Ungleichheit und Diskriminierung. Auswirkungen auf einen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Fortschritt


Hausarbeit, 2021

19 Seiten, Note: 2,7

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffsdefinition: Arten von Gleichheit und Ungleichheit
2.1 Verteilungsgleichheit und Chancengleichheit
2.2 Soziale Gesellschaftsschicht
2.3 Sozialer Lebensumfeld und Lebensstil
2.4 Geschlechtsspezifische Ungleichheit

3. Ungleichheiten in Deutschland
3.1 Chancen- und Verteilungsungleichheit
3.2 Soziale Gesellschaftsschicht und dessen Auswirkung auf die Bildung
3.3 Herkunftsbezogene Ungleichheit
3.4 Geschlechtsspezifische Ungleichheit
3.5 Ungleichheit: Demokratie, Gesellschaft und die wirtschaftliche Entwicklung
3.6 Die Einkommensungleichheit während der Corona-Pandemie

4. Schriftliche Befragung und Auswertung

5. Fazit

I Literaturverzeichnis

II Tabellenverzeichnis

III Anhangsverzeichnis

1. Einleitung

Jedes Individuum sollte in der Lage sein, sein eigenes Leben selbst zu bestimmen. Alle Menschen sollten ermutigt werden, am gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Leben teilzunehmen. Dies dient zur Stärkung des gesellschaftlichen und sozialen Zusammenhalts und hat eine positive Auswirkung auf die wirtschaftliche Weiterentwicklung. Die enorme soziale, wirtschaftliche sowie politische Ungleichheit innerhalb der Länder – und zwischen verschiedener Länder – ist eines der Schwierigkeiten dieser Zeit. Obwohl die Ungleichheit innerhalb der Länder auf der ganzen Welt aufgrund des Wachstums vieler asiatischer Länder abgenommen hat, sind die Unterschiede immer noch groß. In den meisten Ländern hat die innerstaatliche Ungleichheit sogar zugenommen. Große Ungleichheiten bedroht den sozialen Zusammenhalt, verursacht soziale Spannungen sowie Einwanderung und gefährdet somit die wirtschaftliche Entwicklung. Der Abbau übermäßiger Ungleichheiten und Diskriminierungen kann den sozialen Zusammenhalt der Gesellschaft stärken, die Umsetzungsbereitschaft stimulieren, die Innovationsfähigkeit verbessern und nachhaltiges Wirtschaftswachstum fördern. Die Ungleichheit und dessen Formen sind so vielfältig wie die Ursachen selbst. Ungleichheit widerspiegelt sich in der Vermögens- und Einkommensverteilung und in der Bildungs- sowie Gesundheitsversorgung, der Lebenserwartung, aber auch in der politischen Teilhabe. Ungleichheit ist kein Einzelphänomen in Entwicklungsländern. In der Eurozone und in anderen wohlhabenden Regionen sind die reichsten 10 % der Bevölkerung in Besitz von etwa 50 % des gesamten Vermögens. Außerdem zeigen viele Fakten und Studien rund um die Welt, dass das weibliche Geschlecht viel stärker von Ungleichheit betroffen ist als Männer (vgl. Die Bundesregierung 2019)

Um die Thematik „Ungleichheit und Diskriminierung: Auswirkungen auf einen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Fortschritt“ verständlicher zu machen, wird zunächst der Begriff Ungleichheit und dessen verschiedenen Formen definiert. Anschließend wird der Ist-Zustand der gesetzlichen, wirtschaftlichen und sozialen Ungleichheit und/oder Diskriminierung in Deutschland beschrieben. In Kapitel 3 werden die Aspekte: Chancen- und Verteilungsungleichheit, die soziale Gesellschaftsschicht und dessen Auswirkung auf die Bildung, die herkunftsbezogene Ungleichheit, die geschlechtsspezifische Ungleichheit und die Ungleichheit im Bereich Demokratie, Gesellschaft und Wirtschaft näher erläutert. Anschließend werden die Erkenntnisse mithilfe einer schriftlichen Befragung untermalt und schlussendlich im Fazit zusammengefasst.

