Zum Abschluss des Semesters bietet es sich an, das Seminar Interkulturelle Bibellektüre rückblickend in Form einer Hausarbeit zu reflektieren und zu analysieren. Der Erkenntnisgewinn des Seminars, soll in einen größeren Zusammenhang gebracht werden und in dieser Arbeit zum Ausdruck kommen.
Anhand der Seminarsitzung vom 4. Juni 2008, werden in dieser Hausarbeit Beobachtungen, Hypothesen und Analysen festgehalten.
Außerdem soll die Hypothese, dass interkulturelle Bibelgespräche Transformationen von Identität bewirken, näher diskutiert werden.
Während des Semesters hatten studentische Teilnehmer der Universität Hamburg die Gelegenheit viel über westafrikanische (hauptsächlich ghanaische) Bibelexegese zu lernen. Im Rahmen des Theologie Seminars Interkulturelle Bibellektüre von Dr. Kahl, wurde vierzehntägig die „Biblestudy“ der Central Faith Ministry e.V. besucht. Die Central Faith Ministry e.V., ist eine afrikanische charismatische Pfingstgemeinde in Stellingen, Hamburg, die hauptsächlich aus ghanaischen Mitgliedern besteht.
Der interkulturelle Dialog bot den deutschen Studenten die Chance, sich mit der ghanaischen Kultur und dem Glauben der Ghanaer auseinander zu setzen. Umgekehrt, hatten auch die Afrikaner die Möglichkeit, die deutsche Kultur und Bibelexegese näher kennen zu lernen. Für beide Kulturen war es eine sehr interessante und spannende Begegnung, die beidseitig eine Erweiterung der Horizonte ermöglichte.
Am Anfang des Semesters, wurden bereits die Bibelstellen von den Studenten ausgewählt, die in den einzelnen Biblestudies gelesen und interpretiert werden sollten. Die Biblestudy verlief prinzipiell immer nach dem gleichen Muster (siehe S.4 Biblestudy- Beschreibung).
Es entwickelten sich vorwiegend sehr aufschlussreiche und lebhafte Diskussionen, in denen das kulturell typische Verhalten der Deutschen, sowie der Ghanaer widergespiegelt wurde.
Inhaltsverzeichnis
I. EINLEITUNG
I.I Motivation der Hausarbeit
I.II Beschreibung des Seminars
II. KULTUR
II.I Kulturelle Exegese
III. BIBLESTUDY- BESCHREIBUNG
III.I Nachzeichnung des Bibelgesprächs
IV. ANALYSE DER BIBLESTUDY
V. ANALYSE DES SEMINARS „INTERKULTURELLE BIBELLEKTÜRE“
VI. RÜCKBEZUG AUF DIE HYPOTHESE: „INTERKULTURELLE BIBELGESPRÄCHE, ALS CHANCE AUF TRANSFORMATION VON IDENTITÄT“
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit reflektiert die im Rahmen des Seminars „Interkulturelle Bibellektüre“ durchgeführten Bibelgespräche zwischen westafrikanischen Pfingstgemeindemitgliedern und deutschen Studierenden. Ziel ist es, durch die Analyse dieser interkulturellen Begegnungen die Hypothese zu untersuchen, ob solche Dialoge eine Transformation der Identität bewirken können.
- Reflexion des interkulturellen Dialogs zwischen ghanaischen Christen und deutschen Studierenden.
- Untersuchung des Begriffs „Kultur“ und dessen Einfluss auf die Bibelexegese.
- Analyse der spezifischen Lektürestrategien und des Weltbildes der afrikanischen Teilnehmer.
- Gegenüberstellung rationalistisch geprägter Perspektiven und der erfahrungsbasierten Glaubenspraxis.
- Diskussion über den Zusammenhang von Identitätstransformation und interkulturellem Austausch.
Auszug aus dem Buch
III.I Nachzeichnung des Bibelgesprächs
Die im Folgenden nachgezeichnete Biblestudy vom 4.06.2008, bezieht sich auf die Perikope Matthäus 4.1-11, „Jesu Versuchung“. Es war der Wunsch der Studenten, diese Bibelstelle mit der afrikanischen Gemeinde zu lesen und auszulegen. Als liturgischer Einstieg dient das Lied „Praising the Lord“. Anschließend wird die Perikope gegen den Uhrzeigersinn, auf Englisch und Deutsch, laut vorgelesen.
