In dieser Arbeit soll der Versuch unternommen werden, sich dem ethnographischen Film am Beispiel des Dokumentarfilms „BORDERS“ anzunähern.
Die folgende Arbeit gliedert sich in drei Kapitel: Zunächst (Kapitel 2) wird es darum gehen, zu verdeutlichen, was unter dem auf den ersten Blick doch recht eindeutig erscheinenden Grenzbegriff gemein sein kann.
Anschließend wird im dritten Kapitel der Begriff des Dokumentarfilms näher betrachtet. Nachdem geklärt wurde, was sich unter dieser Begrifflichkeit verstehen lässt, wird auf die unterschiedlichen Formen des Dokumentarfilms eingegangen. Von diesem Hintergrund aus, wird das Konzept des ethnographischen Films näher in den Blick genommen. Im vierten Kapitel wird eine Analyse des Films „Borders“ erfolgen. Abschließend wird ein kurzes Fazit gezogen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Alles eine Frage der Grenzen? Reflektionen zu einem grenzenlosen Begriff
3 Der Dokumentarfilm
3.1 Was ist ein Dokumentarfilm?
3.2 Die unterschiedlichen Darstellungsformen des Dokumentarfilms
3.3 Der ethnographische Film als besondere Form des Dokumentarfilms
4 Analyse des Films „Borders“
4.1 Inhalt und Handlung
4.2 Die gestalterischen Mittel des Films
4.3 Szenenanalyse
4.3.1 Anfangsszene
4.3.2 Szene Border Nigeria – Niger
4.3.3 Schlussszene
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Medium Film innerhalb der Ethnologie und nähert sich einer spezifischen filmischen Praxis durch die Analyse des Dokumentarfilms „Borders“, um das komplexe Zusammenspiel von Grenzerfahrungen, Migration und deren filmischer Darstellung zu beleuchten.
- Grundlagen des Grenzbegriffs in verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen
- Charakteristika und Erzählstrategien des Dokumentarfilms
- Der ethnographische Film als Genre und seine methodischen Herausforderungen
- Filmanalyse der Produktion „Borders“ unter Berücksichtigung gestalterischer Mittel
- Reflektion über die Rolle des Filmemachers bei der Darstellung von Migrationsschicksalen
Auszug aus dem Buch
3.2 Die unterschiedlichen Darstellungsformen des Dokumentarfilms
In seiner erstmals im Jahre 1991 publizierten Schrift Representing Reality. Issues and Concepts in Documentary unterscheidet der US-amerikanische Filmwissenschaftler Bill Nichols die folgenden vier, sich für den Dokumentarfilm als charakteristisch erweisenden Erzählstrategien: (1) expository mode, (2) observational mode, (3) participatory mode, (4) reflexive mode. Dieses Quartett der Dokumentarfilmformen wird in der später überarbeiteten Fassung Introduction to documentary um zwei weitere Modi – den performativen und den poetischen Modus – erweitert bzw. ergänzt. (vgl. Keutzer et al. 2014: 289)
Der expositorische Modus (expository mode), der sich im deutschsprachigen Raum ebenfalls unter der Bezeichnung des klassischen Erklärdokumentarismus vorfinden lässt, findet seinen Ursprung in den 1920er Jahren. Der Bildsprache kommt im erklärdokumentarischen Film eine eher geringere Bedeutung zu, stattdessen werden die Zuschauer sozusagen unmittelbar angesprochen. Die gezeigten bzw. die sich ereignenden Geschehnisse werden durch einen auktorialen Voice-Over-Kommentar bzw. Voice-of-God-Kommentar, der sich nicht zuletzt durch einen allwissenden und autoritativen Charakter kennzeichnen lässt, angemerkt und interpretiert. (vgl. Glock 2013: 12; Keutzer et al. 2014: 289; Kull 2006: 17; Nichols 1991: 34; Sextro 2009: 21) Nichols formuliert dies wie folgt:
„The expository mode addresses the viewer directly, with titles or voices that propose a perspective, advance an argument, or recount history. Expository films adopt either a voice-of-God commentary (the speaker is heard but never seen) [...] or utilize a voice-of-authority commentary (the speaker is heard and also seen).“ (Nichols 2001: 105)
Die im Rahmen dieses Modus vermittelte Argumentation sollte sich für das Publikum ebenfalls als überzeugend erweisen, da das zentrale und angestrebte Ziel erklärdokumentarischer Filme, die Wissensvermittlung ist. (vgl. Kull 2006: 17)
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Bedeutung des ethnographischen Films ein und erläutert den Aufbau der Untersuchung, welche den Film „Borders“ als Fallbeispiel nutzt.
