Umweltästhetik. Das Verhältnis von Menschen zur Natur


Forschungsarbeit, 1998

39 Seiten, Note: Exzellent


Leseprobe


Inhalt

1. Vorwort:

2. ERSTER TEIL

3. ZWEITER TEIL

4. Schlußbetrachtung:

5. Bildnachweise (Bilder sind in text-Versionen ausgelassen) und Bibliographie:

1. Vorwort:

Die circa um 1750 n. Chr. von A. G. Baumgarten geschaffene Disziplin der Ästhetik räumt dem schönen Denken einen eigenen Platz unter den Erkenntnisvermögen ein. Im Jahre 1758 n. Chr. erschien ein Werk Baumgartens, das als erstes den Titel „Aesthetica" trug (abgeleitet vom Griechischen „Aisthetike“ oder in griechischen Buchstaben „αισθητικη"). Ästhetisches Erkennen ist hier eine auf Sinnlichkeit angewiesene Erkenntnis (Lateinisch gesprochen eine „cognitio sensitiva"). Unter Sinnlichkeit der Wahrnehmung verstand man lange die mit den Sinnen wahrnehmbare Kunst. Die Ästhetik war somit eine Ästhetik der Kunst. Es galt den Sinn und die Bedeutung der Regeln der Kunst zu erklären und einleuchtend zu machen.1 Damit vergaßen die Menschen im Laufe der Zeit jedoch, daß Gott als Schöpfer der Welt auch oberster Künstler ist - die Schöpfung ist tatsächlich als Kunstwerk zu betrachten. Wenn man von Menschen als Kunstbeurteilern spricht, so muß das also richtig verstanden werden. Die Schöpfung als Ganzheit ist das Kunstwerk. In diesem Sinne läßt sich die Tendenz hin zum ökologischen Denken und zu den neuen (ökozentrischen, biozentrischen oder menschenorientierten) ökologischen und philosophischen Ansätzen bzw. hin zu einer zeitgemäßen sogenannten „Environmental Philosophy" verstehen, die das gesamte Ökosystem als den Gegenstand der philosophischen Reflexion betrachtet.

Das Verhältnis des Menschen zur Natur und darüberhinaus auch zu anderen (teilweise künstlich geschaffenen, teilweise aus menschlichen Verhältnissen und Zusammenhängen bestehenden) Umwelten muß daher neu durchdacht werden. Einen Beitrag dazu soll die in unserem Zeitalter neue Disziplin der Ästhetik der Umwelt (Engl.: „Environmental Aesthetics") liefern.2 Die Umwelten des Menschen, die ihn umgeben, müssen distanziert reflektiert werden, eben ästhetisch betrachtet werden. Das muß immer ausgehend von dem Horizont, den der Mensch sich in seiner Auseinandersetzung mit der Natur bereits erworben hat, geschehen. Nichts von dem Wissen über die Natur, das wir seit der Antike sammeln, ist dabei verloren. Und dennoch muß der Mensch reflektierend hinter seine vorgefaßten Begriffe und Naturbestimmungen zurücktreten und die Schönheit der Schöpfung Gottes betrachten, seinen eigenen Platz in dieser Schöpfung wahrnehmen und dann noch den Horizont seines rechtfertigbaren Handelns in diesem durch Reflexion gewonnenen Rahmen selbst festlegen. Ästhetische, reflektierende Betrachtung wird so zu einem Fundament der Ethik, die sich bekanntlich mit der Frage nach dem richtigen Handeln befaßt. Erst ästhetisch über den Umgang mit der Natur reflektierend kann man vom Menschen als einem vernunftbegabten Wesen, einem animal rationale, im eigentliche und gänzlich verständlichen Sinne sprechen.

2. ERSTER TEIL

Unsere Umwelt, sie ist schön!

Aus dem benediktinischen Gesang des Gottesdienstes in der Nacht.

„Herr, öffne meine Lippen, damit mein Mund Dein Lob verkünde." (Regula Benedicti, aus Abschnitt 9. In: 10, 117).

(Lateinischer Urtext, wieder abgedruckt in 10, 116:

„Domine, labia mea aperies et os meum adnuntiabit laudem tuam.")

Vetus Testamentum Schon das Alte Testament gibt der Natur und der Schöpfung in ihrer Ganzheit eine besondere Würde.

Der Genesisbericht:

Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde; die Erde aber war wüst und wirr, Finsternis lag über der Urflut und Gottes Geist schwebte über dem Wasser.

