Die ungewollte Schwangerschaft, die Familienplanung und die Beschränkung von
Fruchtbarkeit und Geburten stellen für nahezu alle Kulturen und Epochen ein
Problem dar.1 Die Frage um die es sich hier zumeist dreht ist, ob bzw. wann der
Embryo ein eigenes Lebensrecht besitzt, und wie sich dies auf die
Entscheidungsfreiheit der Schwangeren auswirkt. Abtreibung - der Abbruch einer
bereits bestehenden Schwangerschaft - sowie empfängnisverhütende Mittel und
Methoden, die das Entstehen einer Schwangerschaft verhindern sollen, sind laut
Metzers Lexikon der Religion Antwortversuche auf dieses Menschheitsproblem.
Schon seit den 70er Jahren kämpfen Massenbewegungen, aus vielfältigen
politischen zusammengesetzten Gruppierungen, für die Abschaffung der
strafrechtlichen Reglementierung der Abtreibung. Das strafbewehrte Verbot der
Abtreibung wird als konkretes Hindernis der Lebensplanung empfunden und zugleich
aber auch das umfassende Symbol der Herrschaft von Kirche und Staat über die
Sexualität des Einzelnen. Zwar sind sich die Kirche und der Staat einig darüber alles
zu tun, um Schwangerschaftsabbrüche zu vermeiden, in der Frage des Wie aber
gehen die Meinungen stark auseinander.
Im nachfolgendem Teil meiner Facharbeit beschäftige ich mich vorerst mit der Frage
wann und wie entsteht die menschliche Person. Diese Frage ist eine wesentliche
Vorraussetzung um die Abtreibungsdiskussion sachgerecht darstellen zu können.
Die Rechtfertigung eines Schwangerschaftsabbruches soll Situationen widerspiegeln
wie zum Beispiel die Kindestötung nach einer Vergewaltigung oder Töten um sich
selbst zu retten. Hierauf folgend einen Überblick über die Folgen einer Abtreibung.
Im zweiten Teil meiner Facharbeit beschäftige ich mich mit dem Vergleich des
kirchlichen Abtreibungsverbots und dem staatlichen Abtreibungsrecht in der
Geschichte. Diese Gegenüberstellung soll zeigen, in welchem Konflikt sich die
Frauen durch die Kontrolle ungewollter Schwangerschaften befinden und welche
Positionen die jeweiligen Institutionen einnehmen.
[...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Schwangerschaftsabbruch
2.1 die vorgeburtliche Entwicklung des Kindes
2.2 Rechtfertigungen eines Schwangerschaftsabbruches
2.3 Folgen des Schwangerschaftsabbruches
3. Der Vergleich vom staatlichen Abtreibungsrecht und dem katholischen Abtreibungsverbot
3.1 Staatliche Abtreibungsrechte
3.1.1 Entstehung des §218 StGB
3.1.2 Der § 218 StGB Schwangerschaftsabbruch
3.2 Kirchliche Abtreibungsverbote
3.2.1 Zur Geschichte des katholischen Abtreibungsverbots
3.2.2 Codex Iuris Canonici
3.2.3 Der Katechismus der katholischen Kirche
3.3 Der Vergleich
4. Schlusswort
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen dem staatlichen Abtreibungsrecht und dem katholischen Abtreibungsverbot, um die unterschiedlichen institutionellen Positionen sowie die daraus resultierenden Konflikte für betroffene Frauen aufzuzeigen.
- Biologische und medizinische Grundlagen des Lebensbeginns
- Staatliche Gesetzeslage zum Schwangerschaftsabbruch in Deutschland
- Katholisches Kirchenrecht und moraltheologische Begründungen
- Vergleichende Analyse der Argumentationslinien beider Institutionen
- Auswirkungen von Schwangerschaftsabbrüchen auf die Frau
Auszug aus dem Buch
3.3 Der Vergleich
Aus den Auszügen des staatlichen Gesetzes und der katholischen Verkündigungen wird deutlich, dass beide Institutionen sich einig darüber sind, Abtreibungen zu verhindern. Die Kirche hat die biblischen Aussagen stets ernst genommen und verkündet die Botschaft von der Würde des menschlichen Lebens als zentrales Element der christlichen Heilslehre. Vordergründig besitzt das Gebot „Du sollst nicht töten“ einen negativen Inhalt: Es zeigt eine absolute Grenze auf, die niemals überschritten werden darf: „Es verpflichtet alle und jeden, immer und überall.“ Vor Gottes Angesicht werden hier keine Ausnahmen zum Schutze seiner Selbst gemacht. Zugleich ruft uns dieses Gebot dazu auf, das Leben absolut zu achten und uns in positiver Weise zu verhalten, um es zu erhalten und zu fördern und auf diesem Weg auf dem Weg der Liebe voranzuschreiten. (vgl. EV 54).
