Die folgende Bachelorarbeit setzt sich mit der Fragestellung auseinander, ob und wie prekäre Arbeitsverhältnisse die soziale Ungleichheit beeinflussen. In der vorliegenden Arbeit wird erläutert, inwieweit unterschiedliche empirische und theoretische Zusammenhänge zwischen der Prekarisierung von Beschäftigungsverhältnissen und der Entwicklung sozialer Ungleichheit in Deutschland aufgezeigt werden können. Es wird der These nach gegangen, ob „prekäre Arbeitsverhältnisse ein Motor der sozialen Ungleichheit“ sein können. Hierzu wird die Ungleichheitsperspektive von Pierre Bourdieu mit einbezogen. Ziel der Arbeit ist es, mit Hilfe der Ungleichheitsperspektive von Bourdieu festzustellen, ob und wie prekäre Beschäftigungsverhältnisse ein signifikanter Faktor für die soziale Ungleichheit in Deutschland sein können. Diese Arbeit wird sich dabei auf den Raum Deutschland begrenzen. Hintergrund sind die unterschiedlichen wirtschaftlichen und gesellschaftspolitischen Konstellationen in anderen Ländern, die berücksichtigt werden müssten. Die Auswertung weiterer Länder würde den Umfang dieser Arbeit übersteigen, oder keine detaillierte Analyse zulassen. Es ist außerdem zu beachten, dass sich diese Arbeit auf die Ungleichheitsperspektive von Pierre Bourdieu fokussiert.
Der Aufbau der Bachelorarbeit ist in mehrere Teilbereiche gegliedert. Nach der Einleitung folgt eine Erläuterung zu den Begrifflichkeiten. Hier werden kurz die Beschäftigungsverhältnisse vorgestellt und die Unterschiede zwischen diesen Verhältnissen erläutert und definiert. Danach folgt eine Darstellung der aktuellen Lage der prekären Beschäftigungsverhältnisse in Deutschland. Es wird der Frage nach gegangen, inwieweit diese Beschäftigungen bestimmte Auswirkungen und Folgen für Individuen haben, die in diesen Verhältnissen leben. Anschließend folgt die Vorstellung von Bourdieus Ungleichheitstheorieansatz und eine Analyse der prekären Verhältnisse mithilfe Bourdieu. Nachdem die Theorie erläutert wird, erfolgen mit Hilfe dieser Theorie einige Impulse. Am Ende wird das Resümee der wissenschaftlichen Arbeit erläutert. Abschließend folgen die Quellen und das Literaturverzeichnis.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Flexible Arbeitsverhältnisse
2.1 Erwerbstätigkeit
2.2 Das Normalarbeitsverhältnis
2.3 Atypische Beschäftigungen
3. Prekäre Beschäftigungsverhältnisse
3.1 Definition
3.2 Agenda 2010
3.3 Empirische Bestandsaufnahme prekärer Beschäftigungsverhältnisse
3.4 Risikogruppen
3.5 Lebenslagen von prekären Beschäftigten
3.6 Konsequenzen aus prekärer Beschäftigung
3.7 Zusammenfassung
4. Bourdieus Ungleichheitstheorie
4.1 Soziale Ungleichheit - eine kurze Einführung
4.2 Die Habitus Theorie
4.3 Sozialer Raum
4.4 Bourdieus Kapitalformen
4.5 Klassen
5. Impulse aus den bourdieuschen Ansatz
5.1 Apell zum politischen Handeln
5.2 Lösungsvorschläge
6. Resümee
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Auswirkungen prekärer Arbeitsverhältnisse auf die soziale Ungleichheit in Deutschland unter Einbezug der Ungleichheitsperspektive von Pierre Bourdieu. Dabei wird der Frage nachgegangen, ob und wie prekäre Beschäftigungsformen als signifikanter Motor für soziale Ungleichheit fungieren und welche Folgen dies für Individuen und deren Lebenslagen hat.
