Sklaverei in der griechisch-römischen Antike. Cicero unter dem Einfluss Platons und des Stoizismus


Hausarbeit, 2021

17 Seiten


Leseprobe

Inhalt

1 Der Einfluss Platons und des Stoizismus auf Cicero – Eine Einleitung

2 Einflüsse auf Cicero und dessen Perspektive auf Sklaven
2.1 Platon
2.2 Die Philosophie der Stoiker
2.2.1 Die Stoa und die Sklaven
2.2.2 Seneca als Beispiel für den Stoizismus

3 Cicero – Die Auswirkungen des Einflusses
3.1 Cicero als Übersetzer Platons
Cic. tusc. 1,1–3 /p> Cic. off. 1, 41 / 2, 24 / 3, 98
Cic. parad. 5,35

4 Der Einfluss Platons und des Stoizismus auf Cicero – Ein Fazit

5 Wissenschaftlicher Apparat

Quellenverzeichnis

Literaturverzeichnis

1 Der Einfluss Platons und des Stoizismus auf Cicero – Eine Einleitung

„Also sind alle schlechten Menschen Sklaven, ja Sklaven.“1

Mit diesen wenigen Worten brachte Cicero im Jahr 46 v. Chr. die damalige Weltanschauung kurz und prägnant auf den Punkt. Was aus heutiger Perspektive kaum nachvollziehbar erscheint, war in der römisch-griechischen Antike gesetzte Praxis: Sklaverei wurde damit begründet und gerechtfertigt, dass es schlechte Menschen gäbe und diese als Sklaven in der Gesellschaft leben müssten.

Um die Gesellschaftsanschauung Ciceros nachvollziehen zu können, müssen verschiedene Fragen diskutiert werden. Im Fokus dieser Analyse steht die Frage, ob sich Einflüsse Platons und des Stoizismus auf Cicero finden lassen. Dabei stehen vor allem die Perspektive auf Sklaven und der angebrachte Umgang mit ihnen Mittelpunkt. Um zu einer abschließenden Bewertung zu kommen, geht die vorliegende Arbeit chronologisch vor und befasst sich zunächst mit den äußeren Einflüssen auf Cicero. Auf der einen Seite Platon und dessen Werk leges und auf der anderen Seite die Philosophie der Stoa-Schule. Als Beispiel der Stoiker und deren Ansicht zur Sklaverei wird der Textausschnitt Senecas aus epistulae morales ad Lucilium untersucht. Im Zentrum setzt sich die Hausarbeit mit Cicero auseinander. Zunächst soll Cicero als Übersetzter Platons bewertet werden und anschließend das Werk de officiis und eine Textstelle aus Ciceros paradoxa Stoicorum in Bezug auf Sklaverei analysiert werden.

Im Umgang mit historischen Quellen muss auf eine kritische Hinterfragung Wert gelegt werden. Für die vorliegende antike Quellendiskussion in Bezug auf Sklaverei, betont die Historikerin Elisabeth Herrmann-Otto, dass nur bedingt von einem „antiken Sklavereidiskurs“2 gesprochen werden kann, denn diese spiegeln einseitig die Perspektive der Herrschenden wieder.3

In der Forschung gibt es verschiedene Ansätze über die Bewertung der antiken Sklaverei, zwei zentrale Forschungsansätze werden im Folgenden gegenübergestellt: Die humane Behandlung der Sklaven einerseits und die Aberkennung der Menschlichkeit andererseits. Joseph Vogt deutet an, dass Sklaven schlechte Menschen seien, betont gleichzeitig aber auch die Bedeutung dieser, da der Bestand der Gesellschaft ohne Sklaverei nur schwer möglich gewesen wäre, da Sklaven z. B. wichtige Aufgaben übernahmen.4 Das Sklavensystem ermöglichte auch Freiheit, denn „wer klug als Sklave dient[e], hat[te] an der Herrschaft teil.“5 Vogt widerlegte, dass ein Sklave gleichbedeutend mit einem schlechten Menschen sei, denn ein Sklave könne durchaus geistige Wertschätzung erhalten, weil auch er tugendhaft handeln könnte.6

Dem gegenüber steht Egon Flaig mit der Ansicht, dass der Sklave unweigerlich unter dem Herrn stehen müsse.7 Die Unterdrückung der Sklaven beruhte vor allem auf ihren Lebensumständen, die keinen Platz für Freiheiten ließen. Deshalb gäbe es für antiken Sklaven auch keine Möglichkeit sich aufzulehnen, da dies nur dort passierte, wo Sklaverei ein auszuhaltender Zustand war.8 Die antike Philosophie konstruierte den Sklaven als Untermensch. Nach Platon und Aristoteles war „ihr Geist minderwertig“9 und es galt das Gesetz des Stärkeren.10 Trotzdem ist auch Flaig der Meinung, dass die Gesellschaft ohne Sklaverei nicht hätte bestehen können, da diese das ökonomische Fundament bildeten.11 Unter Berücksichtigung dieser Forschungsperspektiven sollen im Folgenden die Einflüsse auf Cicero und dessen Schriften diskutiert und analysiert werden.

