Muster aktueller Berichterstattung. Wie sich Fake News erfolgreich verbreiten und was soziale Netzwerke dagegen unternehmen


Hausarbeit, 2020

12 Seiten, Note: 2,0

Anonym


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Definition Fake News

3. Verbreitung von Falschinformationen
3.1 Der Erfolg der Fake News
3.2 Fake News im Kontext politischer Großereignisse
3.2.1 Brexit
3.2.2 Präsidentschaftswahl in den USA 2016

4. Twitter vs. Facebook - Kampf gegen Falschinformationen

5. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Papst schockiert die Welt! Er unterstützt Präsidentschaftskandidat Donald Trump“ (Steinert, 2018)

Diese Nachricht ging 2016 um die Welt. Vor allem in den Sozialen Medien wie Twitter und Facebook rief sie unzählbare Reaktionen hervor. Jedoch handelte es sich dabei um eine Falschinformation, sogenannte „Fake News“. Immer wieder werden derartige Nach­richten, oft auch zu politischen Zwecken, im Internet verbreitet. Social Media Plattformen kämpfen seit Jahren gegen die Verbreitung irreführender und falschen Botschaften, Bil­der und Videos, mit mehr oder weniger großem Erfolg.

Aber warum funktionieren Falschnachrichten im Internet und warum lassen sich so viele Menschen davon beeinflussen? Diese Frage und die Auswirkungen von „Fake News“ bei politischen Großereignissen, wird in der folgenden Arbeit untersucht. Außerdem soll ge­nauer betrachtet werden, was die sozialen Netzwerke, speziell Facebook und Twitter, zur Bekämpfung von Fake News tun und getan haben.

2. Definition Fake News

Was genau ist unter „Fake News“ zu verstehen?

Anfangs assoziierte man den Begriff fast ausschließlich mit Donald Trump. Er „verwen­dete und verwendet den Begriff vor allem, um unliebsame Nachrichtenkanäle, Journa­listinnen oder Publizisten zu diskreditieren.“ (Appel & Doser, 2020, S. 10) Mittlerweile spricht man allerdings eher von „einer inkorrekten Nachricht, einer Falschnachricht [o­der] einer Desinformation“ (ebd., S. 10)

Laut Appel und Doser (2020, S. 10-11) haben Fake News drei charakteristische Merk­male: Die Nachricht bzw. die Aussage oder die Information über ein Ereignis werden in Form eines journalistischen Beitrags dargestellt, die Nachricht oder Aussage weicht von der genauen Faktenlage ab und die Nachricht bzw. Aussage wird bewusst verändert oder erfunden, um politische oder kommerzielle Ziele zu erreichen.

Ein weiteres Merkmal ist, „dass ihre Verbreiter ein problematisches Verhältnis mit der Wahrheit haben.“ (Jaster & Lanius, 2019, S. 29).

Dabei kann man Fake News allerdings nicht einfach nur als „Falschnachricht“ beschrei­ben. Es gibt viele verschiedene Arten von Fake News. Dazu gehören zum Beispiel False Connection, False Context, Manipulated Content und auch Satire/Parodie (Wardle, 2017), die geschrieben wird, nicht um den „Leser oder den Zuschauer hinters Licht zu führen, . [sondern] vielmehr, [um] durch Spott und Übertreibung zum Nachdenken an­zuregen und zu unterhalten.“ (Appel & Doser, 2020, S. 14)

Zu beachten ist also auch: Fake News müssen nicht unbedingt unwahr sein! Oft sind es auch Nachrichten, die grundsätzlich der Wahrheit entsprechen, in der Weise, in der sie kommuniziert werden, aber irreführend oder missverständlich sind. (Jaster & Lanius, 2019, S. 27) „Die Meldung zeichnet demnach ein unwahres Bild der Wirklichkeit, indem etwas Falsches (mit-)kommuniziert wird, ohne eine tatsächlich falsche Behauptung auf­zustellen.“ (ebd., S. 27-28)

3. Verbreitung von Falschinformationen

Um zu erkennen warum sich Menschen immer wieder von Falschinformationen in die Irre führen lassen, muss man zuerst verstehen, wie sich solche Nachrichten verbreiten und wieso sie zunächst glaubwürdig erscheinen.

