Kreativität wird als das Hervorbringen von Neuem beschrieben, das in einer Weise wertvoll verstanden wird. Im Volksmund wird sie oft mit Phantasie gleichgesetzt, gleichwohl Kreativität sich weit darüber hinaus erstreckt. Grundlegend basiert Kreativität auf Erfahrungen und Wissen, erfordert Mut und Risikobereitschaft. Kreative Menschen werden oft als solche identifiziert, welche sich mit dem behelfen können, was ihnen gerade zur Verfügung steht, um ihr Ziel zu erreichen. Die Bildungs- und Erziehungsempfehlungen für Kindertagesstätten in Rheinland-Pfalz räumen dem gestalterisch-kreativen Bereich seinen Stellenwert ein und bündelt diesen unter dem Thema der künstlerischen Ausdrucksformen. Daneben reihen sich der musikalische Bereich, sowie Theater, Mimik und Tanz ein. Prinzipiell wird beschrieben, dass die Beschäftigung mit diesen Ausdrucksformen einen hohen Stellenwert in der Kindertagesstätte einnimmt, aufgrund der vielfältigen Erfahrungen und der Entwicklungsförderung.
Indessen stellt sich jedoch die Frage, in wie weit dies auf die Entwicklung und Förderung von Kindern mit geistiger Behinderung übertragbar scheint. Jene finden in Bildungsplänen und Erziehungsempfehlungen nur selten, bis gar keine Erwähnung und scheinen außen vor zu stehen. In integrativen Kindertagesstätten, Förderschulen oder Einrichtungen der Behindertenhilfe, bedarf es durchaus dem Grundwissen über Kreativität bei Menschen mit geistiger Behinderung. Um dem Bereich der Kreativität, dessen Förderungen und den damit verbundenen Besonderheiten im Kontext geistiger Behinderungen auf den Grund zu gehen, gliedern sich folgende Ausführungen an.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Kreativität
2.1 Begrifflichkeit
2.2 Kreative Prozesse
2.3 Individuelle Kreativität
3. Geistige Behinderung
3.1 Begrifflichkeit
3.2 Förderung
3.3 Kreativität und geistige Behinderung
4. Praktische Anwendungsmöglichkeiten
5. Schlussbemerkung
6. Literatur
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung und Förderung von Kreativität bei Menschen mit geistiger Behinderung, um aufzuzeigen, wie kreative Ausdrucksformen zur individuellen Persönlichkeitsentwicklung und Kommunikation beitragen können.
- Grundlagen des Kreativitätsbegriffs und kreativer Prozesse.
- Definition und Verständnis von geistiger Behinderung im pädagogischen Kontext.
- Die spezifische Verbindung zwischen Kreativität und geistiger Behinderung.
- Möglichkeiten der pädagogischen Kunsttherapie als Förderinstrument.
- Bedeutung der ressourcenorientierten Betrachtungsweise für die Behindertenhilfe.
Auszug aus dem Buch
3.3 Kreativität und geistige Behinderung
Kreativität sollte als ein Phänomen beschrieben werden, welches jedem Menschen innewohnt und frei von gesellschaftlich normierten Grenzen vollzogen wird. Individuelle Kreativität löst sich vom Bewertungsmustern und stellt eine ressourcenorientierte Sichtweise vor (vgl. Theunissen & Großwendt 2006, S.50-51). Im Kontext geistiger Behinderung sollte demnach beachtet werden, dass die „jeweilige Behinderung in den kreativen Prozess und Ausdruckt einfließt“ (Theunissen & Großwendt 2006, S.51). Die Ausprägung der Individualität in kreativen Prozessen sollte demnach weder als Mangel oder Einbuße von Kreativität verstanden werden, sondern als das, was sie ausmacht. Besonders die einzigartigen Ausdrucksweisen geistig behinderter Menschen liegen im Fokus derer Kreativität (vgl. Theunissen & Großwendt 2006, S.51). Kreative Zugänge für Menschen mit geistiger Behinderung finden sich keinesfalls im Training normative Werte widerzugeben. Bestenfalls liegt das Bestreben darin, unter den individuellen Lebensumständen einen Zugang zu kreativem Handeln zu finden (vgl. Theunissen & Großwendt 2006, 51). Dazu bedarf es der Suche nach kreativen Potentialen durch Beobachtungen.
