„Alle Naturanlagen eines Geschöpfes sind bestimmt, sich einmal vollständig und zweckmäßig auszuwickeln“ . Dieses Zitat von Kant spiegelt die Problematik der vorliegenden Arbeit wieder. In einer globalisierten Welt, die von ungemein schnellen Veränderungen beherrscht wird, werden die Weichen für die Zukunft von Staaten und Kontinenten, und somit auch für die darin lebenden Menschen neu gestellt. Existierten im Kalten Krieg lediglich die zwei Großmächte Russland und die Vereinigten Staaten, kommen jetzt neue wie China hinzu. Gerade dieses Land zieht momentan alle Blicke auf sich und zeigt gleichzeitig die Schwierigkeiten eines Landes, das sich einerseits wirtschaftlich stark entwickelt, jedoch die Menschenrechte und umweltpolitische Gesichtspunkte außer Acht lässt. Das Land befindet sich als Schwellenland zwischen den beiden Polen des so genannten Entwicklungslandes und Industrielandes. Die letzteren, bei denen vor allem die Tertiärisierung voranschreitet und Wissen eine zunehmend wichtigere Ressource darstellt, haben sich Nachhaltigkeit auf ihre Fahnen geschrieben. Diese scheinbar moderne Sichtweise beinhaltet häufig auch, anderen weniger entwickelten Ländern „vorzuschreiben“ wie sie sich denn entwickeln sollen. Schließen sich die beiden Konzepte Nachhaltigkeit und Entwicklung also aus? Oder anders formuliert: Wenn in den Industrieländern Nachhaltigkeit (z. B. im Tourismus) praktiziert wird, werden dann die Entwicklungsländer in ihrer Entwicklung gehemmt?
Inhaltsverzeichnis
1. Problemstellung
2. Zwei Konzepte und ihre Bedeutung- Entwicklung und Nachhaltigkeit
3. Ökonomische Auswirkungen des Tourismus in Entwicklungsländern
4. Soziokulturelle Auswirkungen des Tourismus in Entwicklungsländern
5. Ökologische Auswirkungen des Tourismus in Entwicklungsländern
6. Beispiele nachhaltiger Reisen in Entwicklungsländern anhand von Projekten des Forum Anders Reisen e.V.
7. Fazit
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht das komplexe Spannungsfeld zwischen der Förderung des Tourismus als ökonomischem Wachstumsfaktor in Entwicklungsländern und dem Ziel einer nachhaltigen Entwicklung. Es wird analysiert, ob nachhaltige Tourismuskonzepte der Industrieländer tatsächlich zu einer positiven Entwicklung beitragen oder ob sie bestehende Abhängigkeiten und Entwicklungsbarrieren in den Zielländern weiter zementieren.
- Grundlagen des Entwicklungs- und Nachhaltigkeitsbegriffs anhand des "magischen Fünfecks"
- Analyse ökonomischer Auswirkungen, einschließlich Devisenflüssen und Arbeitsplatzschaffung
- Untersuchung soziokultureller Konsequenzen, wie Akkulturation und sozialer Wandel
- Bewertung ökologischer Herausforderungen durch Fernreisen und Klimaschutzmaßnahmen
- Fallbeispiele für nachhaltige Tourismusprojekte in Chile und der Himalaya-Region
Auszug aus dem Buch
3. Ökonomische Auswirkungen des Tourismus in Entwicklungsländern
Entscheidend für die Entwicklung eines Landes ist nicht, ob die Wirtschaft wächst, sondern wie sie wächst. Das Problem bei der Betrachtung der ökonomischen Entwicklung eines Landes ist, dass sie meist isoliert von anderen Bereichen betrachtet wird. Nachhaltigkeit will genau dem entgegenwirken, indem ein umfassender Blick auf verschiedene Bereiche gelegt wird und diese miteinander verknüpft werden. Wirtschaftliche Nachhaltigkeit wird meist unterschätzt, wird doch mit Nachhaltigkeit primär Ökologie und Soziales verbunden. Dennoch steht die ökonomische Dimension auf einer Ebene mit den anderen, auch wenn sie des Öfteren als Nebenaspekt angesehen wird.
Der Motor für den globalen ökonomischen Entwicklung ist das Bedürfnis nach Wachstum, d. h. neue Möglichkeiten auszuschöpfen, ebenso wie neue Märkte und Destinationen zu erschließen, kurz gesagt: die Notwendigkeit für nachhaltiges Wachstum und Rentabilität. Das wirtschaftliche Wachstum einer Gesellschaft wächst also mit dem Ziel, der Befriedigung der materiellen Grundbedürfnisse und der Gewährung eines Mindestlebensstandards. Wie in Punkt 2 bereits angedeutet, ist diese Befriedigung schwer zu definieren, da jedes Land andere Standards und jeder Mensch ein anderes Empfinden diesbezüglich hat.