2 Einflüsse auf Cicero und dessen Perspektive auf Sklaven

2.1 Platon

Platon war ein griechischer Philosoph aus einem bekannten Athener Adelsgeschlecht, der zwischen 427 und 347 v. Chr. lebte.12 Er lernte um 407 v. Chr. bei Sokrates. Anschließend machte Platon mehrere Reisen und gründete um 387 v. Chr. seine eigene Akademie in Athen.13 Platon selbst erfuhr für eine kurze Zeit das Leben eines Sklaven. Als er von Sizilien vorgeschickt wurde, kam er auf ein Schiff, wurde wie ein Kriegsgefangener behandelt und auf dem Sklavenmarkt zum Verkauf angeboten. Glücklicherweise erkannte ihn jemand, kaufte ihn frei und Platon konnte nach Athen zurückkehren.14 Die Grundlage Platons Ethik war die Ansicht, dass die ethische Verantwortung des Menschen nicht nur auf die Dauer des Lebens beschränkt sei15 und, dass Unrecht tun schlimmer sei als Unrecht zu erleiden.16

Platon begann nach dem Tod Sokrates´ (399 v. Chr.) mit dem Schreiben seiner Werke. Fast alle der verfassten Schriften (ca. 30 Dialoge und einige Briefe) sind überliefert worden.17 Die Dialoge Platons können in drei Gruppen gegliedert werden: die frühen Dialoge, die mittleren Dialoge und die Spätdialoge. Für die vorliegende Betrachtung sind lediglich die Spätdialoge von Bedeutung. Aus diesen soll exemplarisch Platon leges vorgestellt werden. Diese zeichneten sich durch eine intensivere und selbstkritischere Behandlung der Themen als in den „mittleren Dialoge“18 aus.19

Plat. leg. 776b–777e

In der Lehrschrift führen Megillos, Kleinias und der Athener ein Gespräch über den Besitz von Sklaven. Die Unterhaltung beginnt mit der Frage nach dem angebrachten Besitz von Wohlhabenden, inklusive dem Besitz von Sklaven.20 Es wird die Problematik aufgeworfen, wie korrekt über Sklaven zu sprechen sei. Daraufhin übernimmt der Athener das Wort und nennt als Negativbeispiel von Sklavenherrschaft das Helotenwesen der Spartaner.21 Dem gegenüber stellt er die Sklavenherrschaft der Herakleoten und der Thessaliern, die weniger problematisch seien.22 Der Athener führt zwei Ansichten auf: [1] Die Sklaven seien gute und tüchtige Menschen, die ihrem Herren gut dienen, dies erzählten zumindest die Sklaven selbst.23 [2] Sklaven seien niedere Lebewesen.24 Auf die Frage Kleinias nach dem richtigen Umgang mit Sklaven,25 antwortet der Athener, dass es wichtig sei zwischen Sklaven, Freien und Herren zu unterscheiden.26 Sklaven sollten weniger Unrecht erfahren als die „Gleichgestellten,“27 um den Tugendverlust des Herren zu verhindern.28 Falls nötig dürfen auch Strafen ausgeübt werden.29

[...]


1 Cic. parad. 5, 35.

2 Elisabeth Herrmann-Otto: Sklaverei und Freilassung in der griechisch-römischen Welt, Hildesheim 2009, S. 16.

3 Vgl. Ebd.

4 Vgl. Joseph Vogt: Sklaverei und Humanität. Studien zur antiken Sklaverei und ihrer Erforschung. Sklaventreue, in: Historia 8 (1965), S. 83.

5 Ebd., S. 82.

6 Vgl. Ebd., S. 91.

7 Vgl. Egon Flaig: Den Untermenschen konstruieren. Wie die griechische Klassik den Sklaven von Natur erfand, in: Ralf von dem Hoff u. Stefan Schmidt (Hrsg.), Konstruktion von Wirklichkeit. Bilder im Griechenland des 5. Und 4. Jahrhunderts v. Chr., Stuttgart 2001, S. 27.

8 Vgl. Ebd., S. 34–37.

9 Ebd., S. 42.

10 Ebd.

11 Ebd., S. 29.

12 Vgl. Nicole Albrecht u.a.: Art. „Platon“, in: Lexikon der Antike, 2Stuttgart/Weimar 2006, S. 478.

13 Vgl. Ebd.

14 Vgl. [-]: Art. „Platon“, in: Paulys Real-Encyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (=Bd. 1–24), Stuttgart 1958, Sp. 2352.

15 Vgl. Plat. Phaid. 107c.

16 Vgl. Plat. Gorg. 469b.

17 Vgl. Albrecht: Art. „Platon“, in: Lexikon der Antike, S. 478.

18 Ebd., S. 479.

19 Vgl. Ebd., S. 479.

20 Vgl. Plat. leg. 776b.

21 Vgl. Ebd., 776c.

22 Vgl. Ebd., 776c–d.

23 Vgl. Ebd., 776d.

24 Vgl. Ebd., 776e.

25 Vgl. Ebd., 777b.

26 Ebd.,. 777b.

27 Ebd., 777d.

28 Vgl. Ebd., 777 d–e.

29 Vgl. Ebd., 777e.

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Details

Titel
Sklaverei in der griechisch-römischen Antike. Cicero unter dem Einfluss Platons und des Stoizismus
Hochschule
Universität Mannheim
Autor
Jahr
2021
Seiten
17
Katalognummer
V1151387
ISBN (eBook)
9783346541734
ISBN (Buch)
9783346541741
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Cicero, Sklaverei, Platon, Stoizismus
Arbeit zitieren
Greta Gamba (Autor:in), 2021, Sklaverei in der griechisch-römischen Antike. Cicero unter dem Einfluss Platons und des Stoizismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1151387

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