definition von Unterrichtsstörungen werden Kategorisierungen von Störverhalten, verschiedene Verursachergruppen und die Besonderheiten des digitalen Lernumfeldes thematisiert.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, durch Experteninterviews mit Lehrkräften herauszufinden, welche spezifischen Störarten im digitalen Unterricht auftreten und wie diese sich von Störungen im Präsenzunterricht abgrenzen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Autor verwendet semi-strukturierte Experteninterviews, deren Ergebnisse anschließend mittels qualitativer Inhaltsanalyse nach Mayring ausgewertet werden.
Was steht im Hauptteil der Arbeit im Mittelpunkt?
Im Hauptteil werden sowohl theoretische Definitionen und Klassifizierungen (Lohmann, Keller, etc.) dargelegt als auch die empirische Anwendung durch die Expertenbefragung zur Identifikation von Störungen im digitalen Unterricht.
Was zeichnet die Arbeit aus?
Die Arbeit verknüpft etablierte erziehungswissenschaftliche Theorien zum Disziplinmanagement mit den neuen Herausforderungen, die durch die kurzfristige Digitalisierung während der Corona-Pandemie entstanden sind.
Wie bewerten die befragten Lehrkräfte die Bedeutung technischer Probleme?
Technische Probleme, wie Netzwerkinstabilitäten oder der Umgang mit neuen Softwares, wurden von den befragten Lehrkräften als eine der häufigsten und schwerwiegendsten Störursachen im digitalen Unterricht identifiziert.
Welche Rolle spielt die Anwesenheit der Schüler:innen im digitalen Raum?
Die Arbeit thematisiert das Phänomen der „Scheinanwesenheit“, bei der Schüler:innen zwar in den Tools als online angezeigt werden, sich aber tatsächlich nicht vor dem Gerät befinden oder nicht reagieren.
- Arbeit zitieren
- Torge Sellmer (Autor:in), 2021, Inwiefern unterscheiden sich Unterrichtsstörungen im digitalen Unterricht von Unterrichtsstörungen im Präsenzunterricht? Untersuchung mit Hilfe einer qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1149637