2. Begriffsdefinition: Arten von Gleichheit und Ungleichheit

Neben der gesellschaftlichen gibt es viele andere Arten von Ungleichheit zwischen Menschen, die in der Gesellschaft entstanden und relativ stabil sind. Persönliche, unmittelbare und natürliche Vor- oder Nachteile werden nicht als soziale Ungleichheit betrachtet. Sie rühren beispielsweise von (dysfunktionalen) Persönlichkeitsmerkmalen und Lotteriegewinnen her. In Wirklichkeit gibt es einerseits natürliche, unmittelbare und persönliche Vor- und Nachteile und andererseits soziale Ungleichheit, die oft miteinander verwoben sind (vgl. Hradil 2012b).

2.1 Verteilungsgleichheit und Chancengleichheit

„Verteilungsungleichheit“ bezeichnet die ungleiche Verteilung wertvoller Ressourcen (wie Einkommen) oder (un-)günstige Lebensbedingungen unter der gesamten Bevölkerung. „Chancenungleichheit“ beschreibt die ungleichen Chancen für bestimmte Bevölkerungsgruppen (wie Frauen oder Zuwanderer), in dieser Verteilung einen Vor- oder Nachteil (zum Beispiel höheres Einkommen) zu erlangen. Chancenungleichheit und Verteilungsungleichheit ändern sich oft unabhängig voneinander. Beispielsweise ist die Einkommensverteilung in Deutschland zuletzt ungleicher geworden. Auf der anderen Seite sind die Einkommenschancen von Frauen denen der Männer gleich geworden. Chancenungleichheit, wie geringe Bildungschancen für Migrantenkinder oder schlechte Berufsaussichten für Frauen, ist in vielen Fällen mindestens ebenso eine gesellschaftspolitische Explosion wie Verteilungsungleichheit (wie erhöhte Armut und Wohlstand).

Chancenungleichheit besteht insbesondere zwischen Berufs- und Bildungsgruppen, Familien mit Kindern und kinderlosen Familien, Bewohnern verschiedener Regionen, Geschlecht, Altersgruppe und ethnischer Gruppe. Darin sind auch die wichtigsten Determinanten sozialer Ungleichheit aufgeführt. Einige davon werden persönlich erworben, andere werden der Gesellschaft zugeschrieben: Bildungsstand, Beruf, Familie und Lebensstil sind nicht frei wählbar. Das Alter, die Geschlechtszugehörigkeit, die soziale Herkunft oder die Rasse einer Person kann normalerweise nicht geändert werden. Die darauf basierende Chancenungleichheit (wie die Benachteiligung vom weiblichen Geschlecht) gilt in der modernen Gesellschaft als illegal und wird scharf kritisiert (vgl. Hradil 2012b).

2.2 Soziale Gesellschaftsschicht

Die soziale Klasse besteht aus Menschen mit ähnlichem Status in einem oder mehreren Aspekten der sozialen Ungleichheit. Sie können beispielsweise zwischen Bildungsgruppen und Einkommensgruppen unterscheiden. Um die Stellung einer Person in der allgemeinen sozialen Schicht zu bestimmen, werden in der Regel Bildung, berufliche Stellung und Einkommen kombiniert. Als Kernstruktur sozialer Ungleichheit in der modernen Gesellschaft gelten der obere und untere Teil der beruflichen Positionen, die erforderlichen Qualifikationen und das daraus resultierende Einkommen. Klassenzugehörigkeit hat viele Konsequenzen und einige Vor- und Nachteile: Menschen in der Oberschicht neigen dazu, optimistischer zu denken und zu handeln, mehr auf Ergebnisse zu achten, mehr zu planen, in die Zukunft zu blicken und selbstbewusster zu sein. Die Oberschicht ist spärlicher, lebt länger, hat eine geringere Kriminalitätsrate und hat ein breiteres Beziehungsnetz und die Kinder haben mehr Bildungsmöglichkeiten. Die Mentalität und das Verhalten von Menschen innerhalb einer Schicht sind jedoch sehr unterschiedlich (manchmal in verschiedenen Klassen ähnlich). Soziale Bedingungen und die Bedingungen von Lebensstilgruppen helfen, diese Unterschiede zu verstehen (vgl. Hradil 2012b).

