Tanz- und Bewegungstherapie bei Menschen mit Essstörung


Hausarbeit, 2018

12 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Tanz- und Bewegungstherapie bei Menschen mit Essstörung

Gliederung:

- Einleitung

- Der Begriff Tanztherapie

- Entwicklung der Tanztherapie

- Der Begriff Essstörung

- Tanz- und Bewegungstherapie bei der Behandlung von Essstörungen

- Die Rolle der Tanz- und Bewegungstherapeuten
- Praxiskonzepte
- Rhythmische Synchronie
- Kinästhetisches Bewusstsein
- Kinästhetische Empathie

- Fazit

- Literaturverzeichnis

Einleitung

Ich tanze selbst seit meiner Kindheit und empfinde den Tanz meist als sehr wohltuend für die Seele. Vor einiger Zeit habe ich mich mit meiner Cousine, die Psychotherapeutin für Menschen mit Essstörungen und auch Yogalehrerin ist, über die positive Wirkung von Yoga und Tanz bei der Behandlung von Essstörungen unterhalten. Da ich dieses Thema für äußerst interessant halte, wollte ich mehr darüber erfahren und dies in einer Hausarbeit festhalten. Da die Tanztherapie sehr viele Aspekte umfasst und ich mich im Rahmen meiner Hausarbeit begrenzen muss, kann ich nicht auf alle wesentlichen Gesichtspunkte eingehen. Trotzdem möchte ich an dieser Stelle die folgenden nennen: Die Wichtigkeit der Kreativität zum Selbstausdruck, die aus dem Unbewussten oder Vorbewussten entstandene Improvisation und die Gemeinschaft, die es möglich macht Kraft und Energie zu teilen und persönliche Grenzen und Sorgen überwindbar zu machen.1

Als erstes stelle ich in meiner Arbeit die Tanztherapie vor. Nach einer kurzen Definition folgt die Entwicklung der Tanz- und Bewegungstherapie. Um diese Therapieform zu verstehen, möchte ich einen Einblick in die Krankheit der Essstörung geben und erläutere dann die Bedeutung der Tanz- und Bewegungstherapie bei der Behandlung von Essstörungen. Die Rolle der Therapeuten und die dazugehörigen Praxiskonzepte sind von großer Bedeutung für den positiven Verlauf der Genesung der Patienten und werden zum Schluss beleuchtet.

Tanztherapie

„Tanztherapie versteht sich als die psychotherapeutische Verwendung von Tanz und Bewegung zur Integration von körperlichen, emotionalen und kognitiven Prozessen des Menschen. Sie wird auch als künstlerische Therapie definiert, die Tanz und Bewegung als Medium zur Persönlichkeitserweiterung nutzt.“2

Entwicklung der Tanz- und Bewegungstherapie

Die Tanz- und Bewegungstherapie gibt es seit den 40er Jahren als eine praktizierte Therapieform. Sie entwickelte sich aus einer anfangs unterstützenden Methode nach und nach zur eigenständigen Therapie.3

Die Tanztherapie entstand aus der Überlegung der Körperseele als Einheit in Verbindung mit der Rolle der Kreativität als Mittel körperlichen Ausdrucks. Der Körper wird als Ganzes und als eine Einheit gesehen. Tanz wird nicht mehr nur als Darbietung und Unterhaltung für das Publikum gesehen, sondern als Ausdruck von Gefühlen, Wünschen, Bedürfnissen, Hoffnung und Sorgen und stellt diese in den Mittelpunkt ihrer Kreativität.4

Tänzerinnen wie Isadora Duncan, Mary Wigman oder Trudi Schoop, bewirkten diese Veränderung in der Auffassung von Tanz. Der Ausdruckstanz und „modern dance“ prägten die Auffassung von Tanz zu dieser Zeit. Die Entwicklung des Tanzes unterstützte die Arbeit der Tänzerinnen zur kreativen Entfaltung bis hin zu einer Schöpfung neuer Ausdrucks-formen. Erwähnenswert ist an dieser Stelle auch die einflussreiche Arbeit Rudolf Labans, der eine neue Bewegungslehre aufstellte. Besonders der verstärkte Blick auf Selbstausdruck, Selbsterforschung und Selbstverwirklichung und somit „die Suche nach dem ‚inneren Tanz‘ “5 hängt eng mit der Entdeckung des Unterbewussten und der Akzeptanz des Konzepts unbewusster Motivation zusammen. In diesem Zusammenhang spielen auch die Werke von S. Freud, J. Adler, J. Moreno und C. G. Jung eine große Rolle. Während Psychoanalytiker durch verbale Methoden versuchten, das Unbewusste zu entschlüsseln, entwickelten Tänzer Methoden der Beobachtung und Verwendung von Bewegung, um Zugang zum Unbewussten der Persönlichkeit zu finden. Als einige dieser Tänzerinnen anfingen, an psychiatrischen Kliniken und privaten Praxen zu arbeiten, war der Weg bereitet, den Tanz als Heilungs- und Behandlungsmethode wieder zu verwenden und verstärkt zu fördern.