3.1 Der Erfolg der Fake News

Ein wichtiger Begriff in der Untersuchung des Erfolgs der Fake News ist nach Jaster und Lanius (2019, S. 57) die motivierte bzw. selektive Wahrnehmung des Menschen. Diese beschreibt, dass „wir ... nicht unbedingt das [sehen], was sich vor unseren Augen befin­det, sondern das, was wir auf Grundlage unserer eigenen Erwartungen, Wünsche und Ängste sehen wollen.“ (ebd. S. 57, zitiert nach Pronin, 2007) Heißt also, dass Menschen Informationen und Nachrichten verschieden aufnehmen und je nach Überzeugung und eigener Meinung als glaubwürdig oder eben nicht betrachten und ihr deshalb mehr oder weniger Aufmerksamkeit schenken. (ebd. S. 58)

Um genau diese Aufmerksamkeit zu bekommen zielen Fake News außerdem auf die na­türliche Neigung ab, schlechte Nachrichten eher zu beachten als gute. Ähnlich ist es mit dem Aufbau einer Nachricht. Je einfacher sie gehalten ist, desto mehr Beachtung und Glaubwürdigkeit wird ihr zugeschrieben. (Jaster & Lanius, 2019, S. 50-52)

Den größten Erfolg ziehen Fake News aus der fortschreitenden Digitalisierung. Mittler­weile hat fast jeder Zugang zu sozialen Medien, in denen Nachrichten, Posts und Presse­mitteilungen von Politikern ungefiltert verbreitet werden können. (Jaster & Lanius, 2019, S. 48) Wenn die Verfasser*innen einer Nachricht es dann schaffen, eine bestimmte Reich­weite zu erlangen ist sie kaum noch aufzuhalten und im Falle von Fake News, schwierig zu widerrufen. Oft wird die Reichweite mit Hilfe von Social Bots in die Höhe getrieben. Diese Bots verhalten sich wie private User, laufen aber automatisiert zur schnelleren Ver­breitung von Fake News. Dadurch werden die Informationen schnell bis zu hunderttau­sendmal geteilt, geliket und kommentiert und so durch die Algorithmen der sozialen Netzwerke der Kategorie „relevant“ zugeordnet und den Usern öfter angezeigt. Die Le- ser*innen bilden sich daraus „ihre“ Meinung und die Information hat sich in ihren Köpfen verankert. Oft wird dann nur diese Falschnachricht gelesen und eine mögliche Aufklärung oder Beweis, der die Nachricht als falsch entlarvt, gehen unter. (Kuhla, 2017, S. 68)

Der Erfolg von Fake News baut also auf mehreren Faktoren auf. Deshalb schaffen sie es, die öffentliche Meinung zu bestimmten Themen, meist politischer Natur, in bestimmten Fällen zu beeinflussen. Oft ist es schwierig Fake News, zu erkennen und dann auch zu stoppen bzw. zu widerrufen.

3.2 Fake News im Kontext politischer Großereignisse

Im Vorangegangenen wurde erläutert, wieso Fake News funktionieren. In diesem Kapitel wird an zwei Fälle aufgezeigt, in denen sie schon Erfolg hatten und sie vielleicht sogar Einfluss auf Wahlergebnisse oder den Ausgang anderer politischer Ereignisse hatten.

3.2.1 Brexit

Während und vor dem Brexitreferendum wurden in Großbritannien zwei zweifelhafte Kampagnen beziehungsweise Wahlslogans im Netz und auf Plakaten im ganzen Land verbreitet.

