Das politische System Weißrusslands wählte ich deswegen als Forschungsthema, da ich
während meiner gesamten Studienzeit an dem Zusammenbruch des kommunistischen
Systems der Sowjetunion interessiert war. Für mich war und ist es noch immer spannend,
dass es möglich war, ein doch bis 1985 stabiles System relativ einfach und vor allem
friedlich zu beenden. Es gab verschiedene Ereignisse, die miteinander dazu führten, dass
der Kommunismus zurückgedrängt wurde.
Und doch konnte sich in den meisten ehemaligen Sowjetrepubliken die Demokratie nicht
durchsetzen, während in den ehemaligen Satellitenstaaten der Sowjetunion durchwegs
demokratische Systeme installiert werden konnten.
Darum ist es für mich eine besondere Herausforderung gewesen, das politische System
Weißrusslands zu untersuchen, da das Land unmittelbar an demokratische Staaten grenzt,
und doch einen so unterschiedlichen Weg ging.
Ich möchte das Vorwort auch dazu nutzen, den Menschen zu danken, die mich in meinem
Studium und gerade bei dieser Diplomarbeit tatkräftig unterstützten. Dabei sind meine
Eltern hervorzuheben, die mir während der gesamten Studienzeit halfen, sodass ich
schlussendlich alle Prüfungen absolvieren und die Diplomarbeit fertigstellen konnte.
Weiters gebührt großer Dank meiner Freundin, die mir die letzten Jahre beistand und
immer an mich glaubte. Und zuletzt möchte ich mich noch bei meinem
Diplomarbeitsbetreuer Univ.-Doz. Dr. Thomas Nowotny bedanken, der sich sehr viel
Mühe gab, damit die vorliegende Arbeit in dieser Form entstehen konnte.
[...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Begriffserklärung
1.2 Methode und Gliederung
2. Die Fakten
2.1 Geschichte und Kultur Weißrusslands
2.1.1 Kultur
2.2 Die fehlgeschlagene Transition
2.2.1 Zwischen Unabhängigkeit und Lukaschenko
2.2.2 Die Präsidentschaftswahl
2.3. Innenpolitik
2.3.1 Die ersten politischen Umwälzungen
2.3.2 Das Referendum und die Parlamentswahl 1995
2.3.3 1995 bis 1996
2.3.4 Das Referendum 1996 und seine Konsequenzen
2.4 Wirtschaft
2.5 Außenpolitik
2.5.1 Russland
2.5.2 Polen
2.6 Parteien
2.7 Kirche
2.8 Vergleich mit anderen Sowjetrepubliken
3. Die Interpretation
3.1 Alexander Lukaschenko
3.2 Die Suche nach den Gründen
3.2.1 Die fehlgeschlagene Transition
3.2.2 Die Wahl von Alexander Lukaschenko
3.2.3 Wie er seine Macht ausbaute
3.3 Die Verfolgung der Opposition
3.4 Personen
3.4.1 Watscheslaw Kebitsch
3.4.2 Stanislaus Schuschkewitsch
4. Zusammenfassung und Ausblick
4.1 Zusammenfassung
4.1.1 Transitionsphase
4.1.2 Die Wahl Lukaschenkos
4.1.3 Der Ausbau der Macht
4.2 Die Entwicklung Weißrusslands seit 1997
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das politische System Weißrusslands nach dem Zerfall der Sowjetunion und analysiert die Ursachen für das Scheitern der demokratischen Transition sowie den schrittweisen Aufbau eines autoritären Herrschaftssystems unter Staatspräsident Alexander Lukaschenko.
- Historische Identitätslosigkeit und Fremdherrschaft als Hindernis für Demokratie.
- Die Rolle der Person Alexander Lukaschenko und sein systematischer Machtausbau.
- Politische Instabilität und Konflikte zwischen Parlament und Präsident in den 1990er Jahren.
- Wirtschaftliche Stagnation und die Abhängigkeit von Russland.
- Einschränkung von Medienfreiheit, Parteien und Opposition zur Festigung der Diktatur.
Auszug aus dem Buch
3.2.2 Die Wahl von Alexander Lukaschenko
Hiermit komme ich jetzt zur Wahl Lukaschenkos 1994, die man sicherlich als frei und nicht manipuliert bezeichnen kann, die dem Willen der Bevölkerung entspricht und die den Weg Weißrusslands wie kaum ein anderes Ereignis in der jüngeren Geschichte dieses Landes beeinflusste.
Der Hauptgrund für den in Weißrussland herrschenden Totalitarismus liegt in der Person Alexander Lukaschenko, der die Strukturen dafür herstellte und sich einen Präsidialapparat aufbaute, der das Land als einzige Institution führt.