Die grundlegende Idee über die heilenden Prozesse hat sehr alte Wurzeln und ist auch heute noch in Kulturen selbstverständliche und gelebte Tradition. Zur selbstverständlichen Tradition gehörte die Heilung durch Rhythmus, tänzerische Ektase und Gruppenrituale. So wie die Therapie heute gelehrt und praktiziert wird, beruft sie sich einerseits auf uralte Wurzeln, Gedanken und das Wissen von Tanz als heilendes Medium. Andererseits verbindet sie damit auch die moderne Betrachtung von Heilung und Therapie und auch die Traditionen des westlichen Kulturkreises. Die Tanz- und Bewegungstherapie nimmt unter den Formen expressiver und kreativer Therapien eine besondere Stellung ein, da sie auf das älteste künstlerische und therapeutische Medium der Menschheit zurückgreift – den Tanz.6 Bewegung und Atmung kennzeichnen den Beginn des Lebens und sind vor der Sprache und dem Denken vorhanden. Gesten werden vom ersten Augenblick an als Ausdruck menschlicher Kommunikation eingesetzt.7 „Bewegung definiert uns von dem Moment, in dem wir geboren werden, bis zu dem Tag, an dem wir sterben. Vom ersten Tritt im Bauch unserer Mutter bis zum letzten Atemzug nehmen wir am Tanz des Lebens teil und erleben die Kraft der Bewegung“8

Der Begriff Essstörung

Eine Essstörung stellt ein gestörtes Essverhalten dar, welches sich in wahllosem, zwanghaften In-sich-Hineinstopfen großer Nahrungsmengen bis hin zur Verweigerung jeglicher Nahrungsaufnahme oder auch das bewusste Erbrechen bereits aufgenommener Nahrung zeigt.9 Es handelt sich um eine psychosomatische Krankheit, bei der die aufgenommene Nahrung beziehungsweise das resultierende Körpergewicht als krankhaft gelten.10

Man vermutet, dass ein komplexes Zusammenspiel von biologischen, umweltbezogenen und kulturellen Faktoren zu der zerstörerischen Erkrankung führt, welche als Essstörung bezeichnet wird.

Die Krankheit kann in jedem Alter auftreten und wird häufig durch Ereignisse im Leben der Betroffenen ausgelöst. Dies können Übergangsphasen in Verbindung mit der Reife oder dem Erwachsenwerden sein, aber auch durch Verlusterfahrungen wie Trennung oder Tod eines geliebten Menschen verursacht werden. In eine Essstörung flüchten sich oft Personen die ein emotionales, verbales oder sexuelles Trauma erlebt haben oder auch aus Kulturen kommen, in denen die Erwartung an die Kinder sehr hoch oder besonders genau sind. Die Betroffenen wenden sich dem Essen zu, als ein Ersatz für die Beschäftigung mit emotionalen Problemen. Da die Betroffenen nicht mit der Erkrankung geboren werden, sondern diese im Laufe ihrer Entwicklung und ihres Wachstums erwerben, gilt die Essstörung als adaptive Störung:11 „ Bei einer normalen Entwicklung lernt der Mensch, ein angemessenes Maß an Selbstwahrnehmung, Affektregulation, Impulsregulierung und emotionalen Selbstschutz aufrechtzuerhalten. Wenn diese Fähigkeiten fehlen oder infolge einer Vielfalt pathologischer {oder entkräftender} Erfahrungen inadäquat sind, ist die Entstehung anderer maladaptiver Muster wahrscheinlich. Das innere Erleben bei einer Essstörung und die Vermehrung der Symptome einer Essstörung versteht man manchmal am besten, wenn man sie als Ausdruck dieser alternativen und maladaptiven Muster betrachtet.“12

Obsessives Nachdenken und ritualhafte Verhaltensweisen, das Streben nach Perfektion und die Schwierigkeit, emotionale Situationen zu ertragen, gehören zu Anzeichen, bei Menschen, die zu einer Essstörung neigen. Die Betroffenen beschreiben, dass sie entkörperlicht in ihrem Körper leben, als ob sie mit einem Feind oder Fremden zusammenleben.13 Im Allgemeinen ist ihr Körperbild verzerrt.14

Das Körperbild wird konkretisiert als „das Bild vor unserem geistigen Auge davon, wie wir für uns aussehen. Es spiegelt unsere Überzeugungen darüber wider, wie andere uns unserer Meinung nach wahrnehmen, und erfasst, wie wir das ‚Leben’ in unserem Körper erleben“15