2.3 Sozialer Lebensumfeld und Lebensstil

Unter dem sozialen Umfeld wird eine Gruppe von Gleichgesinnten mit ähnlichen Grundwerten und Einstellungen verstanden (z.B. ein freies geistiges Umfeld). Diejenigen, die zur Umwelt gehören, sehen und interpretieren ihre reale Umwelt und ihre Menschenwelt ähnlich und stärken sich darin. Hierbei stellt sich die Frage, wie solche soziale Umwelten entstehen. Einerseits werden sie durch die soziale Gesellschaftsschicht gebildet: ähnliche soziale Herkunft und ähnliche Sozialisation, Beruf und soziale Erfahrung. Jedoch auch kulturelle Faktoren (zum Beispiel die Geschichte, Region, Religion etc.) tragen zur Gestaltung des sozialen Umfelds innerhalb der sozialen Klasse bei. Der Begriff der sozialen Umwelt spielt in der praktischen Forschung der Sozialwissenschaften eine wichtige Rolle. Wie Kinder aufwachsen, wie Menschen leben, ihre Freizeit verbringen oder konsumieren, hängt in hohem Maße vom sozialen Umfeld ab. Der Lebensstil wird von vielen Faktoren beeinflusst: Alter, Geschlecht, Familie und Lebensform, Bildungsstand, soziale Schicht, aber auch persönliche Entscheidungen und äußere Einflüsse beeinflussen den Lebensstil. Der Lebensstil ist nicht so in der Psychologie verwurzelt wie die Zugehörigkeit eines sozialen Milieus, daher ist es einfacher, ihn zu ändern (vgl. Hradil 2012b).

2.4 Geschlechtsspezifische Ungleichheit

Neben spezifischen Klassenunterschieden ist geschlechtsspezifische Ungleichheit eines der wichtigsten Merkmale der modernen Gesellschaft. Obwohl die benachteiligte Stellung von Frauen im Bildungssystem verschwunden ist, besteht sie in einer schwächeren Form immer noch im Bereich der Politik, Beruf sowie Familie. In der Industriegesellschaft hat sich somit eine spezielle geschlechtsspezifische Arbeitsteilung im Bereich der Arbeit, des öffentlichen Lebens und des privaten Lebens herausgebildet. Ausgehend vom Sozialisationsprozess eines bestimmten Geschlechts weisen Männer und Frauen sehr typische Differenzierung in sozialen Funktionsbedürfnissen und sozialen Lebensbedingungen auf. Die Analyse der Sozialstruktur zeigt, dass die soziale Ungleichheit zwischen den beiden Geschlechtern nicht auf physiologische Unterschiede, sondern auf soziale Gründe zurückzuführen ist (vgl. Geißler 2014). Um die oben genannten Punkte näher zu erläutern, wird im nächsten Abschnitt der Ist-Zustand der sozialen Ungleichheit in Deutschland beschrieben. Dabei werden die Chancen- und Verteilungsungleichheiten, die sozialen Gesellschaftsschichten und die Auswirkungen auf die Bildung, die herkunftsbezogenen Ungleichheiten und die geschlechtsspezifischen Ungleichheiten in den Vordergrund gerückt.

3. Ungleichheiten in Deutschland

Die deutsche Wirtschaft ist in den letzten Jahren stetig gewachsen, aber nicht alle haben davon profitiert. Denn zeitgleich nimmt die Ungleichheit stetig zu und erreicht ein Allzeithoch. Das Problem ist, dass die Ränder immer weiter auseinanderdriften. Die Armen werden ärmer und die Reichen immer reicher (vgl. Hans Böckler Stiftung 2021). Der aktuelle Gini-Koeffizient liegt bei ca. 0,295, ein deutlicher Anstieg von fast 20 % seit Ende der 90er Jahren. Auch die Armutslücke wird immer größer: Zwischen 2011 und 2016 stieg er um mehr als 700 Euro, das sind fast 30 %. Als Arm gilt man in Deutschland, wenn ein Individuum weniger als 60 Prozent des Durchschnittseinkommens verfügt. Trotz günstiger konjunktureller Rahmenbedingungen stieg dieser Anteil in Deutschland auf ca. 16,7 %. Daraus lässt sich schlussfolgern, dass ein Wirtschaftswachstum nicht die Lösung ist, um Ungleichheiten und Armut zu beseitigen. Die wachsenden sozialen und wirtschaftlichen Ungleichheiten in der Gesellschaft bergen die Gefahr sozialer Spannungen und Spaltungen (vgl. Hans Böckler Stiftung 2021). Die Frage, wie ungleich Deutschland wirklich ist, wird im folgenden Kapitel näher erläutert.