Seine Wahl im Jahr 1994 war zum damaligen Zeitpunkt eine große Überraschung, gerade im westlichen Ausland. Im Vorfeld war Kebitsch der Favorit auf das Amt des ersten frei gewählten Staatspräsidenten, da er nicht nur über die Infrastruktur durch die Partei verfügte, sondern auch die Skepsis der Bevölkerung gegenüber der Unabhängigkeit des Landes und möglicher Reformen teilte. Für das weißrussische Volk war die Zeit zwischen 1991 und 1994 schwierig, weil durch die Eigenständigkeit die wirtschaftliche Situation angespannt war und man die dadurch die Vorteile nicht bemerken konnte.
Aber auch Lukaschenko hatte ein Programm, das die Wähler ansprach. Er propagierte seine Enthaltung bei der Abstimmung zur Auflösung der Sowjetunion und zeigte somit seine prokommunistische Haltung. Als Vorsitzender des Anti-Korruptions-Ausschusses stand er für eine „saubere“ Politik (zumindest vor der Wahl) und hatte eine Position inne, die für die Bevölkerung vertrauenserweckend war. So konnte er auch für die wirtschaftlichen Missstände die regierenden Politiker verantwortlich machen, und damit Kebitsch entscheidend schwächen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung skizziert die post-sowjetische Transformationsphase in Osteuropa und führt in die spezifische Problematik Weißrusslands ein, das unter Alexander Lukaschenko einen autoritären Weg einschlug.
2. Die Fakten: Dieses Kapitel liefert einen Überblick über die historische Entwicklung, die Transitionsphase nach 1991, die politische Landschaft sowie die sozioökonomischen Rahmenbedingungen des Landes bis zum Jahr 1997.
3. Die Interpretation: Hier wird der Prozess der Machtergreifung und -ausbau durch Lukaschenko analysiert, wobei insbesondere sein politischer Werdegang und die strategische Unterdrückung staatlicher Institutionen untersucht werden.
4. Zusammenfassung und Ausblick: Das abschließende Kapitel fasst die wesentlichen Erkenntnisse über den Übergang zum autoritären Regime zusammen und beleuchtet die politische Entwicklung Weißrusslands in den Jahren nach 1997.
Schlüsselwörter
Weißrussland, Alexander Lukaschenko, Diktatur, Transition, Sowjetunion, Parlament, Transformation, Autoritarismus, Korruptionsbekämpfung, Wahlen, Referendum, Russland, Unabhängigkeit, Machtausbau, Opposition.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die politische Entwicklung Weißrusslands nach der Auflösung der Sowjetunion mit besonderem Fokus auf den Machtaufstieg von Alexander Lukaschenko und die Etablierung eines autoritären Systems.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind die historische Prägung des Landes, die schwierige Transitionsphase zwischen 1991 und 1994, die Rolle der Institutionen und der Einfluss der russisch-weißrussischen Beziehungen auf die interne Politik.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Hauptziel ist es zu erklären, warum Weißrussland im Gegensatz zu anderen europäischen Nachfolgestaaten der Sowjetunion den Weg in die Demokratie verfehlte und stattdessen eine autokratische Regierungsform entwickelte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert primär auf der Recherche und Auswertung von Sekundärliteratur zu den Transformationsprozessen in postkommunistischen Ländern, kombiniert mit einer historischen und systemanalytischen Betrachtung des weißrussischen Falls.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine faktenbasierte Darstellung der Ereignisse bis 1997 (einschließlich Wirtschaft, Außenpolitik und Parteien) und einen interpretativen Teil, der die Gründe für den Erfolg Lukaschenkos bei der Präsidentschaftswahl 1994 und den späteren Machtausbau erörtert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Typische Schlüsselbegriffe sind Weißrussland, Lukaschenko, Autoritarismus, Transformation, Korruptions-Ausschuss, Machtapparat und die fehlende nationale Identität nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion.
Warum konnte sich in Weißrussland keine stabile Demokratie entwickeln?
Laut der Analyse führten die fehlende Erfahrung mit Eigenständigkeit, die Angst vor wirtschaftlicher Unsicherheit und das Fehlen einer starken demokratischen Alternative dazu, dass die Bevölkerung einer charismatischen Führungspersönlichkeit den Vorzug gab, die Stabilität und Annäherung an Russland versprach.
Wie gelang es Lukaschenko, das Parlament auszuschalten?
Lukaschenko nutzte seine hohe demokratische Legitimation nach der Wahl 1994, um durch Referenden (insbesondere 1995 und 1996) sukzessive die Verfassung zu ändern, das Parlament zu schwächen und schließlich die Kontrolle über alle Machtinstrumente wie Medien, Justiz und das Militär zu erlangen.
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- Mag Manuel Farthofer (Author), 2007, Weißrussland - Alexander Lukaschenkos Weg zur Macht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/115273