Tanz- und Bewegungstherapie bei der Behandlung von Essstörungen

Da sich die Essstörung auf das komplette Wesen eines Menschen auswirkt, müssen die Behandlungsmethoden dem Grad der Störung entsprechen und angepasst werden. Um dies zu gewährleisten, gibt es Ärzte/innen, die Zugang zu den physischen Folgen der Erkrankung haben und diese diagnostizieren und behandeln, Psychiater/innen, die die Symptome der emotionalen Erkrankung lindern, speziell für die Behandlung von Essstörung geschulte Ernährungsberater/innen, Einzelpsychotherapeuten/innen, die kognitive Ansätze und Therapien, wie beispielsweise die Verhaltenstherapie, die Familien- oder Paartherapie anwenden. Auch die Tanz- und Bewegungstherapie gehört zu einer der Behandlungsmethoden. Alexithymie, die Schwierigkeit, Emotionen wahrzunehmen und auszudrücken, ist eines der dominierenden Symptome einer Essstörung. Für die Genesung ist entscheidend, den Patieten/innen zu helfen, Gefühle auf der verbalen und auch auf der nonverbalen Ebene auszudrücken.16 „Innere Zustände außer Acht zu lassen, führt zum Begraben von Gefühlen, und die Grabstelle befindet sich im Körper selbst. Da Gefühle unter der Körperoberfläche gären können, um dann auszubrechen, wenn sie unerträglich werden, obliegt es uns, unseren Patienten zu helfen, die Beziehung zu diesem lebendigen Teil ihrer selbst zu stärken.“17 Die Tanz- und Bewegungstherapie bietet Menschen mit Essstörungen ein Werkzeug, mithilfe dessen sie wieder beginnen, Gefühle zu spüren und diese durch ihre Körpersprache auszudrücken und in der Lage sind, zu artikulieren, was ihr Erleben im Bezug auf größere emotionale Probleme und die Bewältigungsmuster für sie bedeutet.

[...]


1 Vgl. Willke, Tanztherapie- Theorie und Praxis, Paderborn, 1991, S.80ff.

2 Vgl. BTD, Berufsverband der TanztherapeutInnen Deutschlands e.V. Tanztherapie, 1998, S.3

3 Vgl. Willke, Tanztherapie:Theorie und Praxis, Paderborn, 1991, S.13.

4 Vgl. Bolaender-Peter, Tanz und Imagination: Verwirklichung des Selbst im küntlerischen und pädagogisch-therapeutischen Prozess, Paderborn 1992, S.198ff.

5 Willke, Tanztherapie:Theorie und Praxis, Paderborn, 1991, S.15.

6 Vgl. Willke, Tanztherapie:Theorie und Praxis, Paderborn, 1991, S.13ff.

7 Vgl. Chaiklin, Wengrower, Die Kunst und die Wissenschaft der Tanz- und Bewegungstherapie: Leben ist Tanz, 2017, S.162.

8 Kleinman, Body talk: Giving from Feelings, American Dance Therapy Association, Columbien, 2003 S.70.

9 Vgl. Habermas, 2008, S.4.

10 Vgl. Kleinman, Hall, Dance Movement Therapy with Women with Eating Disorders. Dance/Movement Therapy, A healing art. Revised Edition, VA: The American Alliance for Health, Physical Education, Recreation, and Dance, Reston, 2005, S.27.

11 Vgl. Chaiklin, Wengrower, Die Kunst und die Wissenschaft der Tanz- und Bewegungstherapie: Leben ist Tanz, 2017, S.160ff.

12 Schwimmer, Burwinkle, Varni, Health-related quality of life of severely obese children and adolescents. Journal of the American Medical Association, 2003, S.7.

13 Vgl. Kleinman, Hall, 2006, S.75.

14 Chaiklin, Wengrower, Die Kunst und die Wissenschaft der Tanz- und Bewegungstherapie – Leben ist Tanz, 2017, S.162.

15 15 Ressler, A Body to Die for: Rethinking Weight, Wellnes and Body Image. Lexington, 2000, S.35.

16 16 Vgl. Chalklin, Wengrower, Die Kunst und die Wissenschaft der Tanz- undBewegungstherapie: Leben ist Tanz, 2017, S.163ff.

17 Kleinman, Hall, Dance/Movement Therapy: A method for embodying emotions. The Renfrew Center Foundation Healing Through Relationship Series: Contributions to Eating Disorder Theory and Treatment Volume 1: Fostering Body-Mind Integration. Philadelphia, 2006, S.30.

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Tanz- und Bewegungstherapie bei Menschen mit Essstörung
Note
1,0
Autor
Jahr
2018
Seiten
12
Katalognummer
V1151158
ISBN (eBook)
9783346539182
ISBN (Buch)
9783346539199
Sprache
Deutsch
Schlagworte
tanz-, bewegungstherapie, menschen, essstörung
Arbeit zitieren
Bianca Schreyer (Autor:in), 2018, Tanz- und Bewegungstherapie bei Menschen mit Essstörung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1151158

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