2 Alles eine Frage der Grenzen? Reflektionen zu einem grenzenlosen Begriff: Das Kapitel beleuchtet die Komplexität des Grenzbegriffs, der sowohl als trennende Linie als auch als Schwellenraum für soziale Interaktionen verstanden werden kann.
3 Der Dokumentarfilm: Hier werden theoretische Grundlagen des Dokumentarfilms, verschiedene Erzählstrategien nach Bill Nichols sowie die Besonderheiten des ethnographischen Films dargelegt.
4 Analyse des Films „Borders“: Dieses Kapitel analysiert Inhalt, filmische Mittel und ausgewählte Szenen des Dokumentarfilms „Borders“ im Kontext von Migration und Flucht.
5 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt, dass der ethnographische Film vor allem dazu dient, Empathie und Verständnis für fremde Lebenswelten zu fördern.
Schlüsselwörter
Ethnologie, Dokumentarfilm, Ethnographischer Film, Border, Migration, Grenzüberschreitung, Filmanalyse, Wirklichkeitsrepräsentation, Subjektivität, Authentizität, Visuelle Anthropologie, Flucht, Filmregie, Identitätsbildung, Soziale Grenzen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Medium Film in der Ethnologie mit einem speziellen Fokus auf die filmische Praxis am Beispiel des Dokumentarfilms „Borders“.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Felder sind die theoretische Bestimmung des Grenzbegriffs, die Analyse von Dokumentarfilm-Erzählstrategien sowie die praktische Anwendung dieser Theorien auf den Dokumentarfilm „Borders“.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, den ethnographischen Film durch die Untersuchung eines konkreten Beispiels theoretisch einzuordnen und zu verstehen, wie dieser visuelle Vermittlung von Fremdheit leisten kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit nutzt eine Literaturanalyse zur theoretischen Fundierung und eine filmwissenschaftliche Szenenanalyse, um die gestalterischen Mittel und die Wirkung des Films „Borders“ zu untersuchen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst der Grenzbegriff und die Theorie des Dokumentarfilms erörtert, gefolgt von einer detaillierten Analyse von Inhalt, Handlung und den ästhetischen Gestaltungsmitteln des Films „Borders“.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Ethnologie, Dokumentarfilm, Migration, Grenzüberschreitung, Authentizität und visuelle Vermittlung.
Wie nähert sich der Autor dem Begriff der Grenze im Film?
Die Arbeit betrachtet Grenzen nicht nur als physische Staatsgrenzen, sondern auch als soziale und kulturelle Konstrukte, die Identität prägen und in „Borders“ durch die duale Darstellung von Beamten und Flüchtenden sichtbar werden.
Welche Rolle spielt die „Schlussszene“ bei der Analyse von „Borders“?
Die Schlussszene verdeutlicht durch die porträtierte Protagonistin Clara die menschliche Dimension der Migration und ihre individuelle Resilienz trotz der Abschiebehaft, was den Zuschauer emotional stärker an das Thema bindet.
- Quote paper
- Ksenia Turkina (Author), 2017, Das Medium Film in der Ethnologie. Annäherung an eine filmische Praxis in der Ethnologie anhand des Dokumentarfilms "Borders", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1149871