1 Da wurde Jesus vom Geist in die Wüste geführt, damit er von dem Teufel versucht würde. 2 Und da er vierzig Tage und vierzig Nächte gefastet hatte, hungerte ihn. 3 Und der Versucher trat zu ihm und sprach: Bist du Gottes Sohn, so sprich, dass diese Steine Brot werden. 4 Er aber antwortete und sprach: Es steht geschrieben (5.Mose 8,3): »Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeden Wort, das aus dem Mund Gottes geht.« 5 Da führte ihn der Teufel mit sich in die heilige Stadt und stellte ihn auf die Zinne des Tempels 6 und sprach zu ihm: Bist du Gottes Sohn, so wirf dich hinab; denn es steht geschrieben (Psalm 91,11-12): »Er wird seinen Engeln deinetwegen Befehl geben; und sie werden dich auf den Händen tragen, damit du deinen Fuß nicht an einen Stein stößt.« 7 Da sprach Jesus zu ihm: Wiederum steht auch geschrieben (5.Mose 6,16): »Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht versuchen.« 8 Darauf führte ihn der Teufel mit sich auf einen sehr hohen Berg und zeigte ihm alle Reiche der Welt und ihre Herrlichkeit 9 und sprach zu ihm: Das alles will ich dir geben, wenn du niederfällst und mich anbetest. 10 Da sprach Jesus zu ihm: Weg mit dir, Satan! Denn es steht geschrieben (5.Mose 6,13): »Du sollst anbeten den Herrn, deinen Gott, und ihm allein dienen. « 11 Da verließ ihn der Teufel. Und siehe, da traten Engel zu ihm und dienten ihm.
Zusammenfassung der Kapitel
I. EINLEITUNG: Die Autorin legt die Motivation zur Reflexion des Seminars dar und formuliert die Hypothese, dass interkulturelle Bibelgespräche Identitätstransformationen bewirken.
II. KULTUR: Dieses Kapitel erörtert die Komplexität des Kulturbegriffs und dessen wechselseitige Beziehung zur Bibelexegese und zum Glauben.
III. BIBLESTUDY- BESCHREIBUNG: Hier wird der methodische Ablauf des „Bible-Sharing“ innerhalb der Central Faith Ministry e.V. detailliert beschrieben und die gewählte Bibelstelle dokumentiert.
IV. ANALYSE DER BIBLESTUDY: Die Analyse fokussiert auf die unterschiedlichen Lektürestrategien, wobei die emotional-erfahrungsorientierte Herangehensweise der afrikanischen Teilnehmer der distanzierten, wissenschaftlichen Perspektive der Studierenden gegenübergestellt wird.
V. ANALYSE DES SEMINARS „INTERKULTURELLE BIBELLEKTÜRE“: Dieses Kapitel reflektiert den praxisbezogenen Charakter des Seminars und den Erkenntnisgewinn durch den interkulturellen Austausch.
VI. RÜCKBEZUG AUF DIE HYPOTHESE: „INTERKULTURELLE BIBELGESPRÄCHE, ALS CHANCE AUF TRANSFORMATION VON IDENTITÄT“: Die Autorin bestätigt ihre Hypothese, da der Dialog und die Konfrontation mit fremden Weltbildern die Selbstwahrnehmung und Identität der Teilnehmenden nachhaltig veränderten.
Schlüsselwörter
Interkulturelle Bibellektüre, Bibelexegese, Identitätstransformation, Pfingstgemeinde, ghanaische Kultur, Weltbild, interkultureller Dialog, Glaubenspraxis, Hermeneutik, Transformation, Kultur, Bibelgespräch, Matthäus 4, Versuchung Jesu, Globalisierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert ein interkulturelles Bibelgespräch zwischen ghanaischen Gemeindemitgliedern und Studierenden der Universität Hamburg.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind der Kulturbegriff, interkulturelle Hermeneutik, der Einfluss von Lebensrealitäten auf die Exegese und die Frage der Identitätsveränderung durch interkulturelle Begegnungen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die Überprüfung der Hypothese, dass interkulturelle Bibelgespräche eine Chance zur Transformation von Identität bieten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt teilnehmende Beobachtung, Transkriptionsanalyse und einen hermeneutischen Ansatz, um den Diskurs innerhalb der Biblestudies zu untersuchen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil beinhaltet die Beschreibung des Settings, die detaillierte Nachzeichnung des Bibelgesprächs (Jesu Versuchung) und eine fundierte Analyse der unterschiedlichen Lektürestile.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Interkulturelle Bibellektüre, Identitätstransformation, Bibelexegese und interkultureller Dialog.
Warum spielt die kulturelle Prägung bei der Auslegung der Bibel eine so große Rolle?
Die Arbeit zeigt auf, dass kulturelle Erfahrungen, wie Armut oder materieller Wohlstand, maßgeblich beeinflussen, welche Bedeutung ein biblischer Text für die Gläubigen hat.
Welcher Unterschied wurde zwischen den afrikanischen Teilnehmern und den Studierenden festgestellt?
Während die afrikanischen Teilnehmer den Glauben oft als unmittelbare Hilfe und Problemlösung im Alltag erfuhren, argumentierten die Studierenden eher distanziert, rational und theologisch-wissenschaftlich.
- Quote paper
- Janina Meinen (Author), 2008, Analyse eines interkulturellen Bibelgesprächs, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/115274