Sind David Lewis´ mögliche Welten physikalisch haltbar?


Hausarbeit, 2021

11 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Lewis' mogliche Welten

3. Paralleluniversen in der Physik
3.1 Level 1
3.2 Level 2
3.3. Level 3
3.4 Level 4

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

1 Einleitunq

David Lewis stellt in seinem Werk „0n the Plurality of Worlds" seine Theorie des modalen Realismus und der moglichen Welten dar. Er bewirbt diese Theorie als besonders wirtschaftlich und vorteilhaft fur Philosophie und Wissenschaft. Interessant ist hierbei, wie Lewis diese Welten beschreibt: als real existierend und raumzeitlich unabhangig voneinander. Aber ist diese Theorie physikalisch haltbar? Kann man mithilfe der Physik Lewis' These stutzen? Gibt es Multiversen-Theorien, die seine Thesen als wahr ausmachen konnten? Oder ist Lewis' Weltenlehre reine Fiktion? Zur Klarung dieser Fragen werde ich zunachst die moglichen Welten, die Lewis aufzeigt, und ihre Struktur darlegen. Im Anschluss daran werde ich, orientiert an der Hierarchie der Multiversen-Theorien nach Max Tegmark, die physikalischen Multiversen-Theorien der Level eins bis vier jeweils beschreiben und diskutieren, ob diese mit Lewis' Theorie vereinbar sind. Abschlieftend wird mein Fazit sein, dass Lewis' Theorie zwar teilweise von den Multiversen-Theorien gestutzt wird (von manchen mehr als von anderen), aber keine sie komplett unterstutzt. Da es Aspekte gibt, die von der Physik untermauert werden, kann Lewis' Theorie allerdings auch nicht als reine Fiktion abgestempelt werden.

2 Lewis' moqliche Welten

„This book defends modal realism: the thesis that the world we are part of is but one of a plurality of worlds, and that we who inhabit this world are only a few out of all the inhabits of all the worlds."1

So leitet Lewis sein Werk ,,On the Plurality of Worlds" ein, in dem er seine These des modalen Realismus gegen Kritik verteidigt. Der modale Realismus soil im modalen Diskurs als Wahrmacher dienen und stellt somit eine semantische Interpretation der modalen Logik dar. Ein zentraler Punkt seiner Theorie ist die Existenz moglicher Welten. Alles, was nur irgend moglich ist, ist in einer Welt wahr. Denn nach dem modalen Realismus gibt ,,[...]es fur jede Weise, wie ein Universum [odereine Welt] sein konnte, ein Universum [...], das genau so ist."2 Diese Welten sieht er als raumzeitlich maximale mereologische Summen, die miteinander keine raumzeitlichen Oder kausalen Beziehungen haben.3 Er nimmt an, dass alle moglichen Welten tatsachlich existieren. "Lewis zufolge versteht man sie am besten als konkrete, raumzeitlich isolierte Universen."4 Daher ist die Aktualitat der Welt indexikalisch und zeigt an, in welcher Welt wir uns befinden. Fur uns ist unsere Welt aktual. Alle anderen Welten sind nicht aktual, aber sie existieren. Die Grunde, an seine Theorien zu glauben sind, dass mogliche Welten unseren alltaglichen Meinungen zu Alternativen und Weisen, wie es hatte anders sein konnen zutraglich sind, und dass sie nutzliche Arbeit in den systematischen Theorien verrichten.5 Es ist also einfach wirtschaftlich und vorteilhaft an diese Theorie zu glauben. Das ist fur Lewis Grund genug.

Um seine modale-Realismus-Ontologie in eine mogliche-Welten-Semantik umzusetzen, stellt er die Counterpart-Theorie auf. Hiernach hat jedes Individuum Counterparts auf anderen Welten, die ihm hinreichend ahneln. Es besteht eine Ahnlichkeitsbeziehung. Wenn es also heiftt, ,,H. hatte die Wahl gewinnen konnen", dann gibt es eine Welt, in der H.s Counterpart, der ihm in relevanter Sicht hinreichend ahnlich ist, die Wahl gewinnt. Wichtig hierbei ist allerdings, dass H.s Counterpart nicht H. selbst ist. Wir sind die mereologische Summe all unserer zeitlichen Vorganger und Nachfolger, aber nicht die unserer Counterparts.6 Wir existieren nur in einer Welt und konnen nicht mit den anderen Welten interagieren.

3 Paralleluniversen in der Physik

In der Physik wird schon seit einiger Zeit von Multiversen-Theorien ausgegangen. Dabei gibt es neben dem Universum, in dem wir leben, noch viele weitere Universen verschiedener Arten. Man kann sich vier Weisen vorstellen, wie diese Universen parallel existieren konnen:

,,(i) The various subuniverses may be simply differentregions ofspace. (...)
(ii) The subuniverses may be different eras oftime in a single Big Bang. (...)
(iii) The subuniverses may be differentregions ofspacetime. (...)
(iv) The subuniverses could be different parts of quantum mechanical Hilbert space.

