In dieser Bachelorarbeit soll die Frage beantwortet werden, wie kompetenzorientierte politische Bildung im Sinne von Global Citizenship Education an beruflichen Schulen in Deutschland gelingen kann. Dazu wird zunächst die Idee von Global Citizenship Education dargestellt und dabei Bezug auf die Entstehung und die Notwendigkeit dieses Bildungsansatzes genommen, wie auch auf die verschiedenen pädagogischen Konzepte, die unter den Oberbegriff Global Citizenship Education fallen. Im Anschluss daran wird Global Citizenship Education in Bezug zu den normativen und fachdidaktischen Anforderungen an die berufsbezogene politische Bildung in Deutschland gesetzt. Danach wird analysiert wie es aktuell um Global Citizenship Education innerhalb der beruflichen Bildung in Deutschland steht, welche Hemmnisse es gibt und wie diese überwunden werden können. Aufbauend darauf werden zehn Gelingenskriterien für die Einbindung von Global Citizenship Education in den beruflichen Unterricht genannt. Diese beziehen sich in erster Linie auf den politischen bzw. sozialwissenschaftlichen Unterricht, teilweise allerdings auch auf Global Citizenship Education als holistisches Schulkonzept. Die Arbeit schließt mit der Analyse einer Arbeitsaufgabe ab, die von der Kultusministerkonferenz und dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung als Orientierung für die Gestaltung einer Unterrichtsreihe mit dem Fokus auf nachhaltige globale Entwicklung zur Verfügung gestellt wurde und anhand derer die Umsetzung der erarbeiteten Gelingenskriterien in der Unterrichtspraxis dargestellt wird.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Ein Überblick über die Idee, die Bedeutung und die Entstehung von Global Citizenship Education
2.1 Global Citizenship als Bildungsaufgabe
2.2 Die große Transformation und die Notwendigkeit einer Bildung zu Global Citizenship
2.3 Die Geschichte des globalen Bürgertums und die Entwicklung von Global Citizenship Education
2.4 Zwei idealtypische Tendenzen von Global Citizenship Education
2.4.1 Der individuell-humanitäre Ansatz
2.4.2 Der strukturell-politische Ansatz
3. Die Bedeutung des Lokalen und Nationalen für die weltbürgerliche Bildung
3.1 Rooted Cosmopolitanism
3.2 “Glokalität” - Die lokale Verwurzelung der globalen Verantwortung
4. Fachdidaktische und normative Grundlage für die Integration von Global Citizenship Education in den politischen Unterricht am Berufskolleg
4.1 Politischer Unterricht nach dem Beutelsbacher Konsens
4.2 Kompetenzorientierter Politikunterricht
4.2.1 Politische Urteilskompetenz
4.2.2 Politische Handlungskompetenz
4.2.3 Politische Methodenkompetenz
4.3 Unterricht nach dem Berufsprinzip - Die Vermittlung beruflicher Handlungskompetenzen
5. Die Eingliederung von Global Citizenship Education in den beruflichen Unterricht: Status Quo, Herausforderungen und Aussichten
5.1 Situationsanalyse: Bisherige Bemühungen Global Citizenship Education in den beruflichen Unterricht einzubinden
5.2 Defizitanalyse: Hindernisse und Probleme bei der Einbindung von Global Citizenship Education in den beruflichen Unterricht
5.3 Entwicklungsanalyse: Prognose für die Einbindung von Global Citizenship Education in den beruflichen Unterricht
6. Zehn Gelingenskritierien für die Einbindung von Global Citizenship Education in den beruflichen Unterricht
7. Darstellung eines Unterrichtskonzepts im Sinne von Global Citizenship Education anhand eines Fallbeispiels
7.1 Darstellung des Fallbeispiels
7.2 Analyse des Fallbeispiels in Hinblick auf die zehn Gelingenskriterien für kompetenzorientierte Global Citizenship Education
8. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Bachelorarbeit untersucht die Möglichkeiten und Herausforderungen einer kompetenzorientierten Integration von Global Citizenship Education in den Politikunterricht an beruflichen Schulen in Deutschland. Dabei wird analysiert, wie politische Bildung unter Einbeziehung des „Glokalen“ dazu beitragen kann, Auszubildende auf eine aktive Teilhabe in einer global vernetzten Welt vorzubereiten.
- Konzeptionelle Grundlagen und historische Entwicklung von Global Citizenship Education
- Verknüpfung von fachdidaktischen Anforderungen und beruflicher Handlungskompetenz
- Status-Quo-Analyse und Identifikation von Hindernissen in der beruflichen Bildung
- Entwicklung von zehn Gelingenskriterien für die Unterrichtspraxis
- Anwendung des Konzepts anhand eines praxisnahen Fallbeispiels ("Eine Welt Hotel")
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung
Die Globalisierung hat einen weitreichenden Wandel eingeleitet, dem sich kaum ein*e Bürger*in dieser Welt entziehen kann. Nicht nur hat sie dafür gesorgt, dass die Wirtschaft der einzelnen Länder im Bereich Produktion, Handel, Investitionen und Finanzen immer stärker voneinander abhängig geworden sind, auch nehmen internationale soziale und politische Interaktionen zu (Weltkommission für die soziale Dimension der Globalisierung, 2004, 10). Dank verbesserter Kommunikations- und Informationstechnologie ist die Menschheit enger miteinander verbunden den je (Zürn, 2015). Diese gegenseitige Abhängigkeit voneinander geht mit einer großen Verantwortung füreinander einher. Die Globalisierung führt dazu, dass lokale Geschehnisse globale Auswirkungen haben (Nair, 2017, 144), was das Jahr 2020 deutlicher als je zuvor gezeigt hat.