Gott sprach: Es werde Licht. Und es wurde Licht. Gott sah, dass das Licht gut war. Gott schied das Licht von der Finsternis und Gott nannte das Licht Tag und die Finsternis nannte er Nacht. Es wurde Abend und es wurde Morgen: erster Tag. Gen. 1.1-1.5.

Gen. 1.1-1.5 im Latein der Vulgata:

In principio creavit Deus caelum et terram. terra autem erat inanis et vacua, et tenebrae erant super faciem abyssi, et Spiritus Dei ferebatur super aquas. dixitque Deus, 'fiat lux', et facta est lux. et vidit Deus lucem quod esset bona: et divisit lucem a tenebris. appellavitque lucem Diem, et tenebras Noctem: factumque est vespere et mane, dies unus.3

„Respicite volatilia caeli, quoniam non serunt neque metunt neque congregant in horrea, et Pater vester caelestis pascit illa" Mt. 6.26.

Novum Testamentum Das Neue Testament ruft zu einer reflektierten und distanzierten Haltung gegenüber der Natur auf.

Seht euch die Vögel des Himmels an: Sie säen nicht, sie ernten nicht und sammeln keine Vorräte in Scheunen; euer himmlischer Vater ernährt sie. Seid ihr nicht viel mehr wert als sie? Wer von euch kann mit all seiner Sorge sein Leben auch nur um eine kleine Zeitspanne verlängern? Und was sorgt ihr euch um eure Kleidung? Lernt von den Lilien, die auf dem Feld wachsen. Sie arbeiten nicht und spinnen nicht. Doch ich sage euch: Selbst Salomo war in all seiner Pracht nicht gekleidet wie eine von ihnen. Mt. 6.26 ff (Die Bibel. Deutschsprachige Einheitsübersetzung.)

Mt. 6.26 ff im Latein der Vulgata (Novum Testamentum Latine):

Respicite volatilia caeli, quoniam non serunt neque metunt neque congregant in horrea, et Pater vester caelestis pascit illa. Nonne vos magis pluris estis illis? Quis autem vestrum cogitans potest adicere ad aetatem suam cubitum unum? Et de vestimento quid solliciti estis? Considerate lilia agri quomodo crescunt: non laborant neque nent. Dico autem vobis quoniam nec Salomon in omni gloria sua coopertus est sicut unum ex istis."

Martin Buber (1878-1965 n. Chr.), ein jüdischer Spiritualist und Bibelübersetzer, schrieb über den Menschen als einem Begegnungswesen:

˶Nur am Menschen ist „der Allheit ein Wesen entsprungen […], begabt und befugt, sie [,d.h. die Allheit,] als Welt von sich abzusetzen und sie sich zum Gegenüber zu machen.“

In: Buber, M.: Werke. München u. Heidelberg: Kösel u. Schneider, 1962-64, Bd. 1, 415.

Martin Buber sprach über Gott: „Man findet Gott nicht, wenn man in der Welt bleibt, man findet Gott nicht, wenn man aus der Welt geht. Wer mit dem ganzen Wesen zu seinem Du [, d.h.

seinem Gegenüber,] ausgeht und alles Weltwesen ihm zuträgt, findet ihn, den man nicht suchen kann.“

In: Buber, M.: Ich und Du. Heidelberg: Schneider, 1983, 95.

Der Genesisbericht (Fortsetzung):

Dann sprach Gott: Das Wasser wimmle von lebendigen Wesen und Vögel sollen über dem Land am Himmelsgewölbe dahinfliegen. Gott schuf alle Arten von großen Seetieren und anderen Lebewesen, von denen das Wasser wimmelte, und alle Arten von gefiederten Vögeln. Gott sah, dass es gut war. Gen. 1.20-21

Gen. 1.20-21 im Latein der Vulgata:

dixit etiam Deus, 'producant aquae reptile animae viventis et volatile super terram sub firmamento caeli.' creavitque Deus cete grandia, et omnem animam viventem atque motabilem, quam produxerant aquae in species suas, et omne volatile secundum genus suum. et vidit Deus quod esset bonum. In: Sidwell , K. und Jones, P.V.: Reading Latin. Grammar, vocabulary and exercises. Cambridge, UK,: Cambridge University Press, 1987 , 351.

Gen. 1.20 im Latein der Vulgata:

dixit etiam Deus, 'producant aquae reptile animae viventis et volatile super terram sub firmamento caeli.' In: Sidwell , K. und Jones, P.V.:

Reading Latin. Grammar, vocabulary and exercises. Cambridge, UK,: Cambridge University Press, 1987 , 351.

Jesus handhabt die Natur, das Kunstwerk Gottes:

Plötzlich brach auf dem See ein gewaltiger Sturm los, sodass das Boot von den Wellen überflutet wurde. Jesus aber schlief.

