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Biologismus in der Anthropologie des 19. Jahrhunderts

Título: Biologismus in der Anthropologie des 19. Jahrhunderts

Trabajo de Seminario , 2002 , 29 Páginas , Calificación: 1,00

Autor:in: Mag. Andrea Schikowitz (Autor)

Política - Filosofía política e historia de las ideas
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Mit der wissenschaftlichen Kritik von Biologismus kam ich das erste Mal im Rahmen des Wahlfaches „Einführung in die Sozialpsychologie“ in Berührung. Dadurch wurde mein Interesse an diesem Thema geweckt und als ich begann, darauf zu achten, entdeckte ich immer häufiger kaum verhohlene biologistische und deterministische Argumentationsweisen in den Medien und im Alltagsdiskurs. Besonders erschreckend erschien mir vor kurzem ein Beitrag in einem Boulevardmagazin im deutschen Privatfernsehen, in dem die Methoden der Physiognomik beschrieben und deren praktische Anwendung zur Beurteilung von Menschen angeregt wurden. Dass derartiges heute noch ernst genommen und so unreflektiert verbreitet wird, machte mich von neuem darauf aufmerksam, wie anfällig unsere Gesellschaft auch heute noch für so gefährliches „Gedankengut“ ist. In mehreren Seminaren über Wissenschaftssoziologie wurde auch über die Gefahren der Wissenschaft und ihrer unreflektierten Rezeption gesprochen. Wie gefährlich als Wissenschaft verpackte Vorurteile in Wechselwirkung mit der Politik sein können, zeigt sich an zahllosen Beispielen - von Militär-Technologie bis zu Gesellschaftspolitik. Biologismus in seinen verschiedenen Formen war und ist meiner Meinung nach dafür ein besonders plakatives Beispiel, weil er Wissenschaftlichkeit vorgaukelt, um bestimmte politische und soziale Maßnahmen zu legitimieren. 1.2. Fragestellung und Arbeitsplan In der vorliegenden Arbeit möchte ich versuchen, die (wissenschaftliche) Entwicklung biologistischer Erklärungsansätze in der Anthropologie des 19. Jahrhunderts nachzuvollziehen und damit die ideologischen Grundlagen dieser Denkweise aufzuzeigen. Dabei möchte ich besonders darauf eingehen, wie die Arbeiten biologistischer Wissenschaftler politisch als Waffen gegen Minderheiten verwendet wurden und so die Gefahren und die immanente Gewalt derartiger Ansätze offen legen. Durch die Bewusstwerdung der Argumentationsstrategien, der falschen Prämissen und verwandter Denkmuster soll die Sensibilität in Bezug auf biologische Determiniertheit geschärft werden und in einigen kurzen Beispielen auf aktuelle Fälle angewendet werden. Die konkrete Frage, die ich daher in der vorliegenden Arbeit stellen möchte lautet: Wie kann biologistisches Denken politisch als Waffe eingesetzt werden?