Was die Kirche zur Abtreibung sagt, hat Johannes Paul II. in kraftvollen Worten folgendermaßen zusammengefasst: „Mit der Petrus und seinen Nachfolgern von Christus verliehenen Autorität bestätige ich daher in Gemeinschaft mit den Bischöfen der katholischen Kirche, dass die direkte, das heißt als Ziel oder Mittel gewollte Abtreibung immer ein schweres sittliches Vergehen darstellt, nämlich die vorsätzliche Tötung eines unschuldigen Menschen. Diese Lehre, die auf jenem ungeschriebenen Gesetz begründet ist, das jeder Mensch im Lichte der Vernunft in seinem Herzen findet (vgl. Röm 2,14-15), ist von der Heiligen Schrift neu bestätigt, von der Tradition der Kirche überliefert und vom ordentlichen und allgemeinen Lehramt gelehrt.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik ungewollter Schwangerschaften und den gesellschaftlichen Konflikt zwischen kirchlichen und staatlichen Regulierungsansätzen ein.
2. Der Schwangerschaftsabbruch: Das Kapitel erläutert die biologische Entwicklung des Kindes und diskutiert medizinische sowie soziale Rechtfertigungsgründe sowie die Folgen des Eingriffs.
3. Der Vergleich vom staatlichen Abtreibungsrecht und dem katholischen Abtreibungsverbot: Hier erfolgt eine detaillierte Gegenüberstellung der staatlichen Gesetze, insbesondere des §218 StGB, und der kirchlichen Positionen basierend auf dem Codex Iuris Canonici und dem Katechismus.
4. Schlusswort: Die Autorin reflektiert die gegensätzlichen Ansätze von Staat und Kirche und betont die Schwierigkeit, eine für alle Seiten akzeptable Lösung im Konflikt um das Lebensrecht zu finden.
Schlüsselwörter
Schwangerschaftsabbruch, Abtreibungsrecht, §218 StGB, Katholische Kirche, Codex Iuris Canonici, Lebensrecht, Fötus, Indikation, Moraltheologie, Post-Abortion-Syndrome, Empfängnisverhütung, Schwangerschaftskonfliktberatung, Lebensschutz, Bioethik, Beseelung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Facharbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert den Konflikt zwischen dem staatlichen Abtreibungsrecht in Deutschland und dem generellen Abtreibungsverbot der katholischen Kirche.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Thematisiert werden die rechtliche Lage des Schwangerschaftsabbruchs, kirchliche Lehrmeinungen zum Lebensbeginn, medizinische Grundlagen sowie die psychischen Folgen für betroffene Frauen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist ein sachgerechter Vergleich der Argumente und ethischen sowie rechtlichen Positionen, um das Spannungsfeld zu verdeutlichen, in dem sich Frauen und Institutionen befinden.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Arbeit?
Die Arbeit basiert auf einer Literatur- und Quellenanalyse, die Gesetze, kirchliche Dokumente (wie den CIC) und fachwissenschaftliche sowie theologische Literatur gegenüberstellt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Darstellung des medizinisch-biologischen Status des Embryos, die historische Entwicklung und aktuelle Anwendung des §218 StGB sowie die kirchliche Argumentationskette zur Unantastbarkeit des Lebens.
Welche Begriffe charakterisieren diese Arbeit am besten?
Die zentralen Begriffe sind Schwangerschaftsabbruch, §218 StGB, kirchliches Lehramt, Lebensrecht des Ungeborenen und die staatliche Indikationsregelung.
Wie unterscheidet sich die kirchliche Sicht von der staatlichen Regelung bei einer Vergewaltigung?
Der Staat ermöglicht unter bestimmten Bedingungen eine straffreie Abtreibung, während die katholische Kirche jede direkte Abtreibung als Tötung unschuldigen Lebens ablehnt, unabhängig von den Umständen der Empfängnis.
Was besagt die kirchliche Lehre zur Abtreibung laut dem Codex Iuris Canonici?
Der CIC sieht für die vorsätzliche Durchführung einer Abtreibung die Tatstrafe der Exkommunikation vor, da das Leben bereits ab der Befruchtung als schutzwürdig gilt.
- Citar trabajo
- Martina Langen (Autor), 2006, Abtreibung - Der Vergleich vom staatlichen Abtreibungsrecht und dem katholischen Abtreibungsverbot, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/115069