3.1 Chancen- und Verteilungsungleichheit

In den letzten Jahren hat sich die Ungleichheit Deutschlands verschärft: Die reichsten 10 % verfügen mittlerweile über zwei Drittel des Nettovermögens, während die ärmste Hälfte fast nichts besitzt. In Bezug auf Reichtum und Vermögen weist kein anderes Land der Eurozone eine größere Vermögensungleichheit auf. Besonders ältere sowie junge Menschen sind anfällig für Armut. Die Schere zwischen niedrigem und hohem Einkommen wird größer. Ein besonders tödlicher Aspekt ist die fehlende Chancengleichheit und die daraufhin resultierende niedrige soziale Mobilität. Die soziale Herkunft hat kaum einem anderen OECD-Land einen solch starken Einfluss auf die Aufstiegschancen wie in Deutschland. Etwa 70 % Kinder aus Akademiker-Haushalten besuchen eine Universität oder Hochschule, im Gegensatz dazu studieren nur 20 % der Kinder aus Nicht-Akademiker-Haushalten. Die soziale Ungleichheit stellt ein enormes Problem dar, das aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachtet werden muss, wobei zwei Aspekte enorm relevant sind: Die Chancengleichheit im deutschen Bildungssystem und der Widerstand gegen die Diskriminierung sowie Benachteiligung in der Berufswelt (vgl. Steffen 2016). Um dieses Thema näher zu durchleuchten wird das derzeitige Schulsystem in Deutschland beschrieben, welches noch nicht vollständig auf das Homeschooling vorbereitet. Eine Reihe von Studien und Interviews mit Eltern und Lehrern haben gezeigt, wie notwendig es ist, Lehrer, Schüler, Eltern und Schulen, insbesondere Kinder ohne elterliche Unterstützung, während der Corona-Pandemie besser zu entlasten. Eine Untersuchung der IW zeigt, dass Homeschooling das Potenzial hat, den Grad der sozialen Ungleichheit im deutschen Bildungssystem zu verschärfen: Das Institut wertete Daten aus, um zu prüfen, wie die Bedingungen für Distanzunterricht in den deutschen Familien sind. Im Durchschnitt haben viele Familien die Möglichkeit, von zu Hause aus unterrichtet zu werden, aber nicht alle. Ein wichtiger Grund hierfür ist die desolate Ausstattung. Obwohl fast 86 % der 12-jährigen Kinder ein Zimmer haben, in dem sie ruhig lernen können, haben nur zwei Drittel der Kinder mit Migrationshintergrund ein eigenes Zimmer; gleiches gilt für Hartz-IV-Familien: nur fast 70 % der 12-jährigen Kinder in Hartz-IV-Familien haben einen eigenen Schreibtisch. Kinder sind zudem auch unterschiedlich gut mit Lernmaterial versorgt. Es ist erwähnenswert, dass es zwischen reichen und armen Familien Unterschiede in der Ausstattung gibt, aber einige scheinen die Bedeutung der Schule für das Leben ihrer Kinder nicht zu verstehen: 9 von 10 Schülern geben an, dass