Extracto


Inhaltsverzeichnis

1. EINLEITUNG

1.1. Erkenntnisinteresse

1.2. Fragestellung und Arbeitsplan

2. Begriffsklärungen

2.1. Anthropologie

2.2. Physiognomik

2.3. Biologischer Determinismus

2.4. Biologismus

2.5. Vulgärdarwinismus oder Sozialdarwinismus

3. Biologismus in der Anthropologie des 19. Jahrhunderts

3.1. 18. Jahrhundert

3.1.1. Gesellschaftliche Voraussetzungen

3.1.2. Monogenismus und Polygenismus

3.2. 19. Jahrhundert – Vor Darwin

3.2.1. Louis Agassiz – Der Theoretiker des Polygenismus

3.2.2. Samuel George Morton – der Empiriker des Polygenismus

3.2.3. Die Haltung der Amerikanischen Schule zur Sklaverei

3.3. 19. Jahrhundert - Darwin und die Evolutionstheorie

3.3.1. Menschliches Verhalten zwischen Biologie und Gesellschaft

3.3.2. Mensch und Tier

3.4. 19. Jahrhundert - Nach Darwin

3.4.1. Francis Galton – der Apostel der Quantifizierung

3.4.2. Paul Broca und seine Schule - die Hochblüte der Schädelkunde

3.4.3. Die Rekapitulationstheorie

3.4.4. Die Neotenie

3.4.5. Cesare Lombroso - Die Kriminalanthropologie

4. „Weibliche Intelligenz“

4.1. Die Geschichte der „weiblichen Intelligenz“

4.2. Frauenhirne

5. Neuere biologistische Sichtweisen

5.1. „The Bell Curve“

5.2. XYY – Das Verbrecher-Chromosom

5.3. Biologismus in der Rhetorik der FPÖ

5.3.1. Zitate

6. Charakteristika des biologistischen Denkens

6.1. Ausgangsthesen

6.2. Argumentationsstrategien

6.2.1. Das Schließen von einer (angeblichen) Faktizität auf ein Sollen

6.2.2. Zirkelschlüsse

6.2.3. Die Vorwegnahme von Kritik

6.2.4. Zahlen und Fakten

6.2.5. Es wird in Abhängigkeit von einem Vorurteil mit zweierlei Maß gemessen

6.3. Ausgangsfehler

6.3.1. „Intelligenz“ und Varianz

6.3.2. Gehirngröße und Intelligenz

6.3.3. Die menschliche Natur

6.3.4. Verhaltenstheorie

6.3.5. Menschenrassen

6.4. Politische und soziale Schlussfolgerungen – die eigentliche Gefahr

7. Schlussbemerkungen

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die wissenschaftliche Entwicklung biologistischer Erklärungsansätze in der Anthropologie des 19. Jahrhunderts, um aufzuzeigen, wie diese Denkweise als ideologisches Instrument zur politischen Unterdrückung von Minderheiten genutzt wurde. Ziel ist es, die verborgenen Gewaltmechanismen und Argumentationsmuster biologistischer Theorien zu dekonstruieren und die Sensibilität gegenüber biologischem Determinismus in aktuellen gesellschaftspolitischen Debatten zu schärfen.

  • Entwicklung und Missbrauch biologistischer Theorien im 19. Jahrhundert
  • Analyse von Argumentationsstrategien wie dem naturalistischen Fehlschluss
  • Biologistische Legitimierung von Sklaverei, Kolonialismus und Rassismus
  • Darstellung der Rolle von Wissenschaftlern bei der Aufrechterhaltung gesellschaftlicher Hierarchien
  • Kritik an aktuellen Formen des Biologismus und Determinismus

Auszug aus dem Buch

3.2.2. Samuel George Morton – der Empiriker des Polygenismus

Morton, ein Patrizier aus Philadelphia mit doppeltem Arztexamen lieferte die „Fakten“, die der amerikanischen Schule der Polygenie weltweite Achtung eintrugen. Er begann seine Sammlung menschlicher Schädel in den zwanziger Jahren und verfügte bei seinem Tod im Jahre 1851 über mehr als tausend Schädel. Er wollte damit seine Hypothese überprüfen, dass eine hierarchische Ordnung der Rassen objektiv aufgrund der physischen Merkmale des Gehirns aufgestellt werden könne, besonders nach seiner Größe. Er interessierte sich dabei besonders für die amerikanischen Ureinwohner.

Morton war ein glühender Verfechter die Polygenie, nicht nur bei den Menschenrassen. So betrachtete er verschiedene Hunderassen als gesonderte Arten, weil er ihre unterschiedlichen Skelette bereits in ägyptischen Gräbern fand. Diese Gräber enthielten auch Schwarze und Kaukasier. Morton datierte die Strandung der Arche Noah am Berge Ararat auf 4179 Jahre vor seiner Zeit, und die ägyptischen Gräber auf gerade tausend Jahre danach – eindeutig nicht genug Zeit für Noahs Söhne, sich in Rassen auszudifferenzieren. Die menschlichen Rassen müssten daher von Anfang an getrennt gewesen sein.

Morton ging nun daran, eine Rangordnung mit „objektiver“ Begründung aufzustellen. Sein Ruf als Wissenschaftler fußte auf seiner Schädelsammlung und ihrer Rolle bei der Aufstellung einer Rassenhierarchie. Da die Hirnschale eines menschlichen Schädels ein getreues Abbild für das Maß des darunter liegendes Hirns abgibt, ging Morton daran, eine Rangfolge von Rassen nach der Durchschnittsgröße ihres Gehirns aufzustellen.

Morton ging davon aus, er habe einen angeborenen Intelligenzunterschied gemessen. Er zog nie eine andere Hypothese für die Unterschiedlichkeit des durchschnittlichen Schädelvolumens in Betracht, obwohl es zahlreiche Erklärungen für solche Messwerte gibt. Die einfachsten Faktoren, die sich unmittelbar auf das Schädelvolumen auswirken sind die Körpergröße und die Todesursache.

Zusammenfassung der Kapitel

1. EINLEITUNG: Die Autorin legt ihre Motivation dar, biologistische und deterministische Argumentationsmuster in Wissenschaft und Alltag zu hinterfragen, und formuliert die zentrale Forschungsfrage nach dem politischen Missbrauch biologistischen Denkens.

2. Begriffsklärungen: Dieses Kapitel definiert grundlegende Termini wie Anthropologie, Physiognomik, Biologischer Determinismus, Biologismus und Vulgärdarwinismus als theoretische Basis für die folgende Analyse.

3. Biologismus in der Anthropologie des 19. Jahrhunderts: Es wird die historische Genese biologistischer Rassentheorien vom 18. Jahrhundert bis zur Ära nach Darwin nachgezeichnet, wobei die Arbeiten von Agassiz, Morton, Broca, Haeckel und Lombroso kritisch beleuchtet werden.

4. „Weibliche Intelligenz“: Hier wird der Historie der Konstruktion einer minderwertigen weiblichen Intelligenz nachgegangen, wobei insbesondere die Rolle von Brocas Schädelmessungen und Gustave Le Bons Thesen analysiert wird.