- Analyse der Flexibilisierung des deutschen Arbeitsmarktes
- Untersuchung prekärer Beschäftigungsverhältnisse und ihrer Folgen
- Anwendung der bourdieuschen Begriffe Habitus, Kapitalformen und sozialer Raum
- Diskussion politischer Handlungsmöglichkeiten und Lösungsvorschläge
Auszug aus dem Buch
3.1 Definition
Bei der Einordnung einer prekären Beschäftigung gibt das Standardarbeitsverhältnis meistens den Rahmen vor. Eine prekäre Beschäftigung ist immer atypisch, da sie vom Normalarbeitsverhältnis abweicht. Als prekär Beschäftigte bezeichnet man „Beschäftigte, die aufgrund ihrer Tätigkeit deutlich unter ein Einkommens-, Schutz- und soziales Integrationsniveau sinken, das in der Gegenwartsgesellschaft als Standard definiert und mehrheitlich anerkannt wird.“29 Diese begrenzte Teilhabefunktion und eine negative Abstufung vom "sicher" geltenden Standard benennt man als prekär. Diese Beschäftigungsverhältnisse sind unsicher und nicht dauerhaft. Zu diesen Verhältnissen gehören bei der prekären Erwerbstätigkeit auch andere Dimensionen, die die gesellschaftliche Normalität unterschreiten. Es muss unterstrichen werden, dass Prekarität nicht allein durch die Beschäftigungsform zu definieren ist. Somit wird bei prekären Beschäftigungen das Einkommen, soziale Absicherung, Arbeitsplatzunsicherheit, Gesundheitsrisiken und die Haushaltslage miteinbezogen.30 Nicht alle diese Eigenschaften müssen dabei zu treffen, um eine Beschäftigung als prekär einzuordnen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Hinführung zur Thematik der instabilen Arbeitsverhältnisse und Präzisierung der Forschungsfrage unter Einbezug bourdieuscher Perspektiven.
2. Flexible Arbeitsverhältnisse: Definition der Grundlagen von Erwerbstätigkeit, Abgrenzung des Normalarbeitsverhältnisses und Einordnung atypischer Beschäftigungsformen.
3. Prekäre Beschäftigungsverhältnisse: Eingehende Analyse der Definition von Prekarität, der Rolle der Agenda 2010 sowie der Auswirkungen auf Lebenslagen und verschiedene Risikogruppen.
4. Bourdieus Ungleichheitstheorie: Theoretische Fundierung durch Habitus, sozialen Raum und Kapitalformen zur Erklärung sozialer Ungleichheit im Kontext prekärer Beschäftigung.
5. Impulse aus den bourdieuschen Ansatz: Darstellung der politischen Brisanz und Ableitung von Handlungsempfehlungen zur Abmilderung prekärer Beschäftigungsrisiken.
6. Resümee: Synthese der Ergebnisse und Fazit zur gesellschaftlichen Herausforderung durch die Prekarisierung der Arbeitswelt.
Schlüsselwörter
Prekäre Beschäftigung, Soziale Ungleichheit, Pierre Bourdieu, Habitus, Agenda 2010, Normalarbeitsverhältnis, Atypische Beschäftigung, Prekarisierung, Kapitalformen, Sozialer Raum, Arbeitsmarkt, Existenzsicherung, Bildung, Risikogruppen, Soziale Sicherung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen der Zunahme prekärer Arbeitsverhältnisse in Deutschland und der Vertiefung sozialer Ungleichheit unter Verwendung soziologischer Theorien von Pierre Bourdieu.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind der Wandel der Erwerbsarbeit, die Auswirkungen der Agenda 2010, die Definition von prekärer Beschäftigung sowie die Analyse von Lebenslagen betroffener Gruppen.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit geht der These nach, ob und wie prekäre Arbeitsverhältnisse als "Motor der sozialen Ungleichheit" wirken können.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine theoretisch-analytische Arbeit, die empirische Daten zur Arbeitsmarktentwicklung mit der Ungleichheitstheorie von Pierre Bourdieu verknüpft.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Bestandsaufnahme der Arbeitsmarktformen, die Darstellung der Prekarität und deren Folgen sowie eine detaillierte Anwendung der bourdieuschen Theoriekonzepte auf das Phänomen der Prekarisierung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Prekäre Beschäftigung, soziale Ungleichheit, Habitus, Kapitalformen, Agenda 2010 und Prekarisierung sind die prägenden Begriffe.
Warum wird speziell Pierre Bourdieu für diese Analyse herangezogen?
Bourdieu ermöglicht durch seinen mehrdimensionalen Ansatz (Habitus, Kapitalformen, sozialer Raum) ein tieferes Verständnis von Ungleichheit, das über bloße ökonomische Betrachtungen hinausgeht und subjektive sowie strukturelle Faktoren verbindet.
Welche Rolle spielt die Agenda 2010 in dieser Arbeit?
Die Agenda 2010 wird als zentraler politischer und gesetzlicher Treiber identifiziert, der durch Deregulierung die Verbreitung prekärer und unsicherer Beschäftigungsformen in Deutschland maßgeblich begünstigt hat.
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- Jannik Lüttkenhaus (Author), 2021, Prekäre Arbeitsverhältnisse "Ein Motor der sozialen Ungleichheit". Überlegungen aus der Ungleichheitsperspektive von Pierre Bourdieu, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1151520