Der Begriff des Nationalsymbols ist kein klar definierter, kein fest umrissener. Neben Denkmälern, Feiertagen, Ehrungen etc. zählt man dazu insbesondere Farben, Hymnen und Wappen. Hier soll sich auf die Farben bzw. die Flagge (bedingt durch die Erweiterung der DDR-Flagge um das Hammer-und-Zirkel-Emblem auch das Staatswappen) beschränkt werden – da die Flagge besonders gut geeignet ist, die Abgrenzung „zum anderen“ darzustellen und damit den Eigenständigkeitsanspruch bzw. Eigenstaatlichkeitsanspruch der DDR zu unterstreichen. Anlässlich der aufzuzeigenden Veränderungen der DDR-Flagge sollen deutlich die nationalen Aspekte herausgearbeitet werden. Immer mit dem Bewusstsein der anfangs herausgearbeiteten Bedeutung von nationalen bzw. staatlichen Symbolen, soll hinterfragt werden: Welche Motive lagen vor, die Flagge zu verändern? Welche Reaktionen gab es? Wo erfolgte wann und warum eine Annahme oder eine Abwehr der neuen Fahne?
Inhaltsverzeichnis
Einleitung – Fragestellung/Problemkreis
Der Weg zum Flaggenstreit – Die Jahre 1949 bis 1959
Exkurs über das DDR-Staatswappen
Die Erweiterung der schwarz-rot-goldenen Flagge um Hammer, Zirkel und Ährenkranz
Zur Motivlage
Reaktionen: Politische Zwischenfälle und diplomatische Verwicklungen
Der „Flaggenstreit“ bei Olympia
Das Ende des Flaggenstreites: Die Duldung der Hammer-und-Zirkel-Flagge
Conclusion
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Arbeit untersucht den sogenannten „Flaggenstreit“ zwischen der DDR und der BRD, ausgehend von der Einführung des DDR-Staatswappens in die schwarz-rot-goldene Flagge im Jahr 1959. Das primäre Ziel ist es, die Motive der DDR-Führung für diese symbolische Abgrenzung zu analysieren, die Reaktionen der Bundesrepublik zu beleuchten und den Prozess der internationalen Anerkennung dieser Symbole – insbesondere im Kontext des Sports – darzustellen.
- Die Bedeutung von Nationalsymbolen zur Identitätsstiftung und Abgrenzung.
- Die Entwicklung und Veränderung der DDR-Staatsflagge zwischen 1949 und 1959.
- Motive der DDR für die Einführung des Hammer-und-Zirkel-Emblems.
- Diplomatische Verwicklungen und der „Flaggenstreit“ auf internationaler Ebene.
- Die Rolle des Sports als Bühne für staatliche Repräsentation und Anerkennung.
Auszug aus dem Buch
Zur Motivlage
Welche Motive standen hinter der Einsetzung des Hammer-und-Zirkel-Emblems auf die schwarz-rot-goldene Flagge, die mit dieser Veränderung nicht mehr als (gesamtdeutsches) Nationalsymbol, sondern ausschließlich als (DDR-)Staatssymbol zu betrachten ist?
Als erstes stechen die von Maron zuvor angesprochenen „äußerlichen“ Differenzierungsschwierigkeiten zwischen den beiden deutschen Staaten, eben durch die „Verwendung“ der gleichen Flagge, ins Auge. Schon alleine um eine selbstbewusste(re) Selbstwahrnehmung durch ein identitätsstiftendes DDR-Symbol zu gewährleisten, aber auch um das wahrnehmende Bild der BRD von der DDR im Sinne eines „fremdwahrnehmenden“ Bildes zu steuern bzw. zu manipulieren, wurde eine Abgrenzung seitens der DDR-Führung auch in dieser Form für notwendig erachtet. Das psychologische Moment der Tragweite dieser, eine neue Realität schaffenden Maßnahme und damit die Erhöhung des intrapsychischen Druckes auf die politisch Verantwortlichen in der BRD (die sich ja immerhin als alleinige Vertreter der deutschen Interessen verstanden und auf einen Alleinvertretungsanspruch behaarten) wurde sicherlich bei der Änderung der Staatsflagge mitbedacht und sollte in diesem Zusammenhang nicht unterschätzt werden.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung – Fragestellung/Problemkreis: Diese Einleitung führt in die Bedeutung von Staatssymbolen als Instrumente der Identitätsbildung und Abgrenzung zwischen der DDR und der BRD ein.