Die weltweite Covid-19-Pandemie hatte und hat Auswirkungen auf das Leben fast aller Menschen und auf die gesamte Weltwirtschaft. Überdies wurde die (politische) Berichterstattung von Themen wie den Fridays-for-Future-Demonstrationen für bessere Klimaschutzmaßnahmen, der Black-Lives-Matter-Bewegung als Antwort auf den gewaltsamen Tod des Afroamerikaners George Floyd durch einen Polizeibeamten, und die US-Präsidentschaftswahl bestimmt. So unterschiedlich diese Themen sind, haben sie doch eines gemeinsam: Ob es die Eindämmung der Pandemie, den Umwelt- und Klimaschutz, den Kampf gegen Rassismus und Polizeigewalt oder politische Wahlkämpfe betrifft, all diese Themen fanden und finden auf internationaler Bühne statt und erregen die Aufmerksamkeit der ganzen Welt. Die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts sind globale Herausforderungen (Bernecker et al., 2017, 17).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung begründet die Relevanz von Global Citizenship Education angesichts zunehmender globaler Interdependenzen und Herausforderungen des 21. Jahrhunderts.
2. Ein Überblick über die Idee, die Bedeutung und die Entstehung von Global Citizenship Education: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Wurzeln, die Entstehung sowie verschiedene Ansätze von Global Citizenship Education als Bildungsansatz.
3. Die Bedeutung des Lokalen und Nationalen für die weltbürgerliche Bildung: Es wird die Rolle lokaler Verwurzelung (Rooted Cosmopolitanism) innerhalb einer global ausgerichteten Bildung diskutiert.
4. Fachdidaktische und normative Grundlage für die Integration von Global Citizenship Education in den politischen Unterricht am Berufskolleg: Hier werden die Anforderungen an einen kompetenzorientierten Politikunterricht unter Berücksichtigung des Beutelsbacher Konsenses und des Berufsprinzips dargelegt.
5. Die Eingliederung von Global Citizenship Education in den beruflichen Unterricht: Status Quo, Herausforderungen und Aussichten: Es erfolgt eine Analyse der aktuellen Situation, bestehender Hindernisse und zukünftiger Entwicklungspotenziale für diese Bildungsform.
6. Zehn Gelingenskritierien für die Einbindung von Global Citizenship Education in den beruflichen Unterricht: Das Kapitel stellt zehn spezifische Kriterien auf, die eine erfolgreiche Integration des Konzepts erleichtern sollen.
7. Darstellung eines Unterrichtskonzepts im Sinne von Global Citizenship Education anhand eines Fallbeispiels: Anhand des fiktiven "Eine Welt Hotels" wird illustriert, wie die entwickelten Gelingenskriterien praktisch umgesetzt werden können.
8. Fazit: Die Arbeit schließt mit einer Zusammenfassung der Ergebnisse und einem Ausblick auf die notwendige Weiterentwicklung im Bildungssystem.
Schlüsselwörter
Global Citizenship Education, Berufsbildung, Politische Bildung, Kompetenzorientierung, Glokalität, Berufskolleg, Nachhaltige Entwicklung, Weltbürgertum, Politikunterricht, Handlungskompetenz, Berufsprinzip, Globaler Wandel, UNESCO, Gelingenskriterien, Fallbeispiel.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie Global Citizenship Education als Bildungskonzept erfolgreich in den Politikunterricht an beruflichen Schulen in Deutschland integriert werden kann.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themen umfassen die theoretische Fundierung des Global Citizen-Begriffs, fachdidaktische Anforderungen an die politische Bildung, Herausforderungen im dualen Ausbildungssystem sowie die Entwicklung praktischer Gelingenskriterien.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die Erarbeitung eines kompetenzorientierten Ansatzes, der es ermöglicht, globale Herausforderungen in den beruflichen Unterricht zu integrieren und Auszubildende zur verantwortungsvollen Teilhabe zu befähigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine theoretische Analyse auf Basis von Fachliteratur sowie eine Defizit- und Entwicklungsanalyse durchgeführt, die in der Formulierung von Gelingenskriterien und einer Fallbeispielanalyse mündet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Verknüpfung von globaler Bildung mit den fachdidaktischen Anforderungen am Berufskolleg und analysiert die Status-Quo-Herausforderungen der Implementierung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind Global Citizenship Education, berufliche Handlungskompetenz, Glokalität und kompetenzorientierte politische Bildung.
Was bedeutet "Glokalität" im Kontext dieser Arbeit?
Glokalität bezeichnet die notwendige Verbindung von lokalem Handeln und Verwurzelung mit globalem Bewusstsein und der Anerkennung der weltweiten Auswirkungen des eigenen Verhaltens.
Warum ist die Einbeziehung des "Berufsprinzips" so entscheidend?
Weil berufliche Bildung an Schulen primär auf die berufliche Handlungsfähigkeit abzielt; eine erfolgreiche Integration von globalen Themen muss daher zwingend an die betriebliche Realität und fachliche Anforderungen anschlussfähig sein.
Welche Rolle spielen die "Gelingenskriterien"?
Sie dienen als theoretisch begründete Handlungsempfehlung für Lehrkräfte, um die didaktische Lücke zwischen allgemeiner Global Citizenship Education und dem speziellen Kontext beruflicher Schulen zu schließen.
- Quote paper
- Louisa Schmitt (Author), 2021, Das "Glokale" in der beruflichen Bildung: Wie gelingt die kompetenzorientierte Umsetzung der Global Citizenship Education an beruflichen Schulen?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1149775