sie oft mit ihren Eltern lernen und zum Lernen motiviert werden. Dieser Anteil bei Jugendlichen aus Migrantenfamilien oder Hartz-IV-Familien lag noch höher. Dies steht auch im Einklang mit den Ergebnissen von Bildungsbefragungen: Insbesondere Zuwanderer haben eine besonders hohe Bildungsmotivation, wobei das Problem meist nicht am fehlenden Willen im Elternhaus, sondern an fehlenden Chancen liegt. Nichtsdestotrotz ist die zentrale Frage des digitalen Fernunterrichts zu Hause, ob alle Studierenden über einen Computer verfügen. Eine Studie des IW ergab, dass knapp 15 % der 12-Jährigen und fast 30 % der 14-Jährigen in Hartz-IV-Familien über eigene Computer verfügen, die auch in der Schule genutzt werden können: bei allen 12-Jährigen liegt dieser Anteil bei etwas weniger als 30 % und bei allen 14-jährigen Kinder liegt der Anteil bei circa 40 %. Wer in ärmeren Verhältnissen aufwächst, hat meist keinen eigenen Computer. Hausaufgaben online machen, Fragen im Online-Chat beantworten, die ganze Klasse per Videokonferenz zum virtuellen Unterricht anrufen – wenn diese Technologie nicht zu Hause vor findbar ist, riskiert, den Kontakt komplett zu verlieren, dann funktionieren diese Homeschooling-Optionen nicht. Eine Lehrerbefragung der Robert Bosch Stiftung zeigt, dass fast 40 % der Lehrer mit nur fast 50 % ihrer eigenen Schüler in regelmäßigen Abständen, Kontakt haben. Ein weiterer Grund für das Verstärken der Chancen- und Verteilungsungleichheit ist der Mangel an Konzepten in den meisten deutschen Schulen. Über 60 % der deutschen Schulen bemängeln, dass es vor der Schließung der Schule aufgrund der Corona-Krise kein umfassendes Konzept zur Bereitstellung von Lernangeboten für Schülerinnen und Schüler gab. Die oben genannten Gründe sorgen dazu, dass nicht alle Schüler*innen aufgrund ihrer häuslichen Bedingungen über die Online-Lehr-Lern-Form erreicht werden können. Sie können somit die aktuellen schulischen Anforderungen nicht oder kaum erfüllen. Die meisten dieser Schüler kommen aus einem benachteiligten sozioökonomischen Umfeld und werden unter den gegenwärtigen Umständen wahrscheinlich zu Bildungsverlierern (vgl. news4teacher 2020). Schulen mit einem sehr hohen Anteil an Schüler*innen aus benachteiligten Verhältnissen müssen sich vor einer großen Herausforderung stellen. Eine daraus resultierende „Verschärfung von Chancenungleichheit muss beunruhigen, weil sie auch die soziale Spaltung verschärft und die demokratische Entwicklung der Gesellschaft gefährdet.“ (news4teacher 2020). Neben der Verteilungs- und Chancenungleichheit spielt die soziale Gesellschaftsschicht eine wichtige Rolle und wirkt sich stark auf die Bildung aus.