Da traten die Jünger zu ihm und weckten ihn; sie riefen: Herr, rette uns, wir gehen zugrunde! Er sagte zu ihnen: Warum habt ihr solche Angst, ihr Kleingläubigen? Dann stand er auf, drohte den Winden und dem See und es trat völlige Stille ein. Die Leute aber staunten und sagten: Was ist das für ein Mensch, dass ihm sogar die Winde und der See gehorchen? Mt. 8.24-27.

Mt. 8.24-27 im Latein der Vulgata (Novum Testamentum Latine):

Et ecce motus magnus factus est in mari, ita ut navicula operiretur fluctibus; ipse vero dormiebat. Et accesserunt et suscitaverunt eum dicentes: "Domine, salva nos, perimus!" Et dicit eis: "Quid timidi estis, modicae fidei?" Tunc surgens increpavit ventis et mari, et facta est tranquillitas magna.

Porro homines mirati sunt dicentes: "Qualis est hic, quia et venti et mare oboediunt ei?".

Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er Macht Kinder Gottes zu werden, allen, die an seinen Namen glauben, die nicht aus dem Blut, nicht aus dem Willen des Fleisches, nicht aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind. Joh. 1.12-

13.

Joh. 1.12-1.13 im Latein der Vulgata (Novum Testamentum Latine):

Quotquot autem acceperunt eum, dedit eis potestatem filios Dei fieri, his, qui credunt in nomine eius, qui non ex sanguinibus neque ex voluntate carnis neque ex voluntate viri, sed ex Deo nati sunt.

Der in Wien geborene Martin Buber spricht von Gott und Welt als einem ursprünglichen Gegenüber des Menschen, er spricht von der „Duwelt", die einem begegnet.

Auch der Buddhismus reflektiert die wichtige Harmonie zwischen ursprünglich belassener Natur und der Innenwelt des religiösen Menschen. Daß die Struktur der natürlichen Außenwelt der Struktur der menschlichen Innenwelt nichts Fremdes ist, ist von großer Bedeutung.

„Laß deinen Geist still werden wie einen Teich im Wald. Er soll klar werden, wie Wasser, das von den Bergen fließt.“

Buddha: In: 365 Lichtblicke für die Seele. Augsburg: Weltbild, 2011, 473.

„Der Buddhist glaubt nicht an eine unabhängig oder getrennt existierende äußere Welt, in deren dynamische Kräfte er sich hineinprojizieren könnte. Die äußere Welt und seine innere Welt sind für ihn nur zwei Seiten desselben Gewebes, in dem die Fäden aller Kräfte und aller Ereignisse, aller Formen des Bewußtseins und ihrer Objekte zu einem unauflöslichen Netz von endlosen, sich gegenseitig beeinflussenden Zusammenhängen verwoben sind."4

3. ZWEITER TEIL

Vorschläge für eine zeitgemäße

Umweltphilosophie

Ökologisch orientierte Denker des späten 20. Jahrhunderts hielten die unbedachte Instrumentalisierung der Natur und ihrer Resourcen zu den vermeintlich offensichtlichen Zwecken der Ausbeutung durch den Menschen für einen Fehler.

[...]


1 Siehe G.W.F. Hegels (1770-1831 n. Chr.) Beschreibung des Aufgabenfeldes der Ästhetik als Kunstästhetik in seinen Vorlesungen zur Ästhetik.

2 Zu den wenigen Gründungsvätern dieser neuen Disziplin zählen Prof. Arnold Berleant und Prof. Allen Carlson.

3 In: Sidwell , K. und Jones, P.V.: Reading Latin. Grammar, vocabulary and exercises. Cambridge, UK.: Cambridge University Press, 1987, 351.

4 In: Govinda, Lama A.: Foundations of Tibetan Mysticism. London: Rider, 1983, 93. Dt. Übers. zitiert in Capra, Fritjof: Das Tao der Physik. Die Konvergenz von westlicher Wissenschaft und östlicher Philosophie. München: Knaur, 1983, 143.

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Details

Titel
Umweltästhetik. Das Verhältnis von Menschen zur Natur
Veranstaltung
Environmental Aesthetics
Note
Exzellent
Autor
Jahr
1998
Seiten
39
Katalognummer
V1152376
ISBN (eBook)
9783346556899
ISBN (Buch)
9783346556905
Sprache
Deutsch
Schlagworte
umweltästhetik, verhältnis, menschen, natur
Arbeit zitieren
Aaron Fellbaum (Autor:in), 1998, Umweltästhetik. Das Verhältnis von Menschen zur Natur, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1152376

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