5. Neuere biologistische Sichtweisen: Anhand moderner Beispiele wie „The Bell Curve“ und der XYY-Chromosom-Theorie wird aufgezeigt, dass biologistische Argumentationsmuster bis heute fortbestehen, auch in der Rhetorik rechtspopulistischer Akteure.

6. Charakteristika des biologistischen Denkens: Dieses Kapitel systematisierte die zugrunde liegenden Argumentationsstrategien und Fehlerquellen des Biologismus und erörtert deren politische Konsequenzen sowie die Gefahr der Naturalisierung sozialer Ungleichheit.

7. Schlussbemerkungen: Die Autorin fasst die Ergebnisse zusammen und warnt eindringlich davor, dass die Unkenntnis über die immanente Gewalt biologistischer Denkmuster diese im aktuellen Diskurs, etwa bei Gentechnik-Debatten, wieder salonfähig macht.

Schlüsselwörter

Biologismus, Biologischer Determinismus, Anthropologie, Sozialdarwinismus, Rassentheorie, Physiognomik, Schädelmessung, Evolutionstheorie, Eugenik, Konstruktion, politische Instrumentalisierung, Wissenschaftskritik, Geschlechterrollen, Intelligenzforschung, Diskursanalyse

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die historische Entstehung und den politischen Missbrauch biologistischer Theorien, die den Menschen auf seine biologische Konstitution reduzieren und damit soziale Ungleichheiten und Diskriminierung rechtfertigen.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Zu den zentralen Themen gehören die Geschichte der Anthropologie des 19. Jahrhunderts, die Konstruktion von Rassenhierarchien, die vermeintliche wissenschaftliche Untermauerung von Frauenfeindlichkeit und die kritische Analyse biologistischer Rhetorik in Politik und Gesellschaft.

Was ist die primäre Forschungsfrage der Arbeit?

Die zentrale Fragestellung lautet: Wie kann biologistisches Denken politisch als Waffe eingesetzt werden?

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin nutzt einen wissenschaftssoziologischen Ansatz, um biologistische Argumentationsstrategien zu dekonstruieren, historische Primärquellen zu prüfen und die ideologischen Grundlagen dieser Denkmuster offenzulegen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil befasst sich mit der Entwicklung biologistischer Ansätze von den Theorien des 18. Jahrhunderts über die Evolutionsbiologie nach Darwin bis hin zu modernen, pseudowissenschaftlichen Theorien und deren politischer Nutzung durch Akteure wie die FPÖ.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Schlüsselbegriffe sind Biologismus, Biologischer Determinismus, Rassentheorie, Sozialdarwinismus, Wissenschaftskritik und die politische Instrumentalisierung von Biologie.

Wie bewertet die Autorin die Rolle von Charles Darwin?

Die Autorin ordnet Darwin als Kind seiner Zeit ein, das zwar fortschrittliche Ansätze verfolgte, aber dennoch nicht frei von ethnozentristischen Vorurteilen war und dessen Theorien oft für „vulgärdarwinistische“ Zwecke fehlinterpretiert wurden.

Inwiefern beeinflusste die Schädelkunde die Stigmatisierung von Kriminellen?

Die Kriminalanthropologie von Cesare Lombroso nutzte physiognomische Merkmale, um Kriminelle als evolutionäre Rückfälle und „geborene Verbrecher“ zu stigmatisieren, was schwerwiegende Konsequenzen für die Justiz und den Strafvollzug hatte.

Welche Rolle spielt die „Rekapitulationstheorie“ bei der Rechtfertigung von Diskriminierung?

Die Theorie, dass sich die Ontogenese (Entwicklung des Einzelnen) wiederhole die Phylogenese (Stammesentwicklung), diente dazu, Frauen und als „Wilden“ bezeichnete Menschen als auf einer Entwicklungsstufe von Kindern stehend zu diffamieren und so den Kolonialismus und die männliche Dominanz zu legitimieren.

Warum warnt die Autorin vor der Rezeption biologischer Argumente in aktuellen Debatten?

Sie warnt, dass viele Menschen sich der biologistischen Basis aktueller Themen wie Gentechnik oder Klonen nicht bewusst sind und diese Theorien weiterhin ein flexibles Mittel darstellen, um soziale Probleme auf biologische Defekte zu schieben und so Verantwortung zu entziehen.

Final del extracto de 29 páginas  - subir

Detalles

Título
Biologismus in der Anthropologie des 19. Jahrhunderts
Universidad
University of Vienna  (Institut für Politikwissenschaft)
Curso
Gewalt in den internationalen Beziehungen
Calificación
1,00
Autor
Mag. Andrea Schikowitz (Autor)
Año de publicación
2002
Páginas
29
No. de catálogo
V115071
ISBN (Ebook)
9783640169153
Idioma
Alemán
Etiqueta
Biologismus Anthropologie Jahrhunderts Gewalt Beziehungen
Seguridad del producto
GRIN Publishing Ltd.
Citar trabajo
Mag. Andrea Schikowitz (Autor), 2002, Biologismus in der Anthropologie des 19. Jahrhunderts, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/115071
Leer eBook
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