3.2 Soziale Gesellschaftsschicht und dessen Auswirkung auf die Bildung

Bildungszertifikate sollen Menschen auf legitimerweise auf die entsprechenden oberen und unteren sozialen Ebenen führen. Dies setzt voraus, dass die Organisation in Bezug auf Ergebnisse und Chancen fair handelt. Daher spielen soziale Herkunft, Geschlechtszugehörigkeit, die Ethnie und andere Merkmale einer Gruppe keine Rolle beim Bildungserfolg. „Misst man Chancengerechtigkeit als "proportionale Chancengleichheit" – sie ist erreicht, wenn die Kinder aller relevanten sozialen Gruppierungen auf allen Stufen des Bildungssystems die gleichen Anteile wie in der Gesamtbevölkerung erreichen -, so wird deutlich, dass Deutschland besonders weit davon entfernt ist, Chancengerechtigkeit im Bildungswesen zu erreichen.“ (Hradil 2012a). Mit dem Ausbau des Hochschulwesens seit den 1960er Jahren sind die absoluten Bildungschancen von Kindern aus allen Lebensbereichen gestiegen. Im Bereich der geschlechtsspezifischen Bildungschancen lässt sich deutlich sagen, dass Frauen zu den Siegern des Bildungswachstums gehören. Sie übertrafen die Männer in der Allgemeinbildung auf allen Ebenen und holten die Männer in den Universitäten zumindest ein. Bezüglich der Schicht-bezogenen Bildungschancen lässt sich sagen, dass in den letzten 50 Jahren die relativen Bildungschancen der Kinder aus den unteren Sozialschichten nur geringfügig anstieg. Kinder aus höheren sozialen Schichten besuchen häufiger das Gymnasium sowie Universitäten. In den meisten Fällen gelingt das den Kindern aus unteren sozialen Schichten nicht. Somit sind Kinder aus den oberen Gesellschaftsschichten in den meisten Ländern oft erfolgreicher. Neben den geschlechtsspezifischen und schichtspezifischen Bedingungen spielt sich die ethnische Herkunft eine große Rolle. Hierbei wird deutlich, dass Migrantenkinder immer öfter einen höheren Hochschulabschluss erreichen, aber holen jedoch kaum den Vorsprung der einheimischen Kinder ein (vgl. Hradil 2012a). „Kinder aus sozial schwachen Familien starten daher häufig mit einem großen Rückstand in ihre Bildungskarriere. Durch das Bildungssystem werden diese Effekte nicht verkleinert, sondern eher noch verstärkt. Defizite, z. B. im Lesevermögen, die aufgeholt werden müssten, sorgen für eine zunehmende Ungleichheit.“ (Steffen 2016). Eltern mit einem höheren sozioökonomischen Status können ihre Kinder aufgrund ihres eigenen akademischen Hintergrunds nicht nur bei den Hausaufgaben besser unterstützen, sondern auch Aktivitäten außerhalb der Schule finanzieren. Eltern mit geringem Einkommen geben weniger als 30 Euro im Monat für die Ausbildung ihrer Kinder aus, während Eltern mit hohem Einkommen bis zu 200 Euro im Monat für die Ausbildung ihrer Kinder ausgeben (vgl. Steffen 2016). Auch bei der Berufsausbildung sind die Bildungsfortschritte von Kindern mit Migrationshintergrund besonders gering. Die Ausbildungs- und Bildungsergebnisse vieler männlicher Absolventen aus dem türkischen und italienischen Raum ist besonders mangelhaft. „Sieht man von den Frauen ab, so zeigen sich in letzter Zeit nur geringe Fortschritte, teils sogar Rückschritte im Bemühen, die Bildungschancen von Kindern aus bildungsfernen Gruppierungen zu verbessern. Für die Betroffenen und für die Gesellschaft insgesamt wird dies zu einem immer gravierenderen Problem.“ (Hradil 2012a). Die Abhängigkeit zwischen Bildung und den Chancen auf Gesundheit, Lebenserwartung, Integration und Durchsetzung besteht seit schon sehr langer Zeit. Die Chance auf einen Arbeitsplatz, aber auch das Risiko arbeitslos zu werden hängt zunehmend von den vorhandenen Qualifikationen ab. Wenn die Kinder aus bildungsfernen Haushalten und deren Chancen auf Bildung nicht optimiert wird, „so drohen wachsende Aufstiegsblockaden und die soziale Vererbung des elterlichen Status. Unzufriedenheit und die Empfindung, in einer ungerechten Welt zu leben, sind die Folge.“ (Hradil 2012a). Der technologische Wandel und die wirtschaftliche Globalisierung führt in der Gesellschaft dazu, dass der Bedarf an Kompetenzen, Qualifikationen und Fähigkeiten weiterwächst (vgl. Hradil 2012a).

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Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Ungleichheit und Diskriminierung. Auswirkungen auf einen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Fortschritt
Hochschule
Internationale Fachhochschule Bad Honnef - Bonn  (IU International University of Applied Sciences)
Note
2,7
Jahr
2021
Seiten
19
Katalognummer
V1150770
ISBN (eBook)
9783346535863
ISBN (Buch)
9783346535870
Sprache
Deutsch
Schlagworte
ungleichheit, diskriminierung, auswirkungen, fortschritt
Arbeit zitieren
Anonym, 2021, Ungleichheit und Diskriminierung. Auswirkungen auf einen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Fortschritt, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1150770

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