Begründen lässt sich die besondere Kreativität von Menschen mit geistiger Behinderung in vielen Punkten. Zum einen unterliegen diese einem stetigen normativen Druck, welcher sie Anpassung in gesellschaftliche Konventionen drängen möchte (vgl. Theunissen & Großwendt 2006, S.61). Weiterhin kann unterstellt werden, dass diese Menschen in einem besonderen Maße Alltagskreativität abverlangt wird. Zur Kompensation ihrer sozialen, kognitiven oder emotionalen Beeinträchtigungen und zum Umgang mit jenen gliedern sich alltägliche Leistungen auf kreativen Wegen an. Für Außenstehende sind diese enormen Leistungen oft nicht ersichtlich, da diese oft keine sichtbaren Produkte liefern, sondern von anderen als selbstverständliche Verhaltensreaktionen wahrgenommen werden (vgl. Theunissen & Großwendt 2006, S.62).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Relevanz kreativer Ausdrucksformen ein und stellt die Frage, inwiefern diese für die Förderung von Kindern mit geistiger Behinderung relevant und übertragbar sind.
2. Kreativität: Das Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen des Kreativitätsbegriffs, beschreibt den Phasenverlauf kreativer Prozesse und die Bedeutung der individuellen Kreativität für das Selbstbild.
3. Geistige Behinderung: Hier werden Definitionen geistiger Behinderung kritisch hinterfragt sowie Prinzipien der Förderung und die spezielle Verbindung zum Phänomen Kreativität beleuchtet.
4. Praktische Anwendungsmöglichkeiten: Dieses Kapitel stellt die pädagogische Kunsttherapie als ein zentrales Instrument vor, um durch spezifische Phasenmodelle die Selbstverwirklichung und soziale Kompetenz zu fördern.
5. Schlussbemerkung: Die Schlussbemerkung resümiert, dass die Förderung von Kreativität bei Menschen mit geistiger Behinderung ein gewinnbringender Prozess ist, der weiterführender Forschung bedarf.
6. Literatur: Dieses Verzeichnis listet sämtliche herangezogene Quellen und Fachliteratur auf, die der Erstellung dieser Arbeit zugrunde liegen.
Schlüsselwörter
Kreativität, geistige Behinderung, pädagogische Kunsttherapie, Kreativitätsförderung, Inklusion, Selbstbild, Ressourcenorientierung, Teilhabe, kreative Prozesse, Behindertenhilfe, Bildungspläne, Ausdrucksformen, Einzelfallförderung, Entwicklungsgemäßheit, künstlerische Ausdrucksformen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit thematisiert das Zusammenspiel von Kreativität und geistiger Behinderung und analysiert, wie pädagogische Fachkräfte kreative Potenziale bei Menschen mit geistiger Behinderung erkennen und gezielt fördern können.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themenfelder umfassen die Definition von Kreativität, die pädagogische Auseinandersetzung mit dem Begriff der geistigen Behinderung und die praktische Anwendung künstlerischer Methoden in der Behindertenhilfe.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das primäre Ziel ist es, die häufige Vernachlässigung kreativer Förderung in integrativen Kontexten aufzuzeigen und Strategien zu entwickeln, um Menschen mit geistiger Behinderung Zugänge zu kreativen Handlungsfeldern zu ermöglichen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit basiert primär auf einer Literaturanalyse, die einschlägige Fachliteratur zur Kreativitätspädagogik und zur Sonderpädagogik sowie offizielle Bildungs- und Erziehungsempfehlungen auswertet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Begriffsbestimmung von Kreativität, die Erörterung des Förderbedarfs bei Menschen mit geistiger Behinderung und die konkrete Darstellung von Anwendungsformen der pädagogischen Kunsttherapie.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Kreativität, geistige Behinderung, Kunsttherapie, Ressourcenorientierung und Selbstverwirklichung.
Warum ist die Unterscheidung zwischen organisierten und inspirierten kreativen Prozessen wichtig?
Diese Unterscheidung hilft Pädagogen zu verstehen, ob eine kreative Leistung aus zielgerichtetem Handeln oder eher aus zufälligen, intuitiven Impulsen entsteht, was die Art der Begleitung beeinflusst.
Welche Rolle spielt das Selbstbild bei der Kreativität geistig behinderter Menschen?
Ein positives Selbstbild ist entscheidend: Wer sich selbst nicht für kreativ hält, scheut Anforderungen. Daher ist es Ziel der Förderung, durch Erfolgserlebnisse Vertrauen in eigene Stärken aufzubauen.
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- Anonym (Author), 2021, Potenziale von Kreativität. Entwicklung und Förderung von Kindern mit geistiger Behinderung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1151831