Der Weg zum Flaggenstreit – Die Jahre 1949 bis 1959: Das Kapitel beschreibt den gemeinsamen Rückgriff beider Staaten auf Schwarz-Rot-Gold nach 1949 und die beginnenden Bemühungen der DDR um eine eigene staatliche Identität.
Exkurs über das DDR-Staatswappen: Hier wird die Entwicklung des DDR-Emblems vom Hammer und Ährenkranz bis hin zur Ergänzung durch den Zirkel als Symbol für die Intelligenz nachgezeichnet.
Die Erweiterung der schwarz-rot-goldenen Flagge um Hammer, Zirkel und Ährenkranz: Dieses Kapitel erläutert den offiziellen Beschluss der Volkskammer von 1959, das Staatswappen in die Flagge zu integrieren, um sich von der BRD abzugrenzen.
Zur Motivlage: Die Analyse der Beweggründe für die Flaggenänderung konzentriert sich auf Abgrenzung, internationale Anerkennung und die Identitätsbildung.
Reaktionen: Politische Zwischenfälle und diplomatische Verwicklungen: Hier werden die Proteste der BRD und konkrete diplomatische Konflikte rund um die Nutzung der DDR-Flagge im Ausland aufgezeigt.
Der „Flaggenstreit“ bei Olympia: Dieses Kapitel beleuchtet den Kampf um die olympische Repräsentation und die Bemühungen der DDR, trotz des Widerstands des IOC und der BRD als eigenständige Nation aufzutreten.
Das Ende des Flaggenstreites: Die Duldung der Hammer-und-Zirkel-Flagge: Der Prozess der faktischen Anerkennung der DDR-Symbole durch die „Wandel durch Annäherung“-Politik der Bundesregierung wird hier thematisiert.
Conclusion: Das Fazit fasst die Flaggenänderung als symbolisch aufgeladenen Akt zur Erreichung internationaler Anerkennung zusammen, der letztlich in einer faktischen Duldung durch die BRD mündete.
Schlüsselwörter
DDR, BRD, Flaggenstreit, Nationalsymbole, Staatssymbole, Schwarz-Rot-Gold, Hammer und Zirkel, Abgrenzung, Eigenstaatlichkeit, Deutschlandpolitik, Olympische Spiele, Anerkennung, Staatswappen, DDR-Führung, Deutschlandfrage.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den symbolpolitischen Konflikt zwischen der DDR und der BRD, der nach der Einführung des Hammer-und-Zirkel-Emblems in die DDR-Staatsflagge im Jahr 1959 als „Flaggenstreit“ bekannt wurde.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die Bedeutung von Nationalsymbolen, die deutsch-deutsche Systemkonkurrenz, die diplomatischen Bemühungen um Anerkennung und die Instrumentalisierung von Symbolen in der Außenpolitik und im Sport.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, die Motive für die symbolische Abgrenzung der DDR durch die Flaggenveränderung zu klären und zu analysieren, wie sich diese auf die diplomatischen Beziehungen zur Bundesrepublik auswirkten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine historische Analyse von Primärquellen, wie Gesetzestexten und Zitaten politischer Akteure, sowie eine Auswertung einschlägiger Fachliteratur zur Symbolik der deutschen Teilung.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Entwicklung der Flaggenfrage von 1949 bis 1969, der Einbettung des Staatswappens, den internationalen Konflikten durch diesen Schritt und speziell dem Konflikt um die olympische Beteiligung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind DDR, BRD, Flaggenstreit, Eigenstaatlichkeit, nationale Symbole und internationale Anerkennung.
Warum war das Hammer-und-Zirkel-Emblem für die DDR so wichtig?
Es diente als sichtbares Zeichen der Abgrenzung gegenüber dem „westzonalen Separatstaat“ und sollte den Anspruch der DDR auf internationale Anerkennung als souveräner Staat unterstreichen.
Welche Rolle spielte der Sport in diesem Flaggenstreit?
Der internationale Sport war ein zentrales Feld, auf dem die DDR ihre Eigenstaatlichkeit demonstrativ geltend machen wollte, was zu erbitterten Streits um die olympische Repräsentation führte.
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- Marc Castillon (Author), 2007, Die nationalen Symbole - Die Staatsflagge der DDR: Die 'Spalterflagge', Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/115174