Zum einen gab es „den roten Vote-Leave-Bus, in dem die Anführer der Pro-Brexit-Kam­pagne durchs Land fuhren, um für einen EU-Austritt zu werben. ,Wir schicken der EU jede Woche 350 Millionen Pfund‘, stand darauf, gefolgt von: ,Lasst uns stattdessen un­seren NHS [National Health Service] finanzieren.‘“ (Zastiral, 2019) In Wirklichkeit war es aber, durch den "Britenrabatt" und die EU-Subventionen, die nach Großbritannien zu­rückkommen, ein deutlich kleinerer Betrag. Bei einer Befragung nach der Abstimmung kam schließlich raus, dass ein nicht unerheblicher Teil der Briten und Britinnen, für den Brexit gestimmt hat, weil sie glaubten, dass mehr Geld in den Gesundheitsdienst fließen kann. (ebd., 2019)

Zum anderen gab es folgenden Wahlslogan, der kurz vor dem Votum auf Wahlplakaten im ganzen Land zu sehen war: „We must break free of the EU and take back control of our borders“. Auf dem Plakat war eine Masse von Menschen mit arabischer Herkunft zu sehen, die angeblich als Wirtschaftsimmigranten nach Großbritannien kommen wollen. Das Bild wurde aber willkürlich in einen falschen Kontext gestellt, da es eigentlich die Grenze zwischen Kroatien und Slowenien zeigte. Verantwortlich für diese Plakate war der ehemalige Chef der Independence Party, Nigel Farage, der hoffte, damit den Ausgang der Abstimmung zu beeinflussen. (Jaster & Lanius, 2019, S.14)

3.2.2 Präsidentschaftswahl in den USA 2016

Die meisten und reichweitenstärksten Fake News gab es wohl im Zuge der Präsident­schaftswahlen in den USA 2016. Hier galt die Hälfte der am meisten aufgerufenen Nachrichten als Falschinformation. Zu den Schlagzeilen, die meist gegen Donald Trumps Konkurrentin Hillary Clinton zielten, gehörten zum Beispiel: „WikiLeaks CONFIRMS Hillary Sold Weapons to ISIS... Then Drops Another BOMBSHELL!“ oder “FBI Agent Suspected in Hillary Email Leaks Found Dead in Apparent Murder-Suicide”. (Widget, 2016)

Die erfolgreichsten Fake News während des Wahlkampfes waren allerdings die bereits erwähnten Gerüchte, dass Papst Franziskus den Präsidentschaftskandidaten Trump unter­stütze. Sie erreichten kurz vor der Wahl sogar mehr Reichweite als Artikel der New York Times oder der Washington Post. Durch die vielen falschen Schlagzeilen gegen Clinton, „ist [es] durchaus denkbar, dass die Negativkampagne ... das Bild vieler Amerikaner von der demokratischen Präsidentschaftskandidatin verschlechterte oder deren Wahlverhalten beeinflusste“ (Widget, 2016)

Eine Studie zur Wirkung von Fake News in Social Media von den Wirtschaftswissen­schaftlern Hunt Allcott und Matthew Gentzkow (2017, S. 211-223) zeigt allerdings auf, dass die Wirkung von Fake News auf die Entscheidung der US-Präsidentschaftswahl nicht eindeutig nachzuweisen ist. Es ist also nicht bewiesen, dass Fake News in diesem Fall ausschlaggebend für das Wahlergebnis waren. Fakt ist aber, dass es viele Versuche gab, es durch falsche und erfundene Informationen gegen die Konkurrenten zu beeinflus­sen.

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Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Muster aktueller Berichterstattung. Wie sich Fake News erfolgreich verbreiten und was soziale Netzwerke dagegen unternehmen
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Institut für Kommunikationswissenschaft)
Note
2,0
Jahr
2020
Seiten
12
Katalognummer
V1149664
ISBN (eBook)
9783346535542
ISBN (Buch)
9783346535559
Sprache
Deutsch
Schlagworte
muster, berichterstattung, fake, news, netzwerke
Arbeit zitieren
Anonym, 2020, Muster aktueller Berichterstattung. Wie sich Fake News erfolgreich verbreiten und was soziale Netzwerke dagegen unternehmen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1149664

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