Diese Arten schlieften sich nicht gegenseitig aus. Nach Lewis wurden die Universen Oder Welten nach Weise drei koexistieren - in verschiedenen Raum- Zeiten. Max Tegmark stellt eine Hierarchie der Arten von Multiversen-Theorien auf, die in vielen Punkten mit Lewis' Sichtweise korreliert, aber ihr in vielen Hinsichten auch wiederspricht. Tegmark beschreibt vier Level der Multiversen- Theorien.

3.1 Level 1

In der Multiversen-Theorie des ersten Levels werden zunachst die Pramissen aufgestellt, dass der Raum unendlich und dass die Verteilung von Materie im groften Maftstab hinreichend uniform ist. Wegen dieser Unendlichkeit muss jedes noch so unwahrscheinliche Ereignis irgendwo stattgefunden haben. Es gibt unendlich viele Regionen wie unser beobachtbares Universum im Raum. Jede Art, wie die Geschichte hatte spielen konnen, ist irgendwo dort passiert. Selbst Wiederholungen sind in der Unendlichkeit unvermeidlich. Es gibt also auch Universen, die unserem auf das Atom gleichen.7 8

Somitwird Lewis'Annahme, dass alles, was passieren kann, auch in irgendeiner Welt passiert, mit dieser Theorie gestutzt. Es gibt allerdings einen entscheidenden Punkt, der nicht mit Lewis' Theorie ubereinstimmt. Die Universen sind namlich alle Teil desselben Raums und haben nicht alle ihre eigene Raumzeit. Sie sind also alle aktual. Aufterdem unterliegen die Welten daher denselben Naturgesetzen Oder Gesetzen der Physik.9 Da nach Lewis aber alles, was irgend moglich ist, auch in irgendeiner Welt vertreten ist, gibt es auch Welten mit anderen physischen Konstanten und Naturgesetzen.10 Nach der Multiversum-Theorie passiert zwar alles, was auf dieser Welt passieren konnte, irgendwo, aberes passiert nicht alles, was moglich ist in anderen Universen. Das Multiversum der Level 1 Theorie ware nach Lewis also immer noch eine Welt.

3.2 Level 2

Die Level-zwei-Multiversen-Theorie baut auf der Level-eins-Theorie auf. Hiernach existieren bestimmte Ansammlungen an Level-eins-Universen in bestimmten „Bubbles“.11 Jede Bubble ist hierbei ein Level-eins-Multiversum, das bestimmte Naturgesetze etc. besitzt. Die unterschiedlichen Bubbles konnen allerdings unterschiedliche Dimensionality und physische Konstanten haben. Diese Theorie ware hiermit insofern naher an Lewis' Standpunkt, dass die Bubbles eben verschiedene physische Konstanten haben konnen und somit vielleicht als unterschiedliche Welten anerkannt werden konnten. Allerdings sind die Bubbles zwar wegen der rapiden Inflation des Raumes zwischen ihnen nie zu erreichen (auch wenn man fur immer in Lichtgeschwindigkeit reisen wurde)12, abersie existieren in dem gleichen Raum und nach Lewis ist alles, was innerhalb des gleichen Raumes existiert - egal wie weit voneinander entfernt - immer noch eine Welt.13 Seine Annahme, dass alles was passieren konnte auch irgendwo passiert, wird hier also sogar noch weiter gestutzt als in der Level-eins-Theorie, denn es passiert nicht nur alles, was auf dieser Welt hatte passieren konnen, sondern auch alles, was unter anderen physischen Konstanten und Naturgesetzen passieren kann. Die Bubbles waren aber trotzdem streng genommen nach Lewis' Theorie alle Teil der gleichen Welt; auch hier waren sie alle aktual.

[...]


1 Lewis 1986, S.vii.

2 Schwarz 2009, S.41, Vgl. Lewis 1986, S.2.

3 Vgl. Schwarz 2009, S.44.

4 A.a.O.,S.41.

5 Vgl. A.a.O., S.42.

6 Vgl. A.a.O., S.56.

7 Weinberg 2007,S.37f.

8 Vgl.Tegmark2007,S.102.

9 Vgl. A.a.O., S.104.

10 Vgl. Lewis 1986, S.l.

11 Vgl.Tegmark 2007,S.105.

12 Vgl. Ebd.

13 Vgl. Lewis 1986, S.l.

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Sind David Lewis´ mögliche Welten physikalisch haltbar?
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg  (Philosophisches Seminar)
Veranstaltung
David Lewis´ modaler Realismus
Note
2,0
Autor
Jahr
2021
Seiten
11
Katalognummer
V1152644
ISBN (eBook)
9783346548467
Sprache
Deutsch
Schlagworte
David Lewis, Lewis, Welten, mögliche Welten, Paralleluniversen, physikalisch, Universen
Arbeit zitieren
Nora Weirich (Autor:in), 2021, Sind David Lewis´ mögliche Welten physikalisch haltbar?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1152644

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