Wurde in den 1960er Jahren der Tourismus als eine Art von Entwicklungshilfe für wirtschaftliches Wachstum gesehen, so wurde der Tourismus später zum Kritikpunkt, als ökonomische, soziale und ökologische Folgen auch für die Industrieländer sichtbar wurden. Kritik wird geäußert bezüglich der Bruttodevisen, welche zum Großteil an ausländische Reiseunternehmen oder Fluggesellschaften wieder zurückfließen. Diese Gelder kommen somit kaum der nationalen Wirtschaft zugute. Ebenso der hohe Bedarf an Importen, um die touristische Nachfrage befriedigen zu können, können zur Reduzierung der Bruttodeviseneinnahme und somit zu einer negativen Leistungsbilanz führen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Problemstellung: Das Kapitel führt in die Problematik ein, ob moderne Nachhaltigkeitskonzepte der Industrieländer die Entwicklungschancen von Schwellen- und Entwicklungsländern eher fördern oder durch einseitige Vorgaben hemmen.
2. Zwei Konzepte und ihre Bedeutung- Entwicklung und Nachhaltigkeit: Hier werden die theoretischen Grundlagen durch das „magische Fünfeck“ gelegt, welches Kriterien wie Wachstum, Arbeit, Gleichheit, Partizipation und Unabhängigkeit zur Operationalisierung von Entwicklung nutzt.
3. Ökonomische Auswirkungen des Tourismus in Entwicklungsländern: Dieses Kapitel analysiert das Spannungsfeld zwischen tourismusinduziertem Wirtschaftswachstum und der Gefahr der Abhängigkeit sowie des Devisenabflusses in Industrieländer.
4. Soziokulturelle Auswirkungen des Tourismus in Entwicklungsländern: Hier werden die Effekte von Akkulturation, kulturellem Wandel und Veränderungen der Sozialstruktur auf die gastgebende Bevölkerung kritisch beleuchtet.
5. Ökologische Auswirkungen des Tourismus in Entwicklungsländern: Der Fokus liegt auf der Diskrepanz zwischen der ökologischen Belastung durch Fernreisen und der notwendigen Entwicklung, sowie der Suche nach Lösungen durch Klimaschutzprojekte.
6. Beispiele nachhaltiger Reisen in Entwicklungsländern anhand von Projekten des Forum Anders Reisen e.V.: Anhand von Praxisbeispielen aus Chile und dem Himalaya wird aufgezeigt, wie konkrete Förderprojekte soziale und ökologische Aspekte mit touristischen Aktivitäten verknüpfen.
7. Fazit: Das Fazit resümiert, dass eine eurozentrische Sichtweise auf Nachhaltigkeit durch eine kulturell besser angepasste Strategie ergänzt werden muss, um echte endogene Entwicklung zu ermöglichen.
Schlüsselwörter
Nachhaltiger Tourismus, Entwicklungsländer, Wirtschaftswachstum, Soziokulturelle Auswirkungen, Ökologische Dimension, Magisches Fünfeck, Tourismusethik, Empowerment, Akkulturation, Globalisierung, Deviseneinnahmen, Klimaschutz, Entwicklungszusammenarbeit, Fremdenverkehr.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Wechselwirkungen zwischen nachhaltigem Tourismus und der sozioökonomischen sowie ökologischen Entwicklung in Ländern der sogenannten Dritten Welt.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Felder sind die Definition von Entwicklung, die ökonomischen, soziokulturellen und ökologischen Effekte des Tourismus sowie die praktische Umsetzung nachhaltiger Reisekonzepte.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist zu klären, ob Tourismus als Hebel für nachhaltige Entwicklung dienen kann oder ob er bestehende globale Ungleichheiten verstärkt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Fundierung durch das „magische Fünfeck“ der Entwicklungspolitik und kombiniert diese mit einer qualitativen Analyse sowie Fallbeispielen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine systematische Analyse der drei Nachhaltigkeitsdimensionen (Ökonomie, Soziokultur, Ökologie) im Kontext des Tourismus.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Nachhaltiger Tourismus, Entwicklungsländer, Nord-Süd-Gefälle, soziale Partizipation und endogene Entwicklung.
Welchen Einfluss hat das "magische Fünfeck" auf die Argumentation?
Das Fünfeck dient als strukturgebendes Raster, um die verschiedenen, oft widersprüchlichen Kriterien der Entwicklung messbar und diskutierbar zu machen.
Welche Rolle spielt das Forum Anders Reisen in dieser Studie?
Das Forum dient als praktisches Beispiel für Reiseveranstalter, die Kriterienkataloge und Förderprojekte nutzen, um den Tourismus sozial und ökologisch verantwortungsvoller zu gestalten.
Können Fernreisen laut der Arbeit jemals nachhaltig sein?
Die Arbeit räumt ein, dass Fernreisen ökologisch problematisch sind, zeigt aber Wege zur Kompensation und zur Unterstützung lokaler Projekte auf, die den positiven Einfluss des Tourismus rechtfertigen könnten.
Was schlägt der Autor als Lösung für die eurozentrische Sichtweise vor?
Es wird gefordert, dass die westlichen Konzepte von Entwicklung durch lokale Bedürfnisse und kulturell angepasste Vorstellungen ergänzt werden, um eine echte Selbstentfaltung der betroffenen Gesellschaften zu fördern.
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- Stefan Ginter (Author), 2008, Nachhaltigkeit für die Reichen - Entwicklungsstillstand für die Armen?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/115100