Im Rahmen des Seminars „Theoretische und praktische Probleme des Übersetzens und Dolmetschens“ unter der Leitung von Frau Prof. Dr. Heidemarie Salevsky sollen Übersetzungsfehler und -probleme aufgedeckt und erörtert sowie Translationstheorien näher beäugt und kritisch ausgewertet werden. In diesem Sinne sollen in dieser Seminararbeit die von NORD (1997, S. 65-67) spezifizierten Übersetzungsprobleme (pragmatische, kulturelle, linguistische) auf das von Tony Hawks verfasste Buch „Round Ireland With a Fridge“ und dessen Übersetzung „Mit dem Kühlschrank durch Irland“ von Xaver Engelhard angewandt und anschließend die Übersetzung analysiert und kritisch bewertet werden. Dazu soll das funktionale Translationsmodell zur Entscheidungsfindung bei Übersetzungsproblemen dienen und eventuelle Übersetzungsfehler, Informationsverluste etc. aufdecken.
2 Materialgrundlage
Als Materialgrundlage dieser Seminararbeit wurde das von Tony Hawks verfasste Buch „Round Ireland With a Fridge“ und dessen Übersetzung „Mit dem Kühlschrank durch Irland“ von Xaver Engelhard gewählt. Der theoretische Teil stützt sich vermehrt auf NORDS funktionales Übersetzungsmodell, wie in ihrem Buch „Translating as a Purposeful Activity“ beschrieben.
3 Methodologisches Vorgehen Für diese Seminararbeit wurden zunächst Original und Übersetzung gründlich durchgelesen und anschließend Original und Übersetzung verglichen, um so Textmodifikationen, auffällige Unterschiede, Übersetzungsfehler sowie -probleme zu notieren und anschließend einer genaueren Analyse unterwerfen zu können. Hierdurch sollen abweichende Erscheinungen bezüglich sprachenpaarspezifischer Übersetzungsprobleme, Fehlübersetzungen und auch strategiebedingter Modifikationen festgestellt werden. Bei der Klassifizierung des Materials wurden die von NORD (1997, S. 65-67) spezifizierten Problemkreise herangezogen. Aus diesem Grund werden in dieser Untersuchung zunächst pragmatische, danach kulturelle und anschließend linguistische Übersetzungsprobleme des Buches „Round Ireland with a Fridge“ beschrieben, die anhand des Ausgangs- und Zieltextes näher beleuchtet und kritisch in Augenschein genommen werden sollen. Übersetzungsvorschläge, die sich an funktionalen Entscheidungskriterien orientieren, werden gleichermaßen unterbreitet.
Inhaltsverzeichnis
1 Ziel und Aufgabenstellung der Seminararbeit
2 Materialgrundlage
3 Methodologisches Vorgehen
4 Theoretische Ausgangsposition
5 Pragmatische Übersetzungsprobleme
5.1 Instrumentelles Übersetzen
5.2 Adressatenorientiertes Übersetzen
6 Kulturelle Übersetzungsprobleme
6.1 Sprachvarietäten
6.2 Cockney Rhyming Slang
7 Lingustistische Übersetzungsprobleme
7.1 Intonation und Wirkung
7.2 Falsche Freunde
8 Zusammenfassung der Ergebnisse
Zielsetzung & Themen der Seminararbeit
Diese Arbeit untersucht die Anwendbarkeit funktionaler Translationstheorien auf die literarische Übersetzung am Beispiel des Werkes „Round Ireland with a Fridge“ von Tony Hawks. Das primäre Ziel besteht darin, pragmatische, kulturelle und linguistische Übersetzungsprobleme der deutschen Übersetzung durch Xaver Engelhard zu identifizieren, kritisch zu analysieren und auf Basis funktionaler Entscheidungskriterien Verbesserungsvorschläge zu unterbreiten.
- Analyse funktionaler Übersetzungsstrategien im literarischen Kontext
- Klassifizierung von Übersetzungsproblemen nach dem Modell von Christiane Nord
- Umgang mit Dialekten, Slang und soziolinguistischen Besonderheiten
- Evaluation von Äquivalenz, Informationsverlust und künstlerischer Wirkung
- Entscheidungsfindung bei der Übersetzung von idiomatischen Wendungen und Wortspielen
Auszug aus dem Buch
Instrumentelles Übersetzen
Ein Beispiel einer dokumentarischen Übersetzungsstrategie – also im klassischen Sinne die ausgangstextorientierte Übersetzungsstrategie – bietet sich der Lesergemeinde in folgendem Satz.
