Diese Arbeit zielt darauf ab, eine syntaktische Erklärung für die Paradoxität der epistemischen Widersprüche zu liefern, die darin besteht, dass diese Paradoxität zumindest aus syntaktischer Sicht auf die Tatsache zurückzuführen ist, dass sich die Modalverben i.d.R. wie Anhebungsverben verhalten. Bei der Verteidigung dieser These werde ich wie folgt vorgehen: Zu Beginn meiner Ausführungen wird begründet, warum sich die Modalverben wie Anhebungsverben verhalten. Im Anschluss daran wird untersucht, ob es in Modalsätzen PRO gibt (Kapitel 2). Daraufhin wird zu erörtern sein, worin Yalcins Kritik an relationaler Semantik besteht. Im Anschluss daran wird eine neue Semantik zur Analyse der epistemischen Widersprüche entwickelt. Schließlich werden zwei pragmatische Begriffe definiert, die der neuen Semantik entsprechen. Daraufhin wird die syntaktische Erklärung für die Paradoxität der epistemischen Widersprüche geliefert. Diese Erklärung soll begründen, warum die Domain-Semantik auf Anhebungsverben anwendbar ist (Kapitel 4). Abschließend werde ich die wichtigsten Punkten zusammenfassen (Kapitel 5).
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Modalverben als Anhebugsverben
2.1 Expletive Subjekte
2.2 Modalverben und Passivkonstruktionen
2.3 Modalverben und PRO
3 Domain-Semantik
3.1 Kritik an relationaler Semantik
3.2 Domain Semantik und epistemische Widersprüche
3.3 Die gemeinsame Basis und der Gesprächston
4 Domain-Semantik und Anhebungsverben
5 Schluss
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die syntaktischen Ursachen für das Phänomen der epistemischen Widersprüchlichkeit. Ziel ist es zu begründen, dass diese Paradoxität darauf zurückzuführen ist, dass sich Modalverben wie Anhebungsverben verhalten, wobei zur Analyse die von Yalcin entwickelte Domain-Semantik herangezogen wird.
- Epistemische Widersprüche und ihre Paradoxität
- Verhalten von Modalverben als Anhebungsverben
- Kritik an der relationalen Semantik
- Anwendung der Domain-Semantik
- Syntaktische und semantische Analyse von Anhebungskonstruktionen
Auszug aus dem Buch
3.2 Domain Semantik und epistemische Widersprüche
Man soll zunächst versuchen, den auf Beweisen beruhenden Zustand S erneut zu definieren. Dazu sind der Kontext und deren Bestandteilen (engl. index) zu definieren. Ein Kontext ist ein Ort, an dem Sprechakte stattfinden und der aus unterschiedlichen Bestandteilen besteht, wie Sprecher, Empfänger, angegebene Objekte usw. Auf denjenigen Bestandteilen bzw. Indizen kommt es nun an, die von Operatoren der Sprache unabhängig voneinander verschoben werden können. Welche Bestandteile verschiebbar sind, hängt davon ab, über welche Operatoren eine Sprache verfügt.
Im Rahmen von relationaler Semantik wird nur ein Weltparameter vorausgesetzt, durch die die Welten verschoben werden. Ein Informationsparameter S wird nun angenommen, nach dem eine Menge von Informationen als eine Gruppe von Welten bezeichnet wird: Die Indizes sind nun ein Paar < S, W >. Statt einer Funktion von Welten zu Wahrheitswerten besteht eine Funktion von solchen Paaren der Wahrheitswerten in der Intension eines Satzes zu einem Kontext. Damit zielt man darauf ab, die Domäne der Quantifizierung für epistemische Modalitäten zu bestimmen. Deshalb nennt Yalcin diese Semantik die Domain-Semantik: ,,Rather than quantifying over a set of worlds that stand in some R relation to the world of evaluation, as in a relational semantics, epistemic modals will be treated as quantifying over a domain of worlds provided directly by the index“( Yalcin 2007: 993-994, Hevorheb. d. Verf). Die Sturktur einer epistemischen Modalität der Domain-Semantik gemäß ist folgenderweise:
[◊Φ]c,s,w ist wahr, wenn ∃w´ ϵ s: [Φ]c,s,w´ wahr ist
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in das Phänomen der epistemischen Widersprüche ein, grenzt es vom moorschen Paradox ab und legt das Ziel fest, eine syntaktische Erklärung durch das Verhalten von Modalverben als Anhebungsverben zu liefern.
2 Modalverben als Anhebugsverben: Dieses Kapitel begründet anhand von Expletivkonstruktionen, Passivverhalten und dem Fehlen von PRO, warum Modalverben syntaktisch als Anhebungsverben zu klassifizieren sind.
3 Domain-Semantik: Hier wird Yalcins Kritik an der relationalen Semantik erörtert und die Domain-Semantik als Alternative eingeführt sowie deren pragmatische Komponenten erläutert.
4 Domain-Semantik und Anhebungsverben: Das Kapitel überprüft, ob sich das Anhebungsverb 'scheinen' analog zu Modalverben verhält und ob die Domain-Semantik erfolgreich auf solche Anhebungskonstruktionen angewendet werden kann.
5 Schluss: Der abschließende Abschnitt fasst die syntaktischen Argumente für das Verhalten der Modalverben zusammen und bestätigt, dass die Domain-Semantik zur Klärung des untersuchten Phänomens beiträgt.
Schlüsselwörter
Domain-Semantik, Epistemische Widersprüche, Modalverben, Anhebungsverben, Syntax, Semantik, Yalcin, Moore-Paradox, Expletive Subjekte, Passivkonstruktionen, PRO, Informationsparameter, Sprachphilosophie, Sprachwissenschaft, Indikative Konditionen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der syntaktischen Erklärung eines semantisch-logischen Phänomens, bekannt als epistemische Widersprüche.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Themen sind die Analyse von epistemischen Modalitäten, das syntaktische Verhalten von Modalverben als Anhebungsverben und die theoretische Fundierung durch die Domain-Semantik.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es zu belegen, dass die Paradoxität epistemischer Widersprüche syntaktisch darauf zurückzuführen ist, dass sich Modalverben wie Anhebungsverben verhalten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt eine linguistische Analyse, insbesondere im Rahmen der generativen Syntax und der semantischen Theoriebildung nach Seth Yalcin (Domain-Semantik).
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Evidenz für die Klassifikation von Modalverben als Anhebungsverben, die Kritik an der relationalen Semantik und die Anwendung der Domain-Semantik auf Modalverben und Anhebungskonstruktionen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Domain-Semantik, epistemische Widersprüche, Modalverben, Anhebungsverben, Syntax und Semantik.
Wie unterscheidet der Autor zwischen relationaler Semantik und Domain-Semantik?
Die relationale Semantik quantifiziert über Welten in einer Zugänglichkeitsbeziehung, während die Domain-Semantik direkt über eine Menge von Welten quantifiziert, die durch den Kontext bzw. Index bereitgestellt werden.
Welche Rolle spielt das Anhebungsverb 'scheinen' in der Analyse?
Es dient als empirisches Testobjekt, um zu prüfen, ob sich Anhebungsverben in den untersuchten Kontexten analog zu Modalverben verhalten, was die Hypothese des Autors stützt.
Warum lassen sich Modalverben im Deutschen laut Autor nicht passivieren?
Weil sie – wie Anhebungsverben – über kein externes Argument verfügen, welches für eine Passivierung zwingend erforderlich ist.
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- Mohammad Hassan Heshmatifar (Author), 2021, Domain-Semantik und Anhebungsverben. Eine syntaktische Erklärung für epistemische Widersprüchlichkeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1151853