„To cheer myself up I started to scan the map for places with silly names. I noticed a Nobber and another place Muff.“ (HAWKS 1998, S. 18)
„Um mich aufzuheitern, suchte ich die Karte mit Orten nach dämlichen Namen ab. Ich entdeckte Nobber und einen Ort namens Muff.“ (HAWKS 2000, S. 35)
Der Brite kann sich in diesem Fall glücklich schätzen, der englischen Sprache mächtig zu sein, ist ihm doch sofort bewusst, dass es sich bei „Nobber“ um ein Innuendo handelt – nämlich „knob“ (vulgär für das männliche Glied); auch „muff“, als Vulgärausdruck für „Vagina“, dient hier diesem Zweck. Der deutsche Leser hingegen wird allenfalls noch mit „Muff(e)“ etwas anfangen können – die Bezeichnung „Nobber“ dürfte ihn nicht zum schmunzeln anregen. Allerdings scheint es so, als hätte HAWKS den Leser zum Lachen anregen wollen – eine referentielle bzw. informative Funktion sehe ich nicht –, es also nicht seine Intention war, seiner Leserschaft Bericht zu erstatten, welche Ortsnamen, sondern welche unsinnigen Ortsnamen er auf der Karte ausmachte. So könnte eine instrumentelle Übersetzung folgendermaßen lauten:
„Um mich aufzuheitern, suchte ich die Karte mit Orten nach dämlichen Namen ab. Ich entdeckte Llanfairpwllgwyngyllgogerychwyrndrobwllllantysiliogogogoch und einen Ort namens Muff(e).“
Den walisischen Ort „Llanfairpwllgwyngyllgogerychwyrndrobwllllantysiliogogogoch“ gibt es in der Tat und dürfte für die deutsche Leserschaft weitaus unsinniger und lustiger erscheinen als der Ort „Nobber“. Das einzige Problem, welches der Übersetzer dann noch zu lösen hätte, wäre, die vorherigen und nachfolgenden Sätze anzupassen, da auf einer Irlandkarte gemeinhin keine walisischen Orte zu finden sind.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Ziel und Aufgabenstellung der Seminararbeit: Einführung in die Thematik der Translationstheorie im Kontext der Analyse von Übersetzungsfehlern bei Tony Hawks.
2 Materialgrundlage: Vorstellung der Primärliteratur sowie des theoretischen Bezugsrahmens nach Christiane Nord.
3 Methodologisches Vorgehen: Beschreibung des Vergleichs von Ausgangs- und Zieltext zur Identifikation von Modifikationen und Problemen.
4 Theoretische Ausgangsposition: Diskussion der Rolle des funktionalen Ansatzes in der literarischen Übersetzung gegenüber klassischen äquivalenzorientierten Strategien.
5 Pragmatische Übersetzungsprobleme: Untersuchung der Herausforderungen bei instrumentellen und adressatenorientierten Übersetzungsentscheidungen.
6 Kulturelle Übersetzungsprobleme: Analyse der Schwierigkeiten bei der Übertragung von Dialekten und spezifischen kulturellen Slang-Ausdrücken.
7 Lingustistische Übersetzungsprobleme: Behandlung der korrekten Wiedergabe von Intention, Betonung und die Vermeidung von „Falschen Freunden“.
8 Zusammenfassung der Ergebnisse: Fazit zur Relevanz funktionaler Ansätze für Literaturübersetzer zur Rechtfertigung ihrer Entscheidungen.
Schlüsselwörter
Funktionales Übersetzen, Literarische Übersetzung, Translationstheorie, Christiane Nord, Pragmatische Übersetzungsprobleme, Kulturelle Übersetzungsprobleme, Linguistische Übersetzungsprobleme, Sprachvarietäten, Cockney Rhyming Slang, Instrumentelles Übersetzen, Adressatenorientierung, Äquivalenz, Informationsverlust, Tony Hawks, Interjektionen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie funktionale Translationstheorien bei der Übersetzung von literarischen Werken helfen können, um spezifische Übersetzungsprobleme systematisch zu lösen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die pragmatischen, kulturellen und linguistischen Herausforderungen, die bei der Übersetzung von Tony Hawks’ humoristischem Reisebericht entstehen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Arbeit fragt, ob ein funktionales Modell den Übersetzer bei literarischen Texten unterstützen kann, um bewusste Entscheidungen zu treffen und Informationsverluste gegenüber der Leserschaft zu minimieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Methode umfasst den gründlichen Vergleich von Original- und Zieltext, die Kategorisierung von Übersetzungsproblemen gemäß dem Modell von Christiane Nord sowie die kritische Evaluation und Erstellung neuer Übersetzungsvorschläge.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse pragmatischer Probleme (z.B. Ortsnamen), kultureller Aspekte (z.B. Dialekt und Cockney Slang) sowie linguistischer Feinheiten wie Intonation und der Umgang mit sogenannten „Falschen Freunden“.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen das funktionale Übersetzen, die literarische Kommunikation, translationstheoretische Problemkreise sowie die Konzepte von Äquivalenz und Zieltextorientierung.
Warum wird im Buch „Round Ireland with a Fridge“ die Funktion des Dialekts hervorgehoben?
Der Autor nutzt Dialekte und Slang, um Charaktere sozial einzuordnen und den Unterhaltungswert zu steigern; eine Übersetzung muss entscheiden, ob diese Funktion erhalten bleibt oder zugunsten der Verständlichkeit aufgegeben wird.
Wie geht die Autorin mit dem Cockney Rhyming Slang um?
Sie kritisiert, dass der Übersetzer diese sprachlichen Besonderheiten teilweise ignoriert oder glättet, und schlägt vor, den Unterhaltungswert durch adäquate deutsche Äquivalente oder sprachliche Anpassungen beizubehalten.
- Citation du texte
- Thomas Schwenke (Auteur), 2006, Funktionales Übersetzen im Bereich der literarischen Kommunikation am Beispiel des nicht fiktionalen Werkes "Round Ireland with a Fridge" von Tony Hawks, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/115097